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Milliardenkosten durch Endokrine Disruptoren

07.12.2015

Endokrine Disruptoren werden mit zahlreichen gesundheitlichen Effekten in Verbindung gebracht und von der EU entsprechend kritisch begutachtet und gesetzlich reguliert. Welche Konsequenzen die Chemikalien in finanzieller Hinsicht haben, wurde nun von einem internationalen Forscherteam für Europa untersucht. Die sechste internationale Konferenz zu „Endokrinen Disruptoren“ der Akademie Fresenius am 10 und 11. November 2015 in Köln stellte die Ergebnisse vor.

Leonardo Trasande (NYU School of Medicine, USA) zeigte in seiner Präsentation auf, dass die gesundheitlichen Auswirkungen Endokriner Disruptoren die EU jährlich 157 Milliarden Euro kosten – wenn man von den möglichen Wirkungen von weniger als fünf Prozent der ED ausgeht. Bezieht man noch weitere Endokrine Disruptoren bzw. weitere Gesundheitsfolgen als die bislang untersuchten ein, könnte diese Summe nach Hochrechnungen von Trasande sogar auf 270 Milliarden anwachsen. Immer mehr Hinweise werden gefunden, dass ED im Laufe eines Lebens zu verschiedenen Krankheiten und Behinderungen beitragen können – dazu gehören Geburtsdefekte, neurologische Entwicklungsstörungen und bestimmte Formen von Krebs genauso wie Unfruchtbarkeit, Adipositas und Diabetes. Die errechneten Kosten von Trasande und seinem Team basieren auf vier Kategorien von Gesundheitseffekten, die insgesamt 13 verschiedene chronische Krankheiten abbilden. Das Auftreten dieser Krankheiten im Zusammenhang mit Endokrinen Disruptoren gilt aufgrund vorhandener wissenschaftlicher Beweise als sehr wahrscheinlich. Zu den untersuchten Kategorien gehören: männliche Reproduktionsstörungen, vorzeitiger Tod, Adipositas und Diabetes sowie neurologische Auswirkungen (inkl. ADHS). Aufgrund der Tatsache, dass für viele gesundheitliche Folgen, die ebenfalls mit Endokrinen Disruptoren assoziiert werden, derzeit noch nicht genügend Daten vorliegen, wurden eine Reihe weiterer möglicher Krankheitsbilder (u.a. Brust- und Prostatakrebs, Parkinson, Osteoporose, Endometriose) bewusst bei der Berechnung ausgespart. Auf diese werde man sich jedoch bei zukünftigen Untersuchungen konzentrieren, betonte Trasande in Köln.

Neurologische Probleme und Pestizide verursachen die höchsten Kosten

Für die untersuchten Kategorien ergeben sich folgende Zahlen: Laut Trasande sind die Kosten neurologischer Auswirkungen mit 132 Milliarden jährlich der höchste Posten der aktuellen Berechnung. Danach folgen Adipositas und Diabetes mit 15 Milliarden, sechs Milliarden aufgrund vorzeitigen Todes und vier Milliarden im Bereich der Reproduktionsstörungen. Jedoch: Die Berechnung bezieht tatsächlich nicht alle Kosten ein, die letztendlich mit den untersuchten Krankheitsbildern in Verbindung stehen – die errechneten 157 Milliarden sind somit in Wirklichkeit nur eine Minimalschätzung. Differenziert man die Ergebnisse von Trasande’s Berechnung anstatt nach Gesundheitseffekten nach ED-Typus, führen die Pestizide die Berechnungen mit 120 Milliarden jährlich an. Es folgen Plastikmaterialien (Phthalate und BPA) mit 26 Milliarden, Flammschutzmittel mit neun Milliarden sowie die Gruppe der „anderen ED“ mit zwei Milliarden. Die Exposition gegenüber den am häufigsten gebrauchten und potenziell gefährlichen ED zu verringern, verspreche somit einen substanziellen ökonomischen Nutzen, unterstrich Trasande.

Mindestens ähnlich hohe Kosten für die USA zu erwarten

Die Erkenntnisse für Europa ließen den Schluss zu, dass ähnliche Kosten auch in den USA zu erwarten seien, fuhr der Experte fort. Aktuelle Daten der CDC (Centers for Disease Control and Prevention/USA) würden nahelegen, dass die Exposition gegenüber Endokrinen Disruptoren in den Vereinigten Staaten in vielen Fällen ähnlich hoch wie in Europa, wenn nicht sogar höher sei, so Trasande. Aus diesem Grund sei es von großer Wichtigkeit, eine entsprechende Kostenrechnung auch für die USA durchzuführen. Man müsse dabei jedoch davon ausgehen, dass die Kosten für bromierte Flammschutzmittel in den Vereinigten Staaten höher ausfielen, da deren Gebrauch in Europa strenger begrenzt sei. Anders dagegen die Situation bei Phthalaten: Deren Verwendung ist in den USA zwischen 2001 und 2010 um 17 bis 37 Prozent gesunken. Entsprechend sei anzunehmen, dass die Kosten aufgrund von Krankheiten, die diesem ED-Typus zugerechnet werden, im selben Zeitraum ebenso gesunken seien, erklärte Trasande. Abschließend wies der Experte darauf hin, dass die aktuellen Kostenberechnungen als Unterstützung einer sorgsamen ED-Regulierung und somit als Teil des weltweiten strategischen Chemikalienmanagements zu sehen seien.

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