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Atopisches Ekzem



Klassifikation nach ICD-10
L 20 Atopisches [endogenes] Ekzem
ICD-10 online (WHO-Version 2006)

Das atopische Ekzem ist eine Hautkrankheit, deren Hauptsymptome rote, schuppende, manchmal auch nässende Ekzeme auf der Haut und ein oft quälender Juckreiz sind. Weitere geläufige Bezeichnungen sind Neurodermitis, atopische Dermatitis und endogenes Ekzem.

Die Neurodermitis gilt als nicht heilbar, ist aber behandelbar. Es kommen eine Vielzahl unterschiedlicher Therapien zum Einsatz, deren Wirksamkeit sich im jeweiligen Einzelfall erweisen muss.

Der Begriff Neurodermitis stammt aus dem 19. Jahrhundert. Damals ging man davon aus, dass die Ursache der Hauterkrankung eine Nervenentzündung ist. Später wurde diese Ansicht widerlegt, der Begriff ist jedoch geblieben. Heute wird aber eher von der atopischen Dermatitis beziehungsweise vom atopischen Ekzem gesprochen. Der Name atopisches Ekzem macht deutlich, dass die Neurodermitis nur schwer einzugrenzen ist. Übersetzt bedeutet der Begriff lediglich „ohne klar ersichtlichen Grund krankhaft veränderte Haut nicht nur an typischen Stellen“. Entsprechend vielfältig sind die Erklärungsversuche der Wissenschaftler und Ärzte und auch das Erscheinungsbild der Erkrankung.  

Weiteres empfehlenswertes Fachwissen

Inhaltsverzeichnis

Epidemiologie

Sie tritt oft das erste Mal bei Kleinkindern auf, aber auch Jugendliche und Erwachsene können noch an Neurodermitis erkranken ohne zuvor unter Ekzemen gelitten zu haben. Bei Säuglingen kann das Auftreten von Milchschorf ein frühes Symptom einer Neurodermitis sein. Jedoch erkranken nicht alle Kinder mit Milchschorf später an Neurodermitis.

Nach unterschiedlichen Angaben ist die Bereitschaft, eine atopische Dermatitis zu entwickeln, bei 5-20 % der Kinder und 1-3 % der Erwachsenen vorhanden. Bei 60 % der Patienten tritt die Erkrankung im ersten Lebensjahr auf. Bei den meisten betroffenen Kindern vermindern sich die Symptome mit dem Älterwerden und verschwinden mit Beginn der Pubertät. Von den ursprünglich Betroffenen sind im Erwachsenenalter etwa 70 % beschwerdefrei. Die Neurodermitis wird immer häufiger beobachtet. Ob es sich dabei jedoch tatsächlich um eine Zunahme des Auftretens der Krankheit handelt oder ob die Neurodermitis heute häufiger diagnostiziert wird, weil sich die Wahrnehmung der Betroffenen und die der Ärzte verändert hat, ist umstritten.

Symptome und Beschwerden

Die Symptome der Krankheit äußern sich bei jedem Betroffenen in unterschiedlicher Ausprägung und an verschiedenen Stellen. Die Erkrankung tritt meist in Schüben von unterschiedlicher Dauer und Stärke auf – häufig ohne direkt erkennbaren Grund. Genauso häufig enden sie, ohne dass man einen direkten Auslöser (z. B. eine bestimmte Behandlung) hierfür erkennen kann. Hierdurch entsteht oft eine große Unsicherheit über die letztlich erfolgreiche Behandlungsmethode. Neben den Hauterscheinungen sind Heuschnupfen oder Asthma bei Patienten mit Atopischen Ekzemen in einigen Fällen ebenfalls vorhanden.

Hautmerkmale und Juckreiz

Das Hauptproblem für die Betroffenen ist der starke Juckreiz. Dieser ist besonders nachts stark, daher kommt es oft zum Schlafdefizit. Aufgrund des Schlafdefizites, des Juckens und der daraus folgenden Wunden tritt bei Betroffenen auch häufig eine starke psychische Belastung auf. Dies führt häufig dazu, dass der Erkrankte sich zurückzieht (bei Kindern: „weinerliches“ Verhalten).

Die Haut des Betroffenen unterscheidet sich von gesunder Haut dadurch, dass ein gestörter Säureschutzmantel vorliegt. Daher äußert sich Neurodermitis insbesondere durch eine sehr empfindliche und trockene Haut, die oft auch gerötet ist. In Verbindung mit dem Juckreiz und dem starken Bedürfnis, auf diesen mit Kratzen zu reagieren, kann die Haut rissig werden. Risse können aber auch von selbst ohne erkennbare Ursache entstehen. Dadurch entstehen Ekzeme, die oft nässend sind und den Juckreiz weiter verschlimmern. Typische Stellen für die betroffene Haut sind insbesondere die Armbeugen, die Kniekehlen sowie die Hals- und Gesichtspartie. Mit zunehmendem Alter „wandert“ der betroffene Bereich oft in Richtung Extremitäten, so dass sich nach der Pubertät (Alter ca. 18-25 Jahre) die Ekzeme häufig auch oder ausschließlich an Händen und Füßen bilden.

Meist weisen weitere äußere Merkmale auf eine Neurodermitiserkrankung hin. Dazu gehören eine Vergröberung der Hautfaltung (Lichenifikation), eine Ausdünnung der Augenbrauen durch Scheuern oder Kratzen (Hertoghe-Zeichen), eine doppelte Lidfalte (Dennie-Morgan-Falte). Charakteristisch ist außerdem die „paradoxe Gefäßreaktion“: Im Gegensatz zu gesunder Haut bilden sich beim Kratzen nicht rote, sondern weiße Streifen auf der Haut (weißer Dermatographismus).

Allergien

Ein Großteil der Patienten mit Neurodermitis leiden zusätzlich unter Allergien, insbesondere gegen Hausstaub, Pollen, Tierhaar oder Nahrungsmittel. Allergien beeinflussen das Krankheitsbild der Neurodermitis meist negativ. Neurodermitis für sich betrachtet wird von der wissenschaftlichen Medizin zwar von den Allergien abgegrenzt, weist aber zum Teil ähnliche Symptome wie gängige Allergien auf. Die Haut eines Neurodermitikers ist sehr empfindlich gegenüber äußeren Einflüssen. Sowohl mechanische Reize als auch der Kontakt zu bestimmten Stoffen kann die Haut reizen, ohne dass eine Allergie vorhanden ist.

Infektionen

Die sehr empfindliche und oft rissige Haut eines Neurodermitisbetroffenen ist anfällig gegen Infektionen. Ein für die Haut von Neurodermitiskranken charakteristisches Phänomen ist die teils massive Besiedelung mit Staphylococcus aureus. Diese Bakterien führen durch Auslösung nässender Hautreaktionen zu verbesserten Milieubedingungen für Staphylokokken mit weiterem Bakterienwachstum und damit zu einer zunehmenden Verschlechterung des Hautzustandes durch eine wechselseitige Verstärkung beider Krankheitsprozesse, einem sogenannten Circulus vitiosus, ein sich selbst erhaltender Prozess.

Von Bedeutung ist außerdem eine mögliche Besiedelung mit Hefepilzen (z. B. Candida albicans).

In seltenen Fällen kann es im Zusammenhang mit dem Herpes simplex-Virus zu einem Ekzema herpeticatum kommen, welches in vielen Fällen nur in stationärer Behandlung mit Infusionen zu behandeln ist.


 


Soziale Folgen

Zusätzlich zu den genannten Beschwerden leidet ein Teil der Patienten unter der Beeinträchtigung ihres Aussehens. Da der Ausschlag kosmetisch sehr störend sein kann, fühlen sich einige Betroffene sozial ausgegrenzt. Besonders bei Kindern kann es auch zu Hänseleien durch Mitschüler kommen. Der starke Juckreiz, der daraus resultierende Zwang zum Kratzen und der Ausschlag können sogar zu einer sozialen Isolation führen, auch da andere Personen sich oft (fälschlicherweise) vor einer Ansteckungsgefahr fürchten oder von mangelnder Hygiene als Ursache der Erkrankung ausgehen. Auch sinkt oft das Selbstwertgefühl von Betroffenen. Kinder fühlen sich oft ausgegrenzt und anders als andere in ihrer Altersstufe.

Sozioökonomischer Status und Intelligenz

Es ist wissenschaftlich belegt, dass an atopischem Ekzem erkrankte Kinder überdurchschnittlich intelligent sind.[1] Dies hängt möglicherweise damit zusammen, dass der bei atopischen Ekzemen oft erhöhte wichtige Neurotransmitter Histamin neben vielen anderen Wirkungen auch für die Lernfähigkeit des Gedächtnis verantwortlich ist.[2]

Studien aus Spanien, England und Deutschland[3] in den Jahren 1998 bis 2003 belegten einen Zusammenhang zwischen einem hohen sozioökonomischen Status und dem gehäuften Auftreten des atopischen Ekzems. Die Datenlage ist aber nicht ausreichend, um eine Kausalität nachzuweisen.[4]

Ursache

Die Ursachen der Neurodermitis sind bislang nicht eindeutig geklärt. Eine Reihe von Beobachtungen und Forschungsergebnissen sprechen für eine sogenannte multifaktorielle Pathogenese. Dies bedeutet, dass der Entstehung und Ausprägung der Erkrankung das Zusammenwirken von genetischen Faktoren und Umwelteinflüssen zugrunde liegt.

Es wird davon ausgegangen, dass die Betroffenen aufgrund genetischer Veranlagung stärker auf bestimmte Einflüsse reagieren als andere. Dabei ist von einer dominanten Vererbung der Genvarianten auszugehen, die das Erkrankungsrisiko erhöhen. Dies bedeutet, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer individuell verschiedenen Ausprägung der Erkrankung kommt, sofern von mindestens einem Elternteil entsprechende Erbanlagen vererbt werden. Derzeit wird davon ausgegangen, dass etwa 20 verschiedene Gene an der Entstehung einer Neurodermitis beteiligt sind.

Im September 2007 veröffentlichten Forscher des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) und Kinderärzte der Berliner Charité Forschungsergebnisse über ein Gen, dem sie den Namen COL29A1 gegeben haben. Dieses Gen enthält nach Ansicht der Forscher die Bauanleitung für das Protein Kollagen 29. Es ist für die Regulation von Funktionen der Epidermis zuständig und würde bei Neurodermitikern fehlen oder eine mangelhafte Expression davon vorliegen. Nachdem dieses Gen für weitere Funktionen in Darm und Lunge zuständig ist, vermuten die Forscher hier eine ursächliche Verbindung zu allergischen Erkrankungen. Demnach bestünde die Möglichkeit eines molekularen Zusammenhangs zwischen atopischem Ekzem und Nahrungsmittelallergien sowie Atemwegserkrankungen.[5]

Die Ursache der trockenen Haut besteht in der fehlerhaften Codierung eines Enzyms aufgrund eines Gendefektes; das Gen COL29A1 scheint hierbei beteiligt zu sein. Um die Haut geschmeidig zu halten, produziert der gesunde Körper Hautfett. Dieses Hautfett besteht u. a. aus Gamma-Linolensäure. Um dies herzustellen, benötigt der Körper mit der Nahrung aufgenommene Linolsäure. Für die Umwandlung von Linolsäure in Gamma-Linolensäure wird das Enzym Delta-6-Desaturase benötigt. Bei Neurodermitikern ist die Aktivität dieses Enzyms möglicherweise verringert oder gestört.

Ein nach außen hin scheinbares Zurückgehen der Symptome bei manchen Patienten kann darauf zurückzuführen sein, dass der Gendefekt nur in einem Teil der etwa 2 Bio. Körperzellen vorliegt und somit auch die weniger oder nicht beschädigten Genvarianten zum Einsatz kommen können. Es ist bisher nur unvollständig geklärt, mit welchen Mechanismen die Proteinsynthese gesteuert wird, also wann und in welchem Ausmaß welche Gene gelesen und Proteine erstellt werden.

Bei einem Teil der Betroffenen konnte auch ein Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Neurodermitis und einer Nahrungsmittel- oder Tierhaarallergie beobachtet werden. Deutliche Hinweise bestehen auch auf eine Miteinbeziehung des vegetativen Nervensystems (welches die nicht bewusst steuerbaren Funktionen, wie Verdauung, Herzschlag usw. reguliert). Dieser Aspekt erklärt u. a., warum Betroffene bei Stress zu Ausschlagsschüben oder Verdauungsproblemen neigen.

Behandlung

Ebenso wie die Ursachen sind auch die angewandten Behandlungsformen sehr vielfältig. Da offenbar unterschiedliche Faktoren eine Rolle spielen, sollte die parallele Anwendung in Betracht gezogen und individuell auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmt werden. Nicht alle Behandlungsansätze wirken bei allen Betroffenen gleich; manche Methoden, die für einen Betroffenen lindernd wirken, können bei anderen zu einer Verschlechterung des Krankheitsbildes führen. Daher ist Geduld in jedem Falle angeraten. Eventuell müssen Behandlungsmethoden mehrmals neu kombiniert oder verändert angewendet werden, da es vorkommen kann, dass die Haut bei einem neuen Schub anders auf eine bisher gut angenommene Behandlungsart reagiert als erwartet. Der Abbruch einer Behandlung und deren Ersatz kann nötig werden.

Mittelpunkt der symptomatischen Behandlung ist die tägliche Pflege der Haut. Dafür stehen Salben, Cremes und Lotionen zur Verfügung. Je nach Schwere und Art der Symptome kommen daher unterschiedliche Präparate zum Einsatz.

Basispflege

Mit der Basispflege soll die Barrierefunktion der Haut stabilisiert werden. Abhängig vom Zustand der Haut kommen meist Salben und Lotionen zum Einsatz, bei besonders trockener Haut auch Salben mit höherem Fettgehalt.

Spezifische Wirkstoffe zur äußeren Anwendung

Oft werden wirkstoffhaltige Salben verwendet, z. B. um die Feuchthaltefähigkeit oder den Heilungsprozess der Haut zu verbessern. So helfen harnstoffhaltige Präparate, die charakteristische Trockenheit der Neurodermitishaut zu reduzieren. Hierbei hält der Harnstoff, der durch die Anwendung kurzfristig in die Haut gelangt, vermehrt Wasser und bindet es somit in der Haut. Die Haut von Neurodermitiskranken weist eine signifikant niedrigere Konzentration von Harnstoff auf, der als wichtigster Feuchthaltefaktor fungiert. Therapeutisch aufgebrachter Harnstoff auf und in der Haut kann jedoch bei ohnehin schon gereizter oder rissiger Haut zu weiteren Reizungen führen. Weitere häufig verwendete Salbenzusätze sind z. B. Nachtkerzenöl, Johanniskrautextrakt, Zink oder Dexpanthenol.

Bei einer Infektion der Haut mit Bakterien oder Pilzen kommen infektionshemmende Salben zum Einsatz. Bei einer übermäßigen Besiedlung durch Staphylococcus aureus kommen vorzugsweise Triclosan, Chlorhexidin, aber auch Antibiotikum (z. B. Fusidinsäure) zum Einsatz. Im Falle einer übermäßigen Besiedlung durch Hefepilze werden antimykotische Wirkstoffe eingesetzt.

Zur Behandlung nässender Ekzeme stehen Gerbstoff-Präparate zur Verfügung, die austrocknend, juckreizlindernd und leicht antientzündlich wirken.

Antientzündliche Wirkstoffe

Zur Behandlung stärkerer entzündlicher Symptome werden Salben mit Immunsuppressiva eingesetzt. Am häufigsten werden dabei Kortisonpräparate benutzt. Sie wirken gegen Juckreiz und Entzündung der Haut und können schwere Schübe lindern oder bei rechtzeitiger Anwendung vermeiden. Kortison wird meist in Form von Salben oder Cremes auf die betroffenen Stellen aufgetragen. Kortison kann allerdings eine Reihe von unerwünschten Nebenwirkungen bewirken, so dass es meist nur für kurze Zeit z. B. bei akuten Schüben angewandt werden soll. Zu Nebenwirkungen zählen Hautverdünnung und damit einhergehende Pigmentierungsstörungen, starke Behaarung, Dehnungsstreifen, sowie partielle Unterdrückung des örtlichen Immunsystems. Bei langer Anwendung starker Präparate können sogar Nebenwirkungen auftreten, die den gesamten Organismus betreffen (z. B. Leberschädigungen) oder aber auch ein Glaukom hervorrufen kann. Die Kortisonpräparate wurden seit den 50er Jahren ständig weiterentwickelt, so dass mittlerweile die sogenannte 4. Generation von Kortisonwirkstoffen vorliegt. Diese Präparate, z. B. Methylprednisolon haben bei hoher Wirksamkeit ein geringeres Risiko von Nebenwirkungen als die älteren Wirkstoffe. Dies heißt jedoch nicht, dass die Medikamente ständig angewendet werden dürfen: Nebenwirkungsfrei sind auch die neuen Wirkstoffe keineswegs. Problematisch ist, dass die Hauterscheinungen nach Absetzen der Kortisoncremes häufig wieder auftreten, so dass die Betroffenen wieder mit Kortison behandeln (Rückschlag). Zudem kommt es bei den Kortisonpräparaten zur so genannten Tachyphylaxie, d. h. einer Wirkabschwächung der Präparate mit zunehmendem Gebrauch.

Die seit kurzem verfügbaren lokal anwendbaren Immunsuppressiva Tacrolimus und Pimecrolimus werden als wesentlicher Fortschritt in der Therapie des Atopischen Ekzems angesehen (G. Stingl in [6]). Die beiden Substanzen sind chemisch ähnlich aufgebaut, und gehören in die Gruppe der Makrolide. Pimecrolimus und Tacrolimus wirken als Calcineurinhemmer und unterdrücken so das lokale Immunsystem der Haut, zusätzlich verhindern sie die Freisetzung der Entzündungssubstanzen Histamin und Arachidonsäuremetaboliten. Sie ermöglichen vielen Patienten eine Beschwerdefreiheit ohne Kortison. Sie hemmen die Entzündung und die Ekzeme heilen ab. 

Aufgrund der immununterdrückenden Wirkung sind geeignete Sonnenschutzmaßnahmen bei Anwendung angeraten. Zudem kommt während des Anwendens einer der genannten Präparate eine Behandlung mit UV-Licht nicht in Frage. Sehr selten kommt es auch zu nicht unerheblichen Nebenwirkungen wie Hautinfektionen und Unverträglichkeitsreaktionen. In der medizinischen Fachpresse werden diese Wirkstoffe zurzeit kritisch hinterfragt. Kritik wurde erstmals von der FDA im Jahr 2005 geäußert, da Langzeitstudien noch ausstehen und in Tierversuchen ein erhöhtes Krebsrisiko auftrat. Ob die Herstellerempfehlung, die Produkte sehr frühzeitig und mittelfristig bis langfristig, teils sogar vorbeugend einzusetzen, vor diesem Hintergrund weiter bestehen bleiben darf, bleibt abzuwarten. Zuletzt wurde von der EMEA versucht, einen Zusammenhang zwischen der Anwendung der Calcineurinhemmer und dem Auftreten von Krebserkrankungen zu untersuchen. Bisher ist weiterhin unklar, ob diese Substanzen in kausalem Zusammenhang zu den Erkrankungen stehen. Die EMEA schränkt den Gebrauch mittlerweile allerdings auf Fälle ein, bei denen ein ausreichender Therapieerfolg mit anderen Mitteln, vor allem Glucocorticoiden, nicht zu erreichen ist, oder die Nebenwirkungen eine Glucocorticoid-Therapie nicht zulassen.

Das Cyclosporin A ist ebenfalls Stoffwechselprodukt eines Pilzes; es ist als systemisch eingesetztes Medikament schwersten Neurodermitisformen vorbehalten, die sich oft rasch auf eine Therapie mit Cyclosporin A zurückbilden. Die wichtigsten Nebenwirkungen dieser Therapie entsprechen denen aus der Transplantationsmedizin, in denen es ebenfalls eingesetzt wird: Blutdruckerhöhung, Nierenschädigungen, Induktion von Malignomen aber auch Zahnfleischwucherungen.

Medikamente zur inneren Anwendung

Antihistaminika können bei Neurodermitis juckreizlindernd wirken. Häufig steht der müdemachende Effekt früherer sedierender Antihistaminika, der bei moderneren Präparaten, z. B. mit Desloratadin nicht mehr auftritt, im Vordergrund. Man setzt dies gerne bei Kindern ein, damit sie leichter einschlafen können und sich so weniger kratzen müssen. Eine sinnvolle Behandlung stellt die kombinierte Einnahme eines nicht sedierenden Antihistaminikums am Morgen, z. B. Fexofenadin oder Desloratadin und eines sedierenden Antihistaminikums am Abend, wie z. B. Hydroxyzin dar.


Bei besonders schweren Schüben mir großer Ausdehnung der Ekzeme kommt eine innere Anwendung von Kortison in Frage.

Meidung von Allergenen

Manche Menschen mit Neurodermitis reagieren allergisch auf bestimmte Lebensmittel (Nahrungsmittelallergie). Diese allergischen Reaktionen können die Hautsymptome verstärken. Bei kleinen Kindern sind Allergien auf Weizen und auf Kuhmilch nicht selten. Falls eine Nahrungsmittelallergie nachgewiesen wird, kann eine Ernährungsumstellung hier Linderung bringen.

Da Nahrungsmittel nicht die einzigen allergieauslösenden Stoffe sind, sollten sich Betroffene einem Allergietest unterziehen, der ein breites Spektrum an Allergenen abdeckt (z. B. Kontaktallergien auf Produkte zur Körperpflege, Gummi, Hausstaub, Stoffe am Arbeitsplatz, Kleidung etc.).

Klimabehandlung und Physikalische Therapien

Zumindest zeitweise helfen oft auch Reisen ins Gebirge, dann auf die milbenfreie Höhe von 1000 m im Winter und 2000 m im Sommer, oder auch das Baden im Salzwasser, wegen der geringen Luftbelastung mit Allergenen bevorzugt an der Nordsee statt an der Ostsee.

Gegenden mit jodhaltiger Luft sind generell zu empfehlen. Hierbei ist insbesondere das Tote Meer in Israel zu nennen. An diesem niedrigsten Landpunkt der Erde führt die einzigartige Kombination der natürlichen Gegebenheiten von Luft, Sonne und Wasser zu signifikanten Heilerfolgen verschiedenster Indikationen.

Auch die Bestrahlung mit hochdosiertem UV-Licht kann, durch die entzündungshemmende Wirkung, zur Linderung führen und das zeitweilige Abheilen erlauben. Es wird hier heutzutage vor allem das Schmalspektrum UVB-Licht (311 nm) eingesetzt, evtl. in Kombination mit UVA-Strahlern.

Besonders bei schweren Formen der Neurodermitis hat sich die UVA1-Lichttherapie (340-400 nm) bewährt; besonders in der Hochdosistherapie (bis 130 J/cm²) konnten hier signifikante Vorteile gegenüber konventionellen Therapien, wie Kortikoiden, belegt werden. Die UVA1-Strahlung dringt mit ihren längeren Wellenlängen tiefer in das Gewebe ein, und wirkt durch Hemmung u. a. der Langerhanszellen und der Mastzellen stark antientzündlich. Der vom Kortison her bekannte Rückschlag (stärkerer Krankheitsschub nach Absetzen der Therapie) tritt bei der UVA1-Hochdosistherapie nicht auf. Kinder sollten jedoch aus prophylaktischen Gründen (alle UV-Strahlen beschleunigen die Hautalterung) allenfalls in Ausnahmefällen mit einer Hochdosistherapie behandelt werden.

Patienteninformation und psychosoziale Betreuung

Da die Erkrankung sowohl in ihren Ursachen und in ihren Erscheinungsformen als auch in ihren Behandlungsmethoden sehr komplex ist, ist ein größeres Augenmerk auf die Information der Betroffenen zu lenken. Diese Notwendigkeit wird dadurch verstärkt, dass viele Betroffene Kinder sind und deren Eltern die tägliche Behandlung durchführen müssen. Hier setzen Patientenschulungen an, deren Inhalt unter anderem die Vermittlung von medizinischen Informationen, Behandlungsmöglichkeiten, Ernährung, Alltagsbewältigung, Entspannungsverfahren, und Umgang mit dem Juckreiz ist. Mehrere Studien zeigten, dass solche Patientschulungen das Krankheitsbild signifikant verbessern.[7] Die meisten Krankenkassen in Deutschland übernehmen die Kosten für die Schulung von Kindern oder Eltern.

Je nach Persönlichkeit des Betroffenen ist der Erfahrungsaustausch mit Leidensgenossen in Selbsthilfegruppen sehr hilfreich. In seltenen Fällen wird aufgrund der psychischen Belastung eine Psychotherapie empfohlen.

Alternative Therapieformen

Die Alternativmedizin hat einige Verfahren hervorgebracht (z. B. Akupunktur, Kinesiologie, Homöopathie), welche in der Behandlung der Neurodermitis angewandt werden. Viele an Neurodermitis Erkrankte sehen in alternativen Behandlungsmethoden eine Chance für eine Bekämpfung der Krankheit. Der so genannten Schulmedizin werfen sie vor, in der Regel nur die Symptome anzugehen und nicht die wesentlichen Ursachen kurativ zu behandeln. Einige alternativmedizinischen Verfahren weisen einen größeren Zeitaufwand des Behandlers für Gespräche auf als dies beim Kassenarzt üblich ist. Oder es besteht eine sehr hohe positive persönliche Voreinschätzung der Qualitäten des alternativmedizinischen Therapeuten oder der alternativmedizinischen Behandlungsmethode durch die einzelnen Patienten. Deshalb führen Kritiker und nüchterne Beobachter dieser Verfahren deren Effekt auf die psychisch entlastenden Gespräche oder die Selbstheilungskräfte der Patienten zurück. Sowohl die Alternativmedizin als auch die so genannte "Schulmedizin" kennen im Zusammenhang mit Neurodermitis sowohl die Behandlung von Symptomen als auch die Behandlung von Ursachen.

Innerlich kann auch die orale Zufuhr von Gamma-Linolensäure helfen. Diese Fettsäure findet sich im Borretschsamenöl, Johannisbeerkernöl und Hanföl. Die gebräuchlichste Darreichungsform ist aber das Nachtkerzensamenöl.Die meisten klinischen Studien konnten allerdings keine Wirkung der Zufuhr von Gamma-Linolensäure bei atopischem Ekzem nachweisen.[8] Dem Schwarzkümmelöl wird häufig eine stabilisierende, entzündungshemmende, antimikrobielle und juckreizmildernde Wirkung zugeschrieben. In wissenschaftlichen Studien war im Placebovergleich allerdings keine Verbesserung der Symptome nachweisbar.[9]

Weitere Maßnahmen

Körperpflege

Der typische von Neurodermitis Betroffene hat eine trockene Haut, die einer entsprechenden Pflege bedarf. Hierzu gehört das nur kurze, nicht zu häufige lauwarme Duschen oder Baden. Viele Betroffene empfinden kurze Bäder oder Duschen als weniger belastend als lange. Zu heißes oder warmes Wasser kann die Symptome der Neurodermitis verschlechtern, kaltes Wasser dagegen kann die Symptome mildern. Sowohl warme als auch kalte nasse Umschläge können zur Linderung angewendet werden.

Es sollten nur wenig Reinigungspräparate verwenden werden, um die natürlichen Hautfunktionen durch das ständige Waschen nicht zu sehr zu beeinträchtigen. Einige Spritzer Öl im Badewasser können der Haut helfen, sich bezüglich des Säureschutzmantels zu regenerieren. Empfohlen wird oft ein Bad mit Salzwasser (u. a. aus dem Toten Meer); dieses kann jedoch besonders bei rissiger oder aufgekratzter Haut als besonders schmerzhaft und brennend empfunden werden. Auch Stutenmilchprodukte sollen gegen trockene Haut helfen. Ebenso empfiehlt sich evtl. das Duschen mit Duschöl, eine stärker ölige Duschlotion, die der Haut hilft, die durch das Duschen oder Baden verlorenen, abgewaschenen Hautfette zu ersetzen oder dieses Abwaschen zu mindern. Das Abtrocknen sollte eher ein vorsichtiges Abtupfen der Haut sein, um reizende Reibungen zu vermeiden. Um unnötiges Austrocknen und Spannen zu verhindern, sollte unverzüglich mit dem Auftragen von empfohlenen Mitteln begonnen werden.

Kleidung und Wäsche

Um äußere Reize zu vermeiden, sollten weiche und glatte Materialien wie Baumwolle verwendet werden. Wolle sollte wegen der starken Hautreizung gemieden werden. Bettbezüge sollten glatt sein, Frotteewäsche wird von Neurodermitkern oft als unangenehm empfunden. Speziell für (Klein-)Kinder werden spezielle Overalls angeboten, die insbesondere in der Nacht ein unbewusstes Aufkratzen der Haut verhindern sollen. Auch Baumwollhandschuhe sind hier hilfreich. Aufgrund der entzündungslindernden und antiseptischen Wirkung hilft einigen Betroffenen das Tragen von silberhaltigen Textilien.

Es sollte ein mildes Waschmittel möglichst ohne Geruchsstoffe verwendet werden. Viele Patienten reagieren empfindlich auf Wäsche, die mit Weichspüler gewaschen wurde. Andererseits kann Weischspüler bei manchen Betroffenen von Vorteil sein, da die weichere Wäsche die Haut schont.

Ernährung

Zur Behandlung der Neurodermitis gibt es eine Vielzahl von Ernährungstipps und Diäten. Diese helfen eventuell im Einzelfall, wegen der Heterogenität der Ursachen sollte deren Wert nicht überschätzt oder verallgemeinert werden. Prinzipiell muss jeder Betroffene selbst herausfinden, welche Nahrungsmittel für ihn persönlich verträglich sind und der Gesundheit Abträgliche vor allem während starken Schüben meiden.

Ähnlich wie die Haut selbst empfindlich gegenüber äußeren Einflüssen ist, kann auch der Verzehr von bestimmten Nahrungsmitteln zu einer Verschlechterung der Symptome beitragen. So können scharfe Gewürze und Geschmacksverstärker durch eine stärkere Durchblutung eine Hautreizung auslösen oder verschlimmern. Histaminhaltige Lebensmittel können den Juckreiz verstärken. Ein weiteres Beispiel sind Zitrusfrüchte, die durch ihren Säuregehalt über den Schweiß des Betroffenen zu einer Reizung führen können. Bestehen Nahrungsmittelallergien, sollten entsprechende Nahrungsmittel gemieden werden (siehe Meidung von Allergenen).

Vor allem von Heilpraktikern werden Ernährungsumstellungen und Diäten empfohlen. Auch wird eine entsäuernde Ernährung empfohlen (basische Ernährung). Diese soll im Zusammenhang mit der Vermeidung von Stress und anderen Reizen zum Nachlassen oder Verschwinden der Symptome führen. Viele Erkrankte erfahren eine Besserung durch den Übergang zu einer bewussten Ernährung. In einigen Fällen hilft die Vermeidung von Konservierungsstoffen, insbesondere Nitrit, die Symptome zu lindern.

Einen wissenschaftlichen Beleg für die Wirksamkeit dieser Diäten gibt es derzeitig nicht. Es ist ratsam, eine grundlegende Ernährungsumstellung unter Begleitung eines Ernährungswissenschaftlers oder Ökotrophologen zu machen, um Mangelerscheinungen zu vermeiden. Gerade bei Kindern besteht diese Gefahr durch mangelnde Akzeptanz einiger der „neuen“ Nahrungsmittel. Es gibt Alternativmediziner, die im Grunde jede Erkrankung mit „Übersäuerung“ in Verbindung bringen. Die Tendenz, Neurodermitis prinzipiell monokausal oder oligokausal auf die Ernährung zurückzuführen, entspricht nicht dem aktuellen Kenntnisstand von Medizin und Ernährungswissenschaften und geht dem ganzheitlichen Ansatz der Medizin und der Ernährungswissenschaft zuwider.

Stress vermeiden

Ob Neurodermitis auch eine psychische Komponente hat, ist umstritten. Ein Zusammenhang über den Neurotransmitter Histamin ist denkbar.[10] Allgemein wird Neurodermitikern empfohlen, Stress (positiven wie negativen, akuten wie latenten) zu vermeiden. Bei Kindern kann sehr oft eine Verschlechterung des Hautzustandes vor z. B. Weihnachten beobachtet werden. Der Stress kann auch durch die vor allem nächtlichen Juckattacken bei Kindern entstehen, die für die Eltern teils eine enorme Belastung darstellen. So entsteht oft ein Teufelskreis. Von Bedeutung kann daher der Umgang mit Stress sein, zum Beispiel in Form von Entspannungstechniken (siehe auch Patienteninformation und psychosoziale Betreuung).


Siehe auch

Atopische Dermatitis des Hundes, Gelsenkirchener Behandlungsverfahren

Quellen

  1. Reinhard Jarisch: Histamin-Intoleranz, Histamin und Seekrankheit. Thieme, 2004, ISBN 3-13-105382-8, Kap. 8, Neurodermitis: S. 143.
  2. Reinhard Jarisch: Histamin-Intoleranz, Histamin und Seekrankheit. 2004, Kap. 11, S. 160.
  3. R. Burchard: Psychosoziale Aspekte bei Psoriasis und Neurodermitis – Stigmatisierung und Lebensqualität. Dissertation. Medizinische Hochschule Hannover, 2003. urn:nbn:de:gbv:354-20060718373
  4. Andrea Huber: Ernährung, Kleidung und Körperpflege im Zusammenhang mit dem Auftreten eines atopischen Ekzems. Dissertation, TU München, 1998, S. 171 urn:nbn:de:bvb:91-diss20051220-1915114534
  5. C. Söderhäll, I. Marenholz, T. Kerscher, F. Rüschendorf, J. Esparza-Gordillo et al.: Variants in a Novel Epidermal Collagen Gene (COL29A1) Are Associated with Atopic Dermatitis. 2007, PLoS Biol 5(9): e242 doi:10.1371/journal.pbio.0050242 (englisch)
  6. Peter Fritsch: Dermatologie und Venerologie. 2. Auflage. Springer Verlag, 2004, ISBN 3-540-00332-0.
  7. U. Wahn u. a.: Modellvorhaben zur besseren Vorsorge und Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit atopischem Ekzem (Neurodermitis). Arbeitsgemeinschaft Neurodermitis-Schulung (AGNES) Online als PDF-Version
  8. A. Takwale et al.: Efficacy and tolerability of borage oil in adults and children with atopic eczema: randomised, double blind, placebo controlled, parallel group trial. In: British Medical Journal. 327 (2003), S. 1385. Siehe auch den Kommentar in der gleichen Ausgabe.
  9. T. Stern, C. Bayerl: Black seed oil ointment – A new approach for the treatment of atopic dermatitis? In: Aktuelle Dermatologie. 2002; 28(3): 47-79.
  10. Reinhard Jarisch: Histamin-Intoleranz, Histamin und Seekrankheit. 2004, Kap. 4.6, S. 87.

Literatur

  • Dietrich Abeck: Atopisches Ekzem im Kindesalter – Neurodermitis. Das zeitgemäße Management. Steinkopff Verlag, Darmstadt 2001
  • Otto Braun-Falco, Gerd Plewig, Helmut H. Wolff: Dermatologie und Venerologie. Springer, Berlin, September 2005, ISBN 3-540-43556-5


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