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Hypnose



Als Hypnose (von Hypnos, dem griechischen Gott des Schlafes) wird entweder das Verfahren zum Erreichen einer hypnotischen Trance bezeichnet, die durch vorübergehend geänderte Aufmerksamkeit und meist tiefe Entspannung gekennzeichnet ist. Oder der Begriff bezeichnet den Zustand der hypnotischen Trance, der durch eine hypnotische Induktion erreicht wird. Die Begriffe Hypnose und Trance werden häufig synonym verwendet, wobei Trance nur für den Zustand steht, Hypnose hingegen den Zustand sowie das Verfahren bezeichnen kann. Der Begriff Hypnose stammt vom griechischen Wort hypnos, da man in der Anfangszeit der Forschung davon ausging, dass es sich um einen schlafähnlichen Zustand handelt.

In diesem Zustand sind sowohl die Ansprechbarkeit des Unbewussten als auch die Konzentration auf eine bestimmte Sache stark erhöht, die Kritikfähigkeit des Bewusstseins in gleichem Maße reduziert. Dadurch können bestimmte Phänomene verstärkt oder überhaupt erst wahrgenommen werden, wie beispielsweise Änderungen des Bewusstseins und des Gedächtnisses, Kontrolle des vegetativen Nervensystems, vermehrte Empfänglichkeit für Suggestionen sowie für normales Bewusstsein ungewöhnliche Reaktionen und Vorstellungen. Die Definition ist nur vage, da die physiologischen Vorgänge noch immer erforscht werden. Der Zustand der Hypnose ähnelt natürlichen, spontan auftretenden Zuständen, die man vor allem beim Einschlafen und Aufwachen sowie bei Tagträumen, konzentriertem Lesen eines Buches oder Schauen eines Films erleben kann: Die Wahrnehmung ist eingeengt und die Konzentration des Bewusstseins auf eine bestimmte Sache gerichtet (das Buch, der Film oder aber die Worte des Hypnotiseurs).

Der Bewusstseinszustand unter Hypnose ist jedoch ein besonderer Wachzustand des Unbewussten während das Bewusstsein ruht und weder mit dem des Schlafes noch mit dem des normalen Wachseins gleichzusetzen. Das Phänomen der Fixiertheit auf eine Sache treffen die Bezeichnungen „Einideeigkeit“ oder „Monoideismus“ recht gut. Daher wurden diese Begriffe als Ersatz für die Bezeichnung „Hypnose“ vorgeschlagen, auch, um Hypnose deutlicher vom Schlaf und von der Showhypnose abzugrenzen.

Hypnose findet in der Hypnotherapie Anwendung. Ihre Wirksamkeit ist wissenschaftlich gut belegt. Insbesondere wurden mit den Methoden der Kernspinresonanztomographie (MRT) und der Elektroenzephalographie (EEG) hirnphysiologische Korrelate von Trance-Zuständen klar nachgewiesen. Der Einsatz der Hypnose in der Medizin und in der Psychotherapie ist gesetzlich geregelt. Sie gehört zu den von den deutschen Krankenkassen anerkannten Leistungen.

Erleben, Reaktionen und Wirkungen der Hypnose sind sehr individuell. Da sie immer nur dem Hypnotisanden zugesprochen werden kann, die Trance als solche also vom Hypnotiseur unabhängig ist, könnte alles und jeder hypnotisieren. Ob eine Hypnose die gewünschten Erfolge erzielt, ist immer von der inneren Einstellung des Hypnotisanden abhängig. Diese Tatsachen werden häufig mit „Jede Hypnose ist eine Selbsthypnose“ zusammengefasst. Jedoch sind Kompetenz des Hypnotiseurs und Vertrauen in ihn ebenfalls notwendig, im Falle einer Selbsthypnose also Selbstvertrauen.

Inhaltsverzeichnis

Begriffe

Als Hypnotiseur bezeichnet man dabei die hypnotisierende, als Hypnotisand (auch: Proband, in der Hypnotherapie Patient oder Klient) die hypnotisierte Person. Dabei kann eine Person auch beide Rollen übernehmen, das bezeichnet man als Auto- oder Selbsthypnose; in allen anderen Fällen nennt man es Fremd- oder Heterohypnose. Eine hypnotische Trance wird mittels Hypnose induziert (Induktion), der Proband befindet sich in Hypnose oder in einer hypnotischen Trance. Zur Beendigung wird die Trance aufgelöst bzw. exduziert (Exduktion), der Hypnotisand wacht auf. Wird der Proband (zum Beispiel zwecks Vertiefung der Hypnose) aus der Trance geholt und kurz darauf wieder zurück in Trance versetzt, so spricht man von Fraktionierung. Im Rahmen der Hypnose werden dem Probanden verbale Anweisungen, sog. Suggestionen, gegeben, die direkt auf das Unterbewusstsein wirken sollen. Suggestionen, die auch nach Auflösung der Hypnose noch wirksam sein sollen, werden als posthypnotische Suggestionen bezeichnet.

Geschichte der Hypnose

Hypnose wurde wahrscheinlich schon in der Frühzeit des Menschen verwendet. Auch wenn es keine wissenschaftlichen Belege dafür gibt, lassen sich Berichte über kultische Handlungen oder Dinge aus dem Schamanismus durchaus mit Hypnose in Form der Selbst- oder Fremdsuggestion erklären. Es ist zu vermuten, dass Hypnose eher zufällig entdeckt wurde und ihren Ursprung in meditativen und kultischen Handlungen religiösen Hintergrundes haben dürfte. Spekulativ kann man von der Annahme ausgehen, dass sich die Hypnose aus massenpsychologischen Manipulationen bei religiösen oder kultischen Riten sowie aus den selbstmeditativen Erfahrungen von Priestern, Heilern und Schamanen entwickelt hat.

Wissenschaftlich jedoch wurde die Hypnose um 1770 von Franz Anton Mesmer wiederentdeckt. Er experimentierte mit Magneten, die er Patienten auflegte. Er nannte den Effekt 'Magnetismus animalis', schrieb jedoch die Heilkräfte den Magneten zu. Aufgrund von Mesmers Popularität nannte man den Vorgang des Hypnotisierens lange Zeit auch „Mesmerisieren“; ein Ausdruck, der im zeitgenössischen Englisch noch existiert.

Im 19. Jahrhundert war Frankreich mit den Schulen in Nancy (Ambroise-Auguste Liébeault, Hippolyte Bernheim) und Paris (Jean-Martin Charcot) führend in der Erforschung der Hypnose. Sigmund Freud wurde 1885 bei Jean-Martin Charcot in Paris auf die Experimente von Mesmer aufmerksam und versuchte selbst diese Methode, um Patienten zu behandeln. Dies wurde zum Ausgangspunkt seiner Studien über Hysterie. Später ließ er diese Methode jedoch wieder fallen und widmete sich seiner Technik der freien Assoziation. Schriften zeigen jedoch, dass Freud auch später noch mit Hypnose gearbeitet hat.

Wesentlich weiterentwickelt wurde die Hypnose im 20. Jahrhundert im deutschen Sprachgebiet zunächst durch Oskar Vogt, dann durch dessen Schüler Johannes Heinrich Schultz, der daraus das autogene Training entwickelte, und später durch Klaus Thomas. Im amerikanischen Sprachgebiet wurde die Hypnose wesentlich weiter entwickelt durch Milton H. Erickson (indirekte Hypnose), Kroger und Dave Elman (autoritäre Hypnose). In England gilt John Hartland als einer der bekanntesten Hypnotiseure. Sein Buch Dictionary of Medical and Dental Hypnosis zählt auch heute noch zum offiziellen Ausbildungslehrwerk für britische Hypnoseärzte.

Milton H. Erickson begründete eine neue Form der Hypnotherapie, die heute als die modernste Form der Hypnose gilt und aus der sich weitere psychologische Methoden wie z.B. das NLP (Neurolinguistisches Programmieren) entwickelten.

Theorie

Seit Beginn der systematischen Anwendung von hypnotischer Trance sind eine Vielzahl verschiedenartiger Hypothesen über das Wesen der Hypnose aufgestellt worden. Eine einheitliche Theorie zur Beschreibung und Erklärung des Phänomens besteht allerdings bis heute nicht.

Auf Basis ihrer Grundausrichtungen können diese Hypothesen kategorisiert werden: Ausgehend davon, ob eine Theorie eher von körperlichen oder psychologischen Ursachen ausgeht, umfasst die erste Kategorie Erklärungsversuche, welche die Hypnose als ein rein physiologisches Phänomen darstellen. Hierzu können die Beschreibung der Hypnose als Schlafzustand, als Auswirkung einer zerebralen Hemmung (Iwan Petrowitsch Pawlow) oder als Erkrankung des neuronalen Systems (Jean-Martin Charcot) gezählt werden.

Psychologisch fundierte Theorien sehen die Hypnose mehr als Ergebnis eines komplexen Rollenspiels zwischen Hypnotiseur und Probanden, als kognitiv-behaviorales Verhalten oder als kognitiv-sozialpsychologische Reaktion. Das hypnotische Verhalten wird beim kognitiv-behavioralen Ansatz auf imaginative Fähigkeiten und selektive Aufmerksamkeit zurückgeführt. Hierzu wendet der Hypnotisand verschiedene kognitive Strategien an. Hypnose basiert beim kognitiv-sozialpsychologischen Ansatz auf verschiedenen sozialpsychologischen Faktoren, u.a. muss der Proband gewillt sein, eine „gute Versuchsperson“ zu sein.

Erfolgt die Kategorisierung mittels des Bewusstseinszustandes, kann eine Unterscheidung der Theorien nach dem Vorkommen eines speziellen Bewusstseinszustandes (state) bzw. als nicht-spezieller Bewusstseinszustand (non-state) getroffen werden. In der Theorierichtung des state wird der Zustand der hypnotischen Trance deutlich von anderen Bewusstseinszuständen, wie Schlaf, Wachzustand etc. unterschieden. Die unwillkürlichen Trancephänomene sind typisch für diesen Zustand und werden mittels ungewöhnlicher Mechanismen (z.B. Dissoziation) erklärt. Für die non-state-Theorien sind hypnotische Phänomene nicht eigenständig, sondern mit anderen Sozialverhaltensweisen vergleichbar.

Trotz teilweise entgegengesetzter Erklärungsversuche können die verschiedenen Theorieansätze unterschiedliche Aspekte der Hypnose belegen und für die Praxisarbeit notwendige Annahmen begründen.

Hypnotisierbarkeit

Die Frage, ob jemand hypnotisierbar ist, spielt in der Hypnose eine zentrale Rolle. Oftmals spiegelt die Frage die eigene Erwartungshaltung wider: Man glaubt, Hypnose wäre ein Entweder-Oder-Zustand. Entweder ist man in Hypnose oder man ist nicht hypnotisiert. Dieser Glaube ist jedoch nicht korrekt, und eine Richtigstellung gibt meist auch Aufschluss über die Ausgangsfrage: Im Prinzip ist jeder geistig gesunde Mensch hypnotisierbar; ein Unterschied besteht jedoch im Grad der erreichten Trancetiefe, die situationsbedingt verschieden sein kann.

Etwa zehn Prozent der Menschen sind sehr leicht hypnotisierbar. Praktisch nicht hypnotisiert werden können oder dürfen nur rund fünf Prozent, diese Menschen leiden unter viel zu niedrigem Blutdruck, Herzschwäche, hirnorganischen Beeinträchtigungen, Geisteskrankheiten, schweren Persönlichkeits- oder Zwangsstörungen, Hysterie oder Psychosen oder stehen unter Schock, starkem Medikamenten-, Drogen- oder Alkoholeinfluss. Blinde oder gehörlose Menschen gelten als bedingt hypnotisierbar.

Verlauf

Einleitung der hypnotischen Trance

Eine hypnotische Trance kann verschiedenartig induziert werden. Grundlegend wird zwischen direkten (autoritären, paternalen) und indirekten (permissiven, maternalen) Verfahren unterschieden. Während die direkte Variante meist mit befehlsähnlichen Suggestionen arbeitet, haben die Sprachmuster der indirekten eher erlaubenden oder gewährenden Charakter.

Eine besondere Rolle spielen die Blitzinduktionen, die eine leichte Trance oftmals innerhalb weniger Sekunden induzieren können, aber eine hohe Erwartungshaltung und ein Überraschungsmoment bedingen. Beide Komponenten erlauben es dem Hypnotisanden, sehr schnell in eine Trance zu gehen. Die Blitzinduktion wird überwiegend im Showbereich und nur selten im therapeutischen Kontext genutzt.

Förderlich bis notwendig sind für die Induktion Sicherheit und Geborgenheit, beides kann notfalls auch suggeriert werden, Musik kann ebenfalls helfen. Die Suggestionen werden gern wiederholt oder enthalten selbst Wiederholungen, auch Monotonie wirkt. Die Körperhaltung ist eigentlich egal, jedoch sollte sich der Proband entspannen können.

Üblicherweise wird Entspannung suggeriert oder direkt durch progressive Muskelentspannung herbeigeführt. Eine andere Herangehensweise ist das Angleichen von normalerweise unbewusst ablaufenden Prozessen (z. B. Atmung oder Lidschlag) an die Suggestionen. Mithilfe passender Suggestionen kann sogar die Hypnose selbst eingeredet werden. Dabei werden gern Stufen von einer bestimmten Anzahl langsam abwärts gezählt; mit jeder Stufe entspannt man sich dabei mehr und mehr, bis mit der letzten Stufe die Hypnose induziert sein kann. Auch Kombinationen verschiedener Techniken sind denkbar. Ihnen ist allen gemeinsam, dass sie das Bewusstsein mit wenig aufmerksamkeitsfordernden Tätigkeiten beschäftigen, so dessen Kritik gezielt umgehen und schrittweise ausschalten. Auf diese Weise verliert das Bewusstsein seine beherrschende Stellung, die Kritikfähigkeit wird eingeschränkt und das Unterbewusstsein wird direkt ansprechbar. Welche Suggestionen oder Methoden am besten geeignet sind, ist vom Probanden und von den näheren Umständen abhängig.

Siehe auch: Tranceinduktion

Trancephänomene

Im Verlauf einer Trance können unterschiedliche Phänomene auftreten. Klassische Trancephänomene sind:

  • Zeitverzerrung (verlangsamte oder beschleunigte Zeitwahrnehmung)
  • erhöhte Suggestibilität und Lernfähigkeit
  • Aufhebung gedanklicher Beschränkungen
  • vernetztes Denken (gleichzeitige Verarbeitung von Inhalten auf mehreren Ebenen)
  • positive und negative Halluzination (nicht Vorhandenes wahrnehmen oder Vorhandenes nicht wahrnehmen)
  • Amnesie und Hypermnesie (Fehlendes und erhöhtes Erinnerungsvermögen)
  • Altersregression und -progression (Wiedererleben einer früheren Lebensalters bzw. Imagination eines zukünftigen Zustands)
  • veränderte Körperwahrnehmung in Form von Analgesie, Anästhesie, Hyper- oder Hyposensitivität (Schmerzfreiheit, Gefühllosigkeit, verringerte oder erhöhte Empfindlichkeit)
  • ideomotorische Bewegungen (unwillkürliches Zucken, Armlevitation, automatisches Schreiben, u.a.m.)
  • Katalepsie (Körperstarre) bzw. Hyper- oder Hypotonie (erhöhte oder verringerte Muskelspannung)
  • Dissoziation (Abkoppelung) und Assoziation (Neuverknüpfen, Ankern) von Sinneswahrnehmungen, Emotionen, Wissens- und Vorstellungsinhalten, Erinnerungen sowie einzelnen körperlichen und seelischen Funktionen.

Zu unterscheiden ist eine teilweise Dissoziation, bei der das abgekoppelte körperliche bzw. geistig-seelische Erleben als fremd wahrgenommen wird und eine völlige Dissoziation, bei der es nicht mehr wahrgenommen bzw. erinnert wird (Amnesie, Zahlenblock, Anästhesie, Induktion vorübergehender Unfähigkeit von Sehen, Hören, Sich-bewegen, etc.)

Charakteristisch für den Trancezustand sind vegetative Veränderungen von:

  • Atem (Entspannungstrance: langsamer, flacher)
  • Muskelspannung (geringer oder höher)
  • Herzschlag (meist langsamer) und Blutdruck (meist niedriger)
  • Bewegungen (seltener, geringer, zeitverzögert, leicht ruckartig).


Körperlich
Eine Tranceinduktion ruft messbare körperliche Veränderungen hervor. Durch moderne bildgebende Verfahren können spezifische Veränderungen der Gehirnaktivitäten in der Trance nachgewiesen werden. Die leichte Entspannung bei der Trance korreliert z.B. mit dem vermehrten Auftreten von Alpha-Wellen. Weithin bekannt ist auch die Körperstarre, die jedoch meist mit entsprechenden Suggestionen auftritt und nicht mit der Trance selbst. So können im Gegensatz zur Körperstarre auch bei Bewegungsabläufen Trancemerkmale beobachtet werden. Zum Überprüfen, ob eine Trance vorhanden ist, wird oft der sogenannte Levitationstest (unwillkürliches Heben eines Gliedmaßes, meistens ein Arm, auf Kommando) eingesetzt. Vom vegetativen Nervensystem gesteuerte Körperfunktionen zeigen erholungsfördernde Merkmale, wie die Reduktion des Herzschlags, Senkung des Blutdrucks, verringerte Ausschüttung von Stresshormonen (Kortisol) sowie erhöhte Immunbereitschaft.
Die körperliche Entspannung ist unter Umständen so groß, dass Sprechen ohne weiteres nicht mehr möglich ist. Dazu muss erst suggeriert werden, dass es leicht fällt zu sprechen und dass sich nur die dazu nötigen Muskeln anspannen. Manchmal empfindet der Proband den Zustand der Trance auch als so angenehm, dass er gar nicht mehr aufwachen möchte.
Kognitiv
Unter Hypnose können für Erwachsene eher untypische, eidetische (besonders detailliert, lebendige und genaue) Erinnerungen hervorgerufen werden, die in der Regel nur bei Kindern bis 5 Jahren auftreten. Bekannt sind außerdem Erinnerungsverlust und erhöhte Erinnerungsfähigkeit, letzteres gilt allerdings als für forensische Zwecke insgesamt unzuverlässig (False-Memory-Syndrom). Die Amnesie hingegen tritt spontan auf und wird wohl vom Unterbewusstsein eingesetzt, um das Bewusst-werden von Erkenntnissen und Erinnerungen zu verhindern. Auch die Wahrnehmung der Zeit kann sich verändern, sowohl in Richtung Beschleunigung als auch Verlangsamung.
Zwei für die Hypnotherapie wichtige Phänomene sind die Dissoziation und die Assoziation. In der Dissoziation können persönliche Eigenschaften, Erlebnisse und damit verbundene Gefühle vom eigenen Erleben getrennt (dissoziiert) und leichter von außen betrachtet werden. Assoziiert ist ein Mensch beim intensiven Erleben oder in der vollen Konzentration.
Besonders eine leichte Trance ist kaum vom normalen Wachbewusstsein unterscheidbar; Körper und Geist scheinen nur sehr entspannt und man bekommt auch alles wie gewohnt mit. Hieraus kann der Glaube vieler Patienten nach der ersten Hypnosesitzung beim Psychotherapeuten entspringen, nicht hypnotisiert gewesen zu sein.
Psychosomatisch
Ein großes Anwendungsgebiet der Trance spannt die Anästhesie bzw. Analgesie auf. Durch körperliche Dissoziation können Schmerzen aus dem individuellen Erleben temporär oder auch dauerhaft entfernt werden. Zur Anwendung kommt dieser Effekt sowohl bei akutem Schmerz als auch bei chronischen Schmerzen. Auch Heilung von Hauterkrankungen sind in der Trance wissenschaftlich gestützt nachgewiesen worden, wie bei Warzen und Herpes Simplex. Von medizinischem Interesse ist auch der Einfluss auf die Durchblutung, beispielsweise zur Kontrolle der Blutung bei Operationen oder zur therapeutischen Unterstützung bei Morbus Raynaud.
Alltägliche Phänomene
Einige der o.g. Trancephänomene sind auch im Alltag beobachtbar. Die Zustände sind natürlich und treten meistens spontan auf. Das Unterbewusstsein kann dabei, wie in einer hypnotischen Trance eine für Suggestionen höhere Empfänglichkeit aufweisen.
Die wohl bekanntesten Phänomene treten meist bei langen und eintönigen Autofahrten auf: Fokussierung der Aufmerksamkeit (oft verbunden mit Blickstarre), Zeitverzerrung und anschließende Teilamnesie („Wie bin ich hierher gekommen?“). Für die Tranceinduktion verantwortlich sind insbesondere die Monotonie der Fahrt, das Motorgeräusch und das Vibrieren des Autos.

Stadien der Trance

Die Hypnosetiefe wird üblicherweise durch verschiedene Tests bestimmt, wie z.B. der Armlevitation und negativen Halluzinationen. Es existieren verschiedene Tiefenskalen mit verschiedenen Abstufungen, von einer leichten Unterteilung in drei Tiefen bis hin zu einer fünfzigstufigen Skala. Im therapeutischen Kontext wird auf eine Tiefenfeststellung meist verzichtet, da der Behandlungserfolg damit nicht korreliert.

Welche Phänomene auftreten können, ist von der Hypnosetiefe und vom Hypnotisanden selbst abhängig. In der Praxis unterscheidet man folgende Hypnosetiefen:

Leichte Trance (Somnolenz)
Die Aktivität des Bewusstseins unterscheidet sich hier noch kaum vom Wachzustand. Es werden einfache und logische Suggestionen angenommen und man kann eine beginnende Entspannung der Muskulatur beobachten. Regressions- und analytische Arbeit sind möglich.
Mittlere Trance (Hypotaxie)
Die Entspannung vertieft sich, der Körper wird partiell empfindungslos, das Wachbewusstsein ist kaum noch aktiv. Es werden alle Suggestionen angenommen, die nicht der Persönlichkeit des Probanden zuwiderlaufen, auch totale Schmerzlosigkeit ist möglich.
Tiefe Trance (Somnambulanz)
Dieser Zustand stellt sich als vollkommene Entspannung mit praktischem Verlust der Kritikfähigkeit des Wachbewusstseins dar. Es werden auch Suggestionen angenommen, die unlogisch und realitätsfremd sind, partielle Amnesie ist möglich, Halluzinationen können erfolgreich suggeriert werden. Bei so genannten positiven Halluzinationen nimmt der Hypnotisand irreale Dinge wahr, bei negativen Halluzinationen dagegen werden real vorhandene Dinge nicht mehr wahrgenommen.

Verschiedene Persönlichkeiten haben weitere Differenzierungen vorgenommen. So unterscheidet beispielsweise Ambroise-Auguste Liébeault zwischen sechs Stufen. Diese feineren Unterteilungen sind jedoch nur von theoretischer Bedeutung. Die Trance vertieft sich immer fließend, generell nimmt die Anzahl möglicher Phänomene mit der Hypnosetiefe zu, viele Phänomene sind aber auch im normalen Wachzustand möglich und treten lediglich verstärkt auf.

Die Trance kann nach Belieben vertieft werden, wenn der Proband keine unbewussten Widerstände gegen eine Vertiefung der Trance leistet. Meistens analog dazu nimmt die Kritikfähigkeit des Bewusstseins ab.

Auflösung der Trance

Allgemeine

Jede hypnotische Trance bedarf der Auflösung. Dazu wird mithilfe von Suggestionen der ursprüngliche Bewusstseinszustand wiederhergestellt. Sonstige gegebene Suggestionen müssen durch entsprechende Gegensuggestionen aufgehoben werden. Die Auflösung geht normalerweise schneller vonstatten als die Einleitung, sollte jedoch niemals überstürzt vorgenommen oder gar vernachlässigt werden. Wenn dem Organismus nicht genügend Zeit für die Umstellung gegeben wird, um etwa die Tätigkeit des Herz-Kreislauf-Systems wieder auf Normalwerte zu regulieren, kann es beispielsweise zu Kopfschmerzen kommen. Wenn keine Amnesie suggeriert wurde und man sich nicht in tiefer Trance befand, kann man sich an die Sitzung erinnern.

Wenn doch einmal die Trance nicht ordnungsgemäß aufgelöst worden ist, sollte sie nochmals kurz eingeleitet und danach komplett aufgelöst werden können.

Posthypnotische Suggestionen

Wenn Suggestionen nicht zurückgenommen werden, behalten sie ihre Wirkung nach der Hypnose längerfristig oder so lange bei, bis sie wieder aufgehoben werden. Diese Suggestionen werden als posthypnotische Suggestionen bezeichnet (früher auch als Terminus-Suggestionen bekannt). Wenn ihre Wirkung nicht für unbestimmte Zeit anhalten soll, kann mittels Suggestionen auch ein Zeitpunkt oder ein bestimmtes Ereignis festgelegt werden, zu dem sie anschließend automatisch zurückgenommen werden.

Bestimmte posthypnotische Suggestionen wirken auch nach der Auflösung und Zurücknahme aller anderen Suggestionen. Dazu wird unter Hypnose suggeriert, dass zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt oder Ereignis etwas ganz Bestimmtes passieren wird, ein Anker wird gesetzt. Zu genau diesem Zeitpunkt werden diese Suggestionen auch ihre Wirkung entfalten. Werner J. Meinhold verwendet für diese zuletzt genannte Art von Suggestion den Begriff „ephypnotische Suggestion“.

Spontane Auflösung

Wenn von außen Reize auf den Hypnotisanden einwirken, die einen Schock bei ihm auslösen (z.B. Feueralarm), wird dieser von selbst aus der Trance erwachen. Bei einer unabsichtlichen bzw. ungewollten Auflösung kann eine Nachbearbeitung durch den Hypnotiseur indiziert sein, um leichteren Beschwerden wie zum Beispiel Kopfschmerzen vorzubeugen. Nach einem unangekündigten längeren Zeitraum ohne Suggestionen wird die Trance automatisch in Schlaf übergehen; aus diesem wird der Hypnotisand auch ganz normal erwachen, wodurch allerdings die Suggestionen nicht alle automatisch auch aufgehoben werden. Es kann also unter Umständen notwendig sein, die Hypnose neu einzuleiten und diverse Suggestionen wieder zurückzunehmen.

Anwendungsgebiete

Hypnotherapie
Der Einsatz von Hypnose in der danach benannten Hypnotherapie ist wissenschaftlich und klinisch anerkannt und wird als Ergänzung zu vielen herkömmlichen Methoden eingesetzt. Bereits wenige Sitzungen können deutliche Veränderung bewirken; entsprechend vielseitig werden die Hypnose und ihre Techniken in der Therapie verwendet. Man kann sie beispielsweise zur Behandlung von Depressionen, Suchtkrankheiten, Sprachstörungen, zur Steigerung des Selbstwertgefühls, zum Stressabbau oder bei Schlafstörungen einsetzen. Schwere psychische Störungen oder Traumata sollten aber grundsätzlich nie selbst sondern nur unter Hinzunahme eines Therapeuten behandelt werden. Auch bei der Behandlung von chronischen Schmerzen in Verbindung mit einem verhaltenstherapeutischen Kurzprogramm[1] konnten Reduzierungen der Schmerzstärke nachgewiesen werden.

In Österreich ist Hypnotherapie - unter dem Namen Hypnosepsychotherapie - eine eigenständige anerkannte Psychotherapierichtung auf tiefenpsychologischer Basis unter Einbeziehung der Technik und des Menschenbildes von Milton Erickson.

Selbsthypnose
Wird die Trance ohne Fremdhilfe induziert, wird von Selbsthypnose bzw. Autohypnose gesprochen. In ihrem Wesen ist die Selbsthypnose der Meditation nicht unähnlich, wenngleich beide Methodiken zwei unterschiedliche Ziele verfolgen: Wo bei der Meditation die Aufmerksamkeit tendenziell eher unbestimmt nach außen gerichtet ist, zielt die Selbsthypnose auf eine intrapsychische Konzentration ab.
Selbsthypnose ist nicht schwieriger, als von einem Gegenüber hypnotisiert zu werden, obwohl beide Rollen (Hypnotiseur und Hypnotisand) gleichzeitig wahrgenommen werden müssen. Jedoch ist keine so tiefe Trance erreichbar, da ein Teil des Bewusstseins mit der äußeren Struktur der Hypnose beschäftigt ist; umgekehrt kann jede Hypnose - bis zu einer gewissen Tiefe - als Selbsthypnose unter Anleitung verstanden werden. In der Selbsthypnose kann der Verlauf der Hypnose und die Auswahl an Suggestionen sehr genau gesteuert werden: Niemand kennt sowohl das, was gerade erlebt wird, als auch eigene Wertvorstellungen und Bedürfnisse besser als man selbst.
Die Vorgehensweise unterscheidet sich kaum von der einer Fremdhypnose. Ob und wie man sich anspricht oder ob man die Suggestionen ausspricht, vor sich hinmurmelt oder nur denkt, hat dabei keinen Einfluss auf die Wirkung. Da die Suggestionen Konstrukte des eigenen Denkens sind, sind diese auch entsprechend gefärbt und von der unmittelbar erlebten Umwelt beeinflusst. So ist es normalerweise schwieriger, erst kürzlich aufgekommene abschweifende Gedanken zu ignorieren.
Bei einer Selbsthypnose werden meist weniger Phänomene wahrgenommen als bei einer Fremdhypnose. Das ist aber mit eigenen Zweifeln begründet, die während der Sitzung aufkommen und so Suggestionen unwirksam werden lassen. Zur Not können die Suggestionen auch auf CD oder Kassette aufgenommen werden. Wer dabei selbst spricht, sollte mit seiner Stimme vertraut sein; sie sollte in jedem Fall nicht als störend empfunden werden. Unabhängig vom Sprecher handelt es sich dann aber um Fremdhypnose und nicht mehr um Selbsthypnose.
Ort und Zeit können als Anker dienen, indem sie für jede Sitzung gleich gewählt werden. Wenn man zu müde ist, schläft man ungewollt schon während der Einleitung ein; das ist nicht weiter problematisch. In diesem Fall sollte ein Zeitpunkt gewählt werden, zu dem man noch nicht müde ist.
Besonders in den ersten Sitzungen ist es schwierig, die Wirkungen der Suggestionen nicht zu bewerten. Jede Bewertung hat Einfluss auf den Gedanken- oder Redefluss. Wenn durch etwaige Bewertungen Zweifel am Wirken aufkommen, gibt man sich ungewollt Gegensuggestionen, die gegebenen Suggestionen werden nichtig. Es ist immer sinnvoll, Erwartungen an die Selbsthypnose zurückzunehmen und besonders zu Beginn mit wenig spektakulären Phänomenen zu arbeiten. Da man sich Dinge nicht nicht-vorstellen kann, sollte eine affirmative und möglichst bildliche Sprache wie auch bei Fremdhypnose und Suggestionen selbstverständlich sein.
Mit zunehmender Erfahrung fällt es leichter, die Trance vom normalen Wachsein zu unterscheiden und man kommt auch schneller in Trance. Erfahrungen mit Meditation oder autogenem Training erweisen sich ebenfalls als hilfreich.
Wichtig für den Erfolg bei der Selbsthypnose ist eine gesunde Erwartung: Ähnlich der Hypnose hat auch die Selbsthypnose nichts mit spektakulären Veränderungen oder extremen Bewusstseinszuständen zu tun. Subjektiv mag sich die Selbsthypnose vielleicht nur wie eine leichte Entspannung anfühlen. Deshalb ist es wichtig, sich auf die Zielsetzung in der Selbsthypnose zu konzentrieren ‒ die Wirksamkeit sollte hier im Vordergrund stehen. Als Ausnahme muss hier das Entspannungstraining genannt werden; gerade bei Angstpatienten kann Selbsthypnose hier eine wunderbare Wirksamkeit zeigen.
Leerhypnose
Bei einer Leerhypnose werden nach der Einleitung keine Suggestionen mehr gegeben, bis die Trance aufgelöst werden soll oder von selbst in Schlaf übergegangen ist. Es wird lediglich der entspannende Zustand genossen. Eine Leerhypnose ist bei Fremd- wie bei Selbsthypnose gleichermaßen möglich und mit Meditation vergleichbar.
Operative Anwendung
Für Operationen wird in der Regel der Einsatz konventioneller Anästhetika oder Narkotika bevorzugt, doch gibt es dokumentierte Fälle, in denen der Einsatz einer hypnotischen Trance genügte. [2]Anekdotisch werden einem der Vorreiter der Hypnose, James Esdaile, Hunderte von anästhetikumfreien Operationen in Indien zugeschrieben, die er angeblich nur mit Hilfe von Hypnose durchführen konnte.
Zahnmedizinische Anwendung
Bereits vor der systematischen Entwicklung von Anästhetika wurde die hypnotische Trance zur Schmerzkontrolle eingesetzt. Vermutlich durch (kognitive) Dissoziation vom eigenen Körper, können Teile der körperlichen Wahrnehmung ausgegrenzt werden. Dies hilft beispielsweise bei Patienten, die allergische Reaktionen gegen Anästhetika entwickeln. Unter anderem sind damit auch Zahnbehandlungen unter Hypnose schmerz- und damit auch angstfreier durchführbar. Des Weiteren können über Suggestionen schädliche Gewohnheiten (Knirschen, Pressen, Nägelkauen, Daumenlutschen) therapiert werden.
Geburtshilfe
Die Praxis der Hypnose bei der Geburtshilfe hat eine lange Tradition und ist erst in den letzten zwei Jahrzehnten, wahrscheinlich durch die verstärkte Anwendung der chemischen Anästhesie in den Hintergrund getreten. Spezielle Konzepte zur Hypnose in der Geburtsvorbereitung sind:
  • Hypnoanästhesie: William Kroger (1977),
  • Acht-Punkte-Programm: Ernest und Josephine Hilgard (1975)
  • Ericksonscher Ansatz einer hypnotherapeutischen Paargeburtsvorbereitung: Noelle Poncelet (1990)
  • Hypnoreflexogene Methode der Geburtsvorbereitung: Schauble (1998)
Grundlage ist die Auflösung des Kreislauf von Angst, Anspannung und Schmerz, der in der Regel den Geburtsvorgang begleitet, die Schmerzen verstärkt und Komplikationen hervorrufen kann. Eine breit angelegte Studie [1] (2001/2002) konnte einen umfassenden, positiven Einfluss der Hypnose auf die Geburt belegen.
Hypnoanalyse
Andere Bezeichnungen für die Hypnoanalyse sind analytische Hypnose, psychodynamische Hypnotherapie oder hypnodynamisch orientierte Psychotherapie. Allen gemeinsam ist, dass Hypnose im Kontext einer tiefenpsychologischen Arbeit zum Einsatz kommt. Sie unterstützt die klassische Psychoanalyse durch die Verwendung von Trancephänomenen. So können in Trance die Aufmerksamkeit stärker auf den Gegenstand fokussiert, der Inhalt einer Hypnose (wie eine Altersregression) zum Gegenstand der Analyse oder aber die Arbeit am Widerstand gegen die Erkenntnis deutlich reduziert werden.
Erste Hilfe
Ergänzend zur notärztlichen Versorgung kann hypnotische Kommunikation eingesetzt werden, um die Zeit bis zum Eintreffen von professioneller Hilfe sinnvoll zu nutzen. Hierzu bedarf es jedoch unbedingt einer umfangreichen Ausbildung in hypnotischer Kommunikation, da zum Beispiel verunfallte Menschen oft schon durch den Schock bereits in einem Zustand sind, der sie sehr empfänglich für Suggestionen macht. Die positive Wirkung konnte bei ausgebildeten Rettungsassistenten gezeigt werden.

Gefahren und Missbrauch

Die Hypnose ist nicht ungefährlich, der falsche Einsatz oder sogar Missbrauch kann weitreichende, nicht absehbare Folgen haben. Hypnotisieren darf in Deutschland jeder, hierzu gibt es keine gesetzlichen Vorschriften. Das Unterbewusstsein nimmt Suggestionen wortwörtlich und überprüft sie auch nicht auf Realität. Lediglich moralisch verwerfliche Suggestionen führen zu einem inneren Konflikt, sie werden ignoriert oder lösen den Rapport sofort auf. Dieses Verhalten ähnelt dem bei Erleben von Träumen und Albträumen; trotzdem ist der Hypnotisand die ganze Zeit über anwesend. Diese Schutzfunktion garantiert jedoch nicht, dass bestimmte Handlungen und Tätigkeiten auch in Ausnahme- und Gefahrensituationen unterbunden bleiben, in diesen Fällen greift nach wie vor der Selbsterhaltungstrieb. So würden die meisten Menschen sogar Handfeuerwaffen benutzen, wenn es die Situation erfordert. Ob solche Situationen der Wirklichkeit entsprechen oder nur suggeriert werden, hat dabei keinen Einfluss, solange der Hypnotisand an diese Notsituation glaubt.

Rapportverlust

Ungeschickt gewählte Suggestionen des Hypnotiseurs können die Kommunikation über den aufgebauten Rapport verhindern, ohne dass der Hypnotisand aufwacht. Das kann unter Umständen Panik auf beiden Seiten auslösen: Der Hypnotisand fühlt sich „verloren“, der Hypnotiseur kann die Hypnose nicht mehr kontrollieren. Der Rapport kann auch vollständig abbrechen und die Suggestionen werden weder angenommen noch zurückgenommen. In dem Fall sollte der Hypnotiseur ähnlich einer Einleitung in Ruhe versuchen, die Aufmerksamkeit des Probanden wieder auf sich zu lenken und den Rapport wiederherzustellen. Erfahrene Hypnotiseure nutzen zur Wiedererlangung des Rapports oft eine erneute Vertiefung der Hypnose. Verhält sich der Hypnotiseur dabei ruhig und besonnen, kann dieser das Vertrauen des Probanden zurück gewinnen, wodurch sich der Rapport zumeist erneut wieder einstellt. Wenn es die näheren Umstände zulassen, etwa wenn noch keine weiterführenden beziehungsweise komplizierten Suggestionen gegeben wurden, kann er auch darauf warten, dass die nunmehr Leerhypnose in Schlaf übergeht. Auf keinen Fall sollte der Hypnotiseur panisch oder gar verzweifelt mit unüberlegten Suggestionen reagieren, das würde die Situation nur verschlimmern. Einmal gegebene Suggestionen, auch scheinbar harmlose, müssen danach unbedingt zurückgenommen werden.

Erfahrungen des Hypnotisanden mit Selbsthypnose können den Umgang mit Rapportverlust hilfreich verbessern.

Überanstrengung

Bei normalem Bewusstsein ist es unmöglich, die eigenen Energiereserven voll auszuschöpfen, nur in Todesangst geht der dafür verantwortliche Schutzmechanismus verloren. Allerdings kann er auch durch Hypnose ausgehebelt werden. Der Einsatz der Hypnose bei körperlich anstrengenden Tätigkeiten, um sich an eigene Belastungsgrenzen heranzuführen oder zu überschreiten, ist lebensgefährlich.

Medizin

Die Hypnose kann bei vielen medizinische Anwendungen als sinnvolle Ergänzung zu konventionellen Mitteln dienen. Teilweise wird sie fälschlicherweise als allwirksames Heilmittel propagiert. Allerdings wird übersehen bis gänzlich verschwiegen, dass die Wirksamkeit der Hypnose auf der Einstellung des Patienten beruht. Wer sich einer Hypnosesitzung beim Therapeuten unterzieht, muss daher eingehend und wachsam die Qualifikation des Hypnotiseurs überprüfen. Es ist darauf hinzuweisen, dass in Deutschland lediglich der Begriff „psychologischer Psychotherapeut“ rechtlich geschützt ist. In Österreich gibt es zusätzlich einen gesetzlichen Schutz für Psychotherapeuten, allerdings wird hier nicht zwischen psychologischen und ärztlichen Therapeuten unterschieden.

Man sollte sich ausschließlich von Therapeuten hypnotisieren lassen, denen man volles Vertrauen schenkt. Wer an der Glaubwürdigkeit des Hypnotiseurs zweifelt, sollte unbedingt von einer derartigen Behandlung unter ihm absehen.

Siehe auch: Vulnerabilität

Showhypnose

Showhypnose, auch Bühnen- oder Varietéhypnose, sind Veranstaltungen, bei denen ein Hypnotiseur zur Unterhaltung eines Publikums Versuchspersonen hypnotisiert. Die Umstände einer Showhypnose ermöglichen dabei Phänomene, für die eigentlich eine tiefe Trance notwendig sind, wie beispielsweise Halluzinationen. Rahmenbedingungen sind: Freiwilligkeit der Versuchsperson und dessen Bereitschaft, dies vor einem Publikum zu tun. Es ist aber auch durchaus möglich, dass die Phänomene von den Probanden nur gespielt werden und sie sich gar nicht wirklich in einer tiefen Trance befinden. Es ist von Hypnotiseur zu Hypnotiseur unterschiedlich, ob diese in der Show echte Hypnose oder nur Schauspielerei (evtl. auch durchmischt) vorführen.

Diese Vorführungen sind nicht immer unbedenklich. So können bei der sog. kataleptischen Brücke unter Umständen schwere Verletzungen auftreten, speziell dann, wenn noch ein Zusatzgewicht in Form einer Person oben darauf gestellt wird. Dieser Stunt sollte unbedingt vermieden werden, speziell mit Personen, welche man nicht persönlich kennt und nicht weiss, ob sie irgendwelche Vorbelastungen durch Rückenprobleme oder durch vor kurzer Zeit durchgeführten Operationen haben. Wenn die dabei auftretenden Schmerzen wegsuggeriert werden, kann das für den Probanden weitreichende Folgen haben, wenn sich dieser daraufhin erst verspätet in ärztliche Behandlung begibt. Psychische Schäden, obwohl noch nie dokumentiert, sind möglich, wenn beispielsweise durch Katalepsie traumatische verdrängte Erinnerungen an Krämpfe oder Lähmungen geweckt werden. Weitere Risikofaktoren sind Allergien und unbewusste Ängste bei den Probanden, durch welche die Suggestionen ungewollte und/oder schädliche Wirkungen hervorrufen können. Suggestionen, die nach der Show nicht vollständig zurückgenommen wurden, weil sie vergessen wurden oder der Proband die Rücknahme aus irgendwelchen Gründen nicht angenommen hat, haben jedoch keine nachhaltigen Effekte oder negative Auswirkung später im Leben. Diese Fehlinformation ist leider immer noch in den Köpfen von vielen Therapeuten und es muss zuerst einmal noch ein Fall bekannt und dokumentiert werden, wo dies auch nachgewiesen werden konnte.

Die Showhypnose gilt in einigen wenigen Ländern als unverantwortlich und wurde deshalb dort verboten (zum Beispiel Israel, Schweden). In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist sie erlaubt.

Hypnose-Fachgesellschaften

Es gibt verschiedene Fachgesellschaften für Hypnotiseure. Die meisten davon nehmen nur Mitglieder auf, die aktive Hypnotiseure sind. Manche Gesellschaften haben bestimmte Aufnahmebedingungen für Mitglieder (wie zum Beispiel die ärztliche Approbation). Die meisten Gesellschaften bieten die Möglichkeit einer Beratung für potenzielle Patienten oder Klienten und sind international vernetzt.

Literatur

  • Hille, Katharina: Lebensreisen. Praxis der Hypnoanalyse BoD, 2007, ISBN 978-3837001259
  • Hüsken-Janßen, H.; Revenstorf, D.; Tinneberg, H.-R.: Hypnose in der Geburtsvorbereitung: Multizentrale empirische Untersuchung der Wirksamkeit der hypnoreflexogenen Methode nach Schauble. (online hier)
  • Kaiser-Rekkas, A.: Klinische Hypnose und Hypnotherapie. Auer, Heidelberg 2001, ISBN 3-89670-224-6
  • Kossak, H.-C.: Lehrbuch Hypnose. Psychologie-Verlags-Union, Weinheim ISBN 3-621-27146-5
  • Kronfeld, A.: Hypnose und Suggestion. (Reihe: Wege zum Wissen Nr.11) Ullstein, Berlin 1924 (Übers.: Leningrad 1925, Moskau 1927; Prag 1931; Tallinn 1991)
  • LeCron, L. M.: Fremdhypnose - Selbsthypnose - Technik und Anwendung im täglichen Leben. Ariston, Kreuzlingen/München 1973 ISBN 3-7205-1414-5
  • Meinhold W. J.: Das große Handbuch der Hypnose - Theorie und Praxis der Fremd- und Selbsthypnose. Ariston, Kreuzlingen/München 2006 (8. überarbeitete und erweiterte Neuauflage) ISBN 3-7205-2741-7
  • Meinhold W. J.: Psychotherapie in Hypnose - Was jeder darüber wissen sollte. Artus, Mannheim 1993 ISBN 3-926654-07-4
  • Revenstorf D. und B. Peter (Hrsg.): Hypnose in Psychotherapie, Psychosomatik und Medizin. Springer, Berlin 2001 ISBN 3-540-67480-2
  • Revenstorf u.a.: Expertise zur wissenschaftlichen Evidenz der Hypnotherapie 2003. Expertise für den Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie. (online hier)
  • Schmidt G.: Einführung in die hypnosystemische Therapie und Beratung. Auer, Heidelberg 2005 ISBN 3-896-70470-2
  • Kurt Tepperwein Die hohe Schule der Hypnose Der Goldmann Verlag ISBN 3-442-10962-0
  • "Hypnose"- Einträge in:
    • Kirchner, F.: Wörterbuch der philosophischen Grundbegriffe.() Dürr, Leipzig 1907 - hier
    • Eisler, R.: Wörterbuch der philosophischen Grundbegriffe() 2. völlig neu bearb. Auflage. Mittler & Sohn, Berlin 1904 - hier
    • Dornblüth, O.: Klinisches Wörterbuch: Die Kunstausdrücke der Medizin erläutert.() de Gruyter, Berlin 1927, 13. u. 14. vollkommen umgearb. Aufl. (von Emil Banwarth) - hier

Siehe auch


Personenartikel

Belege

  1. Jacobs, S., Strack, M. Bode, G., Kröner-Herwig, B. (2001): Hypnotherapeutische Interventionen im Rahmen eines verhaltenstherapeutischen Kurzprogramms zur Behandlung chronischer Schmerzen. In: Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin. 22.Jg(3),199-217.
  2. WDR Bericht:Operationen unter Narkose
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