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Biofilm



  Biofilme bestehen aus einer dünnen Schleimschicht (Film), in der Mikroorganismen (z. B. Bakterien, Algen, Pilze, Protozoen) eingebettet sind. Biofilme entstehen, wenn Mikroorganismen sich an Grenzflächen ansiedeln. Sie bilden sich überwiegend in wässrigen Systemen, entweder auf der Wasseroberfläche oder auf einer Grenzfläche zu einer festen Phase.

Allgemein können jedoch alle Grenzflächen von Biofilmen bewachsen werden: zwischen Gas- und Flüssigphasen (z. B. freier Wasserspiegel), Flüssig- und Festphasen (z. B. Kies an der Gewässersohle) oder auch zwischen verschiedenen Flüssigphasen (z. B. Öltröpfchen im Wasser). Die Grenzfläche, auf der sich der Biofilm bildet, nennt man Substratum.

Biofilme können als die Urform des Lebens gelten, denn die ältesten Fossilien, die man bisher gefunden hat, stammen von Mikroorganismen in Biofilmen, die vor 3,2 Milliarden Jahren gelebt haben. Es handelt sich dabei um in Westaustralien (Pilbara Kraton) gefundene Stromatolithen. Der Biofilm als Lebensform hat sich so gut bewährt, dass er bis heute weit verbreitet ist. Die weitaus überwiegende Zahl an Mikroorganismen lebt in der Natur in Form von Biofilmen.[1]

Biofilme werden im Alltag oft als „Schleimschicht“ oder „Belag“ wahrgenommen. Andere, umgangssprachliche Bezeichnungen sind: Aufwuchs, Kahmhaut, Sielhaut.

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Inhaltsverzeichnis

Zusammensetzung

Der Biofilm enthält außer den Mikroorganismen hauptsächlich Wasser. Von den Mikroorganismen ausgeschiedene extrazelluläre polymere Stoffe (EPS) bilden in Verbindung mit dem Wasser Hydrogele, so dass eine schleimartige Matrix entsteht, in der Nährstoffe und andere Substanzen gelöst sind. Oft werden von der Matrix auch anorganische Partikel oder Gasbläschen eingeschlossen. Die Gasphase kann je nach Art der Mikroorganismen mit Stickstoff, Kohlenstoffdioxid, Methan oder Schwefelwasserstoff angereichert sein.

Die EPS bestehen aus Biopolymeren, die in der Lage sind, Hydrogele zu bilden und die somit dem Biofilm eine stabile Form geben. Dabei handelt es sich um ein weites Spektrum von Polysacchariden, Proteinen, Lipiden und Nukleinsäuren. In Biofilmen leben normalerweise mehrere verschiedene Mikroorganismen gemeinsam, außer den „Urbewohnern“ des Biofilms können auch andere Einzeller (Amöben, Flagellaten u. a.) integriert werden.

Im Abstand von wenigen hundert Mikrometern können aerobe und anaerobe Zonen vorkommen, was das Leben von aeroben und anaeroben Mikroorganismen eng nebeneinander zulässt.

Im Inneren von Biofilmen werden gelöste Stoffe überwiegend durch Diffusion transportiert. Konvektive Stofftransportvorgänge treten allenfalls in Kavernen und Gängen auf, wenn diese vom Wasser durchströmt werden. Im Bereich der Oberfläche des Biofilms können konvektive Mischungsvorgänge zusätzlich durch Bewegung von in die Strömung hineinragenden Auswüchsen (z. B. Fadenbakterien) ausgelöst werden.

Form

Im Kernbereich ist der Biofilm meist kompakt (Basis-Biofilm). Der Randbereich (Oberflächen-Biofilm) kann entweder ebenfalls kompakt sein und eine ebenen Grenzfläche zum überströmenden Fluid hin bilden, oder auch unscharf ausgeformt und wesentlich lockerer sein.

Außerdem kann die Oberfläche entweder regelmäßig geformt sein oder einer Berg-und-Tal-Bahn ähneln, wenn beispielsweise Bakterienarten fadenförmig (filamentös) in das Fluid hineinwachsen oder wenn das Substratum mit Protozoen (z. B. Glockentierchen) oder höheren Organismenarten besiedelt ist.

Die so entstehende Biofilm-Matrix ist oft von Poren, Kavernen und Gängen durchzogen, die einen Stoffaustausch zwischen den Bakterienzellen und eine Versorgung mit Wasser ermöglichen.

An der Grenzschicht zum Wasser können immer wieder Zellen oder ganze Teile des Biofilms abgegeben und vom vorbeiströmenden Wasser aufgenommen werden.

Bildung

Die Entstehung und Ausbildung eines Biofilms kann in drei Phasen unterteilt werden: die Induktionsphase, die Akkumulationsphase und die Existenzphase.

Der Biofilmbildung auf festen Oberflächen geht meist eine Induktionsphase voraus, andere Biofilme bilden sich oft auch ohne diese. In der Induktionsphase lagert sich an einer mit Wasser benetzten Oberfläche eine dünne, zähflüssige Schicht aus organischen Substanzen an. Dadurch können die Mikroorganismen sich besser an die Oberfläche anheften. Diese Biopolymere entstammen der Schleimhülle, die sich um Bakterienzellen bildet (EPS), sich gelegentlich ganz oder teilweise ablöst und beim Kontakt mit Grenzflächen adsorptiv gebunden wird.

Diese organische Schicht wird dann in der Akkumulationsphase von Keimen besiedelt, welche die organischen Substanzen als Nährstoffe nutzen. Die Verständigung der Mikroorganismen läuft über ein interzelluläres Kommunikationssystem, welches als „Quorum sensing“ bezeichnet wird. Dadurch finden sich die einzelnen Organismen in großer Zahl zusammen. Infolge der Vermehrung der Zellen, die sich an einer Oberfläche angelagert haben, kommt es zu einer Ausbreitung der Organismen. Die Grenzfläche wird in Form eines Films (Biofilm) erst flächig besiedelt. Gleichzeitig oder später wachsen die Biofilme mehrschichtig auf und bilden schließlich dreidimensionale Strukturen.

Von der Existenzphase spricht man, wenn sich ein Gleichgewicht zwischen Zuwachs und Abbau des Biofilms einstellt. Die Tiefenausdehnung des Biofilms ist begrenzt, da sich regelmäßig ganze Teile des Biofilms ablösen (Häutung, engl. sloughing). Dafür gibt es verschiedene Ursachen:

  • In den tieferen Schichten des Biofilms kommt es leicht zu Substrat- oder Sauerstoffmangel. Diese physiko-chemischen Gradienten können mittels Mikrosensoren gemessen werden. Fakultativ anaerobe (sauerstofftolerant) bzw. strikt anaerobe (leben ohne Sauerstoff) Bakterien haben in diesem Milieu einen Wachstumsvorteil gegenüber den aeroben (benötigen Sauerstoff) Vertretern.
  • Durch die zunehmende Dicke wird der Biofilm irgendwann zu schwer.
  • Durch die Bildung von Gasblasen (z. B. durch Denitrifikation und Kohlendioxid) geht der Zusammenhalt von Biofilmteilen verloren
  • Die Erhöhung des Strömungswiderstandes mit zunehmender Dicke führt zu einer erhöhten Erosion, wenn sich der Biofilm an angeströmten Oberflächen gebildet hat.

Leben im Biofilm – Schutz und Gemeinschaft

Die Lebensvorgänge der Bakterien im Biofilm unterscheiden sich deutlich von denen im planktonischen Zustand, also in freier Suspension. Bewegliche Bakterien trennen sich von ihren Flagellen und es werden andere EPS als im planktonischen Zustand gebildet.

Die Matrix bietet mechanische Stabilität und erlaubt es den Biofilm-Organismen, langfristige synergistische Wechselwirkungen aufzubauen, Hungerperioden zu überstehen und verhindert das Abschwemmen extrazellulärer Enzyme.

So werden einige Gene durch den Oberflächenkontakt an- und andere abgeschaltet. Durch spezielle Signalmoleküle können sie sich untereinander verständigen und gegenseitig weitere Gene an- und abschalten. Ihr genetisches Repertoire erweitern sie durch „horizontalen Gentransfer“, indem sie Nachbarzellen besuchen und fleißig Gene austauschen, die sie für spezielle Abbauprozesse brauchen.

Dadurch ist eine ungemein flexible, leistungsfähige und universelle Lebensform entstanden, die sich ansatzweise mit multizellulären Organismen vergleichen lässt.

Der Biofilm bietet dem einzelnen Mikrolebewesen darin einen ausgezeichneten Schutz und ermöglicht ihm, sich auf veränderte Umweltbedingungen einzustellen: So steigt die Toleranz gegenüber extremen pH- und Temperatur-Schwankungen, Schadstoffen (z. B. Bakterizide), aber auch UV- und Röntgenstrahlung sowie Nahrungsmangel. Mögliche Ursachen dieser Hemmung sind:

  • erschwerte Penetration – die Schadstoffe können nicht in die Biofilme eindringen
  • ungünstige Bedingungen für den Wirkstoff im Biofilm
  • hohe Diversität
    • Einzelne bakterielle Zellen oder Gruppen an verschiedenen Stellen des Biofilms (mit anderen Worten „näher“ oder „weiter entfernt“ von Nährstoffen, Sauerstoff (aerobe und anaerobe Bereiche), Antibiotika oder Reaktionen des Immunsystems) verhalten sich unterschiedlich. Selbst bei großflächigem Bakteriensterben überleben häufig vereinzelte so genannte „Persister“, die aufgrund der vorhandenen Nährstoffe nahezu ideale Bedingungen für eine erneute Vermehrung haben.[2]
    • langsamere Wachstumsraten der Bakterien im Biofilm – die Bakterien zeigen teilweise einen reduzierten Stoffwechsel bis hin zu Ruhestadien (VBNC – „viable but not culturable“-Stadien)[3] und nehmen deshalb so gut wie keine antibiotischen Gifte auf, sie schützen sich im Wesentlichen selbst durch Untätigkeit.

Vorkommen

Natürliches Vorkommen

Biofilme kommen überall vor – in allen Böden und Sedimenten, auf Gestein, auf Pflanzen, Tieren und Menschen, im Eis von Gletschern, in kochenden Quellen, auf Felsen in der Wüste, in verdünnter Schwefelsäure und verdünnter Natronlauge, in Flugzeugbenzin und in Öltanks, in Raumschiffen[4] und U-Booten, sogar in stark verstrahlten Bereichen von Kernkraftwerken. Sie bilden mikrobielle Matten in Feuchtgebieten.

Biofilme besitzen eine große ökologische Bedeutung. Sie sind an den globalen Kreisläufen von Kohlenstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Schwefel, Phosphor und vieler anderer Elemente beteiligt. Sie mobilisieren Stoffe aus Mineralen. Sie binden viel Kohlenstoffdioxid, womit sie dem Treibhauseffekt entgegenwirken.

Die Organismen innerhalb der Biofilme sind in der Lage, durch ihr Zusammenwirken auch schwer abbaubare Stoffe abzubauen. Sie spielen eine zentrale Rolle in den Selbstreinigungsprozessen natürlicher Habitate. So sind sie wesentlich an der Selbstreinigung der Gewässer beteiligt.

An Grenzflächen bzw. Körperöffnungen von Menschen und Tieren gibt es häufig „einheimische“ nicht-krankheitserregende (apathogene) Biofilm-Populationen. Beispiele hierfür sind die Bakteriengemeinschaften von Haut, Mund und Darm (Haut-, Mund- und Darmflora). Auch die Plaque, die sich auf Zähnen bildet, besteht aus Biofilmen.[5] Die beteiligten Bakterien gelten als Kommensale. Profitieren beide Arten handelt es sich um Mutualismus. Sie erfüllen eine Reihe von Aufgaben. So sind sie bei der Reifung des Immunsystems in den ersten Lebensjahren von Bedeutung. Außerdem werden potenziell krankheitserregende Bakterien ferngehalten oder die Verdauungsprozesse unterstützt. Kommt es zu einem Ungleichgewicht in der Population, kann dies zu Krankheiten führen.

Infektionskrankheiten

  Obwohl Biofilme in der Natur allgegenwärtig sind, wird ihre klinische Bedeutung in der Medizin häufig unterschätzt. Dies gilt insbesondere für Infektionen, denn in mehr als 60 % aller bakteriellen Infektionskrankheiten schützen sich die Erreger durch die Bildung von Biofilmen vor dem Immunsystem.[6] Hierunter fallen die mikrobielle Kontamination und Besiedlung von Kathetern, Implantaten und Instrumenten. Der zunehmende Einsatz von Kunststoffen in der Medizintechnik hat neben den großen inhärenten Vorteilen für Diagnostik und Therapie zu einer Verschärfung der Biofilm-Problematik geführt. Besonders wegen der Affinität verschiedener Mikroorganismen, wie einigen Staphylokokken, zu den Oberflächen von Biomaterialien sind etwa die Hälfte der nosokomialen Infektionen auf chirurgische Implantate zurückzuführen.[7] Als Ausgangspunkt der beteiligten Mikroorganismen gelten die Hautoberfläche von Krankenhauspersonal und Patienten, der Kontakt von Ausstrittsstellen oder Konnektoren mit Leitungswasser und weitere Quellen aus der Umgebung.[8] Abhängig von dem verwendeten Medizinprodukt und der Verweildauer kommen gram-positive, gram-negative Bakterien und Pilze als Einzel- oder Multi-Spezies-Biofilm vor. Beispiele für häufig beteiligte Erreger sind:

Ein großer Teil des anfänglichen mikrobiologischen Instrumentariums wurde im Zuge großer Seuchen und deshalb mit Schwerpunkt auf den frei schwebenden (planktonischen), sich schnell teilenden Bakterien akuter Infektionen entwickelt (siehe Henle-Koch-Postulate). Die hier geforderte Isolation und Reinkultur im Labor führt allerdings zu beträchtlichem Genverlust der Bakterien unter herkömmlichen Laborbedingungen und schließlich zum Verlust der Fähigkeit zur Biofilmbildung. Deswegen und aufgrund der oben erwähnten Ruhephasen entziehen sich Biofilme in der Akkumulationsphase häufig neben dem Nachweis durch konventionelle Verfahren der Bakterienkultur auch der eingehenderen Untersuchung.[9] In der Existenzphase kommt es, koordiniert durch das Quorum sensing, zum Ablösen größerer Bakterienansammlungen. Dadurch entsteht eine Quelle für Keime, die zu chronischen und wiederkehrenden Infektionen von Patienten (Bakteriämie) und unter Umständen bis hin zur häufig tödlichen Sepsis führen. Dies gilt insbesondere für Patienten mit geschwächtem Immunsystem. Aufgrund der teilweise ungeklärten erhöhten allgemeinen und Antibiotikum-Resistenz der Bakterien im Biofilm (u. a. durch verstärkten horizontalen Gentransfer, Bildung von „Persistern“ und hoher Diversität – siehe oben) ist in vielen Fällen die Entfernung des jeweiligen Implantats erforderlich. Besonders gefährdet sind Systeme mit großen Oberflächen und Hautdurchtrittsstellen. Beispiele für häufig von fremdkörper-assoziierten Infektionen betroffene Medizinprodukte sind:[1]

  • Venenkatheter
  • künstliche Herzklappen
  • Gelenkprothesen
  • Peritonealdialyse-Katheter
  • Herzschrittmacher
  • Endotrachealtubi
  • Zerebrospinalflüssigkeit-Shunts

Darüber hinaus sind Biofilme an Wundinfektionen, bakterieller Endokarditis und Mukoviszidose beteiligt.[1][10] Zudem konnten Biofilme mit chronischer Mittelohrentzündung bei Kindern in Verbindung gebracht werden.[11]

Durch die Verwendung von Verfahren und Herangehensweisen aus der mikrobiellen Ökologie werden für die medizinische Mikrobiologie laut J. W. Costerton (siehe Literatur) erhebliche Synergien bei Verständnis und Therapie von medizinisch relevanten Biofilmen und damit ein deutlicher Fortschritt erwartet.

Lebensmittel

Um die Kontamination von Wasser und Lebensmitteln, aber auch von Medikamenten und Kosmetika durch Mikroorganismen zu verhindern, sind ständige Maßnahmen gegen Biofilmbildung nötig. Dabei fallen jedes Jahr große Mengen durch Reinigungs- und Desinfektionsmittel belasteten Wassers an.

Biokorrosion

Die Ausscheidungen der Biofilm-Organismen können auch die Korrosion ihrer Unterlage beschleunigen, man spricht dann von Biokorrosion. Fast alle technischen Systeme sind davon betroffen: u. a. Kühlkreisläufe, Wasseraufbereitungs- und Brauchwassersysteme, die Energieerzeugung in Kraftwerken, die Produktion von Autos, Computern, Farben, die Öl-Industrie. In Bergbaualtlasten führt biologische Laugung von Mineralen durch Biofilme zu großflächigen Umweltschäden bei Böden, Gewässern und Luft durch Staubbelastung sowie Emission von Schwefelsäure, Schwermetallen, Radon und Radionukliden.

Biofouling

Bei der Wasseraufbereitung durch Membranverfahren sind Biofilme für das Biofouling verantwortlich, das bei dieser Technik zu schwerwiegenden Störungen führt.

Um einen verwandten Prozess handelt es sich bei Biofilmen, die sich an Schiffsrümpfen bilden. Sie führen zu erhöhter Reibung und dadurch zu erhöhtem Brennstoffverbrauch. Ein Biofilm von nur einem Zehntel Millimeter verringert die Geschwindigkeit eines Tankers um 10 bis 15 Prozent. Im Kampf gegen den Bewuchs werden spezielle Substanzen auf Schiffe gestrichen, deren Wirkstoffe an das Wasser abgegeben werden und eine ernst zu nehmende Umweltbelastung darstellen. Auf der anderen Seite ergibt sich eine nicht unerhebliche Entlastung der Umwelt durch den eingesparten Treibstoff. Eine Ermessensfrage.

Nutzung

Die Biotechnologie macht sich Grenzflächen bereits in vielfacher Weise nutzbar. Dies reicht vom Einsatz immobilisierter, d. h. oberflächengebundener Enzyme und Mikroorganismen über die Abwasserreinigung mit Biofilm-Reaktoren und die biologische Abfallbehandlung bis zur mikrobiellen Laugung von Erzen.

Einsatz in der Abwassertechnik

Die Nutzung immobilisierter Mikroorganismen zur Abwasserreinigung in Form von Biofilmen begann bereits im 19. Jahrhundert. Biofilmverfahren eignen sich sehr gut für die Abwasserreinigung. Die Mikroorganismen sind an eine Feststoff-Oberfläche gebunden und werden somit nicht mit dem Abwasser aus der Kläranlage ausgetragen.

Die das Wasser verunreinigenden Stoffe sind für Mikroorganismen Energiequelle und Nahrung. Biofilme mit ihrer verästelten Struktur besitzen eine sehr große Adsorptionsfläche. Dadurch können Stoffe, die nicht sofort verarbeitet werden können, bis zu einem gewissen Grad am Biofilm angelagert und nachfolgend in Perioden mit geringer Nahrungszufuhr abgebaut werden.

Nach den jeweiligen Reaktortypen unterscheidet man Tropfkörper, Scheibentauchkörper, aerobe und anaerobe Festbetten und Schwebebetten.

Biologische Abfallbeseitigung

Biofilme machen die biologische Abfallbeseitigung möglich, indem sie die Abfälle besiedeln und abbauen.

Bodensanierung

Selbst Bodenschadstoffe wie ausgelaufenes Öl können von den entsprechenden Mikroorganismen zersetzt werden.


Verhinderung/Bekämpfung von Biofilmen

Es gibt verschiedene, teilweise experimentelle Methoden, Biofilme zu verhindern bzw. zu bekämpfen. Dabei wird häufig durch Vorbeugung versucht, es gar nicht erst zur Bildung von Biofilmen kommen zu lassen. Beispiele für verschiedene Ansätze sind:

  • Eintrag von organischen Nährstoffen minimieren, um den Mikroorganismen die Lebensgrundlage zu entziehen
  • Maßnahmen zur Desinfektion und Entkeimung des Wassers, z. B. Chlorierung
  • mechanische Zerstörung der Biofilme
  • In der Biotechnik müssen Biofilme in Rohrleitungen, die reines und hochreines Wasser transportieren, verhindert werden. In der Regel wird dazu Ozon eingespeist.
  • Bakteriophagen[12]
  • antimikrobielle Peptide (AMPs)
  • Störung der Kommunikation (Quorum sensing) der Bakterien im Biofilm zur Verhinderung der Ansiedlung bzw. deren Ablösung mit sog. Furanonen (als Vorbild gilt die australische Rotalge Delisea pulchra)
  • Oberflächenmodifikation (bakterienabweisende Beschichtungen)
  • dynamische Oberflächen (häufig mit bionischem Ansatz)
    • elektrischer Strom
    • „Häutung“ oder „Schälung“
    • „Herauswachsen“ von Strukturen
    • „Schleimbildung“

Literatur

  • John William „Bill“ Costerton: The Biofilm Primer (Springer Series on Biofilms). Springer, Berlin/Heidelberg/New York 2007, ISBN 978-3-540-68021-5, doi:10.1007/b136878
  • Hans-Curt Flemming: Biofilme – das Leben am Rande der Wasserphase. Nachrichten aus der Chemie 4, S. 442–447 (2000)
  • Hans-Curt Flemming, Jost Wingender: Biofilme – die bevorzugte Lebensform der Bakterien: Flocken, Filme und Schlämme. Biologie in unserer Zeit 31(3), S. 169 – 180 (2001), ISSN 0045-205X

Siehe auch

  • Stromatolith

Quellen

  1. a b c Luanne Hall-Stoodley, J. William Costerton u. a.: Bacterial biofilms: from the natural environment to infectious diseases. In: Nature reviews / Microbiology. Bd. 2, Nr. 2, 2004, ISSN 1740-1526, PMID 15040259, doi:10.1038/nrmicro821, S. 95–108 (PDF-Datei; 0,6 MB)
  2. Kim Lewis: Riddle of biofilm resistance. In: Antimicrobial agents and chemotherapy. Bd. 45, Nr. 4, 2001, ISSN 0066-4804, PMID 11257008, doi:10.1128/AAC.45.4.999-1007.2001, S. 999–1007 (PDF-Datei; 0,2 MB)
  3. Ulrich Szewzyk und Regine Szewzyk: Biofilme − die etwas andere Lebensweise. In: BIOspektrum. Jg. 9, 2003, ISSN 0947-0867, S. 253–255 (PDF-Datei; 0,3 MB)
  4. C. Mark Ott, Rebekah J. Bruce u. a.: Microbial characterization of free floating condensate aboard the Mir space station. In: Microbial ecology. Bd. 47, Nr. 2, 2004, ISSN 1432-184X, PMID 14569419, doi:10.1007/s00248-003-1038-3, S. 133–136 (PDF-Datei; 0,9 MB)
  5. Joe J. Harrison, Raymond J. Turner u. a.: Biofilms – A new understanding of these microbial communities is driving a revolution that may transform the science of microbiology. In: American scientist. Bd. 93, Nr. 6, 2005, ISSN 0003-0996, doi:10.1511/2005.6.508, S. 508–515 (Online-Version)
  6. Christoph A. Fux, J. William Costerton u. a.: Survival strategies of infectious biofilms. In: Trends in microbiology. Bd. 13, Nr. 1, 2005, ISSN 0966-842X, PMID 15639630, doi:10.1016/j.tim.2004.11.010, S. 34–40
  7. Joseph M. Patti: Vaccines and immunotherapy for staphylococcal infections. In: The international journal of artificial organs. Bd. 28, Nr. 11, 2005, ISSN 0391-3988, PMID 16353122, S. 1157–1162
  8. Rodney M. Donlan: Biofilms and device-associated infections. In: Emerging infectious diseases. Bd. 7, Nr. 2, 2001, ISSN 1080-6040, PMID 11294723, S. 277–281 (PDF-Datei; 0,1 MB)
  9. Yogita N. Sardessai: Viable but non-culturable bacteria: their impact on public health. In: Current science. Bd. 89, Nr. 10, 2005, ISSN 0011-3891, S. 1650 (PDF-Datei; 0,01 MB)
  10. Eliana Drenkard und Frederick M. Ausubel: Pseudomonas biofilm formation and antibiotic resistance are linked to phenotypic variation. In: Nature. Bd. 416, Nr. 6882, 2002, ISSN 1476-4687, PMID 11961556, doi:10.1038/416740a, S. 740–743 (PDF-Datei; 0,3 MB)
  11. Luanne Hall-Stoodley, Fen Ze Hu u. a.: Direct detection of bacterial biofilms on the middle-ear mucosa of children with chronic otitis media. In: The journal of the American Medical Association. Bd. 296, Nr. 2, 2006, ISSN 0098-7484, PMID 16835426, doi:10.1001/jama.296.2.202, S. 202–211
  12. Timothy K. Lu und James J. Collins: Dispersing biofilms with engineered enzymatic bacteriophage. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA. Bd. 104, Nr. 27, 2007, ISSN 0027-8424, PMID 17592147, doi:10.1073/pnas.0704624104, S. 11197–11202 (PDF-Datei; 1,7 MB)
  13. Barbara W. Trautner, Richard A. Hull u. a.: Coating urinary catheters with an avirulent strain of Escherichia coli as a means to establish asymptomatic colonization. In: Infection control and hospital epidemiology. Bd. 28, Nr. 1, 2007, ISSN 0899-823X, PMID 17230395, doi:10.1086/510872, S. 92–94
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