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Medikamentenmissbrauch



Unter Medikamentenmissbrauch versteht man das Einnehmen von bestimmten Arzneimitteln, ohne dass dafür eine medizinische Notwendigkeit besteht oder aber die Einnahme höherer Dosierungen als für die Behandlung einer Krankheit notwendig wäre. Zum überwiegenden Teil werden bei einem Medikamentenmissbrauch bestimmte Medikamente mit dem Drang nach Rauschzuständen, Entspannung, Beruhigung und Euphorie entweder in Kombination und/oder in Überdosierungen eingenommen.

In Deutschland betreiben nach aktuellem Stand (August 2007) mehr als 1,4 Millionen Menschen regelmäßig Missbrauch mit Medikamenten. Viele dieser Menschen sind zusätzlich von bestimmten Wirkstoffen physisch und/oder psychisch abhängig. In diesen Fällen spricht man dann primär von einer Medikamentenabhängigkeit.

Inhaltsverzeichnis

Missbrauchspotenzial

Im Vergleich zum gesamten Arzneimittelmarkt besitzen nur verhältnismäßig wenige Medikamente ein ausgeprägtes Missbrauchspotenzial. Auf Grund der weit über 10.000 erhältlichen Medikamente in Deutschland sind es aber dennoch eine ganze Reihe Medikamente die ein mehr oder weniger stark ausgeprägtes Missbrauchspotenzial aufweisen. Dabei wird grundlegend zwischen den stimulierenden (aufputschenden) und den beruhigenden Medikamenten unterschieden. Die Intensität der Rauschzustände, die durch den Missbrauch von Arzneimitteln erreicht werden kann, kann teilweise deutlich über denen der illegalen Drogen liegen.

Missbrauchbare Wirkstoffe

Der größte Teil der missbrauchten Medikamente fällt unter die Wirkstoffe bestimmter Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide und auf die beruhigenden, angstlösenden und krampflösenden Wirkstoffe aus der Gruppe der Benzodiazepine. Es gibt jedoch auch noch mehrere andere Wirkstoffe, die bei unsachgemäßer Anwendung ein erhebliches Missbrauchspotenzial aufweisen können. Einige dieser missbrauchbaren Wirkstoffe sind auch ohne ärztliches Rezept erhältlich.

Die folgende Tabelle enthält einen Überblick über die am häufigsten missbrauchten Medikamente in Deutschland .

Wirkstoffe Wirkstoffgruppe Medikamente Status Primäre Wirkung
Alprazolam, Lorazepam Benzodiazepine Tafil®, Tavor® Verschreibungspflichtig angstlösend, beruhigend
Baldrian Beruhigungsmittel Cefan®, Dolestan® Nicht Apothekenpflichtig beruhigend, schlaffördernd
Clomethiazol Psychopharmaka Distraneurin® Verschreibungspflichtig beruhigend, euphorisierend
Clonazepam Benzodiazepine Rivotril® Verschreibungspflichtig antiepileptisch, beruhigend, krampflösend
Dextromethorphan Antitussiva Hustenstiller-Ratiopharm®, Wick® Formel 44, Silomat® Apothekenpflichtig hustenstillend, halluzinogen
Diazepam, Bromazepam, Oxazepam Benzodiazepine Valium®, Lexotanil®, Adumbran® Verschreibungspflichtig beruhigend, krampflösend, angstlösend, euphorisierend
Dimenhydrinat, Diphenhydramin Antihistaminika Vomex®, Emesan®, Vivinox® Sleep Apothekenpflichtig anti-allergisch, schlaffördernd, beruhigend, euphorisierend, halluzinogen
Diphenhydramin Antihistaminikum Emesan® Apothekenpflichtig beruhigend, schlaffördernd, womöglich euphorisierend und in Überdosen halluzinogen
Doxepin, Trimipramin Trizyklische Antidepressiva Aponal®, Stangyl® Verschreibungspflichtig beruhigend, schlaffördernd
Flunitrazepam, Lormetazepam, Temazepam Benzodiazepine Rohypnol®, Noctamid®, Norkotral® Verschreibungspflichtig schlaffördernd, hypnotisierend, beruhigend
Methylphenidat Psychoanaleptikum Ritalin® Verschreibungspflichtig auf Betäubungsmittelrezept antriebssteigernd, euphorisierend
Morphin, Hydrocodon, Oxycodon, Hydromorphon, Fentanyl, Methadon, Levomethadon Hochpotente Opioide MST®, Dicodid®, Oxygesic®, Targin®, Palladon®, Durogesic®, L-Polamidon® Verschreibungspflichtig auf Betäubungsmittelrezept schmerzstillend, euphorisierend, beruhigend
Phenobarbital Barbiturate Luminal® Verschreibungspflichtig beruhigend, schlaffördernd, antiepileptisch
Promethazin, Promazin Niederpotente Neuroleptika Atosil® Verschreibungspflichtig beruhigend, schlaffördernd
Pseudoephedrin Sympathomimetikum Rhinopront Kombi®, Reactin Duo® Apothekenpflichtig lässt Nasenschleimhäute abschwellen, antriebssteigernd, euphorisierend
Tetrazepam Benzodiazepine Musaril® Verschreibungspflichtig krampflösend, muskelentspannend
Tramadol, Codein, Dihydrocodein, Tilidin Niederpotente Opioide Tramal®, Codi® OPT, DHC®, Valoron® Verschreibungspflichtig schmerzstillend, euphorisierend

Gefahren des Medikamentenmissbrauchs

Der Missbrauch von Medikamenten birgt zum Teil erhebliche Risiken in sich.

Vor allem die Opioide und Benzodiazepine können eine starke Medikamentenabhängigkeit verursachen. Hat sich eine solche Abhängigkeit ausgebildet, verlangt der Körper immer wieder nach der Zufuhr dieser Wirkstoffe. Werden diese dann nicht mehr eingenommen, kommt es zum Teil zu erheblichen Entzugserscheinungen. Vor allem bei den Benzodiazepinen können diese Entzugserscheinungen sehr gefährlich werden. Hierbei reagiert der Körper auf das Ausbleiben der Wirkstoffzufuhr öfters mit starken Krämpfen, die bis hin zum Grand mal (großer Krampfanfall) führen können. Eine Entzugstherapie von diesen Wirkstoffen ist meistens körperlich sehr stark belastend und kann sich von einigen Tagen bis hin zu mehreren Monaten erstrecken. Hierbei unterscheidet man zwischen den physischen und den psychischen Entzugserscheinungen. Während der physische Entzug meistens verhältnismäßig schnell überwunden werden kann, können sich die psychischen Entzugserscheinungen über eine sehr lange Zeit hinziehen. Vor allem durch den psychischen Suchtdruck kann es immer wieder zu Rückfällen kommen.

Des Weiteren kann sich bei vielen Wirkstoffen bei längerer regelmäßiger Anwendung eine Toleranzentwicklung einstellen. Dadurch werden immer höhere Dosierungen notwendig, um die gewünschten Effekte zu erzielen.

Bei den Wirkstoffen, die erst bei erheblichen Überdosierungen Rauschzustände erzeugen, kann es auf Grund der aufgenommenen Wirkstoffmengen zu schwerwiegenden Organschädigungen kommen. Hierbei werden vor allem die Nieren und die Leber übermäßig stark belastet.

Darüber hinaus kann der Missbrauch von Medikamenten zu weiteren schwerwiegenden Nebenwirkungen führen, die in ihrer Intensität bis hin zum Tod reichen können. Zum Beispiel kann es bei der missbräuchlichen Einnahme von Opioiden zu gefährlichen Atemdepressionen kommen, die im Extremfall bis zum Erstickungstod führen können.

Medikamente als Ersatzdrogen

Auf Grund ihrer Beschaffenheit werden von drogenabhängigen Menschen bestimmte Medikamente öfters als Ersatzdrogen verwendet. Beispielsweise greifen heroinabhängige Menschen oft auf Medikamente aus der Substanzgruppe der Opioide zurück, um ihre Entzugserscheinungen zu lindern und/oder um Engpässe auf dem Drogenschwarzmarkt zu überbrücken. Da die illegale Droge Heroin wie die starken Schmerzmittel auch aus der Gruppe der Opioide stammt, lassen sich die Entzugserscheinungen bei fehlender Zufuhr von Heroin durch Medikamente aus der Gruppe der Opioide verringern bzw. ganz beseitigen. Heroin wurde Anfang des 20. Jahrhunderts selber als Medikament gegen starke Schmerzen vertrieben. Bei dem Wort Heroin handelt es sich genaugenommen um den Markennamen des Schmerzmittels mit dem Wirkstoff Diacetylmorphin, welcher etwa doppelt so potent wie Morphin ist.

Des Weiteren werden die opioiden Wirkstoffe Methadon, Levomethadon, Buprenorphin und seltener auch Codein im Rahmen der Drogensubstitution von Ärzten an ehemals Heroinabhängige verschrieben, um diese vom Schwarzmarkt zu trennen und die gesundheitlichen Risiken durch Streckstoffe im Straßenheroin zu beseitigen.

Bestimmte Medikamente wie z.B. Doxepin (Aponal) und Promethazin (Atosil), die selber ein gewisses Missbrauchspotenzial besitzen, werden auch im Rahmen von Drogenentzügen verordnet, um die Entzugserscheinungen der zu entziehenden Droge zu lindern.

Quellen

  • Rote Liste
  • Gelbe Liste

Siehe auch

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Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Medikamentenmissbrauch aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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