Meine Merkliste
my.bionity.com  
Login  

Luo Han Guo



Siraitia grosvenori
Systematik
Unterklasse: Rosenähnliche (Rosidae)
Ordnung: Kürbisartige (Cucurbitales)
Familie: Kürbisgewächse (Cucurbitaceae)
Unterfamilie: Cucurbitoideae
Gattung: Siraitia
Art: Siraitia grosvenori
Wissenschaftlicher Name
Siraitia grosvenori
(Swingle) C.Jeffrey ex A.M.Lu & Zhi Y.Zhang

  Luo Han Guo (chin. 罗汉果, luóhàn guǒ, auch Luahanguo, Luo Han Kao oder Lo Han Kao, Lo-Han-Kuo aber auch Arhat) ist die süße Frucht der aus China stammenden Pflanzenart Siraitia grosvenori. Der Extrakt der Frucht, der fast 300mal so süß wie Zucker ist, wird schon seit 1000 Jahren in China als natürlicher Süßstoff fast ohne Kalorien (2,3 kJ pro g) und als Heilpflanze in der chinesischen Medizin verwendet. Luo Han Guo wird auch als das chinesische Stevia bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Die Pflanze

Siraitia grosvenori ist eine tropische Pflanzenart aus der Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitaceae). Der Artname ehrt Gilbert Grosvenor, der lange Zeit geographisch und botanisch in China arbeitete.

  • Bezeichnung der Droge: Momordicae Grosvenori Fructus
  • verwendete Teile: Frucht

Beschreibung

Es ist eine mehrjährige Kletterpflanze, die als Überdauerungsorgan eine Knolle ausbildet. Die einfachen Laubblätter sind ganzrandig. Sie ist zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch). Die männlichen Blüten enthalten drei Staubblätter. Die weiblichen Blüten enthalten einen unterständigen Fruchtknoten. Die geflügelten Samen sind bräunlich grau.

Es gibt weitere Kürbisgewächse, die erstaunlich süße Bestandteile haben, dazu gehören auch andere Arten der Gattung Siraitia (z. B. Siraitia siamensis, Siraitia silomaradjae, S. sikkimensis, S. africana, Siraitia Borneensisund und Siraitia Taiwaniana) und auch das beliebte Jiaogulan (Gynostemma pentaphyllum), dessen Blätter aufgrund seiner süßen aber bitterschmeckenden Triterpenglykoside weltweit als Tee und zur Gesundheitsvorsorge eingesetzt werden.

Die Wirkstoffe

Der süße Geschmack von Luo Han Guo kommt hauptsächlich von den Mogrosiden, einer Gruppen von Triterpen-Glykosiden (siehe auch Saponine), die im fleischigen Teil der frischen Frucht etwa einen Anteil von 1 % haben. Durch die Extraktion wird ein Puder gewonnen, das nun einen Anteil von 80 % oder mehr Mogroside enthält.

Man kennt fünf verschiedene Mogroside, die mit den Nummern 1 bis 5 unterschieden werden. Der Hauptbestandteil ist das Mogrosid-5, das früher schon unter dem Namen Esgoside (siehe Sturkturformel) bekannt war.

(Anmerkung zur Strukturformel: Die Glucoseeinheiten auf der rechten Seite sind in dieser Darstellung spiegelverkehrt. Außerdem handelt es sich bei dem 3-O-gebundenen Molekülteil vermutlich auch um Glucose, so dass ein Ringsauerstoff fehlt.)

Andere, ähnliche Luo-Han-Guo-Bestandteile sind die Siamenoside und Neomogroside.

Das reine Mogrosid-Gemisch hat ungefähr eine Süßkraft, die 300 mal so stark wie Zucker ist. Das 80-prozentige Gemisch ist etwa 250 mal so süß. Reines Mogrosid-4 und -5 können bis zu 400 mal so süß sein.

Glykoside sind organische Verbindungen, in denen ein oder mehrere Zucker und ein Nicht-Zucker durch eine hydrolytisch spaltbare glykosidische Bindung miteinander verbunden sind. Einige pflanzliche Glykoside sind allerdings nicht durch Verdauungsenzyme zerlegbar, so möglicherweise auch hier bei den Di- und Oligosacchariden der Mogroside mit dem Triterpen. Der Zucker-Bestandteil bewirkt möglicherweise die Süße, während die Bindung zu den anderen Bestandteilen dazu führt, dass das Molekül im Körper nicht verwertet werden kann.

Die Mogroside sind gut wasserlöslich und nicht hitzeempfindlich.

Giftigkeit

Es sind keine Berichte über negative Auswirkungen von Luo Han Guo bekannt. Es wurde von der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA als GRAS-Produkt (GRAS = Generally Recognized As Safe) eingestuft. Es gibt keine Einschränkungen bezüglich der Nutzung der Früchte oder ihrer Extrakte.

Stand der Forschung

Neueste Forschungen über Luo Han Guo beschäftigen sich mit der Wirkung der Mogroside als Antioxidantium und ihren Einsatz zur Verhinderung von Krebs.

Weiterhin wird der Einsatz von Luo Han Guo als Mittel gegen Übergewicht und Diabetes erwähnt, weil es Zucker ersetzen kann.

Anbau und Vermarktung

Anbaugebiete in China

Luo Han Guo wird hauptsächlich in Südchina, vor allem in der Provinz Guangxi angebaut, wobei die größte Menge der Produktion aus den Guilin-Bergen kommt. Die steilen Berge bieten Schatten und sind häufig von Nebel umgeben, wodurch die Pflanze gegen übermäßige Sonneneinstrahlung geschützt wird. Dennoch ist das Klima in dieser südlichen Provinz warm. Der Pflanze kommt selten wild vor und ist daher in der Region schon seit vielen Jahren kultiviert worden.

Es gibt Aufzeichnungen schon aus dem Jahr 1813, die über den Anbau der Pflanze in dem Gebiet berichten. In den Guilin-Bergen gibt es zur Zeit ein 1600 Hektar großes Anbaugebiet mit einer jährlichen Produktion von etwa 10000 Früchten. Die meisten Plantagen liegen in den Grafschaften(?) Yongfu und Lingui, die in China bekannt sind für ihre außergewöhnlich große Anzahl an Bewohnern mit einem Alter von mehr als 100 Jahren. Dies wird meist dem Verzehr der Frucht Luo Han Guo und der unberührten Natur zugeschrieben. Die Bewohner selber sind hingegen der Meinung sind, dass die Gründe ihr ruhiger Lebensstil und ihre einfache Ernährung sind.

Longjiang Town (Dragon River) in der Grafschaft Yongfu hat den Namen „Heimat der chinesischen Luo-Han-Guo-Frucht“. In der Region haben sich einige Firmen angesiedelt, die Luo-Han-Guo-Extrakte und fertige Produkte herstellen. Die älteste ist die Yongfu Pharmaceuticals Factory.

Natürliche Verarbeitung

Luo Han Guo wird als runde grüne Frucht gesammelt, die beim Trocknen braun wird. Die Frucht wird selten frisch verwendet, da sie sich schlecht lagern lässt, und dabei, neben den schon vorhandenen unerwünschten Aromen, noch durch Gärung ein Fäulnis-Geschmack entsteht.

So ist es üblich, dass die Früchte vor dem weiteren Gebrauch getrocknet werden und auch so in den chinesischen Kräuter-Geschäften verkauft werden. Sie werden langsam in Öfen getrocknet, wodurch die Frucht konserviert wird und die meisten unerwünschten Aromen entfernt werden. Leider verursacht das Trockenen auch die Bildung von einigen bitteren und adstringierenden Aromen. Dies führt dazu, dass die Anwendung der getrockneten Früchte und Extrakte auf die Zubereitung von verdünnten Tees, Suppen und als Süßstoff für Produkte, denen sonst Zucker, Honig oder ähnliches zugefügt werden, beschränkt ist.

Procter und Gamble

Der Prozess zur Herstellung eines praktischen Süßstoffes aus Luo Han Guo wurde 1995 von Procter und Gamble patentiert. In der Patentschrift wird beschrieben, dass Luo Han Guo, obwohl es sehr süß ist, zu viele störende Aromen hat, die es unbrauchbar für den allgemeinen Gebrauch macht. Also entwickelte Procter und Gamble ein Verfahren, um diese störenden Aromen zu beseitigen.

Im Prozess wird die frische Frucht vor ihrer Reife gepflückt und in der Lagerung weiter ausgereift, so dass sie genau dann verarbeitet werden kann, wenn sie ganz ausgereift ist. Die Schale und die Samen werden dann entfernt und die gestampfte Frucht wird Grundlage eines konzentrierten Fruchtsaftes oder Pürees, der dann weiter in der Nahrungsmittel-Herstellung verwendet wird. Dabei werden unter anderem Lösungsmittel verwendet, um unerwünschte Aromen zu entfernen.

Es gibt zahlreiche Zuckerersatz-Stoffe, die in ähnlichen Prozessen aus Luo Han Guo hergestellt werden und als fertig verwendbare Produkte in der Nahrungsmittel-Herstellung und für den Küchengebrauch zum Einsatz kommen.

Produkte

Es gibt einige kommerzielle Zubereitungen von Luo Han Guo.

Eines der bekanntesten ist Luo Han Guo Chong Ji (Chong Ji ist ein Instant-Extrakt-Granulat oder löslicher Block), das auch von der „Yongfu“-Firma verkauft wird. Es wird in China, Hong-Kong und in chinesischen Geschäften auch im Westen verkauft.

Es gibt außerdem zahlreiche andere Produkte, die Luo Han Guo alleine oder mit anderen Kräutern gemischt enthalten, zum Beispiel mit Ginkgo gegen Husten, mit Chrysanthemen bei Hitzschlag und Kopfschmerzen oder mit Spargel, Oldenlandia, Scutellaria und Pearl zur Entgiftung.

Es gibt Tees, die neben grünem oder schwarzem Tee Luo Han Guo enthalten.

Luo Han Guo findet man in den meisten Asiashops recht günstig getrocknet als Tee oder getrocknete Früchte oder Pulver.

Geschichte und Tradition

Geschichte

Während der Tang-Dynastie war Guilin eine der bedeutenden buddhistischen Rückzugsgebiete mit vielen Tempeln. Der Frucht (Guo ist eine Bezeichnung für kürbisähnliche Früchte) wurde nach den luohan benannt, einer Gruppe von buddhistischen Mönchen, die durch die richtige Lebensweise und Meditation die Erleuchtung erlangten und als Erlöste gelten (in Indien werden sie als Arhats bezeichnet). Nach der chinesischen Geschichte wurde die Frucht das erste Mal in Aufzeichnungen von Mönchen aus dem 13. Jahrhundert, die sie verwendeten, erwähnt.

Aufgrund des begrenzten natürlichen Anbaugebietes (hauptsächlich an Berghängen von Guangxi und Guangdong, in geringeren Mengen in Guizhou, Hunan, Jiangxi und der Hainan-Insel) und den Schwierigkeiten bei der Kultivierung, fand die Frucht keinen Einzug in die übliche chinesische Kräuter-Tradition, die von reichlicher vorhandenen Produkten abhing. Deswegen ist die Frucht auch nicht in den traditionellen Kräuter-Führern erwähnt.

Wiederentdeckung im 20. Jahrhundert

Das Kraut wurde bekannter im 20. Jahrhundert. Den ersten englischsprachigen Bericht über das Kraut fand man in einem unveröffentlichten Manuskript, das 1938 von Professor G.W. Groff und Hoh Hin Cheung verfasst wurde. Es wurde berichtet, dass die Früchte häufig als Hauptbestandteile von „Kühlgetränken“ verwendet werden, also als Gegenmittel bei heißem Wetter, Fieber oder Funktionsstörungen, die traditionell als warm oder heiß bezeichnet werden.

Es war bekannt, dass der Saft der Früchte sehr süß war.

Groff und Hoh erkannten, dass die Luo-Han-Frucht, wenn sie mit Schweinefleisch verzehrt oder als Tee verwendet wurde, ein wichtiges chinesisches Hausmittel zur Behandlung von Erkältungen und Lungenentzündungen war.

In Interviews wurde bestätigt, dass die Frucht erst in der neueren chinesischen Geschichte eine größere Bedeutung erlangte. Dennoch scheint es so, dass zumindest eine kleine Gruppe von Personen schon seit langer Zeit die Kultivierung beherrschte und ein umfangreiches Wissen über Wachstum, Bestäubung und klimatischen Anforderungen der Pflanze hatte.

Die Frucht kam im frühen 20. Jahrhundert in die USA. Groff erwähnt, dass 1917, während eines Besuches im amerikanischen Landwirtschaftsministerium, der Botaniker Frederick Coville ihm eine Luo-Han-Frucht zeigte, die er in einem chinesischen Geschäft in Washington gekauft hatte. Samen der Früchte, die in einem chinesischen Geschäft in San Francisco gekauft wurden, wurden 1941 in die allgemeine botanische Beschreibung der Sorte aufgenommen.

Der Beginn der Erforschung der süßen Bestandteile von Luo Han Guo wird C. H. Lee zugeschrieben, der 1975 einen englischsprachigen Bericht darüber verfasste und Tsunematsu Takemoto, der in Japan in den frühen achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts daran arbeitete (später wendete dieser sich mehr der ähnlich süßen Pflanze Jiaogulan zu).

Die Entwicklung von Luo-Han-Guo-Produkten in China ist seit dieser Zeit ständig fortgeschritten, wobei besonders die Entwicklung von konzentrierten Extrakten ein große Rolle spielt.

Anwendung als Medizin

Vermutlich die beste Beschreibung über die medizinische Nutzung von Luo Han Guo in Südchina während des 20. Jahrhunderts ist im Buch „Frucht als Medizin“ von Dai und Liu zu finden, das 1982 auf chinesisch und 1986 ins Englische übersetzt wurde.

Hier ihre Beschreibung:

Das getrocknete Obst kann auf den Märkten gekauft werden. Die Oberfläche der Frucht ist rund und flach, hat eine gelb-braune oder grün-braune Farbe und ist von feinen, weichen Härchen bedeckt. Sie hat eine harte aber dünne Schale. Innen findet man eine teilweise trockene, weiche Substanz, die den Saft und eine große Anzahl an Samen enthält. Alle Bestandteile sind sehr süß. Ihre Natur ist kühl und sie ist nicht giftig. Die Frucht hilft bei Sonnenstich, befeuchtet die Lungen, beseitigt Phlegma, stoppt Husten und fördert den Stuhlgang.

Anwendung:

  • Hitzschlag mit Durst: Nehmen Sie eine Frucht, brechen Sie sie auf und gießen Sie sie mit kochendem Wasser auf. Trinken Sie die Flüssigkeit anstatt von Tee.
  • Akute oder chronische Kehlkopfentzündung (aphonia): Nehmen Sie die Hälfte einer Frucht und 3-5 Sterculia-Samen (eine Kakao-Gewächs), bedecken Sie es mit Wasser, lassen sie es köcheln und schlucken es dann sehr langsam.
  • Chronischer Husten: Nehmen Sie ein Stück Frucht, bedecken sie mit Wasser, lassen es köcheln und trinken die Flüssigkeit. Tun Sie dies zweimal am Tag.
  • Verstopfungen im Alter: Nehmen sie zwei Früchte, verwenden sie nur den weichen Teil und die Samen (die Schale für andere Zwecke aufheben), zerteilen sie die Stücke, bedecken Sie sie mit Wasser, lassen es köcheln und trinken die Flüssigkeit vor dem Zubettgehen.
  • Diabetes: Nehmen Sie die passende Menge der Frucht, zerquetschen Sie sie oder verkochen sie zu einem starken Saft und fügen Sie es der Nahrung als Zuckerersatz zu.
 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Luo_Han_Guo aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
Ihr Bowser ist nicht aktuell. Microsoft Internet Explorer 6.0 unterstützt einige Funktionen auf ie.DE nicht.