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Franz Volhard



Franz Volhard (* 2. Mai 1872 in München; † 24. Mai 1950 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Internist und Nephrologe.

Inhaltsverzeichnis

Familie

Er war eines von sieben Kindern der Familie des Chemikers Jacob Volhard (1834–1910). Volhard heiratete 1899. Er starb an den Folgen eines Autounfalls, sein Grab befindet sich auf dem Hauptfriedhof Frankfurt.

1939 emigrierte Volhards zweiter Sohn, der mit einer Jüdin verheiratet war, nach Schweden. Vier Söhne kämpften in der Wehrmacht. Eine Tochter entging nur durch Zufall der Verurteilung durch den Volksgerichtshof und in den letzten Tagen des Krieges wurde sein Sohn Ewald getötet.

Ausbildung und Beruf

Volhard besuchte die Volksschule in Erlangen, nach einem Ortswechsel 1882 das Gymnasium der Francke-Stiftung in Halle (Saale), dann das humanistische Gymnasium Schulpforta (Reifeprüfung 1892). Anschließend studierte er zwei Jahre in Bonn naturwissenschaftliche Fächer. Nach Ableistung des Militärdiensts in Halle setzte er das Medizinstudium in Straßburg fort (u. a. bei Friedrich von Recklinghausen, Naunyn und Schmiedeberg) und bereitete dann in Halle bei Joseph von Mering (1849–1908) seine tierexperimentelle Dissertation vor. 1894 schloss Volhard das Medizinstudium an der Universität Halle mit Auszeichnung ab.

Es folgte ein Aufenthalt in Kiel, wo er Quincke, Esmarch und August Bier traf und ein Vierteljahr in Berlin am Krankenhaus Friedrichshain, um sich in pathologischer Anatomie weiterzubilden. 1898 arbeitete er als Assistent an der medizinischen Klinik in Gießen. 1901 habilitierte er sich an der Universität Gießen mit einer Arbeit über fettspaltende Magenfermente.

Kurzzeitig leitete er die medizinische Klinik in Halle, akzeptierte 1905 eine Internistenstelle am Dortmunder Luisenhospital und übernahm 1908 die Direktion des städtischen Krankenhauses in Mannheim. Im gleichen Jahr wurde er nach London eingeladen, wo er mit Osler und dem Physiologen Starling zusammentraf.

Er gehörte der Deutschen Vaterlandspartei an, die sich gegen Friedensverhandlungen mit den Alliierten einsetzte und diente 1914 kurzzeitig zunächst als Marinearzt, später als Direktor eines Reservelazaretts. Der Vorschlag einer „Hunger- und Dursttherapie“ der „Kriegsnephritis“ (akute diffuse Glomerulonephritis) stammte aus dem Jahr 1916.

1918 folgte er einem Ruf als ordentlicher Professor für Innere Medizin an die Universität Halle. Ab 1927 war er Direktor der Universitätskliniken an der Universität Frankfurt am Main.

1933 setzte er sich als Dekan mehrfach für jüdische Fakultätsmitglieder ein, deren Entlassung er aber nicht verhindern konnte. Seine Möglichkeiten wurden daraufhin eingeschränkt, obwohl er Mitglied mehrerer Unterorganisationen der NSDAP war. Während einer Südamerikareise erreichte ihn die Nachricht seiner (Zwangs) Emeritierung zum 1.10. 1938.

Während des Krieges arbeitete er in seiner Frankfurter Arztpraxis sowie an einem Sanatorium in Bad Nauheim. Die amerikanische Militärregierung rehabilitierte Volhard als Direktor der medizinischen Klinik Frankfurt.

Leistung

In seiner Habilitationsschrift berichtete Volhard 1901 über die Entdeckung des fettspaltenden Ferments im Magen (Lipase). Er beschäftigte sich mit Venenpulsschreibung (1902), der quantitativen Pepsinbestimmung und der alkalischen Bindungskapazität des Magensaftes (1903), mit Leberpulsen und Herzrhythmusstörungen (1904), alternierenden Pulsphänomenen sowie erstmals mit Nierenkrankheiten und Hypertonie (1905).

In Halle entwickelte er eine quantitative Trypsinmethode, arbeitete über die Kohlensäurevergiftung, die Tuberkulinbehandlung und die Differentialdiagnose der Herzfehler sowie den Herzblock. Er stellte 1909 ein Quecksilbermanometer zur oszillatorischen bzw. auskultatorischen Messung des diastolischen Blutdrucks vor und forschte mit Theodor Fahr über Nierenkrankheiten (Wasserversuch, Konzentrationsversuch). 1910 klassifizierte er Schrumpfnieren nach funktionellen Gesichtspunkten. Vor allem die Nierenpathologie stand nun im Vordergrund: Nach zehnjähriger Vorarbeit erschien 1917 eine erste große zusammenfassende Arbeit über Nierenerkrankungen, in der Nierenfunktionsstörungen ausführlich behandelt und die pathogenetische Einteilung in Nephritiden (entzündlich), Nephrosen (degenerativ) und Nephrosklerosen (arteriosklerotisch) vorgestellt wurde.

In Halle führte er die klinische Hauptvorlesung durch und beschäftigte sich mit der Pathophysiologie des Emphysems sowie ophthalmologisch-renalen Fragestellungen. Auf dem Kongress für innere Medizin in Wien 1923 referierte er erstmals die Symptomatologie und die Pathomechanismen des „blassen“ bzw. „roten“ Hochdrucks. Im gleichen Jahr berichtete er über die operative Therapie des Panzerherzens (Perikardresektion, gemeinsam mit Viktor Schmieden) und prägte den Begriff der Einflussstauung. Er führte unter anderem die salzfreie Diät bei kardialen Erkrankungen und Hypertonie ein. 1931 erschien sein fast 2000seitiges Hauptwerk über Nierenerkrankungen und 1942 eine Vortragssammlung über Nierenerkrankungen und Hochdruck. Zum Spezialgebiet Volhards gehörte auch die heute als Pseudowissenschaft abgelehnte Iridologie.

1933 erhielt Volhard gemeinsam mit Harvey Cushing die Ehrenpromotion der Pariser Universität (Sorbonne). Ein Jahr später behandelte er König Fuad in Ägypten, hielt Vorträge in Athen und Malmö, wurde 1938 nach Córdoba (Argentinien) eingeladen.

Volhard war Mitglied in verschiedenen Freimaurerlogen und setzte sich in zahlreichen Vortragsreisen für die Wiederaufnahme Deutschlands in die internationale wissenschaftliche Gemeinschaft ein. Er publizierte 156 wissenschaftliche Beiträge und war Mitglied in mehr als 12 wissenschaftlichen Gesellschaften.

Werke

  • Experimentelle und kritische Studien zur Pathogenese der Eklampsie. Halle 1897
  • Über das fettspaltende Ferment des Magens. Z Klin Med 43 (1901) 302
  • Über die Messung des diastolischen Blutdruckes beim Menschen. Dtsch Ges Inn Med (Verh.) 20 (1909) 200
  • Über die funktionelle Unterscheidung der Schrumpfnieren. Dtsch Kongr Inn Med (Verh) 27 (1910) 735
  • Die Brightsche Nierenkrankheit. Klinik, Pathologie und Atlas. Berlin 1914
  • Der arterielle Hochdruck. Dtsch Ges Inn Med (Verh) 35 (1923) 134
  • Die kochsalzfreie Krankenkost. 1930
  • Die doppelseitigen hämatogenen Nierenerkrankungen. In: G. v. Bergmann et al. (Hrsg.): Handbuch der Inneren Medizin. 2. Aufl., Berlin 1931, Bd. 6
  • Nierenerkrankungen und Hochdruck. Leipzig 1942
  • Die Pathogenese des Hochdrucks. Dtsch Ges Kreislaufforsch (Verh) 15 (1949) 40, 107

Literatur

  • W. Klötzer (Hrsg.): Frankfurter Biographie. Zweiter Band M-Z. Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-7829-0459-1
  • H. Siefert: Franz Volhard und die Frankfurter Medizinische Fakultät (1933-1938). Hildesheim 1994, S. 214-232, 335-340
  • C. Kronschwitz: Franz Volhard: Leben und Werk. Frankfurt am Main 1997. ISBN 3-921345-12-X
  • H. E. Bock, K. H. Hildebrand, H. J. Sarre (Hrsg.): Franz Volhard – Erinnerungen. Stuttgart 1987
  • E. Buchborn: Franz Volhard, 1872–1950. Internist 10 (1969) 102
  • K.-H. Hildebrand: Franz Volhard. Dtsch Med Wochenschr 75 (1950) 1197
  • H. E. Bock: Franz Volhard zur Vollendung seines 75. Lebensjahres. Dtsch Med Wochenschr 72 (1947) 233
 
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