Meine Merkliste
my.bionity.com  
Login  

Marburger Startup beschleunigt Arzneistoffsuche

Universität Marburg beteiligt sich an Ausgründung

17.05.2018

Gabriele Neumann

Dr. Janis Müller (von links), Prof. Dr. Gerhard Klebe, Dr. Stefan Merkl, Bernd Scheld und Dr. Serghei Glinca von CrystalsFirst.

Aus der Philipps-Universität Marburg ist zum 1. März 2018 die CrystalsFirst GmbH ausgegründet worden. Das Startup-Unternehmen nutzt eine neu entwickelte Methodik zur Stabilisierung von Proteinkristallen, um die Prüfung von Arzneistoffkandidaten auf ihr Wirkungspotential gegenüber den bisher üblichen Suchverfahren erheblich zu beschleunigen. Dadurch ist ein attraktiver Kooperationspartner für forschende Pharma-Unternehmen entstanden, die innovative Arzneimittel entwickeln wollen. Mit dieser Geschäftsidee und einem darauf aufbauenden Businessplan gelang es den Gründern, beim deutschlandweit größten Life-Science-Businessplan-Wettbewerb „Science4Life“ einen sehr erfolgreichen sechsten Platz zu belegen und anschließend Investoren für die Ausgründung zu gewinnen.

In dem neu gegründeten Unternehmen kommen Methoden zur Medikamentenentwicklung zur Anwendung, die über einen Zeitraum von über 20 Jahren in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Gerhard Klebe am Fachbereich Pharmazie der Marburger Universität entwickelt worden sind. Prof. Klebes Arbeitsgruppe beschäftigt sich vor allem mit der Methodenentwicklung in der Arzneistoffsuche und -entwicklung und gilt als Vorreiter des sogenannten Struktur- und Fragment-basierten Wirkstoffdesigns. In seiner Arbeitsgruppe wurden unter anderem Anwendungen wie Drugscore, Relibase oder ComSIA entwickelt und fanden weltweit ihren Einsatz in der Wirkstoffforschung.

CrystalsFirst geht einen neuen Weg in der Suche nach Arzneistoffkandidaten, indem das Startup mit einem zentralen Arbeitsschritt der modernen Arzneistoffentwicklung direkt beginnt: dem Erstellen von 3D-Modellen, welche atomaufgelöst die Geometrie der Wechselwirkung zwischen Proteinen und Arzneistoffkandidaten darstellen. Dafür verwendet man hochempfindliche Proteinkristalle, die bisher im Rahmen einer Durchmusterung von Arzneistoffkandidaten oft wieder zerstört werden. Durch Entwicklungen der Arbeitsgruppe von Prof. Klebe kann CrystalsFirst nun die Experimente mit höherer Zuverlässigkeit durchführen. Zu diesem Zweck nimmt das Unternehmen mit seiner Kerntechnologie eine Stabilisierung der hochempfindlichen Proteinkristalle vor. Diese werden dann verwendet, um eine kleine, aber hohe Trefferquoten produzierende Sammlung von Arzneistoffkandidaten zu durchmustern. Die nötigen Strukturdaten werden anschließend an einem Synchrotron mittels Röntgenstrahlen erhoben und mittels einer Software zur automatischen Erstellung der 3D-Modelle ausgewertet. Diese Technologien wurden zu einem erstmals rein kristallbasierten Workflow für die Durchmusterung von großen Sammlungen von Arzneistoffkandidaten kombiniert. Auf diese Weise können die für die moderne pharmazeutische Forschung unabdingbaren geometrischen Daten zu einem sehr früheren Zeitpunkt in der Arzneistoffsuche schnell und vor allem zuverlässig geliefert werden, und der hohe Aufwand in der Arzneistoffsuche wird wesentlich verringert.

Die grundlegende Geschäftsidee wird in Zukunft von Dr. Serghei Glinca und Dr. Stefan Merkl umgesetzt. Nach Beratung durch das Marburger Institut für Innovationsforschung und Existenzgründungsförderung (MAFEX) konnten sie die Förderung durch ein EXIST-Gründerstipendium erreichen. Mit dieser Hilfe führten sie umfangreiche Marktrecherchen durch, arbeiteten ein Business Model aus und akquirierten Pilotpartner. Weitere Unterstützung erhielten sie durch den Business Angel Bernd Scheld, der die kaufmännische Planung vorantrieb und wesentlichen Anteil daran hatte, dass als Finanzinvestor die Hessen-Kapital I GmbH gewonnen werden konnte. Hessen Kapital wird 600.000 Euro als Wagniskapital in das junge Unternehmen einbringen und damit einen wesentlichen Beitrag zur wirtschaftlichen Absicherung der ambitionierten Zielsetzung dieser universitären Ausgründung leisten. Auch die Universität Marburg beteiligt sich an dem Start-Up. Die Geschäftsführung der Firma liegt in den Händen von Serghei Glinca, Stefan Merkl und Bernd Scheld.

Fakten, Hintergründe, Dossiers
  • Proteinkristalle
  • Start-ups
  • Wirkstoffsuche
  • Medikamentenentwicklung
  • Wirkstoffforschung
  • Arzneimittelentwicklungen
Mehr über CrystalsFirst
  • News

    Erneuter Teilnehmerrekord beim Science4Life Venture Cup 2017

    Nah am Menschen, visionär in den Zielen – die Gründerteams des Science4Life Venture Cup 2017 arbeiten an bedarfsorientierten und innovationsstarken Geschäftsvorhaben. Teams aus Forschungsinstituten und Universitäten aus dem gesamten Bundesgebiet sorgten zudem mit ihrer zahlreichen Teilnahme ... mehr

    Mit stabilen Proteinkristallen die Effizienz der Drug Discovery steigern

    Proteinkristalle bilden einen zentralen Nexus der Drug Discovery, da anhand dieser die Wechselwirkungen mit potentiellen Arzneistoffen atomgenau untersucht werden. Computergestützte 3D-Modelle sind wesentlicher Bestandteil dieses Forschungsprozesses, weil sie die strukturelle Interaktion zw ... mehr

    Science4Life Venture Cup 2017: Nachhaltig zahlt sich aus

    Wissensbasiertes Gründen ist anspruchsvoll. Eine offizielle Anerkennung für ein hohes Maß an Erfindergeist und Professionalität erhielten elf Gründerteams, die an der Konzeptphase des bundesweiten Businessplan-Wettbewerbs des Science4Life e.V. teilgenommen haben. Die beiden Schirmherren der ... mehr

  • Firmen

    CrystalsFirst

    Mit einem starken Fokus auf die Beschleunigung und Verbesserung der Qualität des Wirkstofffindungsprozesses liefert CrystalsFirst schnelle und effiziente strukturelle Einblicke in die Wechselwirkungen eines Zielproteins mit niedermolekularen Verbindungen. CrystalsFirst startet Kooperatione ... mehr

Mehr über Universität Marburg
  • News

    Forscher tricksen Ebolavirus aus

    Ein künstlich hergestellter Hemmstoff bremst die Vermehrung des Ebolavirus; er könnte die Entwicklung eines Arzneimittels ermöglichen, das gegen die lebensbedrohliche Ebolaseuche hilft. Das hofft eine Forschungsgruppe europäischer Wissenschaftler aufgrund von Experimenten, mit denen das Vir ... mehr

    Wenn Blutsauger die Nase voll haben

    Gelbfiebermücken verlieren ihren Appetit auf Blut, wenn man ihnen Stoffe injiziert, die ihr Gehirn normalerweise nach einer Blutmahlzeit ausschüttet. Das hat ein europäisches Forschungsteam herausgefunden, an dem eine Arbeitsgruppe der Philipps-Universität Marburg beteiligt ist. Die Befunde ... mehr

    Das Ebola-Virus schützt sein Erbgut mit einer Umarmung

    Geborgen im Arm des Killers: Ein Forschungsteam aus Heidelberg, Marburg und Kyoto hat die Struktur der Genomhülle aufgeklärt, mit der das Ebola-Virus seine Erbinformation schützt. Die Wissenschaftler kombinierten Kristallstrukturstudien und Elektronenmikroskopie, um erstmals die Proteinhüll ... mehr

  • Universitäten

    Philipps-Universität Marburg

    Die Philipps-Universität Marburg zählt nicht nur zu den traditionsreichsten deutschen Hochschulen, sondern ist auch weltweit die älteste Universität, die als protestantische gegründet wurde. Nahezu seit fünf Jahrhunderten wird hier geforscht und gelehrt. Über ihre Tradition, Gegenwart und Z ... mehr

Ihr Bowser ist nicht aktuell. Microsoft Internet Explorer 6.0 unterstützt einige Funktionen auf Chemie.DE nicht.