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Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie der Charité



  Die Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie dient der Behandlung von Patienten mit Infektions- und Lungenerkrankung. Sie ist Teil des Universitätsklinikums Charité mit dem einzigen deutsche Lehrstuhl für klinische Infektiologie. Zugleich ist sie eine seuchenmedizinische Einrichtung des Landes Berlin. Sie wurde 1891 als klinische Abteilung von Robert Kochs königlichem Institut für Infektionskrankheiten gegründet.

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Inhaltsverzeichnis

Behandlungsschwerpunkte

Im Schwerpunkt Infektiologie verfügt sie über die älteste HIV-Tagesklinik. Zur seuchenmedizinischen Versorgung und Pandemieplanung der Länder Berlin und Brandenburg wird die größte deutsche Sonderisolierstation für Patienten mit hochansteckenden Erkrankungen (hämorrhagisches Fieber, Pocken) vorgehalten. Ferner werden Patienten mit Lungenentzündung, Meningitis, Durchfallerkrankungen und Tropenkrankheiten behandelt.

Im Schwerpunkt Pneumologie werden Patienten mit Lungenkrebs, COPD, Asthma und weiteren Lungenkrankheiten behandelt und es gibt eine große interdisziplinäre Intensivstation.

Sonderisolierstation

  Die Sonderisolierstation der Charité dient zur Absonderung und Behandlung von Patienten mit hochansteckenden Infektionserkrankungen wie viralem hämorrhagischem Fieber oder Pocken. Sie ist seit 1978 die größte und nach dem Umbau im Jahr 2007 wieder die modernste Einrichtung dieser Art in Deutschland. In ihr können bis zu 20 hochansteckende Patienten separiert und intensivmedizinisch behandelt werden.

1710 wurde die Charité zur Absonderung von Pestkranken gegründet. 1891 wurde für Robert Kochs Königliches Institut für Infektionskrankheiten eine klinische Abteilung an der Charité eingerichtet, die bereits über Quarantäne- und Isoliermöglichkeiten, ein Labor und einen Sektionsbereich verfügte. Diese zog 1906 in neue großzügige Räumlichkeiten mit 7 Pavillons auf dem Gelände des Rudolph-Virchow-Krankenhauses direkt neben dem Neubau des Robert-Koch-Instituts. 1972 wurden bei der Behandlung des letzten Pockenpatienten in Berlin die Unzulänglichkeiten der alten Isolierstation offenbar und ein Neubau beschlossen. 1978 wurde die neue Sonderisolierstation eröffnet und im Verlauf um zwei Zeltisolatoren erweitert. 2007 erfolgte eine umfangreiche Renovierung und die Station wurde mit den neuesten technischen und medizinischen Möglichkeiten ausgestattet.

Konzeption und Merkmale

Die Station liegt als freistehender Pavillon mit zwei oberirdischen und 2 unterirdischen Etagen in einem parkähnlichen Gelände des Virchow Klinikums. Sie ist als Doppelstation um einen zentralen Eingangstrakt mit Labor, Operationssaal und Sektionsbereich aufgebaut.

Im Normalbetrieb verfügt jede Halbstation über 10 Doppelzimmer jeweils mit eigener Schleuse und eigenem Badezimmer. Es werden Patienten mit Lungen- oder Infektionskrankheiten behandelt, z.B. mit Tropenkrankheiten, Lungenentzündung, Tuberkulose, Durchfallerkrankungen, Hirnhautentzündung, HIV/AIDS, aber auch Asthma und Lungenkrebs. Bei ansteckenden Krankheiten wie Tuberkulose oder Typhus kann jedes Zimmer einzeln isoliert werden. Dann wird das Zimmer in einem leichten Unterdruck gehalten, Abluft wird gefiltert, Abfall und Abwässer werden getrennt autoklaviert.

Im Quarantänefall (Infektionen mit Marburgvirus, Ebolavirus, Pocken) wird das Gelände weiträumig abgesperrt, die Versorgung erfolgt über spezielle zentrale Schleusenbereiche. Eine Stationshälfte dient der Patientenversorgung, die andere zur Unterbringung des ärztlichen und pflegerischen Personals, das im Schichtdienst arbeitet. Alle Zimmer können von außen mit speziellen Transportisolatoren angefahren werden, in allen Zimmern herrscht ein leichter Unterdruck, Abfall und Abwässer werden getrennt autoklaviert. Bis zu zwei hochansteckende Patienten können in Bettisolatoren behandelt werden. Bei einem größeren Patientenanfall liegen die Patienten in den isolierten Patientenzimmern und das ärztliche und pflegerische Personal trägt spezielle Schutzkleidung mit Respiratoren. Weiterhin stehen ein biochemisches und mikrobiologisches Labor, ein Operationssaal und ein Sektionsbereich zur Verfügung.


Geschichte der Klinik

 

1891 wurde für Robert Koch das königliche Institut für Infektionskrankheiten, das spätere Robert-Koch-Institut (RKI) auf dem Gelände der Charité gegründet. In der so genannten Triangel, einem Gebäude mit dreieckigem Grundriss, waren die Forschungslabore untergebracht und am S-Bahn-Damm, am Standort des heutigen Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie, befanden sich sieben Seuchenbaracken. Oberärzte waren unter anderem Emil von Behring und August von Wassermann

Nach dem Umzug des Instituts für Infektionskrankheiten in einen Neubau am Nordufer im Jahre 1901, wurde auf Anregung Robert Kochs direkt gegenüber im neu entstehenden Rudolph-Virchow-Krankenhaus eine Infektionsabteilung errichtet und 1906 eröffnet. Die Medizinische Klinik umfasste getrennte Infektionsstationen für Männer und Frauen, das Reichsseuchenhaus für Patienten mit Fleckfieber, Cholera oder Pocken und zeitweilig eine Tuberkuloseabteilung. Der erster Direktor am Standort Virchow-Klinikum, Prof. G. Jochmann (1874-1915), war zugleich Mitglied des RKI und auch das Laboratorium und das eigene Sektionshaus wurden von dort betrieben. Jochmann führte die intralumbalen Serumtherapie der Genickstarre ein und verfasste ein weit verbreitetes Lehrbuch der Infektionskrankheiten. Er starb mit 40 Jahren an Fleckfieber.

Sein Nachfolger wurde 1915 Prof. Dr. U. Friedemann (1877-1949). Dieser befasste sich u.a. mit Scharlach, Diphtherie, Pocken, ferner der Kolloidchemie und Immunitätslehre. Die Personalunion mit dem RKI wurde bis in die 30er Jahre fortgeführt, als Friedemann wie viele Berliner Ärzte wegen der Nationalsozialisten emigrieren musste.

1954 Prof. Dr. F. O. Höring die Chefarztstelle der Infektiologie, 1968 seinen Schüler Prof. Dr. H. D. Pohle. Zehn Jahre später wurde mit der Sonderisolierstation eine hochmoderne Seuchenstation in Betrieb genommen. Damit war die Infektionsklinik neben dem Bernhard-Nocht-Institut, Hamburg, zweiter deutscher Standort für Bettisolatoren geworden, in denen z. B. hochinfektiöse hämorrhagische Fieber behandelt werden können. 1990 wurde die erste deutsche HIV-Tagesklinik eröffnet.

Im Jahr 1998 wurde die Abteilung als Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie der Charité angeschlossen und Prof. Dr. N. Suttorp erhielt den ersten deutschen Lehrstuhl für klinische Infektiologie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Der Schwerpunkt Pneumologie erfuhr eine Stärkung (Asthma-Poliklinik, Bronchialkarzinom-Ambulanz, Lungenfunktion, Bronchoskopie) und im Jahr 2000 kehrte die Klinik mit zwei Normalstationen sowie einer internistische Intensivstation an den Campus Charité Mitte und damit an den Ort ihrer Entstehung zurück.

Literatur

  • Schutz vor lebensbedrohenden importierten Infektionskrankheiten, im Bundesgesundheitsbl. Gesundheitsforsch. Gesundheitsschutz, Jahrgang 43 Heft 10, November 2000, Leitthema: Infektionsschutzgesetz

Koordinaten: 52° 32' 32" N, 13° 20' 49" O

 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Medizinische_Klinik_mit_Schwerpunkt_Infektiologie_und_Pneumologie_der_Charité aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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