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Magenkarzinom



Klassifikation nach ICD-10
C16.9 Magenkarzinom
ICD-10 online (WHO-Version 2006)

 

Ein Magenkarzinom (Magenkrebs) ist eine Krebserkrankung des Magens. Im Gegensatz zu den meisten anderen Krebsarten hat die Anzahl an Neuerkrankungen pro Jahr in den westlichen Ländern in letzter Zeit abgenommen. Hauptrisikofaktoren für die Entstehung eines Magenkarzinoms sind eine nitrosaminreiche Ernährung sowie eine chronische Infektion mit Helicobacter pylori. Zentrale Bedeutung in der Diagnostik des Magenkrebs hat die Magenspiegelung (Gastroskopie). Mittels kleiner Gewebeproben, die im Rahmen einer solchen Untersuchung gewonnen werden, kann die Diagnose genau vom Pathologen gestellt werden. Bei Fehlen von Metastasen (Tochtergeschwulsten) ist die Therapie der Wahl die operative Entfernung des Magens (Gastrektomie) verknüpft mit einer Entfernung der lokalen Lymphknoten (Lymphadenektomie). In Abhängigkeit vom Tumorstadium erfolgt bei lokalem Tumorstadium eventuell zusätzlich eine Chemotherapie vor der Operation, eine so genannte neoadjuvante Chemotherapie oder im Anschluß an die Operation (adjuvante Chemotherapie). Bei Vorliegen von Fernmetastasen ist keine heilende Therapie mehr möglich. In diesem Stadium wird bei Hinweis auf einer Behinderung der Magenpassage eine Umgehungsoperation (palliative Gastrektomie) durchgeführt. Bei Fehlen dieser Symptomatik wird in Abhängigkeit vom Allgemeinzustand des Patienten eine palliative Chemotherapie durchgeführt.

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Inhaltsverzeichnis

Epidemiologie

Das Magenkarzinom gehört zu den wenigen Krebsarten, deren Häufigkeit in westlichen Ländern in den letzten Jahren abgenommen hat. In einigen Ländern ist die Inzidenz (Anzahl an Neuerkrankungen pro Jahr) deutlich höher, was auf die Bedeutung der Ernährungsgewohnheiten hinweist (etwa in Japan doppelt so hoch wie in Deutschland). Weitere Länder mit einer hohen Inzidenz für Magenkrebs sind China, Finnland, Chile, Kolumbien und Venezuela.

Im Jahr 2002 wurden in Deutschland knapp 20.000 Fälle diagnostiziert. Männer sind etwas häufiger als Frauen betroffen (Verhältnis etwa 3:2). Der Häufigkeitsgipfel liegt jenseits des 50. Lebensjahres.

Risikofaktoren

Zu den Risikofaktoren von Magenkrebs zählen zum einen die Essgewohnheiten; vor allem der häufige Verzehr von geräucherten und stark gesalzenen Speisen (nitrathaltige Speisen, dadurch Entstehung von Karzinogenen im Magen). Die Rolle von Alkohol in der Krebsentstehung ist eher umstritten, täglicher Alkoholgenuss über 100 g/Tag bei Männern und 40 g/Tag bei Frauen über mindestens 20 Jahre schädigt auf jeden Fall die Magenschleimhaut. Rauchen gehört zu den Risikofaktoren von Magenkrebs. Ebenfalls können bestimmte Formen von chronischer Gastritis (Magenschleimhautentzündung) das Risiko einer Erkrankung erhöhen. Als weiter wichtiger Risikofaktor wird die Infektion mit Helicobacter pylori angesehen. Auch eine Ménétrier-Riesenfaltengastritis kann zu einem Karzinom entarten. Bei bestimmten Formen von Magenkrebs ist eine erbliche Vorbelastung ein Risikofaktor, Menschen mit Blutgruppe A haben ein erhöhtes Erkrankungsrisiko. Chronische Magengeschwüre entarten nur selten maligne (in bis zu 3 % der Fälle), hinter einem chronischen, nicht abheilenden Magengeschwür kann allerdings auch ein unerkannter Magenkrebs vorhanden sein.

Wie Ernährung und Magenkrebs zusammenhängen könnten: Im Rahmen der EPIC-Studie [1] wird seit 1992 über 500.000 anfangs gesunden Teilnehmern aus zehn europäischen Ländern auf den Esstisch geschaut. Außerdem werden deren Gewicht, Größe und Körper-Fettverteilung registriert und Blut abgenommen. Seit 15 Jahren werden alle neu aufgetretenen Krebsfälle und anderen chronischen Krankheiten erfasst und mit den Ernährungsgewohnheiten und Lebensstil assoziiert. Im Lauf der Jahre konnten so immer mehr Erkenntnisse über die Zusammensetzung einer „gesunden" Ernährung gewonnen werden, die einen potenziellen Schutz vor Krebs und anderen Erkrankungen bieten könnten. Im April 2007 zogen Wissenschaftler der Studienzentren am Deutschen Krebsforschungszentrum[2] in Heidelberg und am Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIFE)[3] in Potsdam-Rehbrücke Bilanz: Ein hoher Obst- und Gemüseverzehr schützt vor Lungenkrebs und Krebs des oberen Verdauungstraktes (u. a. Magen). Vor allem Männer mit geringerem Konsum profitieren von einer Erhöhung auf 300 g Obst und Gemüse am Tag. Ein Zusammenhang mit anderen Krebsentitäten ist nicht belegt. Je höher der Vitamin-C-Spiegel im Blut, desto geringer das Magenkrebsrisiko. Dies gilt vor allem bei hohem Fleisch- und Wurstkonsum.[4]

Symptome

Magenkrebs verursacht im Frühstadium häufig keinerlei Beschwerden und wird auch häufig nur zufällig gefunden. Die folgenden Symptome können auf Magenkrebs hinweisen:

  • Appetitlosigkeit / Müdigkeit / Abgeschlagenheit / Leistungsknick
  • Übelkeit und häufiges Erbrechen
  • Druckgefühl im Oberbauch
  • Oberbauchschmerzen
  • Gewichtsabnahme
  • starke Abneigung gegen Tabak, gegen Fleisch oder andere Speisen
  • schwarz gefärbter Stuhl bei Darmentleerung (Meläna), Bluterbrechen (Hämatemesis)
  • Mundgeruch (Foetor ex ore)

Diagnostik

  Hinweise auf eine Tumorerkrankung kann bereits die Ultraschalluntersuchung (Sonographie) geben. Die sicherste Methode zum Nachweis bzw. Ausschluss eines Karzinoms ist die Gastroskopie (Magenspiegelung) mit Gewebsentnahme und Untersuchung der entnommenen Gewebeprobe auf Krebszellen. Röntgenuntersuchungen mit Kontrastmittel werden heute zunehmend unterlassen, da die Gastroskopie sicherere Ergebnisse erzielt. Zur Einschätzung der Ausdehnung des Tumors und eventueller Metastasen (Staging) werden Computertomographie oder Magnetresonanztomographie eingesetzt. Tumormarker wie CEA geben Hinweise auf die Verbreitung und werden zur Verlaufskontrolle regelmäßig bestimmt. Fortgeschrittene Magenkarzinome metastasieren häufig über die Lymphbahnen in einen Lymphknoten über dem linken Schlüsselbein, die sogenannte Virchow-Drüse, die dann vergrößert und hart erscheint.

Beim Adenokarzinom des Magens unterscheidet man vor allem den intestinalen Typ vom diffusen Typ (nach Laurén). Letzterer ist seltener und bedeutend ungünstiger für die Prognose des Patienten. Viel seltener sind adenosquamöse Karzinome, Plattenepithelkarzinome und undifferenzierte Karzinome.

TNM-Klassifikation

Die TNM-Klassifikation dient der Charakterisierung des Tumors (so genanntes Staging). TNM ist eine Abkürzung für

  • T= Tumor: Ausdehnung des Primärtumors
  • N= Nodus: Lymphknoten, Fehlen oder Vorhandensein von regionalen Lymphknotenmetastasen
  • M= Metastasen: Fehlen oder Vorhandensein von Fernmetastasen
TNM-Klassifikation
T1 Infiltration der Lamina propria oder der Tela submucosa (Synonym : Frühkarzinom)
T2 Infiltration der Tunica muscularis oder Subserosa
T3 Infiltration der Serosa ohne Infiltration benachbarter Organe
T4 Infiltration von Nachbarorganen (Milz, Dickdarm, Leber, Zwerchfell, Bauchwand, Bauchspeicheldrüse,Nebennieren, Nieren, Retroperitoneum)
N1 Metastasen in ein bis sechs lokalen Lymphknoten
N2 Metastasen in sieben bis fünfzehn lokalen Lymphknoten
N3 Metastasen in mehr als fünfzehn lokalen Lymphknoten
M1 Fernmetastasen

Therapie

Die wichtigste Behandlungsmaßnahme ist die operative Entfernung des Tumors, möglichst vollständig, mit einem Sicherheitsabstand von 5 cm beim intestinalen Typ bzw. 10 cm bei diffusen Typ. Daraus ergibt sich je nach Lokalisation eine teilweise (4/5) oder vollständige Magenentfernung, evtl. unter Mitnahme von Teilen der Speiseröhre oder des Zwölffingerdarmes. Die umgebenden Lymphknoten werden mitentfernt, bei gegebener Infiltration auch die Milz oder Teile der Leber. Anschließend werden das verbleibende Magen- oder Speiseröhrenende wieder mit dem Zwölffingerdarm verbunden (Operationstechnik nach Bilroth I oder II).

Die Strahlentherapie bzw. Radiochemotherapie kann sowohl neoadjuvant als auch adjuvant eingesetzt werden. In der adjuvanten Situation konnte gezeigt werden, daß eine Strahlen- + Chemotherapie v.a. in Hochrisikokonstellationen das Gesamtüberleben signifikant verbessert (McDonald et al New England Journal of Medicine 2001). Chemotherapie kann zur Verkleinerung der Tumormasse vor der Operation (neoadjuvant) sinnvoll sein. Zusätzlich wird Immuntherapie (Aktivierung der körpereigenen Abwehrkräfte gegen den Tumor) eingesetzt.

Die Patienten sollen psychologisch betreut und bei der Umstellung der Ernährung beraten werden.

Vorbeugung

Da das Ernährungsprofil viele Risikofaktoren abdeckt, andererseits auch die protektive Wirkung von Obst- und Gemüse bekannt ist, sollten ungesunde Essgewohnheiten grundsätzlich umgestellt werden. Vor allem häufiger Fleischverzehr und gepökelte Nahrung sollten reduziert werden. Die Abgewöhnung von Rauchen ist der Gesundheit prinzipiell zuträglich.

Bei nachgewiesenem Befall mit Helicobacter pylori ist eine Eradikation (medikamentöse Beseitigung) anzustreben. Sollte Magenkrebs in der Familie verbreitet sein oder eine chronische Gastritis vorliegen, empfiehlt sich eine regelmäßige Magenspiegelung.

Beim Deutschen Krebsforschungszentrum geht man davon aus, dass der registrierte Rückgang (zwischen 1977 und 1997 um rund ein Viertel) der Magenkrebserkrankungen auf die massenhafte Verbreitung von Kühlschränken und die ganzjährige Bereitstellung von frischem Obst und Gemüse und einem damit verbundenen Rückgang der Konservierung mittels Pökeln und Räuchern zurückzuführen ist.

Prognose

Da Magenkrebs in der Regel erst in weit fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert wird (70 % aller Fälle werden bei Tumorstadien III und IV erkannt), ist die Sterberate insgesamt gesehen relativ hoch. Bei frühzeitiger Erkennung (Stadium I) beträgt die 5-Jahresüberlebensrate 65 %-80 %, bei fortgeschrittenen Krebsstadien sinkt sie dramatisch.[5] Sollte man die ersten fünf Jahre überleben, besteht eine 50- bis 90-prozentige Chance den Krebs zu besiegen.

Quellen

  1. EPIC
  2. DKFZ
  3. DIFE
  4. Abgewandelt zitiert nach "Was schützt vor Krebs und Diabetes?", MMW-Fortschr. Med., Nr. 24 / 2007 (149. Jg.), S. 16, dort zitiert nach "EPIC-Symposium", Berlin, 25. April 2007
  5. Leitlinie Magenkarzinom der Uni Freiburg
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Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Magenkarzinom aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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