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Johanniskräuter



Johanniskräuter
 
Systematik
Abteilung: Bedecktsamer (Magnoliophyta)
Klasse: Dreifurchenpollen-
Zweikeimblättrige (Rosopsida)
Unterklasse: Rosenähnliche (Rosidae)
Ordnung: Malpighiales
Familie: Johanniskrautgewächse (Hypericaceae)
Gattung: Johanniskräuter
Wissenschaftlicher Name
Hypericum
L.

Die Johanniskräuter (Hypericum), auch Hartheu, sind eine Gattung innerhalb der Johanniskrautgewächse. Die Gattung umfasst rund 370 Arten und ist fast weltweit verbreitet, sie fehlt allein in Wüsten, arktischen Regionen und im tropischen Tiefland.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Unter den Arten der Gattung finden sich sowohl einjährige wie mehrjährige krautige Pflanzen mit Wuchshöhen von fünf bis zehn Zentimetern wie auch Sträucher und kleine Bäume mit Wuchshöhen von bis zu zwölf Metern. Die Laubblätter sind gegenständig, einfach oval und ein bis acht Zentimeter lang. Die Blüten sind zwischen 0,5 und sechs Zentimetern groß und haben fünf (selten vier) Kronblätter. Die Frucht ist in der Regel eine Kapselfrucht, die sich nach ihrer Austrocknung öffnet und zahlreiche kleine Samen entlässt; bei einigen wenigen Arten ist die Frucht jedoch beerenähnlich fleischig.

Etymologie

Der Name „Hypericum“ leitet sich aus den zwei griechischen Worten hyper (über, oberhalb) und eikon (Bild) ab. Diese Namensgebung stammt von der Tradition, das Echte Johanniskraut am Johannistag über einem Bild anzubringen, um so Schlechtes abzuwehren. Mit Pflanzen dieser Gattung sind auch andere Volksbräuche verbunden, darunter besondere Riten mit dem Johannistag am 24. Juni, um den herum es zu blühen beginnt.

Legende

Über dieses Kraut gibt es viele Legenden. Eine davon ist, dass es aus dem Blut von Johannes dem Täufer hervorgegangen sein soll. Der Teufel war so wütend auf diese Pflanze, weil sie so enorme Heilkräfte hat, dass er eine Nadel nahm und die Blätter durchstach. Doch die Pflanze war so stark, dass sie auch dies überlebte und so sieht man auch heute noch in den Blättern winzige Löcher, wenn man sie gegen das Licht hält. Wegen seiner Fähigkeit, Dämonen zu verjagen, wurde das Johanniskraut auch als „fuga daemonum“ (Jageteufel) bezeichnet und an die Türen und Fenster der Häuser und Ställe gesteckt, um Gewitter und Behexung fernzuhalten.

Man brauchte früher das Johanniskraut zum Färben der Textilien.

Man sagt, das Johanniskraut gehöre zu den magischen Pflanzen der Sommersonnenwende. Wegen der Blüten sagt man, das Johanniskraut sei eine Sonnenpflanze.

Inhaltsstoffe

Die wichtigsten Inhaltsstoffe sind Naphthodianthrone und Phloroglucinole. Diese befinden sich vor allem in den Blüten und Knospen der Pflanze. Zu den Naphthodianthronen gehören das Hypericin und das Pseudohypericin und weitere Naphthodianthrone, die zu den Gesamthypericinen zusammengefasst werden. Zu den Phloroglucinolen gehören Hyperforin und Adhyperforin. Des Weiteren sind an der Wirkung Flavonoide insbesondere das Amentoflavon beteiligt. Die Wirkung der oben genannten Stoffe beruht vor allem auf einer Wiederaufnahmehemmung von Serotonin im Gehirn.

Verwendung

Das Echte Johanniskraut (H. perforatum) wird als Heilpflanze zur Besserung des Befindens bei nervlicher Belastung genutzt, die Wirksamkeit bei leichter bis mittlerer depressiver Verstimmung ist nachgewiesen und, wegen guter Verträglichkeit, oft anderen Antidepressiva vorzuziehen. Abgesehen von den möglichen Nebenwirkungen (s.u.) muss allerdings bedacht werden, dass Studien zufolge frei verkäufliche (also nicht-apothekenpflichtige) Präparate wie Tees und Kapseln aus Reformhäusern die notwendige Dosis der Wirkstoffe (u.a. Hyperforin und Hypericin) von 600 mg pro Tag nicht erreichen.

Die Blätter von Johanniskraut enthalten in den Exkretionsbehältern ätherisches Öl, das in öligen Zubereitungen (bekannt als Rotöl) äußerlich zur Behandlung und Nachbehandlung von scharfen und stumpfen Verletzungen, Myalgien und Verbrennungen 1. Grades verwendet wird.

Nebenwirkungen

  • Johanniskraut kann bei Mensch und Tier eine Phototoxie, also eine erhöhte Lichtempfindlichkeit hervorrufen.
  • „… Frauen, die hormonelle Kontrazeptiva (Empfängnisverhütungsmittel) verwenden, … sollten sich hinsichtlich zusätzlicher empfängnisverhütender Maßnahmen beraten lassen, da die Sicherheit dieser Mittel möglicherweise herabgesetzt werden kann.“ – So rät eindringlich der Hersteller Pascoe in seiner Gebrauchsinformation für das ebenfalls auf Johanniskraut basierende Präparat NEURAPAS® balance seit 4. Mai 2006.[1] Das Unternehmen reagiert damit auf die drastische Forderung des Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in seinem Bescheid vom 5. Oktober 2005[2]: „Wegen der Abschwächung von hormonellen Kontrazeptiva durch Hypericum und den möglichen schwerwiegenden Konsequenzen (ungewollte Schwangerschaft und evtl. vorgenommener Abort) dürfen Hypericum-Zubereitungen nicht von Anwenderinnen hormoneller Kontrazeptiva eingenommen werden.“

In Österreich sind aus diesen Gründen Johanniskraut-Präparate mittlerweile grundsätzlich apothekenpflichtig.

Arten (Auswahl)

  • Mannsblut (H. androsaemum)
  • Quirlblättriges Johanniskraut (H. coris)
  • Stumpfliches Johanniskraut (H. dubium)
  • Sumpf-Johanniskraut (H. elodes)
  • Bocks-Johanniskraut (H. hircinum)
  • Niederliegendes Johanniskraut (H. humifusum)
  • Geflecktes Johanniskraut (H. maculatum)
  • Pfennigblättriges Johanniskraut (H. nummularium)
  • Großblumiges Johanniskraut (H. patulum)
  • Echtes Johanniskraut (H. perforatum)
  • Schönes Johanniskraut (H. pulchrum)
  • Richers Johanniskraut (H. richeri)
  • Geflügeltes Johanniskraut (H. tetrapterum)

Quellen

  1. NEURAPAS® balance Gebrauchsinformation (PDF)
  2. BfArM: Bescheid vom 5. Oktober 2005 (PDF)

Literatur

  • Brück, Michael: Heilkraft und Aberglaube. Die historische Entwicklung der Therapie mit Johanniskraut (Hypericum perforatum L.), KVC, Essen 2004, ISBN 978-3-933351-48-7
  • Tschupp, Christoph: Johanniskraut. Hypericum perforatum L. Vom Hexenkraut zum modernen Arzneimittel, SGGP, Bern 2004, ISBN 978-3-9522758-4-9
 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Johanniskräuter aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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