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Herpes Zoster



Klassifikation nach ICD-10
B02 Herpes zoster
ICD-10 online (WHO-Version 2006)

   

Herpes Zoster, auch Gürtelrose genannt, wird durch das Varizella-Zoster-Virus beim erwachsenen Menschen ausgelöst. Dieses Virus gehört zur Familie der Herpesviren und wird häufig bereits in der Kindheit übertragen und verursacht in dieser Lebensphase die Windpocken.

Inhaltsverzeichnis

Erreger

Als Erreger dieser Erkrankung ist das Varizella-Zoster-Virus (VZV) – auch als Humanes-Herpes-Virus-3 (HHV-3) bezeichnet – nachgewiesen. Dieses Virus ist ein behülltes, doppelsträngiges DNA-Virus (dsDNA) und gehört zur Familie der Herpesviridae, zur Unterfamilie Alphaherpesvirinae und zur Gattung der Varicellaviren. Alle Viren dieser Familie sind mit einem ikosaedrischen Kapsid (mit einer aus Dreiecksflächen bestehenden Proteinhülle) ausgestattet, die jeweils noch von einer Hüllmembran umgeben ist. Das Varizella-Zoster-Virus ist mit den Herpes-simplex-Viren nahe verwandt.

Schätzungen zufolge sind rund 90 Prozent der über-14-jährigen Europäer durch Windpocken-Infektionen bereits Träger von Varizella-Zoster-Viren. Die Tatsache, dass außer bei erheblich vorgeschädigten Menschen und bei nicht erfolgter Doppelinfektion oder Sekundärinfektion (siehe auch Infektion) die von diesen Erregern verursachte Erkrankung nur extrem selten einen tödlichen Verlauf nimmt, zeigt zum Einen, dass diese Viren stark an den Menschen als ihren Reservoirwirt angepasst sind. Die Schädigung des Reservoirwirts bis hin zu seinem Tod ist für ein Virus kein vorteilhafter Effekt, da es zur eigenen Vermehrung auf diesen Wirt angewiesen ist. Die dennoch von diesem Virus beim Reservoirwirt ausgelösten Erkrankungen sind letztlich nur Nebeneffekte der Infektion. Zum Zweiten zeigt sich, dass sich auch der Mensch im Verlauf vieler Generationen an dieses Virus anpasste.

Übertragung

Die Erstinfektion eines gesunden Menschen äußert sich üblicherweise in der bekannten Kindererkrankung Windpocken. Die hochansteckenden Erregerviren werden per Tröpfcheninfektion, also direktes Einatmen von Ausatmungströpfchen (Expirationströpfchen) infizierter Personen, oder über Kontaktinfektion beziehungsweise Schmierinfektion mit den Viren der auf Gegenständen oder Körperoberflächen niedergegangenen infektiösen Expirationströpfchen übertragen, wenn sie anschließend sofort über die Schleimhäute beispielsweise in Mund, Nase oder Augen in den Körper gelangen. Da die Erreger an der Luft nur für etwa zehn Minuten überlebensfähig sind, ist eine Übertragung durch herumliegende Kleidung oder Spielzeug in der Regel nicht zu befürchten.

Auch wenn die Betroffenen normalerweise nach einer Windpocken-Erkrankung ein Leben lang immun gegen die Krankheit sind, verbleibt das Virus nach Abklingen der Windpocken im Körper und kann später, beispielsweise ausgelöst durch Stress oder ein geschwächtes Immunsystem, in seltenen Fällen auch durch Sonneneinwirkung, wieder reaktivieren. Die Viren verbleiben latent in den Nervenknoten des Rückenmarks, den so genannten Spinal-Ganglien, sowie in den Ganglien der Hirnnerven. Die Gürtelrose ist demnach keine Infektion im eigentlichen Sinne, sondern die erneute Aktivierung des Varizella-Zoster-Virus nach einer mehr oder weniger langen Latenzzeit. Für Menschen, die in der Kindheit an Windpocken erkrankt waren und nicht immunsupprimiert, d.h. immunkompetent sind, besteht in der Regel keine Gefahr, sich an Herpes Zoster-Erkrankten anzustecken. Der Herpes Zoster kann als solcher nicht direkt übertragen werden.

Krankheitsverlauf/Symptome

Das Nervengewebe entzündet sich bei einer Aktivierung des latenten Virus. Die Inkubationszeit beträgt 14-16 Tage. Symptome sind Brennen und teils starke Schmerzen in dem Hautbereich, der durch den betroffenen Nervenstrang versorgt wird und in dem Nervenstrang selbst. Gelegentlich ist vorher allgemeines Unwohlsein, Müdigkeit, Ermattung und leichtes Fieber zu beobachten. Vor dem eigentlichen Ausbruch der Krankheit treten häufig Schmerzen in mehr oder weniger großen Bereichen des Körpers auf, in denen sich das Nervengewebe entzündet. Deshalb leiden manche kurz vor dem eigentlichen Krankheitsausbruch an Rückenschmerzen, Zahnschmerzen oder Ähnlichem. Zwei bis drei Tage nach Auftreten der anfänglichen Schmerzen treten leicht erhabene, gerötete Stellen auf, die im weiteren Verlauf Knötchen und dann Bläschen bilden. Die Bläschen füllen sich mit einer klaren oder weißen, eitrigen Flüssigkeit, welche infektiös ist. Die Rötung und Bläschenbildung tritt normalerweise stark lokalisiert (um den Nervenstrang) und meistens nur auf einer Körperseite auf; in seltenen Fällen kann es zu beidseitigem Befall kommen. In einigen Fällen kann der Ausschlag aber auch ganz ausbleiben. Nach einigen Tagen platzen die Bläschen auf und verschorfen. Diese Phase kann 1-4 Wochen dauern.

  Die Lokalisation der Gürtelrose wird durch das Versorgungsgebiet des befallenen Nerven bestimmt. Meistens tritt Zoster im Bereich des Brustkorbes auf (Interkostalnerven). Gelegentlich können auch Rücken, Arme oder Beine betroffen sein. Bei Zoster ophthalmicus sind Gesicht und Augen betroffen (Nervus ophthalmicus aus dem Nervus trigeminus). Sind die Augen betroffen, kann durch Hornhautvernarbung teilweise oder vollständige Erblindung die Folge sein. Bei Befall der Gesichtsnerven (Nervus facialis) kann es zu vorübergehenden Lähmungserscheinungen oder Verlust des Geschmackssinns kommen. Zoster oticus bezeichnet einen Befall des Gehörgangs. Mögliche Folgen sind hier neben den Zoster-typischen starken Schmerzen Schwerhörigkeit (Nervus cochlearis) und Störungen des Gleichgewichtssinnes (Nervus vestibularis). Unbehandelt können dauerhafte Hörbeeinträchtigungen oder Taubheit die Folge sein. Zoster generalisatus bezeichnet einen Befall des gesamten Nervensystems; diese Krankheitsform ist lebensbedrohlich, tritt aber üblicherweise nur bei starker primärer Schwächung des Immunsystems auf (z. B. bei AIDS, Leukämie oder anderen Krebs-Formen). Herpes Zoster tritt auch im Genitalbereich auf. Er zieht über das ganze Geschlechtsteil großflächig bis auf die Oberschenkel. Im Lymphabflussgebiet des betroffenen Hautareals lassen sich nicht selten aktivierte Lymphknoten nachweisen.

Komplikationen

Komplikationen sind selten und betreffen meist nur stark immungeschwächte Menschen. Zu den Komplikationen gehören Zoster-Meningitis (Hirnhautentzündung), Zoster-Enzephalitis (Hirngewebsentzündung) und Zoster-Myelitis (Rückenmarksentzündung). Auch die selteneren Zoster-Formen wie Zoster generalisatus, Zoster ophthalmicus und Zoster oticus werden gelegentlich zu den Komplikationen gezählt.

In seltenen Fällen bleiben Schmerzen auch nach Ausheilung bestehen. Man spricht in einem solchen Fall von postzosterischer Neuralgie oder Post-Zoster-Neuralgie (PZN). Die PZN kann im schlimmsten Fall sogar lebenslang fortbestehen und ist für die Betroffenen zum Teil unerträglich. So können diese Schmerzen Betroffene sogar bis in den Selbstmord treiben[1][2].

Therapie

Das Varizella-Zoster-Virus kann mit Virostatika behandelt werden. Bei unkomplizierten Fällen und bei sonst gesunden Betroffenen unter 60 Jahren ist dies jedoch nicht erforderlich. Hier genügt eine lokale Behandlung mit beispielsweise Zink-Schüttelmixtur. Wichtig ist die frühzeitige medikamentöse Behandlung mit Virostatika bei sehr ausgedehntem Befund, beispielsweise Beteiligung des Auges oder Ohres und insbesondere bei vorbestehender Abwehrschwäche ( z.B. Tumorerkrankung, schwerer Diabetes mellitus oder AIDS). Üblicherweise erfolgt die Behandlung mit Aciclovir, Brivudin, Famciclovir oder Valaciclovir, meistens in Tablettenform. In komplizierteren Fällen (Beteiligung des Auges, des Ohres, des Rückenmarks) ist eine intravenöse Behandlung erforderlich. In der Regel ist die zusätzliche Gabe von starken Schmerzmitteln angezeigt. Bei etwa acht Prozent der betroffenen Patienten können die akuten Schmerzen nicht durch Schmerzmittel beeinflusst werden. Fälle von postherpetischer Neuralgie (etwa 30 % der Betroffenen haben noch vier bis fünf Wochen nach der Verkrustung diffuse (ohne erkennbare Umrisse) oder örtlich (lokal) begrenzte, teils starke Schmerzen) sind oftmals schwer zu behandeln. In Betracht kommen hier neben Schmerzmitteln auch Antidepressiva und Neuroleptika, gelegentlich sogar chirurgische Eingriffe. Die Behandlung mit Elektrotherapie (Galvanisation, Reizstrom oder Transkutane elektrische Nervenstimulation) kann Schmerzen lindern. Dabei sind jedoch Hautläsionen (Bläschen und Pusteln) zu berücksichtigen.

Vorbeugung / Impfung

Ein Impfstoff (Zostavax™), der vorbeugend das Erkrankungsrisiko auf etwa die Hälfte senkt und bei den übrigen Fällen die Schmerzen deutlich lindert, wurde am 25. Mai 2006 in den USA durch die zuständige Behörde FDA zugelassen. Am 25. Oktober 2006 empfahl das Advisory Committee on Immunization Practices (ACIP), welches Teil des U.S. Centers for Disease Control and Prevention ist, die Verabreichung des neuen Impfstoffes an alle Personen älter als 60 Jahre.[3].

In Deutschland ist mit dem Impfstoff im Laufe des Jahres 2008 zu rechnen und er wird in erster Linie für Menschen ab 60 Jahre zugelassen sein. Mit einer derartigen Impfung könnten 61 Prozent der Krankheitsfälle verhindert und auch eine PZN um 66,5 Prozent vermieden werden. Wenn trotz Impfung dennoch eine Gürtelrose auftritt, verläuft diese in der Regel milder und mit weniger Komplikationen[4].

Quellen

  1. Impfung gegen Gürtelrose
  2. Gürtelrose bei Gesundheit.de
  3. U.S. Panel Backs Shingles Vaccine
  4. Herpes Zoster - Grünes Kreuz
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Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Herpes_Zoster aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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