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Tachykardie



 Therapie fehlt. --Drahreg01 15:26, 12. Jun. 2007 (CEST)

Eine Tachykardie (griech. ταχυκαρδία, tachikardía, wörtl.: "die Schnellherzigkeit") ist eine anhaltende Pulsbeschleunigung auf über 100 Schläge pro Minute. Die Ursachen können vielfältig sein. Generell können Tachykardien in supraventrikuläre und ventrikuläre Tachykardien eingeteilt werden:

  • Eine Tachykardie von über 100 Schlägen ist normal bei körperlicher Anstrengung. Die Herzfrequenz bei Babys kann auch in Ruhe über 100 betragen, ohne dass dies krankhaft ist.
  • Vom Herzen selbst bedingt, z. B. durch zusätzliche Leitungsbahnen, andere Störungen im Erregungsleitungssystem oder z. B. aus Durchblutungsstörungen im Herzmuskel. Der Mediziner unterscheidet in ventrikuläre (von der Kammer ausgehende) und supraventrikuläre (oberhalb der Kammer entstehende) Tachykardien, wobei die ventrikulären gefährlicher sind, weil sie in der Regel von einer kranken Herzkammer ausgehen.
  • Bedingt durch Hormone oder Neurotransmitter, die auf das Erregungsleitungssystem oder den Herzmuskel einwirken. Hierzu zählen Schilddrüsenhormone und Katecholamine. Siehe auch Morbus Basedow
  • Idiopathisch (idios = einzigartig, pathos = das Leiden)

 

Die Steuerung der Herzfrequenz liegt in entwicklungsgeschichtlich alten Teilen des Gehirnes, die intensive Verschaltungen mit Gehirnteilen, die für Gefühle zuständig sind. Eine obere Frequenzgrenze ist dabei abhängig vom Alter des Betroffenen und dessen Zustand der Herzkranzgefäße. Pauschal kann man sagen, dass gesunde Jugendliche Frequenzen bis 220 Schläge pro Minute noch verkraften, wohingegen bei älteren Patienten die Grenze wesentlich tiefer anzusetzen ist (bei etwa 160 Schlägen pro Minute).

Ein spezieller Fall ist die angeborene Tachykardie. Diese beruht auf einer fehlerhaften Erregungsleitung zum Herzen und kann operativ geheilt werden. In 95 % der Anfälle kommt die Tachykardie schlagartig zum Stillstand, zum Beispiel durch Hochlegen der Beine oder Luftanhalten. Sonst helfen Medikamente z. B. Betablocker wie Metoprolol und andere Antiarrhythmika wie Ajmalin oder Amiodaron.

Das Gegenteil der Tachykardie - eine zu geringe Herzfrequenz - ist die Bradykardie.

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Inhaltsverzeichnis

Einteilungen der Tachykardie

Es gibt mehrere mögliche Einteilungen einer Tachykardie. In der Medizin wird meistens anatomisch zwischen einer Vorhof- und einer Kammertachykardie unterschieden, zumal diese Einteilung auch für die Beurteilung der Gefährlichkeit eine gewisse Bedeutung besitzt. Vorhoftachykardien sind in der Regel weniger gefährlich als Kammertachykardien. Eine weitere wichtige Einteilung richtet sich nach der Kammerfrequenz. Alle Tachykardien über 120 sind beim Erwachsenen als bedrohlich und alle Tachykardien über 150 als sofort behandlungsbedürftig bzw. überwachungsbedürftig einzustufen. Wichtig ist auch der zeitliche Verlauf einer Tachykardie: Akut oder chronisch, rezidivierend oder dauerhaft. Schließlich ist noch die Einteilung Tachykardie mit oder ohne Herzerkrankung wichtig.

Vorhoftachykardien

Sinustachykardie

Die Sinustachykardie ist eine schnelle, aber regelmäßige Aktivität von Vorhof und Kammer. Im EKG erkennt man die Sinustachykardie an einer regelmäßigen Folge von QRS-Komplexen (Herzaktivitäten von Vorhof und Kammer), jedoch ist die Frequenz größer als 100 Schläge pro Minute. Dies ist an einem kürzeren Abstand zwischen aufeinanderfolgenden QRS-Komplexen zu erkennen. Ansonsten ist das EKG-Bild normal. Oft tritt die Sinustachykardie als Begleitsyndrom anderer Erkrankungen auf. (Fieber, Elektrolytstörungen, etc.)

Bei hohem Blutverlust, zum Beispiel bedingt durch einen Unfallmechanismus, kommt es meistens erst zu einer Tachykardie mit einer einhergehenden Hypotonie. Dies ist damit zu erklären, dass das verminderte Volumen durch eine höhere Auswurfleistung kompensiert wird.

AV-Reentry Tachykardie

Diese Tachykardie tritt meist anfallsweise auf. Sie entsteht durch kreisende Erregungen zwischen dem Vorhof und der Kammer des Herzens, wobei der AV-Knoten Teil der Kreisbahn ist. Sie können asymptomatisch oder symptomatisch verlaufen. Die Patienten bemerken in der Regel ein plötzlich einsetzendes Herzrasen, das auch spontan wieder verschwinden kann. Als Akuttherapie sind Antiarrhythmika, wie z. B. Adenosin intravenös, das Mittel der Wahl. Häufig können Betroffene auch sogenannte Valsava-Manöver ausführen, um die kreisende Erregung zu unterbrechen. Dabei wird während eines Anfalls bspw. durch Luftanhalten Druck auf den Brustkorb ausgeübt, um den Herzschlag zu beeinflussen. Zur längerfristigen Behandlung bzw. zur Heilung wird heutzutage mittels einer Herzkatheteruntersuchung das Gewebe, welches die Tachykardien auslöst, im Herzen aufgesucht und anschließend mit elektrischer Hochfrequenzapplikation verödet. Als Alternative zu diesem Verfahren steht die Vereisung des betreffenden Gewebes mittels Kryotechnik gegenüber. Für eine medikamentöse (Dauer-)Therapie stehen Betablocker zur Verfügung, die allerdings nur die Symptome bremsen, nicht jedoch den Auslöser.

Tachyarrhythmie bei Vorhofflimmern

Diese Tachykardie ist relativ häufig. Durch ein Vorhofflimmern wird die Kammer zu einem zu schnellen Herzschlag angeregt. Oft besteht bereits ein Vorhofflimmern mit unregelmäßiger Überleitung, welches durch zusätzliche Einflüsse wie Fieber, Stress, Austrocknung oder ähnlichem zu einer Tachyarrhythmie beschleunigt wird.

Kammertachykardie

Als ventrikuläre Tachykardie bezeichnet man eine von der Herzkammer ausgehende Tachykardie. Diese sind prinzipiell lebensbedrohlich. Meist treten sie infolge einer ischämischen Herzerkrankung auf, können allerdings auch Folge von nicht ischämischen Herzerkrankungen wie z.B. der dilatativen Kardiomyopathie sein. Sie können eingeteilt werden in anhaltende (Sustained Ventricular Tachycardia, sVT) und nicht anhaltende (non sustained Ventricular Tachycardia, nsVT). Die Grenze zwischen beiden Formen wurde bei 30 Sekunden festgelegt. Charakteristisch für eine Kammertachykardie ist ein breiter Kammerkomplex (QRS-Komplex) im EKG. Weiter können sie nach der Gestalt des QRS Komplexes im EKG in monomorphe und polymorphe ventrikuläre Tachykardien eingeteilt werden.

Alle ventrikulären Tachykardien sind ein internistischer Notfall. Rasches Handeln ist angesagt. Das Mittel der Wahl ist, von wenigen Ausnahmen abgesehen, die sofortige elektrische Kardioversion mittels Defibrillator und die stationäre Einweisung mit dem Notarzt. Defibrillatoren können, bei häufigem Auftreten von tachykarden Episoden dem Patienten implantiert werden. Ein solches System nennt sich ICD. Der ICD erkennt eine ventrikuläre Tachykardie und kann diese durch anti-tachykardes-pacing (ATP) oder durch Schockabgabe terminieren.

Paroxysmale Tachykardie

Die paroxysmale Tachykardie ist eine anfallsweise auftretende Steigerung der Herzaktivität auf etwa 150 bis 220 Schläge pro Minute. Sie kann plötzlich eintreten und genauso plötzlich wieder verschwinden. Es kann sich um eine Vorhof- oder um eine Kammertachykardie handeln. Diese Art von Tachykardie kann zum kardiogenen Schock oder zum Tod führen. Siehe auch Paroxysmale supraventrikuläre Tachykardie

Siehe auch

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Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Tachykardie aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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