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Bogengänge



 Die Bogengänge (Ductus semicirculares) des Menschen sind drei miteinander verbundene ringförmige Gefäße in jedem Innenohr. Sie sind Teil des Gleichgewichtsorgans und dienen zur Feststellung und Regulierung von Drehbewegungen.

Die 3 Ringe haben die Form einer dreidimensionalen Brezel und sind mit Endolymphe gefüllt und mit Sinneshärchen versehen. Bei einer Rotation des Kopfes oder Körpers streicht die Lymphe an den Härchen vorbei und ruft über deren Nerven eine Drehempfindung hervor.

Bei längeren Drehbewegungen vermindert die Reibung die Strömung der Lymphe in den Bogengängen. Diese Anpassung an die Drehung erlaubt die Orientierung im sich drehenden Bezugssystem, was z.B. für Klettertiere wichtig ist, aber auch für Artistik oder Walzertanz.

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Inhaltsverzeichnis

Täuschungs-Effekte

Wenn eine lange Drehbewegung endet, rotiert die Flüssigkeit durch ihre Trägheit weiter und ruft den Eindruck einer entgegengesetzten Drehung hervor. Ein Widerspruch zu anderen Sinneseindrücken - vor allem zum Auge - kann ein Schwindelgefühl (Vertigo) verursachen.

Piloten trainieren deshalb, beim Instrumentenflug (ohne Sicht nach außen) der Anzeige von Navigationsgeräten mehr zu trauen als ihrem Eindruck im Kopf.

Beim Looping (einem Flugmanöver, das eine 360°-Rolle darstellt) hat der Gleichgewichtssinn lediglich den Eindruck, eine hohe Welle zu fliegen. Erst der Blick auf Navigationsinstrumente (Künstlicher Horizont etc.) erlaubt, das Manöver im richtigen Moment zu beenden.

Bogengänge bei Tieren

Alle Wirbeltiere besitzen Bogengänge. Meist sind es, wie beim Menschen, drei Paar. Eine Ausnahme bilden die Neunaugen mit nur zwei Paar Bogengängen und die Schleimaale mit nur einem Paar[1].

Bei Vögeln wurde unlängst ein zweites Gleichgewichtsorgan in seitlichen Auslappungen des Rückenmarks entdeckt. Es ist den Bogengängen vergleichbar und für die Kontrolle des Gehens und Stehens zuständig. Der Gleichgewichtssinn im Innenohr steuert hingegen die Bewegungen der Vögel im Flug. Zusätzlich spüren sie die genauen Luftbewegungen an ihren Federn und am Schnabel.

Literatur

  1. Platt C & Popper AN (1981): Fine structure and function of the ear. Pages 1-36 in Tavaloga WN, Popper AN, Fay RR (eds.): Hearing and sound communication in fishes. Springer, New York.

Siehe auch

 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Bogengänge aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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