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Ulcus duodeni



Klassifikation nach ICD-10
K26.- Ulcus duodeni
ICD-10 online (WHO-Version 2006)

Das Ulcus duodeni (eingedeutscht auch Duodenalulkus oder Zwölffingerdarmgeschwür) ist ein Geschwür (Ulcus) im Zwölffingerdarm (Duodenum). Kriterium für die Klassifikation als Ulcus ist ein Substanzdefekt, der die Lamina muscularis mucosae, d. h, die unter der eigentlichen Schleimhaut liegende Muskelschicht, überschreitet. Oberflächlichere Läsionen werden als Erosion bezeichnet.

Das Ulcus duodeni ist seit 1824 bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Epidemiologie

Duodenalulzera sind etwa viermal häufiger als Magengeschwüre. Sie treten gehäuft im jüngeren bis mittleren Lebensalter vorwiegend bei Personen männlichen Geschlechts (mehr als doppelt so häufig wie bei Frauen [1]) und bei Personen mit Blutgruppe 0 auf. Das Auftreten wird vermehrt im Frühling und im Herbst beobachtet. Im Laufe seines Lebens erkrankt etwa jeder Zehnte an einem Ulcus duodeni. Die Inzidenz liegt bei 0,1-0,2 % und ist insgesamt leicht rückläufig. [2]

Ursachen

An der Entstehung eines Ulcus duodeni scheinen mehrere Faktoren beteiligt zu sein. Allgemein gesprochen liegt jedem Zwölffingerdarmgeschwür ein Missverhältnis von schleimhautschützenden Faktoren (Schleim, Bikarbonat, Prostaglandin) und aggressiven Faktoren wie Magensäure, Proteasen und entzündlichen Reaktionen zugrunde. Eine chronische Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori wird als Risikofaktor beschrieben. Weitere additiv wirkende Mechanismen sind Hyperazidität (zu niedriger pH-Wert), Durchblutungsstörungen der Darmwand und die Dauereinnahme von Medikamenten, die die Prostaglandinsynthese hemmen (z. B. Acetylsalicylsäure). Auch psychosomatische Faktoren spielen eine Rolle. Atypisch lokalisierte, multiple (mehrfache) und rezidivierende (nach Ausheilung wiederkehrende) Ulzera weisen auf ein Zollinger-Ellison-Syndrom hin.

Morphologie

Der sich unmittelbar an den Magenausgang (Pylorus) anschließende Bereich (etwa 2 cm) wird bevorzugt befallen. Akute Ulzera sind meist kreisrund, liegen im Niveau der Schleimhaut und haben eingezogene Ränder. Chronische Geschwüre sind scharf begrenzt und zeigen oft nach oral (mundwärts) einen überhängenden Rand, während der Rand nach aboral treppenartig abgetragen ist.

Symptome

Allgemeinsymptome wie Übelkeit, Erbrechen, Druck- und Völlegefühl sowie unregelmäßiger Stuhlgang stehen oft am Anfang. Häufig kann ein ungewollter Gewichtsverlust beobachtet werden. Anders als beim Magengeschwür ist beim Ulcus duodeni der „Nüchternschmerz“ typisch, der sich erst etwa zwei Stunden nach Nahrungsaufnahme bzw. nachts bemerkbar macht und in der mittleren Oberbauchregion (epigastrisch) oder um den Bauchnabel herum (periumbilikal) angegeben wird. Die Symptomatik ist nicht spezifisch, andere Krankheitsprozesse im Bauchraum müssen ausgeschlossen werden. Manchmal verursacht ein manifestes Ulcus auch überhaupt keine Beschwerden und wird erst bei Routineuntersuchungen oder unter anderen Fragestellungen entdeckt.

Therapeutische Prinzipien

Die konservative Behandlung versucht das Gleichgewicht von schleimhautprotektiven und -aggressiven Faktoren wiederherzustellen. Neben Diät, Nikotin- und Alkoholkarenz und Stressvermeidung werden heute vor allem gut verträgliche Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol oder Pantoprazol verordnet. Sie hemmen die Säureproduktion im Magen und reduzieren somit deren aggressives Potential. Bei nachgewiesener Helicobacter-Infektion wird eine Eradikationschemotherapie durchgeführt. Konservativ nicht zufriedenstellend behandelbare Geschwüre werden operiert. Heute nur noch selten durchgeführt wird die Vagotomie. Durch Magenteilresektionen nach Billroth (Typ I und II) wird das Produktionsgewebe für Magensäure und Pepsin überwiegend entfernt und das Ulcus kann abheilen.

Komplikationen

Das Ulcus duodeni ist eine der Hauptursachen für die gefürchtete obere gastrointestinale Blutung, ein Viertel bis ein Drittel der Fälle gehen darauf zurück. [3] [4] Selten ist die Perforation, die zur lebensbedrohlichen eitrigen Peritonitis führen kann. Ursache für die Ulcusblutung können auch NSAR sein. Die gesetzlichen Krankenversicherungen wenden jährlich fast 125 Mio. Euro für die Behandlung gastrointestinaler Nebenwirkungen der NSAR auf. 1.100 bis 2.200 Menschen sterben in Deutschland jährlich an gastrointestinalen Komplikationen, u. a. Duodenalblutungen (Schätzungen). Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. [5][6]

Literatur

  • Yvonne Syha, Laura Popescu, Mario Wurglics, Manfred Schubert-Zsilavecz: Geschichte der Ulcustherapie. Pharmazie in unserer Zeit 34(3), S. 188 - 192 (2005), ISSN 0048-3664

Einzelnachweise

  1. Lindell G. et al.: On the natural history of peptic ulcer. Scand J Gastroenterol. (1994) 29(11):979-82. PMID 7871377.
  2. Schettler G., Greten H.: Innere Medizin (9. Auflage), Thieme, Stuttgart 1998. ISBN 3-13-552209-1.
  3. Schemmer P. et al.: The vital threat of an upper gastrointestinal bleeding: Risk factor analysis of 121 consecutive patients. World J Gastroenterol. (2006) 12(22):3597-601. PMID 16773718.
  4. Paspatis G.A. et al.: An epidemiological study of acute upper gastrointestinal bleeding in Crete, Greece. Eur J Gastroenterol Hepatol. (2000) 12(11):1215-20. PMID 11111778.
  5. Zitiert nach "Reduziert den Schmerz, schont die Organe", Der Allgemeinarzt 9/2007, S. 39
  6. Zitiert nach "tNSAR versus Coxibe: Was ist gesichert?" - Rund 2.200 Tote jährlich durch Komplikationrn im GI-Trakt, Ärztlicher Praxis, 22, 29. Mai 2007, S. 8
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Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Ulcus_duodeni aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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