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Rudiment




In der Biologie wird mit Rudiment (lat. rudimentum „Anfang“, „erster Versuch“, „Probestück“) ein im Laufe der Stammesgeschichte verkümmertes, teilweise oder gänzlich funktionslos gewordenes Organ (Rudimentäres Organ) oder Verhalten bezeichnet. Sie können grundsätzlich bei allen Organismen auftreten. Nicht mehr funktionsfähige Gene als genetische Entsprechung, die stammesgeschichtlich früher einem bestimmten Zweck wie z.B. bei nah menschnahverwandten Säugetieren wie Affen noch heute der Ascorbinsäure-Produktion dienen, beim Menschen aber obwohl vorhanden, abgeschaltet sind, werden als Pseudo-Gene bezeichnet.

Das Wort rudimentär bedeutet im allgemeinen Kontext auch bruchstückhaft, fragmentiert, nicht ausgebildet, rückständig oder verkümmert, selten auch ansatzweise oder grundlegend.

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Inhaltsverzeichnis

Rudimentäre Organe (bei Mensch und Tier)

Die zurückgebildeten Organe haben im Laufe der Entwicklungsgeschichte (Phylogenese) der Lebewesen im Zusammenhang mit der veränderten Lebensweise nahezu keine der ursprünglichen Funktionen mehr, obwohl sie dennoch Aufgaben besitzen können (z.B. lymphatische Funktion im menschlichen Wurmfortsatz). Meist ist jedoch das Gegenteil der Fall und die Rudimente bereiten mehr Kummer als Nutzen. Beim Menschen sind das die Weisheitszähne (heute: Fehlstellung, Entzündungen) und Nasennebenhöhlen (früher: Gewichtsersparnis, heute: Nebenhöhlenentzündung), Wurmfortsatz (Appendix) (heute: „Blinddarmentzündung“ (Appendizitis)), Ohrmuskeln, Ohrhöcker, parzellierte Bauchmuskulatur.

beim Menschen:

  • ausgeprägter Eckzahn und verkümmerte Weisheitszähne (erst im 18.-20 Lebensjahr). Herkunft: Fressen von rohem Fleisch, Kampf, Machtdemonstration
  • Rest der Nickhaut. Herkunft: dient als drittes Augenlid bei verwandten Säugetieren
  • Blinddarm mit Wurmfortsatz. Herkunft: Rest eines früher größeren Darmanhanges (wird mittlerweile angezweifelt, da man im Blinddarm Lymphgewebe gefunden hat, das die Filterung verschiedener Körperregionen (Lymphknoten) unterstützt, und somit nicht als unnütz bezeichnet werden kann.)
  • Steißbein Herkunft: Rest eines früheren Schwanzes
  • funktionslose Muskeln der Ohrmuscheln. Herkunft: dienten zur Bewegung und Ausrichtung der Ohren
  • segmentierte, parzellierte Bauchmuskeln. Herkunft: von den Fischen
  • Körperbehaarung beim Menschen. Herkunft: Fell

 bei Tieren:

  • Winzige Reste des Beckengürtels bei Walen. Herkunft: von landlebigen Vorfahren
  • Reste des Ober- und Unterschenkels beim Grönlandwal
  • Reste von Hinterextremitäten bei Riesenschlangen
  • Abstufungen der Augenrückbildung bei Höhlentieren
  • Gehäusereste bei Nacktschnecken
  • Augen beim Maulwurf

Beispiel eines nur teilweisen Funktionsverlustes ist bei den Säugetieren und dem Mensch die Zirbeldrüse (heute für Tag-Nacht-Wechsel und Melatonin-Ausschüttung wichtig), in früheren Entwicklungsstufen aber bedeutungsvoller als lichtsensitives Parietalorgan ("Drittes Auge") direkt durch die Haut hindurch, wie heute noch bei einigen Amphibien, Vögeln und Reptilien.

Rudimente bei Pflanzen

Eines der bekanntesten Beispiele ist das Vorhandensein von Blüten und anderen Fortpflanzungsorganen bei Pflanzen (z.B. bei Löwenzahn), die sich ausschliesslich ungeschlechtlich vermehren.

Rudimentäres Verhalten

Etliche der Reflexe von menschlichen Säuglingen stellen rudimentäres Verhalten dar, das früher in der stammesgeschichtlichen Entwicklung überlebenswichtig war. Dies gilt insbesondere für den Greifreflex. Bei Affenbabies erfüllt er einen wesentlichen Zweck, nämlich das Festkrallen des Babys im Fell seiner Mutter, während diese sich von Ast zu Ast hangelt oder sich rasch auf dem Boden bewegt. Bei menschlichen Babys ist der Greifreflex für das Festhalten am weitgehend haarlosen Körper seiner Mutter aber nutzlos d.h. sie muss den Säugling tragen. Der Reflex lässt sich beim Menschen zudem schon ab der 32. Schwangerschaftswoche im Mutterleib feststellen, wo er noch keine sinnvolle Funktion hat. Dieser Eintretenszeitpunkt des Reflexes entspricht aber ziemlich genau der Trächtigkeitsdauer der nächsten tierischen Verwandten (z.B. Bonobos von 220 bis 250 Tagen) d.h. er ist dann ausgebildet, ab wann er bei den menschlichen Vorfahren wahrscheinlich tatsächlich überlebenswichtig war.

Siehe auch

 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Rudiment aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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