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Heinrich Schulte



Heinrich Schulte (* 2. Juli 1898 in Berlin, † 10. Oktober 1983 in Bremen) war ein deutscher Psychiater, der sich große Verdienste um eine humane Psychiatrie erworben hat.


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Inhaltsverzeichnis

Leben

Er besuchte das Werner-Siemens-Realgymnasium in Schöneberg bei Berlin, war von 1922 bis 1934 an der Berliner Charité tätig, wo er sich 1933 bei Karl Bonhoeffer habilitieren konnte. Weil er dort nicht wie von Offiziellen gefordert, der NSDAP beitreten wollte,[1] übernahm er ab 1934 die Leitung der Evangelischen Nervenklinik Waldhaus in Berlin-Nikolassee, das durch die kurzzeitige Internierung von Jakob van Hoddis eine gewisse Bekanntheit hatte, beschäftigte 1938 kurze Zeit auch John Rittmeister als Oberarzt sowie andere Ärzte und PflegerInnen, "die aus politischen und rassischen Gründen keine Anstellung in staatlichen Einrichtungen erhielten."[2]

Nach dem Krieg leitete Schulte die Städtische Nervenklinik in Bremen. Er setzte sich engagiert für den Einsatz von Psychotherapie in psychiatrischen Kliniken ein, damals keine Selbstverständlichkeit. (Dazu könnte er durch den Psychotherapeuten Prof. Arthur Kronfeld angeregt worden sein, der bis 1933/35 an der Charité gelehrt hatte.)

In die Geschichte der Psychologie, insbesondere der Gestalttheorie bzw. Gestaltpsychologie und der Psychopathologie (Psychiatrie) ging Schulte vor allem durch seine 1924 publizierte Arbeit Versuch einer Theorie der paranoischen Eigenbeziehung und Wahnbildung ein. [3] Diese Arbeit war in enger Kooperation mit Max Wertheimer, dem Begründer der Gestalttheorie, entstanden. Sie gehört zu den ersten gestaltpsychologischen Arbeiten überhaupt, die in die englische Sprache übersetzt worden sind.[4] Ihre Aktualität kommt auch darin zum Ausdruck, dass sie im Mittelpunkt der internationalen Diskussion steht, die in einem 2002 erschienenen Sammelband[5] mit gestalttheoretischen Beiträgen zur psychotherapeutischen Krankheitslehre dokumentiert ist; hier finden sich Kommentare u.a. von Abraham S. Luchins, Erwin Levy und Paul Tholey – sowie eine Kurzbiographie von Gerda Engelbracht.

Werke

  • Heinrich Schulte: Versuch einer Theorie der paranoischen Eigenbeziehung und Wahnbildung [1924]. In: Gerhard Stemberger (Hrsg.): Psychische Störungen im Ich-Welt-Verhältnis: Gestalttheorie und psychotherapeutische Krankheitslehre. Verlag Wolfgang Krammer, Wien 2002, ISBN 3-901811-09-5

Literatur

  • Erwin Levy: Kommentar anläßlich der Übersetzung der Wertheimer-Schulte-Thesen ins Englische [1986], In: Gerhard Stemberger (Hrsg.): Psychische Störungen im Ich-Welt-Verhältnis: Gestalttheorie und psychotherapeutische Krankheitslehre. Verlag Wolfgang Krammer, Wien 2002, ISBN 3-901811-09-5
  • Gerhard Stemberger: Anmerkungen und Vorschläge zur Schulte-Kontroverse. In: Gerhard Stemberger (Hrsg.): Psychische Störungen im Ich-Welt-Verhältnis: Gestalttheorie und psychotherapeutische Krankheitslehre. Verlag Wolfgang Krammer, Wien 2002, ISBN 3-901811-09-5
  • D.J. Luchins: Einige formlose Anmerkungen eines biologisch orientierten Psychiaters zu Schultes Theorie der Paranoia. In: Gerhard Stemberger (Hrsg.): Psychische Störungen im Ich-Welt-Verhältnis: Gestalttheorie und psychotherapeutische Krankheitslehre. Verlag Wolfgang Krammer, Wien 2002, ISBN 3-901811-09-5

Anmerkungen

  1. K.J.Neumärker Karl Bonhoeffer - Leben und Werk eines deutschen Psychiaters und Neurologen in seiner Zeit. Hirzel, Leipzig und Springer, Berlin 1990, S. 170
  2. so K.J.Neumärker a.a.O. in seiner Bonhoeffer-Biographie
  3. Arthur Kronfeld verweist im 8. Kapitel seines Lehrbuchs Perspektiven der Seelenheilkunde (Thieme, Leipzig 1930) Psychopathologie der Intentionalität V. Zur Psychopathologie des Wahns, der wahnhaften Gefühle und des Ichtums mehrfach auf diese Arbeit, auf S. 281 ausdrücklich mit der Angabe: "Es war vor allem Schulte, der diese Frage in einer dankenswerten Weise vertieft hat."
  4. Ellis, W.D.(Ed.): A Source Book of Gestalt Psychology, Kegan Paul, London 1938, Harcourt Brace, New York 1939
  5. Gerhard Stemberger (Hrsg.): Psychische Störungen im Ich-Welt-Verhältnis. (Verlag Wolfgang Krammer, Wien)
 
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