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Agonist (Pharmakologie)



  Der Agonist (griechisch αγωνιστής, agonistís - der Tätige, Handelnde, Führende) ist in der Pharmakologie eine Substanz (Ligand), die einen bestimmten Mediator (z. B. ein Neurotransmitter) in seiner Wirkung imitiert, bzw. ersetzt. Dabei besetzt der Agonist den entsprechenden Rezeptor und aktiviert die Signaltransduktion in der Zelle und führt zu einem detektierbaren Effekt. Anhand des Ausmaßes der Aktivierung kann zwischen einem vollen Agonisten und einem Partialagonisten unterschieden werden. Inverse Agonisten, die zu einer Inaktivierung eines spontanaktiven Rezeptors führen und somit einen zu vollen und partiellen Agonisten gegensätzlichen Effekt zeigen, werden hingegen nicht den Agonisten zugeordnet.

Weiteres empfehlenswertes Fachwissen

Das Ausmaß der Aktivierung eines Rezeptors hängt dabei nicht nur von den Eigenschaften des Liganden, sondern ist auch vom Ausmaß der Expression des Rezeptors in den untersuchten Zellen bzw. im untersuchten Gewebe abhängig[1]. Darüber hinaus sind einige Agonisten über denselben Rezeptor in der Lage, verschiedene Signalwege unterschiedlich stark zu aktivieren und somit - je nach untersuchten Signal - unterschiedlich ausgeprägte Effekt zu erzeugen. Sie können also - je nach untersuchten Signal - gleichzeitig volle Agonisten, Partialagonisten, stille Antagonisten oder inverse Agonisten sein. Derartige Agonisten werden auch als "proteusartig" oder "funktionell-selektiv" bezeichnet[2][3]

Beispiele für Rezeptoren bzw. Rezeptorsubtypen und ihre Agonisten an der orthosterischen Bindungsstelle sind:

Rezeptor Subtyp Agonist[4]
endogen ; exogen
Serotonin-Rezeptoren 5-HT1A-F, 5-HT5A, 5-HT7 Serotonin; 5-Carboxamidotryptamin
5-HT2A-C Serotonin; α-Methylserotonin
5-HT3 Serotonin; 2-Methylserotonin
5-HT4 Serotonin; 5-Methoxytryptamin
5-HT6 Serotonin; EMDT[5]
Adrenozeptoren α1A,B,D Adrenalin, Noradrenalin; Phenylephrin
α2A-C Adrenalin, Noradrenalin; Clonidin
β1-3 Adrenalin; Isoprenalin
Dopaminrezeptoren D1-5 Dopamin
Histaminrezeptoren H1-4 Histamin
Muskarinischer Acetylcholinrezeptor M1-5 Acetylcholin; Carbachol, Muskarin
Nikotinischer Acetylcholinrezeptor   Acetylcholin; Nikotin
Opioidrezeptoren μ1,2 β-Endorphin; MorphinV, BuprenorphinP
κ1-3 Dynorphine; Enadolin
δ1,2 β-Endorphin, Enkephaline, Deltorphine

Quellen und Tabellenlegende

  1. Hoyer D. & Boddeke H.W. (1993). Partial agonists, full agonists, antagonists: dilemmas of definition. Trends Pharmacol. Sci. 14:270-275. PMID 8105597.
  2. Kenakin T. (2001). Inverse, protean, and ligand-selective agonism: matters of receptor conformation. FASEB J. 15:598-611. PMID 11259378.
  3. Urban J.D., Clarke W.P., von Zastrow M., Nichols D.E., Kobilka B., Weinstein H., Javitch J.A., Roth B.L., Christopoulos A., Sexton P.M., Miller K.J., Spedding M. & Mailman R.B. (2007). Functional selectivity and classical concepts of quantitative pharmacology. J. Pharmacol. Exp. Ther. 320:1-13. PMID 16803859.
  4. Legende: endogen = Mediator im menschlichen Körper, exogen = körperfremder Überträgerstoff; V = Vollagonist, P = Partialagonist, Ak = besonders hohe agonistische Aktivität; FS = dezidierte funktionelle Selektivität ist bekannt; Sp = Subtypspezifisch (so weit bekannt); rN, sN = Namensgebend für den Rezeptor bzw. Subtyp (bei exogenen Agonisten oder nichttrivialen Fällen); Af = extrem affin; Rvi = Radioagonist, Nutzung in vivo; Rvt = überwiegende Nutzung in vitro (siehe auch PET, Tracer, Bindungsstudie)
  5. Svenningsson P et al. (2007): "Biochemical and behavioral evidence for antidepressant-like effects of 5-HT6 receptor stimulation." J Neurosci. 27(15):4201-9. PMID 17428998
 
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