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Unterernährung



Von Unterernährung (englisch: malnutrition) spricht man, wenn ein Mensch weniger Kalorien am Tag zu sich nimmt als er am Tag verbraucht. Bei einem erwachsenen Menschen beträgt dieser Arbeitsumsatz etwa 9000 Kilojoule. In der Dritten Welt liegt die tägliche Energieaufnahme bei ca. 6400 Kilojoule. Der genaue Arbeitsumsatz ist jedoch abhängig von Größe, Geschlecht, Alter und Tätigkeit des Menschen wie auch den klimatischen Verhältnissen. Pro Kopf stehen bei derzeitigem Stand der weltweiten Nahrungsproduktion rund 11700 Kilojoule zur Verfügung.[1]

Mit Unterernährung gehen meist Fehl- und Mangelernährung einher. Diese werden von Protein- und Nährstoffmangel hervorgerufen. Folgen der Unterernährung sind unter anderem Marasmus, Kwashiorkor oder Marasmischer Kwashiorkor. Es kommt meist zu einer Schwächung der inneren Organe einschließlich des Herz-Kreislaufsystems sowie des Immunsystems. Dadurch kommt es meist bei Kindern zu tödlichen Infektionskrankheiten.

Weiteres empfehlenswertes Fachwissen

Inhaltsverzeichnis

Unterernährung in armen Ländern

 

Unterernährung tritt vor allem in ärmeren Regionen der Welt auf. Dafür kommt ein Bündel von Ursachen in Betracht, darunter:

  • soziale Strukturen,
  • Kriege und Bürgerkriege,
  • Bildungsmangel,
  • Korruption,
  • Weltmarktgesetze,
  • Überbevölkerung,
  • Naturkatastrophen.

Meist wirken mehrere solcher Ursachen zusammen. Vor allem in der so genannten dritten Welt sind einige diese Probleme sehr stark verbreitet. Nach unterschiedlichen Schätzungen sterben dort täglich zwischen 20.000 und 100.000 Menschen an den unmittelbaren und mittelbaren Folgen der Unterernährung. Eine genaue Eingrenzung der genauen Todesursachen ist jedoch nicht möglich, da Behörden keine Erhebungen dazu machen und auch Infektionskrankheiten, Immunschwäche und andere - an sich abwendbare - Folgen eine Rolle spielen. Von allen Gliedern in der Verkettung von Verelendung ist die Unterernährung oft das akuteste.

Diagnose

Die Mitarbeiter der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen verwenden, vor allem bei Kindern unter fünf Jahren, zur raschen Diagnose von Unterernährung das so genannte Ernährungsband, mit dem der Oberarmumfang gemessen wird. Liegt dieser unter 12,5 Zentimetern, so handelt es sich um einen Fall von Unternährung und das Kind wird in ein Noternährungszentrum aufgenommen.

Unterernährung in reichen Ländern

In reichen Ländern kommt Unterernährung im Zuge von Krankheiten wie Magersucht oder Bulimie vor. Selten wird sie auch bewusst herbeigeführt, etwa bei Hungerstreiks, zum Beispiel von Gefangenen.

Obwohl Unterernährung aus tatsächlichem Nahrungsmangel in den reichen Industrieländern bisher selten ist, hat sich die Schere zwischen Arm und Reich und der Anteil an Familien mit einem Einkommen unterhalb des Sozialhilfeniveaus auch hier in den letzten 20 Jahren immer mehr vergrößert. Deshalb sind vereinzelt Fälle von Unterernährung im Zusammenhang mit Verwahrlosung, Kindesmisshandlung und Kriminalität anzutreffen. Auch Obdachlose leiden häufig an Unterernährung.

Folgen der Unterernährung

Hertzig, Birch, Richardson und Tizard stellten 1972 fest, dass Unterernährung in der frühen Kindheit gravierende Folgen für die Intelligenzentwicklung und das Sozialverhalten von Kindern hat. Sie untersuchten Kinder, die wegen Unterernährung in ein Krankenhaus mussten und danach in ihre Familien zurück kamen. Ihr Durchschnitts-IQ war 58 [2]. Clark und Hanisee untersuchten den Lebensweg von aus Entwicklungsländern adoptierten Kindern, die unterernährt waren und traumatische Kindheitserfahrungen gemacht hatten. Die Kinder wurden von amerikanischen Familien aus der oberen Mittelschicht adoptiert. Entgegen der Annahme, dass diese Kinder unter schweren Beeinträchtigungen leiden würden, erwiesen sie sich als überdurchschnittlich intelligent und überdurchschnittlich sozial kompetent. Beim Peabody Picture Vocabulary Test erreichten sie einen IQ von 120, auf der Vineland Social Maturity Scale erreichten sie im 137 Punkte. 100 Punkte gelten als Durchschnitt, 137 als außerordentlich gut. Clark und Hanisee kamen zu dem Ergebnis, dass unterernährte und traumatisierte Kinder sich als erstaunlich resilient erweisen, wenn sie in stabile Familienverhältnisse adoptiert werden.[3]. Winick, Meyer und Harris untersuchten koreanische Adoptivkinder, die im Alter von unter drei Jahren von amerikanischen Paaren adoptiert wurden. Sie teilten die Kinder in drei Gruppen eine schwer unterernährte, Grenzfälle und eine ausreichend ernährte. Die schwer unterernährte Gruppe erreichte einen IQ von 102, einen IQ von 106 für die Grenzfälle und 112 für die Kinder, welche nicht unterernährt waren. Winick, Meyer und Harris kamen zu dem Schluss, dass Unterernährung in der frühen Kindheit einen schädlichen Einfluss auf die Entwicklung des IQs hat, jedoch keinesfalls zu einem Leben mit geistiger Behinderung verdammt. Wenn sie spätestens im dritten Lebensjahr adoptiert werden, so erreichen selbst schwer unterernährte Kinder einen normalen IQ. Die überdurchschnittlichen IQ-Werte der ausreichend ernährten Kinder erklären sich wahrscheinlich durch die Adoptivfamilien.. Familien, welchen erlaubt wird, ein Kind zu adoptieren, haben in der Regel einen hohen sozioökonomischen Status und können den Kindern besonders gute Lebensbedingungen bieten [4].

Literatur

  • Claus Leitzmann: Welternährung zu Beginn des 21. Jahrhunderts: Die globale Ernährungssituation. Biologie in unserer Zeit 31(6), S. 408 - 416 (2001), ISSN 0045-205X
  • Jean Ziegler: Wie kommt der Hunger in die Welt? Ein Gespräch mit meinem Sohn. Bertelsmann, München 2000, ISBN 3570003590

Siehe auch

  • Welthunger
  • Hungersnot
  • Aktion "Brot für die Welt"
  • Welthungerhilfe
  • Menschenrechtsorganisation für das Recht auf Nahrung "FIAN"
  • Food and Agriculture Organization (FAO)
  • Nahrung
  • Ernährung
  • Hunger
  • Überernährung

Quellen

  1. Hunger-Report 2001 (Stand: 28.02.2007)
  2. Hertzig, M.E., Birch, H. G., Richardson, S. A. & Tizard, J. (1972): Intellectual levels of school children severely malnourished during the first two years of life, Peditrics, 49, S. 814-824
  3. Clark, Audry & Hanisee, Janette (1982): Intellectual and Adaptive Performance of Asian Children in Adoptive American Settings, Developmental Psychology, Vol 18, No 4., 595-599
  4. Winick M., Meyer K. K. & Harris R. C. (1975). Malnutrition and environmental enrichment by early adoption. Science, 190, S. 1173-1175
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Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Unterernährung aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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