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Radiologie



Die Radiologie ist das Teilgebiet der Medizin, das sich mit der Anwendung von Strahlen zu diagnostischen, therapeutischen und wissenschaftlichen Zwecken befasst.

Die Pioniere der Radiologie sind in Wien zu finden. Noch bevor Wilhelm Conrad Röntgen die Entdeckung der X-Strahlen offiziell bekannt gab, erschien am 5. Januar 1896 in einer Wiener Zeitung die erste Pressemeldung über die „sensationelle Entdeckung“.[1]

Traditionell werden in der Radiologie Röntgenstrahlen verwendet. Darüber hinaus kommen andere ionisierende Strahlen, wie Gammastrahlung oder Elektronen zum Einsatz. Da ein wesentlicher Einsatzzweck die Bildgebung ist, werden auch andere bildgebende Verfahren wie die Sonografie und die Magnetresonanztomografie zur Radiologie gerechnet, obwohl bei diesen Verfahren keine Strahlen zum Einsatz kommen.

Die Radiologie gliedert sich in die Gebiete Diagnostische Radiologie und Strahlentherapie (Die Nuklearmedizin ist seit Jahren ein eigenständiger Facharzt.) Zur Diagnostischen Radiologie gehören als Teilgebiete die Neuroradiologie und die Kinderradiologie. Es gibt weitere Schwerpunkte wie die Interventionelle Radiologie. Von Bedeutung für die fachärztliche Tätigkeit sind auch Fragen des Strahlenschutzes.

Weiteres empfehlenswertes Fachwissen

Inhaltsverzeichnis

Diagnostische Radiologie

  Die bildgebenden Verfahren in der diagnostischen Radiologie umfassen die Projektionsradiografie und die Schnittbildverfahren: Röntgen-Computertomografie, Sonografie und Magnetresonanztomografie. Bei all diesen Verfahren können Substanzen eingesetzt werden, die die Darstellung bzw. Abgrenzung bestimmter Strukturen erleichtern und/oder Aufschluss über die Funktion eines Systems geben. Diese Substanzen bezeichnet man als Kontrastmittel. Die Auswahl des Verfahrens und die Entscheidung, Kontrastmittel einzusetzen, richten sich nach der klinischen Fragestellung und einer Kosten/Risiko-Nutzen-Abwägung.

Radiografie

Bei den radiografischen Verfahren (auch als „konventionelles Röntgen“ bezeichnet) wird der Körper des Patienten oder ein Teil desselben aus einer Richtung mit Röntgenstrahlung durchstrahlt. Auf der Gegenseite wird die Strahlung mit geeigneten Materialien registriert und in ein Bild umgewandelt. Dieses zeigt die im Strahlengang liegenden Gewebe in der Projektion: Knochen absorbieren mehr Strahlung als Weichteile und werfen daher Schatten; luftgefüllte Gewebe wie die Lunge sind relativ durchlässig, sodass dahinter eine höhere Strahlenintensität registriert wird. Da verschiedene Strukturen sich meist im Strahlengang überlagern, ist es oft hilfreich, mehrere Bilder aus unterschiedlicher Projektionsrichtung anzufertigen.

Welche Art Sensormaterial zur Registrierung verwendet wird, hängt vom Geräte- und Aufnahmetyp ab. Bei der herkömmlichen Radiografie wird lichtempfindliches Filmmaterial analog zur Fotografie verwendet, das sich bei Strahleneinfall schwärzt und chemisch entwickelt werden muss. Fortentwicklungen dieses Prinzips erlauben anstelle der Entwicklung von Filmaterial das digitale Auslesen eines Detektors. Das einfachste Prinzip ist dabei eine Phosporplatte, welche nach der Aufnahme eingescannt wird. Um bewegte Bilder in Echtzeit zu beurteilen (Durchleuchtung) werden traditionell Röntgenbildverstärker als Sensoren verwendet. In modernen Geräten werden zur direkten digitalen Akquisition sowohl von Standbildern als auch von Echtzeit-Bewegtbildern CCDs als Detektor eingesetzt. Radiologische Aufnahmen können in digitaler Form im DICOM-Format gespeichert werden.

Als Kontrastmittel in der Projektionsradiografie eignen sich unlösliche Bariumsalze als Aufschwemmung, Jodverbindungen, Luft und Kohlendioxid. Barium wird gewöhnlich für den Verdauungstrakt verwendet. Lösliche Jodverbindungen und Kohlendioxid eignen sich für die Injektion in Gefäße, Luft kann rektal zur Dickdarmdarstellung appliziert werden.

   

Im Folgenden sind die wichtigsten Untersuchungen aufgeführt:

  • Nativ = ohne Kontrastmittel
    • Röntgen Thorax: Übersichtsaufnahme von Herz, Lunge und Brustkorb
    • Röntgen Skelett
    • Mammografie: Röntgenuntersuchung der Brust
  • Mit Kontrastmittel
    • Angiographie (Darstellung der Gefäße allgemein)
    • Arteriographie (Arterien)
    • Phlebographie/Venographie (Venen)
    • Lymphographie (Lymphgefäße)
    • intravenöse Urographie (harnableitendes System, inkorrekt: i.v.-Pyelogramm)
    • retrograde Pyelographie (Iod-Kontrastmittel via Harnleiter ins Nierenbecken appliziert)
  • Durchleuchtung
    • Kontrastmittel-Breischluckuntersuchung zur Darstellung des Ösophagus
    • Kontrastmittel-Mahlzeit zur Verfolgung der Magen-Darm-Passage
    • Dünndarm-Kontrastmitteluntersuchung mit Barium und Wasser (Doppelkontrast)
    • Dickdarm-Kontrasteinlauf mit Barium, zusätzlich meist Gabe von Luft (Doppelkontrast)
    • Kontrastuntersuchungen der Speiseröhre, Magen, Darm, Gallenwege
    • Barium-Kontrastmittel (Bariumsulfat, BaSO4) werden nur im Verdauungstrakt verabreicht und dann nur, wenn sichergestellt ist, dass das Kontrastmittel nicht aus dem Verdauungstrakt treten kann. Denn wenn Barium-Kontrastmittel in den freien Körperraum tritt, verkapselt sich dieses und kann zu Entzündungen führen. Wird Barium-Kontrastmittel in die Lunge aspiriert (eingeatmet) kann das zu einer Lungenentzündung führen.

 

Röntgen-Computertomografie

Siehe Hauptartikel Computertomografie

Vorteile der CT: überlagerungsfreie Schnittbilder ermöglichen zum Teil eine Funktionsbeurteilung bei Kontrastmittelanwendung. Sowohl Darm mit Bariumsulfat, als auch Gefäße mit iodbasierenden Kontrastmitteln.

Magnetresonanztomografie

  Siehe Magnetresonanztomografie, Vorteile: wie CT, dabei besserer Weichteilkontrast, keine ionisierenden Strahlen, aber höherer zeitlicher und apparativer Aufwand, geringere Toleranz beim Patienten, Kontrastmittel zum Beispiel Gadoliniumverbindungen und superparamagnetische Eisenoxid-Partikel.

Ultraschalluntersuchung

Siehe Sonografie, das am häufigsten angewendete bildgebende Verfahren in der Medizin, Vorteile: schonend, wiederholbar, Echtzeitbeurteilung, zum Teil Funktionsbeurteilung; Nachteil: untersucherabhängig, nicht alle Gewebe und Areale zugänglich. Als Kontrastmittel werden kleinste Gasbläschen (microbubbles) eingesetzt, die die Struktur- und Funktionsdarstellung von Gefäßen und der Leber erleichtern, außerdem Wasser und gasabsorbierende Substanzen zur verbesserten Darstellung der Oberbauchorgane.

Ausbildung

Facharzt für Radiologie

Um nach einem absolvierten Medizinstudium in Deutschland die Bezeichnung Facharzt für Radiologie zu erwerben, bedarf es einer fünfjährigen Weiterbildungszeit. Auf die Weiterbildung anrechenbar sind:

  • 12 Monate in einem Schwerpunktgebiet (Kinderradiologie,Neuroradiologie)
  • 12 Monate in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung

  Der Weiterbildunginhalt zur Erlangung des Facharzt wird über die jeweils zuständigen Ärztekammern definiert: Es ist der Nachweis einer bestimmten Anzahl selbständig durchgeführter Untersuchungen bei Kindern, Erwachsenen und in der Neuroradiologie zur Zulassung zur Facharztprüfung nötig.

Statistiken hierzu

  • Am 1. Januar 2001 waren 3.718 Diagnostische Radiologen registriert, von denen 1.234 niedergelassen waren. 355 übten keine ärztliche Tätigkeit aus. Unter der alten (und jetzt wieder gültigen) Bezeichnung „Radiologe“ waren 3.638 registriert, von denen 1.231 niedergelassen waren. 1.107 übten keine ärztliche Tätigkeit aus.
  • Gemeinsam mit der Nuklearmedizin betrug der Praxisüberschuss 1998 im Durchschnitt 109.000€, in den neuen Bundesländern 143.700€.

Radiologietechnologe/Radiologietechnologin

 Österreich Radiologietechnologen sind Spezialisten für die Anwendung bildgebender Verfahren in der Medizin (Röntgen, Schnittbildverfahren, Nuklearmedizin) und für die Durchführung von Heilbehandlungen mit ionisierender Strahlung (Strahlentherapie). Sie führen Untersuchungen und Therapien nach ärztlicher Anordnung eigenverantwortlich durch. Sie sind fachlich weisungsfrei, haben die Berechtigung Kontrastmittel anzuwenden (in Zusammenarbeit mit Ärzten) und können sich freiberuflich niederlassen.

In Österreich erfolgt im Zuge des Bologna-Prozesses die Umstellung auf eine Ausbildung an der Hochschule mit akademischem Abschluss. Im Wintersemester 2006 starteten an der FH Wiener Neustadt FH Wiener Neustadt an der FH Joanneum und der Fachhochschule Salzburg die ersten Jahrgänge, die im Sommer 2008 bzw. 2009 mit dem Bakkalaureat abschließen werden.

Medizinisch- technische(r) Radiologieassistent(in) (Deutschland)

Medizinisch-technische Radiologieassistenten (MTRA) führen Untersuchungen mittels konventioneller oder digitaler Radiologie (bspw. CT, MRT) selbständig aus. Sie assistieren bei Untersuchungen wie z.B. Durchleuchtungen und digitaler Subtraktionsangiografie. MTRA wirken ebenfalls in der Strahlentherapie mit, helfen bei der Bestrahlungsplanung und führen die einzelnen Therapiefraktionen selbstständig durch. Ebenso assistieren sie in der Nuklearmedizin, arbeiten dort im Radionuklidlabor und führen Untersuchungen wie Szintigramme, SPECT und PET durch. Die Ausbildung erfolgt in Deutschland an Berufsfachschulen oder Ausbildungszentren. Sie setzt den Sekundarschulabschluss, sowie die Volljährigkeit voraus und dauert 3 Jahre.

Zurzeit wird auch in Deutschland eine Ausbildungsumstellung auf Hochschulebene diskutiert.

Interventionelle Radiologie

Die Interventionelle Radiologie umfasst minimalinvasive therapeutische Maßnahmen, die unter permanenter Kontrolle mittels bildgebender Verfahren durchgeführt werden: zum Beispiel die Aufdehnung von Gefäßverengungen (Angioplastie) unter Durchleuchtungskontrolle (Angiographie). Bei Verwendung einer Gefäßprothese (Stent) wird diese Methode als Stentangioplastie bezeichnet. Weitere Maßnahmen im Rahmen der Interventionellen Radiologie sind u.a.: Tumorembolisationen (~verödungen), die Behandlung von akuten Blutungen, Beseitigung von tumorbedingten Gangstenosen im Gastrointestinaltrakt oder in den Gallenwegen, Gewebeentnahmen sowie die Behandlung von Gefäßerweiterungen (Aneurysmen). Die Interventionelle Radiologie gehört systematisch nicht zur diagnostischen Radiologie, ist aber historisch aus ihr entstanden und wird meist von Radiologen durchgeführt.

Strahlenschutz

Da die angewendeten Strahlendosen in der Röntgendiagnostik zwar sehr gering, aber doch potenziell schädlich für den Patienten und den Anwender sind, wird in der Radiologie besonderer Wert auf den Strahlenschutz gelegt.

Deutschland nimmt beim Röntgen einen Spitzenplatz ein: etwa 1,3 Röntgenaufnahmen und etwa 2 mSv pro Einwohner und Jahr. Auf diese Strahlenbelastung lassen sich theoretisch 1,5% der jährlichen Krebsfälle zurückführen.[2]

Quellen

  1. Ärztewoche Online
  2. de Gonzalez und Berry, Lancet 2004; 363: 345-51

Literatur

  • R.C. Bittner: Leitfaden Radiologie. ISBN 3-437-41210-8, KNO 06 29 50 87
  • Dirk Pickuth: Radiologie Fakten. Uni-Med, Bremen 2002, ISBN 3-89599-310-7, KNO-NR: 11 11 20 48
  • Gerhard Lechner, Martin Breitenseher u. a. (Hrsg.): Lehrbuch der radiologischen klinischen Diagnostik. Maudrich 2003, ISBN 3-85175-754-8, KNO-NR: 11 08 93 84
  • Jörg-Wilhelm Oestmann: Radiologie. Ein fallorientiertes Lehrbuch. Thieme, Stuttgart 2002, ISBN 3-13-126751-8, KNO-NR: 10 91 20 07
  • Theodor Laubenberger, Jörg Laubenberger: Technik der medizinischen Radiologie. Diagnostik, Strahlentherapie, Strahlenschutz. Für Ärzte, Medizinstudenten und MTRA. Deutscher Ärzte-Verlag, ISBN 3-7691-1132-X, KNO-NR: 00 99 81 31

Zeitschriften

  • RöFo, Fortschritte auf dem Gebiet der Röntgenstrahlen und der bildgebenden Verfahren, Organ der Deutschen und der Österreichischen Röntgengesellschaft
  • Der Radiologe, Springer Verlag, ISSN 0033-832X

Siehe auch

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Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Radiologie aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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