Meine Merkliste
my.bionity.com  
Login  

Propofol



Steckbrief
Name (INN) Propofol
Wirkungsgruppe

Narkotikum

Handelsnamen

Disoprivan®, Recofol®, Propofol-®Lipuro

Klassifikation
ATC-Code N01AX10
CAS-Nummer 2078-54-8
Verschreibungspflichtig: JA

Ähnliche Arzneistoffe suchen

Fachinformation (Propofol)
Chemische Eigenschaften

IUPAC-Name: 2,6-Diisopropylphenol
Summenformel C12H18O
Molare Masse 178,273 g/mol

Propofol (Handelsname Disoprivan®, Recofol®) ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Narkotika, der aufgrund seiner kurzen Plasmahalbwertszeit und relativ geringen Kumulation als gut steuerbar gilt. In den handelsüblichen Präparaten ist Propofol in einer Lipidemulsion (Sojaöl) gelöst und besitzt daher ein milchig-weißes Aussehen.

Weiteres empfehlenswertes Fachwissen

Inhaltsverzeichnis

Klinische Angaben

Propofol wirkt als Hypnotikum, hat jedoch keine analgetische (schmerzlindernde) Wirkung. Es wird zur Sedierung, etwa bei Magen- (Gastroskopie) oder Darmspiegelungen (Koloskopie), oder zusammen mit einem Analgetikum zur Einleitung und eventuell zur Unterhaltung einer Allgemeinanästhesie verwendet. Als besondere positive Eigenschaften gelten das relativ angenehme Einschlafen und Aufwachen sowie die Tatsache, dass Übelkeit und Erbrechen (PONV) seltener als bei Narkosegasen auftreten.

  Für die Einleitung und Aufrechterhaltung einer intravenösen Anästhesie wird Propofol zusammen mit einem kurzwirksamen Analgetikum – z. B. Remifentanil (Ultiva®) – benutzt. Dazu wird es mittels einer Spritzenpumpe verabreicht. Ziel ist es, eine ausreichende Blutkonzentration aufzubauen und zu erhalten. Dafür wird anfangs eine Bolusdosis von etwa 1–2 mg/kg Körpergewicht verabreicht, gefolgt von einer Dauerinfusion in der Größenordnung von etwa 6–12 mg/kg/h. Mit computergesteuerten Spritzenpumpen, die mit pharmakokinetischen Daten des Propofols programmiert sind, kann die Infusionsgeschwindigkeit so gestaltet werden, dass der Blutspiegel des Wirkstoffs konstant bleibt oder dass der Anästhesist die Dosierung schnell ändern kann (TCI = „target controlled infusion“).

In der Intensivmedizin wird Propofol ebenfalls zur Analgosedierung („künstliches Koma“) angewendet. Da es keine schmerzausschaltende Wirkung hat, wird es meist mit einem Opioid (z. B. Sufentanil, Piritramid) kombiniert. Nach längerer Infusionsdauer kann es durch Abbauprodukte zu bräunlicher bis grünlicher Verfärbung des Urins kommen. Da es in den handelsüblichen Präparaten mit Sojaöl vermischt ist, ist eine Kontrolle des Fettstoffwechsels notwendig.

Bei Patienten, die Risikofaktoren (Myopathien, bereits aufgetretene maligne Hyperthermie) für eine maligne Hyperthermie (eine seltene narkoseassoziierte Komplikation) aufweisen, kann Propofol verwendet werden. Dies gilt auch für Patienten, bei denen es nicht möglich ist, eine Narkose sofort zu beenden, obwohl eine maligne Hyperthermie eingetreten ist, da Propofol im Gegensatz zu den häufig verwendeten volatilen Narkotika keine Triggersubstanz dieser Erkrankung ist.

Gegenanzeigen

Propofol sollte nicht bei einer Kreislaufinsuffizienz oder Hypovolämie gegeben werden, da es diese weiter verstärkt. Weiterhin ist es bei Schwangerschaft und Stillzeit nicht angezeigt, da keine ausreichenden Daten über mögliche Schäden vorliegen. Narkosen in der Kinderanästhesie können ab einem Alter von 6 Monaten durchgeführt werden, Kindernarkosen mit Propofol als Hypnotikum werden heute oft durchgeführt. Zur Sedierung von Kindern <16 Jahren auf Intensivstation soll Propofol hingegen nicht verwendet werden, da Sicherheit und Wirksamkeit nicht nachgewiesen sind.[1]

Unerwünschte Wirkungen

Bedeutsame Nebenwirkungen bei der Gabe von Propofol sind Atemdepression bis zur Apnoe sowie Blutdruckabfall (durch verminderten peripheren Gefäßwiderstand). Es treten auch Erregungsphänomene (z. B. spontane Bewegungen, Muskelkrämpfe), Allergische Reaktionen (Anaphylaxie) aufgrund von Histaminfreisetzung sowie Träume (meist angenehm, jedoch auch hin und wieder sogenannte "bad trips" - schlechte Träume, die sehr real erlebt werden) des Patienten auf. Eine weitere Nebenwirkung ist der lokale Schmerz bei der Injektion, der durch eine Reizung der Venenwand entsteht. Weiterhin kann es bis zu sechs Stunden nach Anwendung von Propofol zum Auftreten von Krampfanfällen kommen.[2]

In seltenen Fällen kann es bei längerer Anwendungsdauer zu einer schweren Stoffwechselentgleisung mit Herz-Kreislauf-Störungen, Muskelzerfall (Rhabdomyolyse) und Lactatacidose, dem Propofol-Infusionssyndrom (PRIS), kommen.[3]

Sonstige Informationen

Propofol wurde 1989 von der Food and Drug Administration in den USA zugelassen. In Deutschland und Europa wurde die Zulassung erstmalig 1996 erteilt. Als eine Modifikation gilt der Zusatz von EDTA zur Propofol-Zubereitung. Der Zusatzstoff soll ein Keimwachstum bei versehentlicher bakterieller Kontamination verlangsamen, kann dieses aber nicht vollständig verhindern. Auch deshalb ist eine aseptische Handhabung weiterhin erforderlich. Eine Weiterentwicklung stellen andere Zubereitungen auf der Basis eines Gemisches mittel- und langkettiger Fettsäuren (MCT/LCT) dar, die den Injektionsschmerz bei Propofolgabe vermindern und den Fettmetabolismus verbessern können.

Quellen

  1. Fachinformation des Arzneimittel-Kompendium der Schweiz: Disoprivan 1%/2%, Astrazeneca
  2. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 101, Heft 50, 10.12.2004
  3. Wappler, F.: Das Propofol-Infusionssyndrom. Dtsch. Ärzteblatt, 11, 2006, S. 705–710
 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Propofol aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
Ihr Bowser ist nicht aktuell. Microsoft Internet Explorer 6.0 unterstützt einige Funktionen auf Chemie.DE nicht.