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Krebscluster



Ein Krebscluster (engl.: Cancer cluster) ist eine größer als erwartete Anzahl von Krebserkrankungen, innerhalb einer Gruppe von Personen, in einer geografischen Region oder über eine bestimmte Zeit.[1].

Der Begriff Krebscluster wurde ursprünglich im wesentlichen von Epidemiologen und Statistikern verwendet. In neuerer Zeit taucht er in vielen Publikationen im Zusammenhang mit dem Thema „Elektrosmog“ auf.[2]

Weiteres empfehlenswertes Fachwissen

Inhaltsverzeichnis

Historische Krebscluster

Einige historische Krebscluster finden sich in der Medizinischen Literatur dokumentiert. So beispielsweise Hodenkrebs bei Schornsteinfegern im London des 18. Jahrhunderts[3]; Osteosarkome bei den Zifferblattmalerinnen in Uhrenfabriken („Radium Girls“) in den 1920er Jahren; Hautkrebs bei Bauern; Blasenkrebs bei Arbeitern, die in der Farbstoffindustrie bestimmten aromatischen Aminen ausgesetzt waren, Leukämien und Maligne Lymphome bei Chemiearbeitern, die im Kontakt mit Benzol waren.[4]

Identifizierung von Krebscluster

Während es früher im wesentlichen der detektivischen Arbeit von Ärzten überlassen war Krebscluster ausfindig zu machen, ist heute die Suche mit den Möglichkeiten der modernen Datenverarbeitung und Kommunikation erheblich vereinfacht und verfeinert worden. Überregionale epidemiologische Krebsregister sind systematische Sammlungen (Datenbanken) zu Tumorerkrankungen. Mit den Methoden der Statistik können Krebscluster sowohl räumlich, als auch nach vielen anderen Kriterien, ermittelt werden.

Problematik

Insbesondere bei unmittelbar von einer Krebserkrankung Betroffenen, werden schnell konkrete Expositionsquellen (beispielsweise Kernkraftwerke, Chemiefabriken oder Funkmasten) als potenzielle „Verursacher“ verdächtigt. Diese Themen sind dann häufig emotional sehr stark besetzt.[5]

Es wird dabei häufig vergessen, dass

  • Krebs eine recht häufige Erkrankung ist, die statistisch gesehen, jeden Vierten in seinem Leben betreffen wird,
  • Krebs ein Überbegriff für eine Vielzahl recht unterschiedlicher maligner Erkrankungen ist und
  • Krebscluster auch durch rein statistische zufällig Häufungen vorgetäuscht werden können.[1]

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein echtes Krebscluster vorliegt steigt, wenn

  • nur eine bestimmte Krebsart gehäuft auftritt oder
  • eine ausgesprochen seltene Krebserkrankung signifikant vermehrt beobachtet wird oder
  • eine Krebserkrankung vermehrt bei Personen ausbricht, welche die Erkrankung in einem untypischem Alter bekommen.[4]

Einige Wissenschaftler sind der Meinung, dass die meisten Krebscluster Zufallsprodukte sind.[6]

Siehe auch

  • Biostatistik
  • Inzidenz
  • Risikoanalyse
  • Toxikologie
  • Liste von Krebsclustern (in der englischsprachigen Wikipedia)

Einzelnachweise

  1. a b Center for Desease Control and Prevention, What is a cancer cluster?, abgerufen am 23. November 2007
  2. pressetext.at vom 1. Juni 2004, FMK: Handymast grundlos gefällt – Nordirische Krebserfassungsstelle (NICR): Kein "Krebscluster" um Funksendemasten
  3. swr.de vom 25. Januar 2000, Hodentumore
  4. a b National Cancer Institut, Cancer cluster, abgerufen am 23. November 2007
  5. Kaatsch P, Krebscluster – Strategien zur Risikokommunikation, Kongress Medizin und Gesellschaft 2007, Augsburg, 17. bis 21. September 2007
  6. Uni Stuttgart, Der Mythos Krebscluster

Literatur

  • Rohrmoser L, E-Health: Schreckgespenst oder Hilfe?, in Ärzte Woche, 19/2005, Nr. 46
 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Krebscluster aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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