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Blasenkrebs



Als Blasenkrebs werden allgemein von der Harnblase ausgehende Geschwülste bezeichnet. Der Blasenkrebs ist die vierthäufigste Krebsart des Mannes und die siebthäufigste Krebsart der Frau und wird in Deutschland bei knapp 26000 Menschen pro Jahr neu diagnostiziert. Männer sind 2-3 mal (USA 3-4 mal) so häufig betroffen wie Frauen.

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Inhaltsverzeichnis

Tumorarten

 

In den westlichen Industrienationen ist der verbreitetste feingewebliche Typ mit ca. 90% der Fälle das Urothelkarzinom oder Transitionalzellkarzinom. Dieses geht von der Blasenschleimhaut selbst aus. Vor allem in Ländern in denen die Bilharziose verbreitet ist, findet sich das Plattenepithelkarzinom (typisches Beispiel: Ägypten). Seltener kommen die Adenokarzinome der Blase, die vom Urachus, einem Überbleibsel der Embryonalentwicklung, ausgehen und andere Subtypen wie Tumoren, die von der Muskelschicht entspringen (Sarkome)oder Absiedlungen von Tumoren anderer Organe vor. Bis auf seltenere Ausnahmen (Papillome, Myome, Hyperplasien) werden Blasentumore zu den bösartigen Tumoren gerechnet.

Ursachen

Rauchen ist klar der größte Risikofaktor für den Blasenkrebs. Interessanterweise ist dies nicht allgemein bekannt. In einer Befragung von urologischen Patienten gaben zwar fast alle den Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs an, aber nur 34% wussten, dass Blasenkrebs durch Rauchen verursacht wird. [1]

Weiterhin ist der Kontakt zu aromatischen Aminen (beta-Naphthylamin, Benzidin) ein bekannter Risikofaktor. In zahlreichen Berufen ist der Kontakt zu solchen krebsverursachenden Stoffen möglich und der Blasenkrebs als Berufskrankheit anerkannt. Zu diesen zählen Arbeiter in der Chemieindustrie, Stahlindustrie, Automechaniker, Lederindustrie, Zahntechniker und als Friseur. [2]

Billharzioseerkrankungen gelten als Risikofaktor.

Die Rolle von chronischen Entzündungen in der Tumorentstehung ist umstritten.

Neuere Untersuchungen deuten auf eine mehr oder weniger direkte Beteiligung von Humanen Papillomviren (HPV) hin. [3]

Symptome

Häufigstes Zeichen eines Blasentumors ist die schmerzlose Verfärbung des Urins durch Blut. Dies kann als Makrohämaturie (mit bloßem Auge erkennbar) oder als Mikrohämaturie (in Teststreifen oder Mikroskop erkennbar) vorkommen. Hierbei handelt es sich im Allgemeinen um ein Frühsymptom. Weiterhin kann es zu Symptomen ähnlich einer Blasenentzündung wie dem häufigem Harndrang oder auch Schmerzen beim Wasserlassen kommen. Flankenschmerzen weisen meist auf ein fortgeschrittenes Stadium hin. Obwohl diese Symptome auch bei anderen Erkrankungen vorkommen können, muss -insbesondere bei hartnäckigen oder wiederkehrenden Beschwerden oder beim Vorliegen von Risikofaktoren- eine weitere Abklärung durch den Urologen erfolgen.

Diagnostik

Wegweisend für die Diagnose ist die Blasenspiegelung (Zystoskopie). Hierbei erscheint die Schleimhaut verändert, meist farnartig (papillär-exophytisch) oder gerötet und flach-erhaben, sodass bereits der hochgradige Verdacht gestellt werden kann. Durch eine Probenentnahme (Biopsie), die oft direkt im Rahmen der Tumorabtragung (TURB) erfolgt, und der nachfolgenden feingeweblichen Untersuchung wird die Diagnose gesichert. Weiterhin wird eine Ultraschalluntersuchung und Darstellung des oberen Harntraktes (z.B. durch IV Urogramm oder Computertomographie) durchgeführt. Stellt sich der Verdacht auf einen fortgeschrittenen Befund wird das staging durch eine Computertomographie oder eine Magnetresonanztomographie des Bauchraums, sowie eine Röntgenaufnahme des Brustkorbes komplettiert.

Klassifikation

  Die histologisch-pathologische Klassifizierung der Schleimhauttumoren erfolgt nach dem TNM-System.

pTa = nicht invasives Karzinom der Schleimhaut (Urothel)

pTcis = Carcinoma in situ

pT1 = Einwachsen (Infiltration) unter die Schleimhaut (subepitheliales Bindegewebe), Unterklassifikation pT1a-c

pT2 = Einwachsen in die Muskelschicht (Muscularis propria), Unterklassifikation pT2a-b

pT3 = Hinauswachsen über die Muskelschicht hinaus, Unterklassifikation pT3a-b

pT4 = Einwachsen in Nachbarorgane wie Prostata, Gebärmutter, Vagina, Beckenwand

pN1 = einzelner Lymphknoten < 2 cm

pN2 = einzelne oder mehrere Lymphknoten bis 5 cm

pN3 = Lymphknoten über 5 cm

M0 = keine Metastasen

M1 = Fernmetastasen

Therapie

Die Therapie erfolgt stadienorientiert: Zunächst wird eine sogenannte transurethrale Resektion (TUR) der Blase (B) mit Quadrantenbiopsie durchgeführt. In spezialisierten Zentren erfolgt die Abtragung der Tumoren im Rahmen einer sogenannten Fluoreszenz-Blasenspiegelung (5-Amino-Lävulinsäure), bei der unter einem speziellen Licht die Tumoren rot leuchten. Dadurch kann die Häufigkeit von kurzfristigen Rezidiven (also "übersehenen" Veränderungen) gesenkt werden. Ein zusätzlicher Baustein zur Vermeidung von erneut auftretenden Tumoren ist die Frühinstillation, d.h. die Behandlung mit einem Chemotherapeutikum (Doxorubicin, Mitomycin), welches innerhalb von 24 Stunden nach der Operation in die Blase eingefüllt wird. In den Stadien pTa bis pT1 ist diese Therapie in aller Regel ausreichend. Bei Tumoren im Stadium pT1 kann ca. 3 Wochen nach der Operation eine Nachoperation (Nachresektion) des Tumorgrundes erfolgen, um auszuschließen, dass der Tumor in tiefere Schichten vorgedrungen ist.

Bei Muskelinfiltration (T2-3) wird eine radikale Zystektomie (Entfernung beim Mann von Blase, Prostata, Harnleiter / bei der Frau von Blase, Harnröhre, Harnleiter, Gebärmutter und Ovarien) durchgeführt. Je nach Patient kann hiernach eine kontinente (dichte) Ableitung (Ersatzblase) mit der Fähigkeit auf normalem Wege Wasser zu lassen oder eine inkontinente Ableitung mit einem künstlichen Ausgang (Ileum-/Kolon-Conduit) durchgeführt werden. Ab Stadium T4 (Infiltration von Nachbarorganen, Fernmetastasen) wird eine Polychemotherapie mit Cisplatin, Methotrexat, Vinblastin und Adriamycin (MVAC-Schema) durchgeführt.

Nachbehandlung

Aufgrund der hohen Rezidivrate (Wiederkehrung) muss alle drei Monate eine Blasenspiegelung durchgeführt werden. Auch hier kann bei bestimmten Risikopatienten eine Fluoreszenzspiegelung durchgeführt werden. Zur Senkung der Rezidivrate kann eine Instillation mit BCG oder Mitomycin durchgeführt werden.

Quellen

  1. Nieder AM, John S, Messina CR, Granek IA, Adler HL. Are patients aware of the association between smoking and bladder cancer? J Urol 2006;176(6 Pt 1):2405-8; discussion 8.
  2. Manski, D.: Online Lehrbuch der Urologie. http://www.urologielehrbuch.de/harnblasenkarzinom.html
  3. Focus Online. http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/krebs/news/humanes-papillomavirus_aid_134015.html
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Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Blasenkrebs aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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