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Georg-Speyer-Haus



Das Georg-Speyer-Haus ist als Stiftung des privaten Rechts eine Forschungseinrichtung in unmittelbarer Nachbarschaft zum Gelände der Universitätsklinik Frankfurt am Main. Schwerpunkte der Forschung sind die Verbesserung der Chemotherapie, speziell das Gebiet der klinischen Erprobung neuer Methoden der Krebsbehandlung und die Behandlung von AIDS. Anfang April 2006 erregte es auch außerhalb der medizinischen Fachkreise erhebliches Aufsehen, nachdem es Ärzten und Naturwissenschaftlern des Instituts gelungen war, erstmals in Deutschland eine erfolgreiche Gentherapie beim Menschen durchzuführen.

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Personelle und finanzielle Ausstattung

Das Georg-Speyer-Haus beschäftigte Anfang 2006 rund 100 Mitarbeiter, darunter ca. 75 Doktoranden, Postdoktoranden sowie Projekt- und Gruppenleiter. Die Grundfinanzierung wird zu gleichen Teilen aus Bundesmitteln und aus Mitteln des Landes Hessen getragen. In den Jahren 2004 und 2005 betrug sie zusammen jeweils etwas über 3 Millionen Euro. Hinzu kam ungefähr der gleiche Betrag aus Projektfördermitteln von Forschungsförderungsinstitutionen, Forschungs- und Entwicklungsverträgen, Erträgen aus dem Stiftungskapital und aus Spenden. Im Jahr 2004 standen insgesamt 6,4 Millionen Euro zur Verfügung.

Das Institut wird geleitet von einem Stiftungsvorstand; die laufende Geschäftsführung nimmt ein Direktor wahr.

Forschungsbereiche

Das Georg-Speyer-Haus befasst sich heute wie zu Zeiten seiner Gründung mit zwei Forschungsthemen: Zum einen mit dem Entstehen und der Bekämpfung von Tumoren, zum anderen mit der Bekämpfung von Infektionen. Auf dem Gebiet der Tumorbiologie werden insbesondere die Mechanismen der Regulation des Zellwachstums und der Zelldifferenzierung untersucht sowie die Unterschiede der Signalübertragung zwischen Tumorzellen und normalen Zellen. Im Bereich der Infektionsbiologie werden insbesondere die Immuntherapie der HIV-Infektion mit Hilfe von genetisch modifizierten Zellen untersucht sowie Ansätze zu einer molekularen Therapie von Erkrankungen des Blutsystems.

Anfang April 2006 gab das Institut bekannt, dass ihm eine Gentherapie beim Menschen geglückt sei. Zwei Patienten mit Septischer Granulomatose habe man eigene, gentechnisch veränderte blutbildende Stammzellen übertragen, die im Körper auch 18 Monate nach dem Eingriff noch voll funktionstüchtig waren. Details siehe: hier.

Geschichte

Der Name des Instituts geht zurück auf den Bankier Georg Speyer (1835 – 1902), der 1901 aus seinem Vermögen die damals gewaltige Summe von einer Million Goldmark stiftete und damit den finanziellen Grundstein für die Georg und Franziska Speyer'schen Studienstiftung zur "Pflege der Wissenschaft und des höheren wissenschaftlichen Unterrichts" legte. Aus dieser Stiftung gingen später wesentliche Teile der Universität Frankfurt hervor.

Nach seinem frühen Tod beschloss seine Witwe Franziska eine weitere Million Goldmark zur Gründung eines Georg-Speyer-Hauses zu stiften: Auf den Gelände des Städtischen Krankenhauses sollte eine "Akademie für praktische Medizin" eingerichtet werden. Nachdem sich deren Gründung hinzog, überzeugte Ludwig Darmstaedter die Stifterin, ihren Plan zu ändern und statt dessen die Forschung von Paul Ehrlich zu unterstützen. Dieser hatte bereits seit 1896 zunächst in Berlin und ab 1899 in Frankfurt am Main u.a. die chemotherapeutische Behandlung von Infektionskrankheiten und von Krebs erforscht. In Frankfurt leitete er das Königliche Institut für experimentelle Therapie, dem auch die staatliche Kontrolle der im Handel befindlichen Heilsera anvertraut wurde (und aus dem später das Paul-Ehrlich-Institut hervorging).

1905 stellte der Frankfurter Oberbürgermeister Franz Adickes der Stifterin Franziska Speyer kostenlos Bauland für das geplante Institut zur Verfügung, das nach seiner Fertigstellung ins Eigentum der Stadt überging und von dieser bis heute unterhalten wird. Am 3. September 1906 wurde das Georg-Speyer-Haus feierlich eröffnet und seinem ersten Direktor, Paul Ehrlich, übergeben. Nachdem Ehrlich im Jahr 1909 Salvarsan zur Behandlung von Syphilis entwickelt hatte, gingen die Lizenzerträge an die Stiftung zwecks weiterer Förderung der Forschung.

1935 wurden alle Schriften Paul Ehrlichs von den Nationalsozialisten aus der Institutsbibliothek entfernt, 1938 wurde das Institut umbenannt in Forschungsinstitut für Chemotherapie, um auch den Namen der jüdischen Stifterfamilie zu eliminieren.

1945 erhielt das Institut, das im Krieg schwer beschädigt wurde, den angestammten Name wieder: Chemotherapeutisches Forschungsinstitut Georg-Speyer-Haus. Allerdings schrumpfte das Stiftungsvermögen bis 1949 von 10 Millionen Mark vor der Währungsreform auf nur noch 130.000 Mark. Erst ab 1950 wurde das Institut durch das so genannte Königsteiner Abkommen gemeinsam durch die Bundesländer finanziert. Prominentester Institutsleiter nach dem Krieg war Niels Kaj Jerne.

Koordinaten: 50° 5' 44.3" N, 8° 39' 56.7" O

 
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