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Trigeminusneuralgie



Trigeminusneuralgie
ICD-10-Code G50.0
IHS/ICHD-II Code 13.1

Die Trigeminusneuralgie (auch Tic douloureux) ist eine Form des Gesichtsschmerzes. Es handelt sich um einen äußerst schmerzhaften Reizungszustand des 5. Hirnnerven, des Nervus trigeminus.

Weiteres empfehlenswertes Fachwissen

Inhaltsverzeichnis

Formen

Man unterscheidet idiopathische und symptomatische Trigeminusneuralgie nach ihren Ursachen: Bei der idiopathischen Trigeminusneuralgie ist die Ursache – wie die Bezeichnung vermuten lässt – weitgehend unbekannt, bei der symptomatischen Trigeminusneuralgie kann eine Ursache gefunden werden (z. B. Kompression des Nervs durch ein Gefäß, Multiple Sklerose (MS) oder einen Hirntumor). Diese Unterscheidung ist auch klinisch relevant, weil sich das therapeutische Vorgehen nach ihr richtet.

Epidemiologie

  • Idiopathische Trigeminusneuralgie: Erstmaliges Auftreten nach dem 40. Lebensjahr. Die Inzidenz liegt bei Frauen bei 5,9/100.000*Jahr, bei Männern bei 3,9/100.000*Jahr (Katusic et al., 1990). Am häufigsten sind der zweite (Nervus maxillaris) und dritte Trigeminusast (Nervus mandibularis) alleine (18 % bzw. 15 %) oder kombiniert (ca. 40 %) betroffen. Beidseitige Trigeminusneuralgien sind mit ca. 3 % selten.
  • Symptomatische Trigeminusneuralgie: Erstmaliges Auftreten vor dem 40. Lebensjahr. Sehr viel häufiger findet sich der Befall des 1. Trigeminusastes (Nervus ophthalmicus) sowie beidseitige Nervenschmerzen.

Symptome

Charakteristisch ist der spontane oder getriggerte, blitzartige einschießende Schmerz im Bereich eines oder mehrerer Trigeminusäste (meist 1. und 2., selten der 3. Ast). Der Schmerz hält meist nur für wenige Sekunden an, selten bis zu zwei Minuten. Auf die Schmerzattacke folgen vegetative Erscheinungen im Versorgungsgebiet des entsprechenden Trigeminusastes: Rötung, Sekretion der Tränen-, Nasen- und/oder Speicheldrüsen. Die Attacken treten mehrmals pro Tag über Wochen und Monate auf; es können zu Beginn aber auch wochen- bis monatelange schmerzfreie Intervalle vorliegen.

Als Trigger (Auslöser) können wirken: Kauen, Sprechen, Schlucken, Zähneputzen, Berührung im Gesicht, kalter Luftzug, Bewegungen der Gesichtsmuskulatur

Bei der idiopatischen Trigeminusneuralgie besteht zwischen den einzelnen Schmerzattacken Schmerzfreiheit, wohingegen bei der symptomatischen Trigeminusneuralgie auch zwischen den Attacken Missempfindungen oder ein dumpfes Schmerzgefühl bestehen bleibt. Ebenfalls kommt es bei der symptomatischen Trigeminusneuralgie häufiger zur Beteiligung des 1. Trigeminusastes und einem beidseitigen Auftreten. Diese Patienten haben jedoch häufig eine Gefühlsstörung im Versorgungsgebiet des betroffenen Trigeminusastes.

Ein großes Problem besteht darin, dass jahrelang Geplagte ein Vermeidensverhalten entwickeln und beispielsweise nicht mehr ins Freie gehen (wenn kalte Luft als Auslöser wirkt), sich im betroffenen Gesichtsbereich nicht mehr waschen oder rasieren, wenn (schon leichte) Berührung als Auslöser wirkt. Begleitet wird die Trigeminusneuralgie häufig von einer depressive Verstimmung als Folge der massiven Schmerzen. Die Suizidrate ist bei Betroffenen signifikant erhöht.

Stärke der Schmerzen

Die Schmerzen, die bei der Trigeminusneuralgie auftreten, sind mit die stärksten für den Menschen vorstellbaren Schmerzen. Sie erreichen auf einer Schmerzskala von 0 bis 10 fast immer die höchste Stufe.

Pathogenese

Bei 70 bis 100 % kann intraoperativ ein pathologischer Gefäß-Nervenkontakt nachgewiesen werden (u. a. Delitala et al., 2001, Zorman/Wilson, 1984). Zumeist handelt es sich dabei um den Kontakt zwischen der Arteria cerebelli superior und der Wurzel des Nervus trigeminus im Bereich des Hirnstamms. Durch die herzrhythmische Ausdehnung des Gefäßes kommt es zur lokal umschriebenen Demyelinisierung des Nerven (Love/Coakham, 2001). Das bedeutet im Gegenschluss aber keineswegs, dass bei allen Personen mit pathologischem Gefäß-Nervenkontakt ein vaskulär bedingtes Schmerzsyndrom vorliegen muss. Neben dieser Theorie besteht die Hypothese einer funktionellen Störung im Kerngebiet des Nervus trigeminus sowie die einer Störung im schmerzverarbeitenden System.

Bei der symptomatischen Trigeminusneuralgie führen beispielsweise Raumforderungen und Demyelinisierungsvorgänge im Rahmen der Multiplen Sklerose zu den typischen Schmerzen.

Differentialdiagnosen

Therapie

Es stehen sich konservative und operative Therapiemöglichkeiten gegenüber. Zuerst wird immer ein konservativer, also medikamentöser Therapieversuch erfolgen, da alle operativen Eingriffe (mitunter schwerwiegende) Nebenwirkungen aufweisen – ganz abgesehen von der Operabilität des Patienten. Leider wurden in der Vergangenheit immer noch häufig operative Maßnahmen im Bereich des Gesichtsschädels durchgeführt, weil die Schmerzen falsch gedeutet wurden. Deshalb sei an dieser Stelle festgestellt, dass die Entfernung von Zähnen oder die Spülung von Kieferhöhlen keinen therapeutischen Erfolg zeigten. Psychotherapeutische Verfahren konnten in ihrer Wirksamkeit ebenfalls nicht belegt werden.

Konservative Therapie

  • Mittel der 1. Wahl: Carbamazepin/Oxcarbazepin
  • Mittel der Wahl zur Akuttherapie: Phenytoin langsam i. v. (Natriumkanalblocker)
  • Daneben gibt es noch eine Reihe weiterer Medikamente, die in ihrer Wirksamkeit in Studien oder empirisch belegt worden sind, die hier aber nicht weiter aufgeführt werden sollen. Bei Interesse sei auf die unten stehenden Links verwiesen.
  • Opiate sind nur unzureichend wirksam und nicht in Langzeitstudien untersucht, weshalb die Expertengruppe 2001 ihre Verwendung nicht empfiehlt.

Operative Therapie

Auch hier stehen verschiedene Therapieoptionen zur Verfügung:

  • Verfahren ohne Schädelknocheneröffnung im/am Ganglion Gasseri

Hierunter werden die Schädigung des Ganglion Gasseri durch Hitze (temperaturgesteuerte Koagulation, Sweet, 1968), durch chemische Substanzen (Glyzerinrhizolyse, Hakanson, 1981) und durch mechanischen Druck (Ballonkompression, Mullan/Lichtor, 1983) zusammengefasst. Alle Verfahren sind mit einer frühen Erfolgsquote von mehr als 90 % sehr gut wirksam (u. a. Jho/Lunsford, 1997), Skirving/Dan, 2001). Nach zehn Jahren liegt die deutliche Schmerzlinderung bzw. Schmerzfreiheit noch bei 70-80 %. Als Nebenwirkung treten Gefühlsstörungen (evtl. auch schmerzhaft) im Versorgungsgebiet des Trigeminus sowie in seltenen Fällen Gehirnhautentzündungen (1-5 %, je nach Therapieverfahren) auf.

Auch: Operation nach Janetta. Hierbei wird entweder ein Muskelkissen oder körperfremdes Material zwischen den N. trigeminus und das komprimierende Gefäß eingebracht. Die frühe Erfolgsquote von 98 % belegt die Wirksamkeit (Schmerzfreiheit bzw. deutliche Schmerzlinderung). Nach 10 Jahren beträgt die Erfolgsrate noch 67 % (Schmerzfreiheit bzw. deutliche Schmerzlinderung). In 11 % der Fälle musste innerhalb von sechs Jahren erneut operiert werden, wobei die Erfolgsrate nach diesen Re-Operationen deutlich niedriger als nach der Erstoperation lag (nach fünf Jahren nur noch bei 51 %). Als Nebenwirkung treten in 3-30 % der Fälle Gefühlsstörungen (meist in Form einer Verminderung des Gefühls) im Trigeminusgebiet sowie in bis zu 20 % der Fälle eine Taubheit auf dem gleichseitigen Ohr auf.

  • radiologische Behandlungsverfahren (Gamma-Knife, Linearbeschleuniger)

Die frühe Erfolgsrate liegt bei ca. 86 %, sinkt jedoch nach knapp drei Jahren auf ca. 75 % ab (Kondziolka et al., 2002). Es handelt sich um eine relativ junge Therapieoption, so dass Langzeitergebnisse noch abgewartet werden müssen.

Weiterführende Informationen

Literatur

  • Leitlinie „Trigeminusneuralgie“ 2002 der DGN
  • Poeck, Hacke: Neurologie, 11. Auflage, 2001, Springer, S. 427
  • Iro H et al.: Gestörte Sensibilität: Trigeminus. Laryngorhinootologie 2005; 84: 179-193 (Online-version)
Bitte beachten Sie den Hinweis zu Gesundheitsthemen!
 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Trigeminusneuralgie aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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