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Scheidenflora



Als Scheidenflora (Vaginalflora) wird die natürlich vorhandene mikrobielle Besiedlung der weiblichen Scheide bezeichnet. Bei einer geschlechtsreifen, gesunden Frau besteht diese überwiegend aus verschiedenen Arten von Milchsäurebakterien, den sog. Döderlein-Bakterien.

Die Scheidenflora übernimmt eine Platzhalterfunktion und verhindert dadurch, dass andere, schädliche Keime überhand nehmen. Neben dieser sog. Kolonisationsresistenz verhindert auch das saure Scheidenmilieu, das durch die Scheidenflora gewährleistet wird, ein Überwuchern von Krankheitserregern.

Lange wurde angenommen, Lactobacillus acidophilus wäre dabei der am meisten verbreitete Mikroorganismus, aber mittlerweile stellte sich heraus, dass der häufigste Scheidenbewohner L. iners ist, gefolgt von L. crispatus (je nach Studie auch umgekehrt!). Weitere häufig vorkommende Lactobazillen der Vagina sind L. delbruekii, L. jensenii, L. buchneri., L. gasseri und Bifidobacterium spp.. Die Zusammensetzung der vaginalen Mikroflora kann von Frau zu Frau stark variieren, weshalb verschiedene Parameter der Besiedlung im sogenannten Nugent-Score zur Quantifizierung und Bewertung der Flora in der Vagina herangezogen werden. Dies ermöglicht die Einschätzung einer Behandlungsbedürftigkeit und des Therapieerfolgs.

Die Laktobazillen vergären unter dem Einfluss von Östrogen und Gestagen von den Epithelzellen bereitgestellte Glukose (Traubenzucker) zu Milchsäure (Milchsäuregärung). Hierdurch entsteht in der Scheide ein saures Milieu, mit einem pH-Wert von normalerweise zwischen 3,8 bis 4,5. Dieses saure Vaginalmilieu bildet einen effektiven Schutz vor Infektionen, da die überwiegende Zahl der krankmachenden Bakterien unter solchen Bedingungen nicht gedeihen kann.

Allerdings schützt der niedrige pH-Wert nur vor bakteriellen Infektionen, nicht aber vor bestimmten Pilzinfektionen. Störungen der vaginalen Flora, z. B. durch die Einnahme von Antibiotika, können zum Niedergang der Döderleinschen Stäbchen und in Folge zu bakterieller Vaginitis führen. Dies gilt auch für übertriebene hygienische Maßnahmen, insbesondere die Anwendung von (basischer!) Seife. Der häufigste Erreger einer Vaginitis ist Gardnerella vaginalis, aber auch pathogene Chlamydien, Enterobacteriaceae, Staphylokokken und der Pilz Candida albicans können ursächlich sein.

Weiters kann die normale Scheidenflora dezimiert werden, wenn die Patientin chronischem Stress ausgesetzt ist.[1]

Quellen

  1. Culhane, J.F. et al. (2001): Maternal stress is associated with bacterial vaginosis in human pregnancy. In: Matern Child Health J. Bd. 5, S. 127-134. PMID 11573838]
 
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