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Novartis



Novartis AG
Unternehmensform Aktiengesellschaft
Gründung 1996
Unternehmenssitz Basel, Schweiz

Unternehmensleitung

Daniel Vasella (CEO)

Mitarbeiter 100.735 (Stand: 31. Dezember 2006)
Umsatz 37 Mrd. US-Dollar (2006)[1]
Branche Biotechnologie und Pharmazie
Website www.novartis.com

Die Novartis AG (von lat. novae artes „neue Künste“) ist ein Biotechnologie- und Pharmaunternehmen mit Sitz in Basel (Schweiz). Novartis entstand 1996 aus einer Fusion der beiden ehemaligen Basler Pharma- und Chemieunternehmen Ciba-Geigy AG und Sandoz. Es war damals die größte Firmenfusion der Welt. Heute ist Novartis das viertgrößte Pharmaunternehmen welweit.

Der jetzige CEO und Verwaltungsratspräsident ist Daniel Vasella (das Schweizer Aktienrecht kennt keinen "Vorstand").

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Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Novartis geht auf mehrere Basler Firmen zurück, die sich alle im 19. Jahrhundert mit der Produktion von Anilinfarbstoffen aus Teer beschäftigten. Neben dem Rhein, der für Brauchwasser und die Entsorgung der festen und flüssigen Abfälle genutzt werden konnte [2], war die Anwesenheit von Färbereien, ein gut ausgebauter internationaler Handel, lokales Kapital und ein ausreichendes Angebot an Arbeitskräften wichtige Standortfaktoren für die Entwicklung der Basler Farbstoffindustrie. Die ersten Chemiker und das Know-How für die Farbstoffherstellung kamen aus Frankreich. Außer der Hoffmann-La Roche gehen alle Basler Pharmaunternehmen mit Wurzeln im 19. Jahrhundert auf die Teerfarbenproduktion zurück und fusionierten über mehrere Stufen zu Novartis.

J.R. Geigy

1758 begann Johann Rudolf Geigy-Gemuseus (1733–1793) im Raum Basel mit „Materialien, Chemikalien, Farbstoffen und Heilmitteln aller Art“ zu handeln. 1857 richteten Johann Rudolf Geigy-Merian (1830–1917) und Johann Müller-Pack ein Farbholz- und ein Farbextraktionswerk am Riehenteich (Rosentalquartier) ein und nahmen zwei Jahre später die Produktion von synthetischem Fuchsin auf.

1901 wurde seine Firma eine Aktiengesellschaft und hieß seit 1914 J.R. Geigy AG. Geigy begann 1935 mit der Produktion von Insektiziden und gründete drei Jahre später eine pharmazeutische Abteilung. Das neue Werk Schweizerhalle wurde errichtet, und der Geigy-Forscher Paul Müller entwickelte das Insektizid DDT, wofür er 1948 den Nobelpreis erhielt. In den 1940er- bis 1960er-Jahren entwickelte Geigy verschiedene Produkte, darunter das Antirheumatikum Phenylbutazon (Butazolidin), Herbizide wie Simazin oder Atrazin, Psychopharmaka wie Imipramin (Tofranil) oder Clomipramin (Anafranil), Bluthochdruckmittel wie das Diuretikum Chlortalidon (Hygroton) oder das Antiepileptikum Carbamazepin (Tegretol; Warenzeichen in Deutschland: Tegretal).

Ciba

Alexander Clavel (1805–1873) nahm 1859 die Produktion von Fuchsin in seiner Seidenfärberei in Basel auf. Umweltauflagen der Stadt zwangen ihn 1864 die Produktion von der Rebgasse in der Kleinbasler Altstadt in eine neu erbaute Fabrik für synthetische Farbstoffe an der Klybeckstrasse zu verlegen[3]. Diese Produktionsstätte verkaufte er 1873 an die neue Firma Bindschedler & Busch um sich wieder ganz der Seidenfärberei zu widmen. 1884 wurde die Firma in Gesellschaft für Chemische Industrie Basel umbenannt. Deren Abkürzung Ciba wurde so geläufig, so dass sie 1945 zum offiziellen Firmennamen erklärt wurde.

Das vom Mülhauser Chemiker Armand Gerber 1864 ursprünglich als Anilinfarbenfabrik A. Gerber & Uhlmann gegründete Anilinfarbenwerk vormals A. Gerber & Cie. wurde 1898 integriert und ergänzte das Fabrikareal an der Klybeckstrasse. 1908 erfolgt die Fusion mit der Basler Chemischen Fabrik mit Werken in Kleinhüningen (Kanton Basel-Stadt) und Monthey (Kanton Wallis). Nach Erzeugnissen wie das Antiseptikum Vioform oder das Antirheumatikum Salen um die Jahrhundertwende errichtete Ciba um die 1910er Jahre Fabriken unter anderem in Clayton (England), Mailand (Italien), in Berlin oder in Russland. 1954 wurde mit der Produktion von Insektiziden begonnen. 1963 kam Deferoxamin (Desferal) zur Behandlung von Eisen- und Aluminiumüberladung in Verbindung mit der Blutkrankheit Thalassämie auf den Markt.

1970 fusionierten Ciba und Geigy zur Firma Ciba-Geigy AG; seit 1992 nannte sich die Firma nur noch Ciba.

Sandoz

1886 gründeten Alfred Kern (1850–1893) und Edouard Sandoz (1853–1928) die Chemiefirma Kern & Sandoz im St. Johann Quartier an der Gasstrasse in Basel. Die ersten Farbstoffe, die dort hergestellt worden sind, waren Alizarinblau und Auramin. Nach Kerns Tod wurde 1895 das Partnerunternehmen in die Aktiengesellschaft Chemische Fabrik vormals Sandoz umgewandelt und im gleichem Jahr das fiebersenkende Mittel Phenazon (Antipyrin) hergestellt. 1899 wurde mit der Produktion des Süßstoffes Saccharin begonnen. 1917 begann man unter Arthur Stoll (1887–1971) mit der pharmazeutischen Forschung. Zwischen den Weltkriegen wurden daraufhin Gynergen (1921) und Calcium-Sandoz (1929) auf den Markt gebracht. Seit 1929 stellte Sandoz auch Chemikalien für Textilien, Papier und Leder her, 1939 kamen außerdem Agrochemikalien dazu. In den 1930er-Jahren wurde das Psychopharmakon LSD entwickelt, das in den 1960er-Jahren wieder zurückgezogen wurde.

Der Aufbau des Werks Schweizerhalle an der Rothaustrasse in Muttenz wurde 1946 begonnen. 1964 wurden erste Auslandniederlassungen gegründet. 1967 fusionierte Sandoz mit der Wander AG (bekannt für Ovomaltine und Isostar) und übernahm zudem die Firmen Delmark, Wasa (Knäckebrothersteller aus Schweden) und 1994 Gerber Babynahrung aus den USA. 1970 wurde in Wien, Österreich, das Sandoz-Forschungsinstitut (deutsche Abkürzung: SFI, englische Abkürzung: SRI) gegründet, das nach der Fusion von Sandoz mit Ciba-Geigy im Jahre 1996 in Novartis-Forschungsinstitut (deutsche Abkürzung: NFI, englische Abkürzung: NRI) umbenannt wurde. Dieses Forschungsinstitut ist nun ein Teil des 2003 gegründeten Novartis Institutes for Biomedical Research (NIBR). Das Forschungsinstitut beschäftigte 2006 rund 220 Personen.

Chemiekatastrophe 1986

Am 1. November 1986 ereignete sich in einer Lagerhalle von Sandoz in Schweizerhalle bei Basel eine Brandkatastrophe. 500 Tonnen Chemikalien verbrannten. Das verunreinigte Löschwasser gelangte teilweise in den Rhein und vernichtete dort einen großen Teil des tierischen und pflanzlichen Lebens. Es dauerte Jahre, bis sich der Fluss wieder erholt hatte. Der Unfall galt als eine der größten bis dahin stattgefundenen Umweltkatastrophen und erschütterte den Glauben an die Sicherheit der chemischen Industrie. Gleichzeitig war er Anlass zum Umdenken im Störfall- und Gewässerschutz. 1995 wird die Sparte Spezialitätenchemie als eigne Firma unter dem Namen Clariant AG mit Firmensitz in Muttenz verselbständigt. Damit gehört auch das ehemalige Werk Schweizerhalle an der Rothaustrasse in Muttenz nicht mehr zu Sandoz.

Novartis

1996 entstand aus Sandoz und Ciba-Geigy AG das Unternehmen Novartis. Die Firma wurde am 20. Dezember 1996 offiziell eingetragen. 1997 erfolgte die Ausgliederung der Sparte Chemie als eigne Firma unter dem Namen Ciba Spezialitätenchemie AG mit Sitz in Basel. Mit der Auslagerung des Industriechemikaliengeschäfts, das auch die Farbstoffe beinhaltet, verlässt Novartis endgültig seine historischen Wurzeln. 1999 wird der Geschäftsbereich Wasa an die Barilla Alimentare S.p.A. mit Sitz in Parma/Italien verkauft.

Seit dem 21. April 1999 ist der Vorstandsvorsitzende (CEO) Daniel Vasella zudem Verwaltungsratspräsident. Ebenfalls 1999 erfolgt die Ausgliederung des Agrarbereichs und der Zusammenschluss mit der Agrarsparte von AstraZeneca. Das neu entstandene Unternehmen Syngenta, mit Sitz in Basel, wird zum weltgrössten Agrarkonzern.

2003 fasste Novartis seine Generikafirmen unter dem Namen Sandoz zu einem Teilkonzern mit Hauptsitz in Wien zusammen. Seither ist Sandoz wieder als Markenname für den Konsumenten sichtbar. Nach Übernahme des deutschen Generika-Herstellers Hexal verlegte Novartis 2005 den Sandoz-Hauptsitz an den Hexal-Standort nach Holzkirchen. Gerber Babynahrung wurde im April 2007 für 5,5 Milliarden US-Dollar an Nestle verkauft.[4]

Umsatz

Seit Jahren erwirtschaftet Novartis Rekordgewinne, so auch im Jahr 2006: Der Nettoumsatz betrug 37,0 Milliarden US-Dollar (15 Prozent mehr als im Vorjahr), der Reingewinn 7,2 Milliarden US-Dollar (17 Prozent mehr als im Vorjahr).[1] Dies ist vor allem Produkten wie Valsartan (Diovan), Imatinib (Glivec), Letrozol (Femara) und Zoledronat (Zometa) zu verdanken.

Produkte

Novartis vertreibt zahlreiche Produkte. Hier einige der bekannteren Medikamente:

Novartis Stiftung

Die Firma Novartis ist Trägerin der Novartis Stiftung für Nachhaltige Entwicklung. Ihr Präsident und Geschäftsführer ist Klaus M. Leisinger. Die Novartis Stiftung ist Initiator von Programmen zur Förderung von Gesundheit und landwirtschaftlichen Projekten in Ländern der Dritten Welt. Schwerpunkte der Arbeit sind unter anderem die Bekämpfung von Lepra in Indien und Sri Lanka sowie Programme gegen AIDS, Tuberkulose und Malaria in verschiedenen Entwicklungsländern.

Ein weiteres Aktivitätsfeld der Novartis Stiftung ist die Förderung des Gedankens, dass eine Kultur der Unternehmensethik zu entwickeln sei.

Kritik

In Deutschland geriet der Konzern 2007 scharf in die Kritik wegen des Preises für das neu zugelassene Medikament Ranibizumab (Handelsname Lucentis®) zur Behandlung der feuchten Altersbedingten Makuladegeneration. Es ist etwa 50 mal teurer als das bis dahin vorrangig eingesetzte Avastin, das allerdings nicht für diesen Einsatz zugelassen ist. Mit der Zulassung von Lucentis darf Avastin nun nicht mehr verschrieben werden. Kritiker sehen in dem neuen Medikament lediglich eine Weiterentwicklung von Avastin, Novartis spricht dagegen von einem völlig neu entwickelten Medikament. Experten schätzen die Mehrkosten für das Gesundheitssystem allein durch dieses Medikament auf mehrere Milliarden Euro. Prof. Wolf-Dieter Ludwig, der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft, warf dem Konzern vor, daß er „für sein Monopol einen horrenden Preis“ verlange. Novartis sieht nach eigenen Berechnungen eine deutlich geringere Belastung für das Gesundheitssystem und verhandelt mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und den Krankenkassen über einen Preisnachlaß.[5]

Derzeit läuft eine Klage des Unternehmens gegen den Staat Indien, da dessen Patentrecht die Herstellung von deutlich verbilligten Generika vorsieht. Indien ist durch seine Patentrechtregelung, die keinen Patentschutz beispielsweise bei nur geringfügig veränderter Wirkstoffzusammensetzung vorsieht, zum wichtigsten Ursprungsland erschwinglicher Medikamente für arme Menschen in Entwicklungsländern geworden. Diese können sich häufig eine Behandlung mit Originalpräparaten nicht leisten, was besonders im Falle von Medikamenten gegen Tuberkulose oder HIV/AIDS schweres Leiden mit sich zieht. Die Klage von Novartis wird vor allem von NGOs wie Ärzte ohne Grenzen stark kritisiert, da bei einem Urteil gegen die indische Regierung Millionen Menschen weltweit ohne bezahlbare medizinische Hilfe dastünden.[6] Die Klage wurde am 7. August 2007 abgewiesen, da sich das indische Gericht für unzuständig erklärte und Novartis an das Schlichtungstribunal der WTO verwies.[7]

Im Oktober 2007 wurde Novartis „für die Bespitzelung ihrer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer“ mit dem Negativpreis Big Brother Award in der Kategorie „Arbeitswelt“ ausgezeichnet.

Einzelnachweise

  1. a b http://cws.huginonline.com/N/134323/PR/200701/1098754_5.html
  2. Forter Martin: Farbenspiel – Ein Jahrhundert Umweltnutzung durch die Basler chemische Insustrie . Chronos Verlag, Zürich 2000, ISBN 3905313464.
  3. CIBA: Herkunft und Gestalt der Industriellen Chemie in Basel – Herausgegeben von der CIBA aus Anlass ihres 75 jährigen Bestehens als Aktiengesellschaft. Urs Graf-Verlag, Olten und Lausanne 1959.
  4. Netzeitung: Nestle investiert in Babynahrung, 12. April 2007
  5. Patrick Hünerfeld: Kostenlawine durch neues Medikament? (19. Mai 2007, Zugriff: 20. Mai 2007)
  6. die tageszeitung vom 31. Januar 2007: Wer zahlt, darf überleben
  7. taz:Indien stoppt Pharmariesen

Literatur

  • Christian Zeller: Globalisierungsstrategien – Der Weg von Novartis. Springer-Verlag, Berlin/New York 2001, ISBN 3-540-41629-3
 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Novartis aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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