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Chimäre




 

Der Begriff Chimäre (griechisch Χίμαιρα, Chímaira, „die Ziege“) bezeichnet ursprünglich ein Geschöpf der griechischen Mythologie. Es war eine Tochter der Ungeheuer Echidna und Typhon, ihre Geschwister waren die Hydra, der Kerberos und die Sphinx. Sie lebte in dem Ort Chimaira in Lykien, wo sie Mensch und Tier bedrohte.

In der Neuzeit bekam der Begriff eine erweiterte Bedeutung, die auch andere Arten von Mischwesen mit einbezog. Er bezeichnet in diesem übertragenen Sinne ein Trugbild – siehe Schimäre.

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Inhaltsverzeichnis

Chimären in der Mythologie

Homer beschreibt sie in der Ilias als feuerspeiendes Mischwesen mit drei Köpfen: dem eines Löwen, im Nacken dem einer Ziege, und als Schwanz hat sie den Kopf einer Schlange oder den eines Drachen. König Iobates gab Bellerophon, einem Enkel des Sisyphos, den Auftrag, die Chimäre zu töten. Hierzu stellte ihm eine griechische Gottheit (Athene oder Poseidon) ihrerseits ein Mischwesen, das geflügelte Pferd Pegasus, zur Verfügung: Aus der Luft konnte er die Chimäre mit seinen Pfeilen erlegen. König Jobates freute sich darüber so sehr, dass er dem Bellerophon seine Tochter zur Frau gab.

Weitere mythologische Chimären (in der Bedeutung „Mischwesen“) sind neben allen Altägyptischen Göttern und Göttinnen: Ammut, Basilisk, Gorgonen, Greif, Harpyie, Hippogryph, Ichthyozentaur, Meerjungfrau, Minotauros, Mantikor, Satyr, Sphinx, Zentaur.

Berühmt ist die „Chimären-Galerie“ auf den Türmen von Notre Dame in Paris. Diese Wächter über den Wasserspeiern wurden im 19. Jahrhundert von Viollet-le-Duc geschaffen.

Chimären in den Naturwissenschaften

Unter Chimäre versteht man definitionsgemäß einen Organismus, dessen Zellen sich von mindestens zwei genetisch verschiedenen Zygotenlinien herleiten. Im Gegensatz hierzu gehen mitotische Mosaike auf nur eine Zygotenlinie zurück.[1] Beim Menschen besteht der Verdacht auf Chimärismus immer dann, wenn die Chromosomenanalyse das Vorhandensein einer normalen männlichen und einer normalen weiblichen Stammlinie ergeben hat, was bisher etwa 20 mal beschrieben wurde.[2] Eine postzygotische Entstehung infolge mehrmaligem non-disjunction der Geschlechtschromosomen konnte in ungefähr der Hälfte der Fälle durch den Nachweis genetisch verschiedener Zellinien in bezug auf bestimmte Blutgruppen- und serologische Merkmale ausgeschlossen werden. Inzwischen besteht die Möglichkeit, auch durch zytogenetische Untersuchungen den Nachweis unterschiedlicher Herkunft zu erbringen, seitdem beim Menschen mit Hilfe der Fluoreszenzmikroskopie und der Giemsa-Bandentechnik zahlreiche chromosomale Polymorphismen festgestellt wurden.[3]

Ebenso werden durch die Verschmelzung von Embryonen erzeugte Individuen als Chimären bezeichnet (genetischer Chimärismus). Technisch gut etabliert ist hierbei die Erzeugung von Chimären aus verschiedenen Inzuchtstämmen (Rassen) von Labormäusen mit jeweils unterschiedlicher Fellfarbe, die dann zum Beispiel an einem schwarz-weiß gefleckten Fell erkenntlich sind.

Nicht erst heutzutage bekommt der Begriff Chimäre mit der Genetik eine realistische Bedeutung. Bei der Pflanzenveredelung werden seit Generationen Chimären erzeugt. Bekanntheit erlangte die naturwissenschaftliche Bedeutung des Begriffs in der Öffentlichkeit vor allem durch die oben genannten Lebewesen. Mit der Züchtung gentechnisch veränderter Pflanzen und Tiere verfolgt die Forschung hauptsächlich weniger aufsehenerregende, aber dafür nützlichere Ziele. In der Medizin erfolgte beispielsweise die Entwicklung monoklonaler Antikörper. Auch Mischwesen mit menschlichen Genen (zum Beispiel Mäuse) wurden bereits erzeugt. Stammzellforscher sind an der Herstellung von Chimären interessiert. Indem sie menschliche embryonale Stammzellen in den Embryo eines Tiers injizieren, hoffen sie, das Verhalten der menschlichen Zellen in einem lebenden Organismus beobachten zu können.

Es sind auch menschliche Chimären bekannt. In dem Fall handelt es sich um eine Person, die das Erbgut von beiden zweieiigen Zwillingen in sich trägt. Bereits im sehr frühen Zellstadium verschmelzen die beiden befruchteten Eizellen eines Zwillingspaares zu einem, aus dem dann ein Kind entsteht. Jedoch trägt es in sich beide Erbanlagen der Zwillinge. Die Zellen sind weit verteilt über den Körper, so dass es immer zu gemischten DNA-Proben dieser Person kommt. Bei der In-vitro-Fertilisation werden meistens zwei Embryonen transferiert, die dann verschmelzen können und zur vermehrten Entstehung von Chimären führen. Wenn zweieiige Zwillinge über eine gemeinsame Plazenta versorgt werden, kann es zum Übertreten von Blutstammzellen auf den anderen Fötus kommen. In den Blutzellen finden sich ebenfalls unterschiedliche DNA-Sätze. Man spricht dann von einer Blutchimäre (engl. blood chimera).

Literatur

  • Harald Gebhardt; Mario Ludwig: Von Drachen, Yetis und Vampiren – Fabeltieren auf der Spur. München, 2005, ISBN 3-405-16679-9

Siehe auch

  • Portal:Mythologie
  • Mischwesen
  • Liste der Fabelwesen
  • Stammbaum der griechischen Götter
  • Liste fiktiver Tiere
  • Schiege
  • Chimaere Effekt

Einzelnachweise

  1. Ford, 1969
  2. Zusammenstellung bei Jackson, 1970; Hamerton, 1971
  3. Craig-Holmes u. Shaw, 1971; Evans et al., 1971
 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Chimäre aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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