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Bruxismus




Der Bruxismus (abgeleitet von griechisch βρυγμός (brygmos), männlich - das Zähne-Knirschen mit lateinischer Endung) ist das unbewusste, meist nächtliche, aber auch tagsüber ausgeführte Zähneknirschen oder Aufeinanderpressen der Zähne, durch das die Zähne verschleißen, der Zahnhalteapparat überlastet und zusätzlich das Kiefergelenk, die Kaumuskulatur, aber auch andere Muskelgruppen, die zur Stabilisierung des Kopfes angespannt werden, geschädigt werden können.

Auf diese Weise kann es bis zu schweren Schmerz

syndromen und Ohrpfeifen (Tinnitus) kommen. Weitere häufige Erscheinungen sind Schwindel, Sehstörungen und Übelkeit. Diese Schmerzsyndrome werden in der deutschen Literatur als Kraniomandibuläre Dysfunktion (CMD) geführt.

 

Weiteres empfehlenswertes Fachwissen

Inhaltsverzeichnis

Risikofaktoren

Als Risikofaktoren gelten nach Studien und Umfragen u.a.:

Mechanische Auswirkung

Abweichungen der Bisslage um 0,01 mm werden wahrgenommen, Abweichungen um 0,1 mm können den Kauapparat soweit stören, dass es zum Bruxismus kommt. (Kobayashi et al. 1988, Doppelblindversuch im Schlaflabor). Experimentelle Zahnerhöhungen um 0,1 mm bewirkten in dieser Versuchsreihe verkürzte Tiefschlafphasen, erhöhte Adrenalinausschüttungen, verlängerte Apnoezeiten während des Schlafes und nach 14 Tagen war die Kaumuskulatur soweit traumatisiert, dass es zu einem erhöhten Muskeltonus kam.

Ursache

Wissenschaftlich ist der Bruxismus vergleichsweise wenig beachtet. Es gibt in der zahnmedizinischen Literatur noch viel zu wenige Studien, um gesicherte Erkenntnisse zu verkünden. Es ist z.B. bis heute nicht klar, inwieweit eine genetische Veranlagung eine Rolle spielt oder ob der Bruxismus grundsätzlich immer eine behandlungsbedürftige Krankheit darstellt. Die höhere Anfälligkeit der Frauen, ca. 85% der Patienten sind weiblich, wird mit weniger widerstandsfähigem Bindegewebe erklärt. Eine wichtige Untersuchung, unter Anderem zu diesem Thema, ist die seit 1999 laufende "Study of Health in Pomerania" (SHIP genannt), in der auch die Fernwirkungen des craniomandibulären Systems auf den Halte- und Bewegungsapparat des Körpers untersucht werden. Klar ist hingegen, dass den zahnärztlichen Therapieversuchen der 1970er Jahre mit umfangreicher "gnathologischer Rehabilitation" kein Erfolg beschieden war. Inzwischen weiß man, dass die Konstruktion der Aufbiss- Schiene eine hochkomplexe Aktion ist. Sofern es nicht gelingt, mit dieser Schiene die Gleitfunktion des Diskus interartikularis (Zwischengelenkscheibe) wieder herzustellen, versagt die Behandlung. (U. Lotzmann, Marburg, 2001) Je nach Art der Okklusionsstörung können ganz unterschiedliche Aufbisskorrekturen bzw. Aufbissbehelfe erforderlich sein.

Behandlung

Zur Behandlung hilft oft schon eine Anleitung zur Selbstbeobachtung und eine Aufklärung des Patienten über die Zusammenhänge sowie Anleitungen zur Selbstmassage der verspannten Muskeln, um die Beschwerden etwas zu lindern. Allerdings fehlt während des Schlafes jegliche Kontrolle über die Reflexaktivität des Kauorgans. Der Kaudruck, der bei uns Menschen normalerweise im Maximum 0,4 bis 0,45 kN beträgt, kann sich um den Faktor 10 steigern. Das bedeutet, dass das Gelenk mit einer halben Tonne belastet wird. Dass hierdurch schwere Schäden entstehen können, liegt auf der Hand.

Hilfreich kann auch die Zusammenarbeit des Zahnarztes mit einem entsprechend fortgebildeten Physiotherapeuten sein. In diesem Zusammenhang empfehlenswert ist es, zu versuchen einen Physiotherapeuten mit einer Ausbildung in Osteopathie hinzuzuziehen. Diese Leute können wesentlich zur Reduktion des Tonus der Kaumuskulatur beitragen.

Zahnärzte können in Zusammenarbeit mit einem entsprechend qualifizierten Zahntechniker, eine Aufbiss-Schiene anfertigen, um den Verschleiß zu stoppen und eventuelle Störkontakte der Zähne auszugleichen, was ebenfalls zur Entlastung führen kann. Die Anfertigung dieser Schienen stellt allerdings ausgesprochen hohe Ansprüche an die Qualifikation des jeweiligen Zahnarztes und Zahntechnikers. Die routinemäßige Ausbildung an der Uniklinik streift diesen Aspekt nur. Die DGZMK (Deutsche Gesellschaft für Zahn- Mund und Kieferheilkunde) empfiehlt, jeden definitiven Eingriff an den Zähnen beim Vorliegen einer Aufbissproblematik bis zur Sanierung dieser Problematik zu verschieben.

Ein Psychotherapeuten kann bei der Behandlung von Bruxismus-Patienten sinnvoll sein.

Nachts fühlt sich der Partner, ähnlich wie bei einem Schnarcher, häufig durch das laute Zähneknirschen gestört.

Biofeedback

Die Aufbissschiene ist lediglich ein Abriebschutz. Sinnvoller wäre eine kausale Therapie, die den Verhaltensmechanismus stoppt. Dazu kann Biofeedback genutzt werden: über eine Sonde am Kaumuskel wird die Muskelspannung gemessen und akustisch an den Patienten zurückgekoppelt. Knirschen = Spannung = Warnsignal = Bewusstwerden. Jetzt soll es möglich sein den Kauimpuls willentlich zu unterbrechen. Wird dies trainiert, kann über Generalisierung der Impuls später auch ohne akustisches Signal möglichweiße wahrgenommen und gestoppt werden.

Hypnotherapie

In der hypnotherapeutischen Behandlung wird eine Verlagerung der Muskelanspannung aus dem Kiefer in die Hand suggeriert, oder ein Erwachen bei jedem Zähneknirschen, bis die Gewohnheit verändert ist, oder ein spontanes Lösen der Anspannung im Schlaf. Diese Suggestionen werden posthypnotisch gefestigt und die Umsetzung bei einem späteren Gespräch überprüft.

Bruxismus bei Kindern

Bei Kindern ist Zähneknirschen jedoch völlig normal. Kinder müssen vor, während und nach dem Zahnwechsel die Okklusion, also die Feinabstimmung des Zusammenbisses zwischen oberer und unterer Zahnreihe, zurechtbeißen und einschleifen, was zwar mit oft heftigen Knirschgeräuschen einhergeht, aber keinen Grund zur Beunruhigung darstellt. Es gibt in der amerikanischen Literatur Untersuchungen, die einen Zusammenhang zwischen "idiopathischen" Skoliosen beim Jugendlichen und funktionsgestörtem Kauorgan sehen.

siehe auch: Kaugeräusch

Definition der wissenschaftlichen Fachgesellschaft DGZMK

Die Deutsche Gesellschaft für Zahn- Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) definiert Bruxismus als Parafunktion (Knirschen, Pressen) mit unphysiologischen Auswirkungen an Zähnen, Parodontien, der Kaumuskulatur (engl.: masticatory musculature) und/oder den Kiefergelenken.

Literatur

Die ersten Veröffentlichungen zu diesem Thema gehen auf das Jahr 1934 zurück, die eigentlich fundamentale Arbeit hierzu veröffentlichte Harold Gelb 1991 als "clinical management of head, neck and TMJ- Pain and dysfunction".

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g Maurice M. Ohayon, MD, DSc, PhD; Kasey K. Li, DDS, MD and Christian Guilleminault, MD: "Risk Factors for Sleep Bruxism in the General Population";Stanford University School of Medicine, Sleep Disorders Center, Stanford, CA;(Online Artikel )
  2. Y. KOBAYASHI, M. YOKOYAMA, H. SHIGA, and N. NAMBA: 1198 Sleep Condition and Bruxism in Bruxist (Abstract), Nippon Dental University, Tokyo, Japan
  3. Oksenberg A, Arons E.: "Sleep bruxism related to obstructive sleep apnea: the effect of continuous positive airway pressure."(Abstract);Sleep Disorders Unit, Loewenstein Hospital-Rehabilitation Center, P.O. Box 3, Raanana, Israel
  4. Ng DK, Kwok KL, Poon G, Chau KW "Habitual snoring and sleep bruxism in a paediatric outpatient population in Hong Kong." Department of Paediatrics, Kwong Wah Hospital, Waterloo Road, Hong Kong, SAR China. (Abstract)
  5. Winocur E, Gavish A, Voikovitch M, Emodi-Perlman A, Eli I: "Drugs and bruxism: a critical review.";Department of Occlusion and Behavioral Sciences, Maurice and Gabriela Goldschleger, School of Dental Medicine, Tel Aviv University, Tel Aviv, Israel. (Abstract )
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Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Bruxismus aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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