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Protonentherapie



Bei der Protonentherapie handelt es sich um eine Therapie zur Behandlung von Krebsgeschwüren, also Tumoren. Protonenstrahlen werden dabei zum Beispiel in einem Synchrotron oder Zyklotron erzeugt und beschleunigt und gezielt auf den Tumor "geschossen". Das Verfahren wird insbesondere bei Patienten angewandt, bei denen die herkömmliche Röntgenbestrahlung nicht ausreichend genutzt werden kann, weil der Tumor entweder zu tief im Körper sitzt oder aber von empfindlichen Organen umgeben ist. Die Protonentherapie ermöglicht eine optimierte Dosisverteilung innerhalb der zu bestrahlenden Region.

Die Protonentherapie ist die am häufigsten angewandte Form der sogenannten Partikeltherapie, die z.B. auch die Bestrahlungen mit den schwereren Kohlenstoff-Ionen umfasst.


Weiteres empfehlenswertes Fachwissen

Inhaltsverzeichnis

Wirkungsweise

Die Protonentherapie ermöglicht durch ihre Zielgenauigkeit die Behandlung von Tumoren auch in sensiblen Körperregionen. Der Beschleuniger liefert Protonen (von bis zu 60 % der Lichtgeschwindigkeit) als gut gebündelten Strahl, der präzise auf den vorher berechneten Ort im Tumorgewebe gelenkt werden kann. Beim Auftreffen wird der Strahl so gebremst, dass die Protonen den größten Teil ihrer Energie direkt im Tumorherd entladen (Bragg-Peak). Die ionisierende Wirkung der Protonen führt dann zu einer Schädigung der Tumorzellen, insbesondere ihrer DNA.

Durch die dreidimensional präzise Protonendeposition ist die dadurch erreichbare Strahlendosis im Ziel höher als beim Einsatz der konventionellen Röntgenstrahlung und der mittels Linearbeschleuniger erzeugten Photonen. Im Gegensatz zu anderen Bestrahlungsformen sinkt bei der Protonentherapie deshalb auch das Risiko von Nebenwirkungen. Umgebendes, gesundes Gewebe wird weitgehend geschont.

Medizinische Bewertung

Weltweit wurden in ca. 30 Jahren bisher immerhin rund 50.000 Patienten mit verschiedenen Indikationen behandelt. Darüber ist in der einschlägigen Fachliteratur berichtet worden (s.u.a. [1] oder [2]). Die gesetzlichen Krankenkassen in der Bundesrepublik Deutschland haben die Protonentherapie bislang nur bei drei Diagnosen in ihren Leistungskatalog aufgenommen. [3]

Bestehende Einrichtungen

In Deutschland existiert als einzige Therapieeinrichtung die Augentumortherapie am Ionenstrahllabor ISL des Hahn-Meitner-Instituts. Dort wurden seit 1998 über 800 (Stand Januar 2007) Patienten behandelt. Daneben existiert in München das Rinecker Proton Therapy Center.

Das erste Protonentherapie-Zentrum in West-Europa ist seit 1984 am Paul Scherrer Institut (PSI), Villigen, in der Schweiz in Betrieb. Bis Mitte 2007 wurden dort mehr als 4.700 Patienten mit Augentumoren mit Protonen behandelt. Am PSI steht auch die bisher weltweit einzige Gantry für die Bestrahlung tief liegender Tumoren, die mit der sogenannten Spot-Scanning-Technik ausgerüstet ist. Die Tumoren werden dabei mit einem ca. 7 mm breiten Protonenstrahl 3-dimensional abgescannt. Bis Mitte 2007 wurden damit 280 Patienten erfolgreich bestrahlt, seit Februar 2007 mit einem neuartigen supraleitenden Kompaktzyklotron. Das PSI ist auch europaweit das einzige Zentrum, welches Erfahrung mit der intensitätsmodulierten Protonentherapie hat. Der erste Patient mit einem Chordom im Bereich der Wirbelsäule wurde mit dieser Methode bereits 1999 am PSI behandelt.

Das erste "hospital-based" Protonentherapie-Zentrum der Welt wurde im Jahre 1990 am Loma Linda University Medical Center in Kalifornien eröffnet. Im klinischen Routinebetrieb wurden dort bislang über 12.000 Patienten mit 50 unterschiedlichen Tumorarten und anderen Krankheitsbildern behandelt. Mit jährlich ca. 1.500 Patienten werden hier mit einem leistungsstarken Synchrotron (250 MeV, Optivus [4]) mehr Behandlungen durchgeführt als in allen anderen Protonentherapiezentren weltweit. Für die behandelten Prostatakrebs-Patienten der LLUMC existiert das weltweit größte nachsorgende Programm auf der Basis einer Patientenselbstorganisation >Brotherhood Of the Balloon< ( [5] []).

Zukünftige Standorte von Therapiezentren in Deutschland

Ursprünglich sollte im Jahr 2005 das erste kommerzielle Protonentherapiezentrum Europas an den Start gehen, das Rinecker Proton Therapy Center (RPTC) in München. Es ist seit November 2004 baulich weitgehend fertiggestellt. Die Inbetriebnahme ist aber nach Angaben des Betreibers "vorübergehend verschoben" (Stand Mai 2007). An mehreren Standorten in Deutschland wird ebenfalls der Bau von Protonentherapiezentren in Betracht gezogen, beispielsweise im Rhein/Main/Saar-Gebiet durch das Klinikum Offenbach oder das Universitätsklinikum des Saarlandes, in Köln/Bonn/Aachen, Dresden, sowie in Berlin, Essen und in der Region Hamburg/Schleswig-Holstein.

Projekte und Standorte:

  1. Schleswig-Holstein und Hamburg haben sich auf Kiel als gemeinsamen Standpunkt geeinigt. Im ersten Quartal 2007 soll ein Firmenkonsortium aus den Anbietern ausgewählt werden, das die Anlage in Kiel baut. Besonderheiten des Projektes ist die Schwerionentechnologie.
  2. Das Universitätsklinikum Essen hat im Rahmen einer Public-Private-Partnership (PPP) im Herbst 2006 mit dem Bau des Protonentherapiezentrums begonnen. Im Jahre 2009 soll das Westdeutsche Protonentherapiezentrum Essen (WPE) fertiggestellt sein. Partner des Projektes sind die STRABAG Projektentwicklung GmbH, Köln und die Ion Beam Applications (IBA), Belgien. Das Gebäudemanagement hat die Schubert Unternehmensgruppe aus Düsseldorf übernommen.
  3. Das Klinikum Offenbach GmbH sucht im Rahmen eines nichtförmlichen Interessenbekundungsverfahrens (Supplement zum Amtsblatt der Europäischen Union Dokument 2007/S 80-098186) einen Investor und Betreiber für die Errichtung eines Protonentherapiezentrums.
  4. Das Universitätsklinikum Giessen-Marburg errichtet ebenfalls eine Partikeltherapie-Anlage (eine kombinierte Protonen- und Kohlenstoff-Therapie-Anlage) am Standort Marburg, welche voraussichtlich im Jahr 2010 fertiggestellt werden soll. Die Baumaßnahme wurde im August 2007 begonnen.
  5. Das Universitätsklinikum Heidelberg baut seit 2005 ein Protonentherapiezentrum. Die Inbetriebnahme ist für 2007 vorgesehen. Die Anlage soll eine Behandlung von Krebspatienten mit Protonen und Schwerionen ermöglichen.


  • Protonentherapie am Paul Scherrer Institut (PSI)
  • Particle Therapy Co-operative Group (PTCOG) - englisch
  • Protonentherapie an der Loma Linda Universität in Kalifornien im klinischen Routinebetrieb - englisch
  • Zentrum für Ionen-Strahl-Techniken am Hahn-Meitner-Institut Berlin
  • Marburger Partikeltherapie-Anlage der Rhön-Klinikum-AG


  • Anbieter für Protonentherapie Anlagen: Optivus Technology, Inc., Loma Linda, U.S.A.
  • Anbieter für Protonentherapie Anlagen: ACCEL Instruments GmbH
  • Anbieter für Protonentherapie Anlagen: Siemens Medical Solutions
  • Anbieter für Protonentherapie Anlagen: Ion Beam Application

Quellen

  1. oncolink
  2. Clinical Applications of Proton Radiation Treatment at Loma Linda University (PDF)
  3. AOK: Übersicht zur Kostenübernahme von Protonentherapie in der gesetzlichen Krankenversicherung
  4. Optivus
  5. Brotherhood Of The Balloon promoting prostate cancer prevention, awareness and proton therapy
 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Protonentherapie aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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