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Otoplastik



         

Unter Otoplastik (von lat. os, gen. otis = "Ohr" und griech. plastein = "formen, gestalten") versteht man die Herstellung von Formpassstücken für z.B. Hörhilfen oder Gehörschutz durch den Hörgeräteakustiker. Der Begriff wird dabei sowohl für den Herstellungsvorgang als auch für das fertige Produkt verwendet. Darüber hinaus kann auch eine kosmetische Operation am Ohr, z.B. der Wiederaufbau einer durch Unfall oder Krankheit beschädigten Ohrmuschel als Otoplastik bezeichnet werden. In diesem Artikel ist nur von der Herstellung von Formpassstücken die Rede.

Inhaltsverzeichnis

Herstellung

Da die Form der Ohren sowie des Gehörganges individuell von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist, bildet ein Abdruck des Ohres die Grundlage für eine Otoplastik. Dafür wird nach otoskopischer Untersuchung und ggf. Reinigung des Ohres (durch HNO-Arzt) zuerst ein individuell gefertigtes kleines Watteschirmchen oder Schaumstoffbällchen (eine sogenannte Tamponade) an einer feinen Schnur bis in den knöchernen Teil des äußeren Gehörgang eingebracht. Dieses dient als Schutz für das Trommelfell, um zu verhindern, dass die noch weiche Abformmasse tiefer in den Gehörgang fließen und das Trommelfell berühren und evtl. verletzten könnte.

Danach wird der Gehörgang und die für die zu fertigende Otoplastik benötigten Bereiche des Ohres mit Hilfe einer Abdruckspritze und aus zwei Komponenten bestehendem additionsvernetzendem Silikonmaterial abgeformt. Dieses Material härtet in wenigen Minuten aus (material- und temperaturabhängig) und bildet einen Positivabdruck des Ohres. Dieser wird vorsichtig entfernt und dient dem Hörgeräteakustiker als Vorlage für die Herstellung des Formpasstücks: die Otoplastik.

Der gesamte Vorgang der Abdrucknahme ist bei fachgerechter Ausführung schmerzlos und unproblematisch. Von vielen Personen wird die kühle Kunststoffmasse im Ohr sogar als ausgesprochen angenehm empfunden.

Der weitere Verlauf der Herstellung kann zum einen durch Einscannen der Ohrabformung mit einem 3D-Scanner erfolgen. Die virtuelle Otoplastik wird am Computer bearbeitet und anschließend an einem 3D-Drucker "gedruckt", der eine Vielzahl hauchdünner Kunststoffschichten übereinanderlegt und unter UV-Licht aushärten lässt, bis die Otoplastik fertig ist. Dieses Verfahren wird heute fast ausschließlich bei der Herstellung von Schalen für Im-Ohr-Hörsysteme angewandt, weil hierbei am Computer bereits genau festgelegt werden kann, wie klein man die Schale für das zu versorgende Ohr herstellen kann, damit die unterzubringende Technik gerade noch hineinpasst.

Zum anderen ist es möglich, aus der Ohrabformung wiederum eine Negativabformung des Ohres aus Silikon oder Agar-Agar herzustellen. Diese Vorlage des eigentlichen Ohres kann dann mit dem gewünschten Material ausgegossen werden.

Zur Vollendung des Herstellungsprozesses ist es nötig, den Rohling per Hand zu bearbeiten. (Fräsen, Polieren, Lackieren usw.)

Typische Anwendungsgebiete für Otoplastiken

Es gibt im wesentlichen vier typische Anwendungsgebiete für Otoplastiken:

Hörhilfen

Hörhilfen (umgangssprachlich "Hörgeräte", "Hörsysteme"), die von den betroffenen Personen viele Stunden am Tag getragen werden, erfordern die genaue Anpassung der Ohrpasstücke an das individuelle Ohr, um das Ohr - sofern nötig - abzudichten, einen sicheren Halt des Hörsystems am Ohr zu gewährleisten und dabei den nötigen Tragekomfort zu ermöglichen.

Gehörschutz

    Maßangefertigte Otoplastiken sind den "Standard-Stöpseln" (umgangssprachlich bekannt unter dem Markennamen "Ohropax") sowohl im Tragekomfort als auch in der Schutzwirkung erheblich überlegen. Insbesondere die Option, Wechselfilterkapseln in die Otoplastiken einzusetzen, ermöglichen eine individuell angepasste Lärmreduzierung bei gleichzeitig relativ unverändertem Frequenzgang. Dies ist speziell bei Musikern und Musikliebhabern empfehlenswert, da die Musik unter Verwendung solch eines Filters genauso lebendig und unverfälscht wahrgenommen wird, wohingegen Schaumstoffstöpsel etc. die Musik dumpf und unklar klingen lassen, weil in der Regel die hohen Frequenzen im Verhältnis zu den tiefen Frequenzen zu stark abgeschirmt werden.

In-Ear-Monitoring-Kopfhörer

Die Gestaltung kompletter Miniaturkopfhörer als Otoplastiken ermöglicht das unauffällige Tragen von Kopfhörern in Situationen, bei denen ein herkömmlicher Kapselkopfhörer aus Gründen der Optik oder der Diskretion nicht angemessen ist. Dabei kann es sich um den sprichwörtlichen "Knopf im Ohr" z.B. bei Reportern, Moderatoren und Sicherheitskräften oder aber um das sogenannte "In-Ear-Monitoring" bei Musikern handeln, denen ein individuell zusammengemischtes Tonsignal in relativ gemäßigter Lautstärke zur Verfügung gestellt wird. In diesem Fall dienen die "In-Ear-Kopfhörer" gleichzeitig als Schutz vor den zum Teil erheblichen Lautstärkepegeln, die auf einer Bühne herrschen können.

Schmuck-Otoplastik

In bunten Farben, verziert mit Strasssteinen und Figuren oder in außergewöhnlichen Formen gefräst kann eine Otoplastik auch als Schmuckstück am Ohr dienen. Je nachdem, wie gewünscht, ist der Gehörgang offen oder geschlossen, um das Schmuckstück eventuell gleichzeitig als Gehörschutz zu verwenden, und kann zudem als außergewöhnliches Schmuckstück am Ohr dienen, z.B. für den Besuch von Discotheken.

Materialien

Die verwendeten Materialien sind üblicherweise Kunststoffe wie Acryl oder Silikon in unterschiedlichen Mischungen und Härtegraden, die je nach Verwendungszweck ausgewählt werden. Bei Allergien gegen die normalerweise verwendeten Kunststoffe werden Otoplastiken auch verglast oder vergoldet bzw. allergenfreie Kunststoffe wie Neutacryl, Thermotec etc. gewählt.

 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Otoplastik aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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