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Nosologie



Nosologie ist die Lehre von der Klassifikation der Krankheiten und herkömmlich ein Teilgebiet der Pathologie. Diesen traditionellen medizinischen Anschauungen sind jedoch diejenigen der Psychopathologie gegenüber zu stellen, wie sie auch von der Psychosomatik vertreten werden. In diesen Teilgebieten werden unterschiedliche Theorien der Krankeitsentstehung vertreten, die sich praktisch in ihrer Methodik voneinander unterscheiden und auf das von der Philosophie behandelte Leib-Seele-Problem zurückgehen. Das Adjektiv zu Nosologie lautet nosologisch: die Nosologie betreffend; Krankheiten systematisch beschreibend. Die deutsche Bezeichnung für Nosolgie ist Krankheitslehre.

Verschiedene Klassifikationsmöglichkeiten werden parallel angewandt: Nach Symptom (Symptomatologie), Ursache (Ätiologie), Entstehung (Pathogenese) oder betroffenem Organ.

Das verbreitetste Klassifikationssystem ist die ICD der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Dieses Instrument ist jedoch in seiner ureigenen Intention eher deskriptiv-pragmatisch (symptomatologisch) ausgerichtet und weist daher gewisse notwendige Nachteile bei der Berücksichtigung anderer nosologischer Gesichtspunkte auf.

Inhaltsverzeichnis

Zur Kritik der Diagnostischen Inventare der WHO

Bei operationalisierten Vorgehensweisen, wie dies die Inventare der WHO zu Recht nahelegen, ist immer auch a) die Wandelbarkeit der Theorie b) der Zeitfaktor der Krankheitsentwicklung zu beachten. Vor allem dieser Zeitfaktor ist es, der ein prinzipielles Problem für sog. Querschnittsdiagnosen darstellt. Nach dem operationalisierten Vorgehen werden zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt erhobene Befunde mehr oder weniger "automatisch" zu einer Diagnose zusammengefasst. Diese kann - zumindest in Krankenunterlagen - fälschlich einen jeweils "bleibenden Charakter" vortäuschen. Gerade wenn es um subjektabhängige diagnostische Beurteilungen geht, stellen operationalisierende Vorgehensweisen eine gewisse Gefahr dar. Dies spielt namentlich in der Psychiatrie eine große Rolle. Siehe dazu insbesondere die Diskussion um die scheinbare Relativierung des Neurosebegriffs zugunsten allzu pragmatischer Vorgehensweisen sowie den psychosomatischen Einwand des Maschinenparadigmas. Die allzustarke Ausrichtung auf eine allein deskrptiv-symptomatologisch orientierte Krankheitsdiagnostik hat zur Entwicklung des multiaxialen Systems geführt. Diese Achsen werden in nachfolgender Aufstellung erläutert. Damit wird auch prinzipiellen erkenntnistheoretischen Vorbehalten zum Thema Objektivität der Wissenschaften Rechnung getragen. Dazu sei auch ein Leitsatz von Karl R. Popper zitiert: "Clinical observations like all other observations are interpretations in the light of theories."[1]

Multiaxiales System nach ICD-10

  • Achse 1a: Psychiatrische Erkrankungen
  • Achse 1b: Somatische Erkrankungen
  • Achse II: Soziale Behinderungen
  • Achse III: Faktoren der sozialen Umgebung und der individuellen Lebensbewältigung gemäß Kapitel XXI (Z) der ICD-10[2]

Literatur

  1. Bach, Otto: Über die Subjektabhängigkeit des Bildes von der Wirklichkeit im psychiatrischen Diagnostizieren und Therapieren. In: Psychiatrie heute, Aspekte und Perspektiven, Festschrift für Rainer Tölle, Urban & Schwarzenberg, München 1994, ISBN 3-541-17181-2, Seite 1 - Zitat Popper nach Bach
  2. Dilling, H. et al. (Hg.), Weltgesundheitsorganisation: Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V (F). 2.Auflage. Hans Huber Verlag, Göttingen 1993, ISBN 3-456-82424-6, Seite 7, Punkt d)

Siehe auch

  • DSM-IV
 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Nosologie aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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