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Kindbettfieber



Das Kindbettfieber (andere Bezeichnungen sind Wochenbett- und Puerperalfieber) ist eine Infektionskrankheit, die nach einer Entbindung während des Wochenbettes oder nach einer Fehlgeburt auftreten kann, insbesondere auch im Falle einer unvollständigen Nachgeburt. Erreger dieser Infektion können Staphylokokken, Streptokokken, Escherichia coli, Neisseria gonorrhoeae und diverse Anaerobier sein. Sie dringen durch die große Wundfläche in der Gebärmutter, die durch Ablösung der Plazenta entstanden ist, in den Körper und die Blutbahn ein. Der Muttermund ist in den Tagen nach der Geburt noch klaffend geöffnet, so dass eine direkte Verbindung zwischen der Gebärmutter und der Scheide besteht. Auch bei guten hygienischen Bedingungen können Keime so leicht in die Gebärmutter aufsteigen. Sie finden dort eine warme, nährstoffreiche Umgebung vor, in der sie sich stark vermehren. Normalerweise werden die Bakterien über den Wochenfluss hinaustransportiert. Sind die Nachwehen und der Wochenfluss jedoch schwach, kann es zur Infektion kommen.

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Die Erkrankung äußert sich durch erhöhte Temperatur oder Fieber, Druckschmerzen im Unterleib, übelriechenden Wochenfluss und eventuell Blutungen. Eine Verschlechterung macht sich durch Abwehrspannung im gesamten Unterbauch, Übelkeit und Erbrechen sowie Schocksymptome, wie Unruhe, starke Puls- und Atembeschleunigung und Blutdruckabfall, bemerkbar.

Der oft sehr schmerzhaften Entzündung der Gebärmutter wird auf zweierlei Weise begegnet. Gegen die Bakterien werden Antibiotika verordnet, die Rückbildung der Gebärmutter wird mit dem Mutterkornalkaloid Methylergometrin (Methergin®) unterstützt. Die Infektion heilt meist folgenlos aus. Die Häufigkeit des Kindbettfiebers ist durch die Antibiotikatherapie und die besseren hygienischen Verhältnisse gegenüber früheren Zeiten deutlich gesenkt worden.

Die Folgen sind Entzündungen des Bauchfells, der Gebärmutterschleimhaut und weiterer Organe, die mit starken Fieberanfällen einhergehen und ohne wirksame Behandlung in den meisten Fällen innerhalb weniger Wochen bis zu Sepsis (Blutvergiftung) und zum Tod führen. Heute sind Infektionen, die während des Wochenbettes auftreten, mit Antibiotika gut zu behandeln.

Geschichte

Beim jahrhundertelang üblichen traditionellen Ablauf der Entbindung (Hausgeburt, Betreuung durch Hebammen) trat Kindbettfieber relativ selten auf. Erst seitdem in den Krankenhäusern der europäischen Großstädte Gebäranstalten gegründet wurden (zum Beispiel im Hôtel-Dieu im Paris des 17. Jahrhunderts) und auch Ärzte als Entbindungshelfer tätig wurden, wurde Kindbettfieber zu einer häufigen und gefürchteten Folgeerscheinung der Geburt. Vor allem die Ärzte kamen in Berührung mit anderen Kranken und mit Leichen; da die Notwendigkeit einer wirksamen Desinfektion unbekannt war, verschleppten sie an ihren Händen und Instrumenten Keime in die Geburtswege der Frauen. In manchen Anstalten starben zeitweise zwei Drittel aller Wöchnerinnen durch diese iatrogene Infektion. Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts erkannte Ignaz Semmelweis die schlechten hygienischen Zustände (insbesondere auch in den Krankenhäusern) sowie mangelhafte Sauberkeit und Desinfektion der Ärzte als Grund für die Krankheit. Doch selbst Koryphäen wie Rudolf Virchow leugneten über Jahrzehnte die Zusammenhänge.[1]. So ist noch in einem Lehrbuch von 1897 von gärenden Fremdstoffen die Rede, die durch Missachtung der Naturgesetze hervorgerufen werden[2].

Mythologie

Im alten Mesopotamien galt Lilith als Dämon des Kindbettfiebers.

Anmerkungen

  1. Semmelweis` Kritik an Virchow
  2. [1]
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