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Jean-Baptiste de Lamarck



  Jean-Baptiste Pierre Antoine de Monet, Chevalier de Lamarck (* 1. August 1744 in Bazentin-le-Petit; † 28. Dezember 1829 in Paris) war ein französischer Botaniker und Zoologe. Er war einer der bedeutendsten Biologen Anfang des 19. Jahrhunderts, prägte den Begriff Biologie und erdachte eine eigene Evolutionstheorie. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „Lam.“.

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Inhaltsverzeichnis

Leben

Lamarck war das 11. Kind eines verarmten Adligen; er sollte Priester werden und erhielt seine Schulbildung an der Jesuitenschule von Amiens. Nach dem Tod seines Vaters ging er jedoch in den Armeedienst, den er nach fünf Jahren verletzungsbedingt quittieren musste. 1766 begann er ein Studium der Medizin und Botanik in Paris. Jean-Jacques Rousseau ermutigte ihn 1778, eine mehrbändige Flore française (Flora von Frankreich) herauszugeben, die nicht in allen Punkten Linnés Klassifizierung folgte. Eine Folge dieser Veröffentlichung war die Aufnahme in die Akademie der Wissenschaften. Der seinerzeit führende Naturwissenschaftler Comte Georges de Buffon engagierte ihn als Erzieher seines Sohnes und sorgte für eine Anstellung am Jardin du Roi, dem königlichen Herbarium in Paris.

Als im Zuge der französischen Revolution das königliche naturgeschichtliche Kabinett geschlossen worden war, trat Lamarck bei der Nationalversammlung energisch für ein großes Museum der Naturgeschichte ein. Die eher zufällig zusammengewürfelten Naturalienkabinette sollten durch methodisch und didaktisch geordnete Sammlungen ersetzt werden. Als 1793 der Jardin des Plantes (später das Musée d'Histoire Naturelle) entstand, wurde er dort nach Jahren der botanischen Arbeit Kurator für wirbellose Tiere (ein weiterer Begriff, den er prägte, ebenso wie die Tierklassen Annelida, Arachnida, Crustacea, Infusoria und Tunicata). Er begann eine Serie von öffentlichen Vorlesungen.

Es folgten umfangreiche Abhandlungen, in denen er versuchte, der verwirrenden Vielfalt der empirischen Ergebnisse entgegenzuwirken, indem er Physik, Chemie, Geologie, Klimakunde und Biologie unter einem einheitlichen Aspekt darstellte. In einer dieser Schriften, Hydrogéologie (1802), stellte er eine Erdgeschichte vor, deren Kennzeichen eine Reihe von Überflutungen durch ein globales Meer ist; zu jeder von diesen gehörten nach seiner Auffassung organische Sedimente, die die Kontinente langsam anwachsen ließen. Bemerkenswert an dieser Arbeit war Lamarcks Vorstellung von der zeitlichen Ausdehnung geologischer Prozesse. Er dachte nicht mehr nur – wie seine Zeitgenossen – in wenigen Jahrzehntausenden: „Zeit ist bedeutungslos und stellt für die Natur kein Hindernis dar, denn die Zeit steht ihr immer zur Verfügung...“ Auch diese Schrift wurde in der Öffentlichkeit wie in der Fachwelt nicht beachtet; der alte Herr entwickelte sich in den folgenden Jahren zum Außenseiter und verbitterten Einzelgänger.

Seine Professur behielt er bis 1818. Er starb – erblindet und mittellos – 1829 in Paris.

Evolutionstheorie

Im Jahr 1801 veröffentlichte Lamarck die Schrift Système des animaux sans vertèbres, ou table général des classes, in der er die wirbellosen Tiere neu gliederte. Er ließ oberflächliche Ähnlichkeiten (auf die sich Linné gestützt hatte) außer acht und konzentrierte sich auf Funktion und Komplexität der wesentlichen Organe. Er folgte damit den aktuellen Forschungen – insbesondere denen Georges Cuviers, der an demselben Institut arbeitete – und schuf so eine Gliederung, der man noch heute weitgehend folgt.

Vor 1800 war er der Ansicht gewesen, dass die Arten konstant seien. Nach Arbeiten über die fossilen Weichtiere des Pariser Beckens kam er jedoch zu der Überzeugung, dass es über lange Zeit gesehen eine Veränderung von Arten gab. Er sah vor sich eine lange „Stufenfolge“ von Lebensformen, von den einfachsten hin zu den komplexesten. Die Komplexität werde angeregt durch externe Impulse (Umwelteinflüsse) sowie durch feine „Fluida“ und beruhe auf dem Verhältnis von physischer Energie und der Organisation des Lebens. Daraus resultierende Überlegungen veröffentlichte er 1809 in seinem Buch Philosophie Zoologique: „Da sich jede Art in … Harmonie mit ihrer Umgebung befinden muss und da sich diese Umgebung ständig ändert, muss eine Art, wenn sie in … Ausgewogenheit mit ihrer Umgebung bleiben will, gleichfalls einen stetigen Wandel durchmachen. Täte sie das nicht, geriete sie in Gefahr, auszusterben.

Seine Theorie beruhte auf zwei „Beobachtungen“, die von vielen Wissenschaftlern seiner Zeit akzeptiert wurden:

  1. Gebrauch und Nichtgebrauch von Organen: Lebewesen verlieren Merkmale, die sie nicht benötigen und entwickeln (infolge der Stärkung des betreffenden Organs durch konstanten Gebrauch) Merkmale, die sie benötigen.
  2. Vererbung erworbener Eigenschaften: Lebewesen vererben ihre durch Gebrauch erworbenen Eigenschaften an ihre Nachkommen (siehe auch Degeneration).

Beispiele dafür sind nach Lamarck der Giraffenhals und die Muskelentwicklung. Er meinte, Giraffen streckten ihren Hals, wodurch er länger werde. Dies sei zum Beispiel durch eine Umweltveränderung wie eine Dürre nötig, da es Futter nur noch auf hohen Bäumen gebe. Dieser längere Hals werde an die Nachkommen vererbt.

Ein Schmied bekommt stärkere Arme durch seine Arbeit. Dies – so meinte Lamarck – vererbt er an seine Söhne. Nach dieser Theorie können sich individuell erworbene Eigenschaften der Organismen auf ganze (neue) Gattungen vererben.

Lamarck sah die Entwicklung als teleologisch (auf ein Ziel gerichtet) an; dies bildete die wesentliche Schwachstelle seiner Theorie und der Hauptangriffspunkt für seine späteren Kritiker. Als inneren Motor, der die Lebewesen zur Übung treibt, postuliert er einen „Vervollkommnungstrieb“. Daraus ergibt sich als weiteres Kennzeichen des Lamarckismus eine aktive Rolle, die die Organismen selbst in ihrer Entwicklungsgeschichte spielen (erst später erkennt Charles Darwin, dass die Anpassung, die heute als Mutation mit nachfolgender Selektion bezeichnet wird, zufallsgesteuert ist.)

Schema:

Umweltveränderung → Bedürfnis → Übung/Nicht-Gebrauch → Vervollkommnung/Verkümmerung → Weitergabe der erworbenen Eigenschaft an die Nachkommen → Bedürfnis → Übung/Nicht-Gebrauch ...

Ein erklärter Gegner der Evolutionstheorie von Lamarck war der einflussreiche Naturforscher Georges Cuvier. Er glaubte, dass größere Veränderungen im Artenbestand allein auf Katastrophen zurückzuführen seien.

Zur Prüfung von Lamarcks Thesen wurden experimentelle Befunde herangezogen. Gleichwohl gelangen zunächst keine Beweise gegen Lamarcks Theorie, denn Lamarck bezog sich nur auf natürliche Veränderungen. Durch die Entdeckung der Vererbungsgesetze und Darwins Evolutionstheorie erwiesen sich Lamarcks Thesen jedoch bereits in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts als unhaltbar.

Trotz der erheblichen Mängel, insbesondere unbewiesener Behauptungen, war seine Theorie ein bedeutender Durchbruch des Evolutionismus.

  • Lamarck zeigte (ebenso wie auch Cuvier und Geoffroy Saint-Hilaire), dass die Arten im Lauf der Erdgeschichte nicht konstant waren.
  • Er zeigte auch, dass Form und Funktion zusammenhängen und dass die Evolution in Zusammenhang mit der Umwelt steht.
  • Er irrte sich in seiner These, dass erworbene Änderungen von Merkmalen vererbt werden und so die sukzessive Entwicklung neuer Lebensformen stattfindet.
  • Der brauchbare Anteil von Lamarcks Ideen wurden von Charles Darwin und Ernst Haeckel in den grundlegenden Arbeiten zur Evolutionstheorie weiterentwickelt. Beide hoben in ihren Büchern die Bedeutung Lamarcks hervor.

Lamarck war nicht der Begründer der Abstammungslehre, wohl aber hat er als ihr Vorläufer einige Ideen formuliert und mit seinem Eintreten für wissenschaftlich organisierte Naturmuseen die Voraussetzungen für systematische Forschung geschaffen.

Ehrentaxon

Ihm zu Ehren wurde die Gattung Lamarckia Moench der Pflanzenfamilie der Süßgräser (Poaceae) benannt.

Hauptwerke

  • Flore française (1778)
  • Philosophie zoologique (1809)
  • Système des animaux sans vertèbres (1801 und 1815-1822)

Siehe auch

 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Jean-Baptiste_de_Lamarck aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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