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Infantile Amnesie



Infantile Amnesie bezeichnet in der Psychologie das Phänomen, dass die meisten Erwachsenen sich nicht an Ereignisse erinnern können, die sich vor dem dritten Lebensjahr abgespielt haben.

Mögliche Gründe

Es gibt je nach zugrunde gelegter Theorie verschiedene Annahmen für dieses Phänomen:

  • Psychoanalyse: Sigmund Freud brachte diesen Vorgang in Zusammenhang mit Verdrängung. Dem widerspricht, dass nicht nur negative Erinnerungen, sondern alle Erinnerungen vergessen werden.
  • Hirnreifung: Die für bewusste Erinnerung notwendigen Hirnstrukturen sind bei Geburt noch nicht vollständig entwickelt (vgl. Schachter & Moscovitch, 1984). Hierzu gehören subkortikale limbisch-dienzephalische Strukturen, die erst im Alter von 2 bis 3 Jahren voll ausgereift sind (umstritten) und neokortikale Areale (z.B. im inferotemporalen Kortex) (McKeeund & Squire, 1993)
  • Enkodierung: Frühe Erinnerungen werden nur als Handlungen oder Empfindungen enkodiert. Sie sind später nicht mehr abrufbar, da sie in einem anderen Format als spätere Erinnerungen (vorwiegend sprachlich) gespeichert wurden (vgl. Howe & Courage, 1993)
  • Entwicklungsstand der Wissensstrukturen (Fivush & Hammond, 1990): Infantile Amnesie beruht nach dieser Annahme auf dem Fehlen distinktiver Abrufreize und auf der Tatsache, dass kleine Kinder erst noch Rahmenstrukturen erwerben müssen, um Ereignisse nachzuerzählen und in ihr Gedächtnis aufzunehmen. So konzentrieren kleine Kinder sich auf die Gemeinsamkeiten zwischen den Ereignissen, dies ist jedoch schlecht dazu geeignet, das Abrufen später zu erleichtern. Außerdem verfügen sie noch nicht über eigene Rahmenstrukturen um Erinnerungen zu konstruieren. Aus diesem Grund sind diese frühen Erinnerungen fragmentiert, was das spätere Abrufen erschwert. Infantile Amnesie ist somit auf das Bemühen um die Bildung von Skripts und das Vergessen von aus dem Rahmen fallenden Ereignissen zurückzuführen.


Literatur

  • Schachter & Moscovitch, M. (1984). Infants, amnesia and dissociable memory systems. In M. Moscovitch (ed.), Infant Memory,. New York: Plenum, pp. 173-216.
  • Howe, M.L., & Courage, M.L. (1993).On resolving the enigma of infantile amnesia. Psychological Bulletin, 113, 305-326.
  • Fivush, R., & Hamond, N.(1990). Autobiographical memory across the preschool years: Towards reconceptualizing childhood amnesia. In R. Fivush & J.A. Hudson(Eds), Knowing and remembering in young children (pp.223248). New York: Cambridge University Press.
 
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