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Hormonersatztherapie



Hormonersatztherapie (HET) bezeichnet die Gabe von Hormonen, welche einer Person fehlen (oder die als fehlend gelten). Die bekannteste Anwendung ist die derzeit übliche medizinische Praxis die Gabe von Geschlechtshormonen in den Wechseljahren (Klimakterium bei Frauen, und Klimakterium virile bei Männern).

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Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Hormonersatztherapie für Frauen in den Wechseljahren begann Ende der 1960er Jahre in Form einer östrogenen Monotherapie. Dies führte jedoch zu einem Anstieg der Endometrium- Krebsrate. Ende der 1970er Jahre begann dann die Hormonersatztherapie erneut mit Kombinationen von Östrogenen und Gelbkörperhormonen (Progesteron). Dadurch konnte die Endometriumkrebsrate sogar unter den Ausgangswert gesenkt werden.

Warum wird die Hormonersatztherapie angeboten? Im Alter von 40 bis 50 Jahren verändert sich der weibliche Organismus. Die Produktion von Sexualhormonen lässt nach, was mit dem Ende der Fruchtbarkeit einhergeht. Der Hormonhaushalt muss in dieser umgangssprachlich als Wechseljahre bezeichneten Lebensphase ein neues Gleichgewicht finden, was für die betroffene Frau manchmal mit körperlichen und psychischen Beschwerden einhergeht. Dazu können unter anderem Schweißausbrüche, Schlafstörungen und Hitzewallungen (im Volksmund auch als fliegende Hitze bezeichnet) zählen, aber auch unregelmäßige Blutungen. Oft werden auch ein Spannungsgefühl in der Brust, zunehmende Antriebslosigkeit, labile Stimmungslage bis hin zu depressiven Verstimmungen beklagt. Zugleich erhöht sich das Risiko, an altersbedingtem Knochenschwund (Osteoporose) zu erkranken. Diese, im Verlauf der biologischen Entwicklung einer Frau natürliche Phase, wird von den Vertretern der HET zur Krankheit erklärt, die behandelt werden muss. Der Markt für HET-Präparate in Europa wird auf mehrere Milliarden Euro pro Jahr taxiert.

Grundidee der Hormonersatztherapie ist es nun, diese Beschwerden zu lindern, in dem man die körpereigenen Sexualhormone durch Hormone in Medikamentenform ersetzt.

Hormone als Jungbrunnen?

Besonders in den USA wurde die Hormonersatztherapie auch unter Lifestyle-Aspekten vermarktet. Oftmals wurde Frauen in Medienberichten suggeriert, dass ihre Haut durch die Einnahme der Hormone straffer bliebe. Tatsächlich gibt es bis heute keine wissenschaftliche Studie, die diesen Nebeneffekt belegen würde. Neuere Untersuchungen aus Österreich, bei denen aber keine HET-Präparate, sondern kosmetische Produkte untersucht wurden, scheinen jedoch zu bestätigen, dass weibliche Sexualhormone in der Kollagenfaserschicht der Haut einen positiven Effekt im Sinn einer Faltenglättung haben. Dies wurde schon vor Jahrzehnten von der Kosmetikindustrie beworben, indem mutterkuchenhormonhaltige Salben (Plazentubex) angeboten wurden.

Kritikerstimmen

In den vergangenen zwei Jahren geriet die Hormonersatztherapie durch mehrere internationale Studien ins Zwielicht. Kritiker vermuten, dass die Einnahme von Hormonpräparaten auf Dauer das Risiko steigert, an bestimmten Krebsarten zu erkranken. Für Aufsehen sorgte im Sommer 2003 in Deutschland vor allem die sogenannte One-Million-Women-Studie, eine langfristig angelegte Beobachtungsstudie, an der eine Million, allerdings ausschließlich US-amerikanische, Krankenschwestern teilnahm. In der Gruppe der Teilnehmerinnen, die Hormonpräparate einnahmen, kam es zu einer signifikant höheren Zahl von Brustkrebsfällen als in der Gruppe der Teilnehmerinnen, die keine Hormone einnahmen: Das relative Risiko einer Brustkrebserkrankung stieg nach dieser Studie auf das 1,6-fache. Bei einer Behandlung mit einem Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparat erkrankten die behandelten Frauen sogar doppelt so häufig wie die nicht behandelte Gruppe.

Fachleute aus der Industrie reagierten auf diese vernichtende Studie mit dem Argument, dass das etwa 10-fach höhere Brustkrebsrisiko durch das Rauchen oder das etwa 20-fach höhere Risiko durch Übergewicht neben dem um ca. 5% erhöhten Risiko durch eine HET ebenfalls diskutiert werden müsse. Die in der Studie wirklich dargelegten Zahlen wurden dabei völlig ignoriert. Auch die Erwiderung, dass Frauen mit einem von Natur aus besonders hohen Brustkrebsrisiko aus einem bislang nicht bekannten Grund stärker unter Wechseljahrsbeschwerden leiden und deshalb öfter zu Hormonpräparaten greifen würden, ist auf Grund der methodisch einwandfrei durchgeführten Studie lediglich Augenwischerei. Das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) forderte die Hersteller von Präparaten zur Hormonersatztherapie in Folge der Studienergebnisse jedenfalls auf, die Beipackzettel mit entsprechenden Warnhinweisen zu ergänzen.

Langjährige Beurteilungen des Nutzens einer Hormonersatztherapie, nämlich dass durch Östrogene das Demenzrisiko gesenkt werden könne, weil die Durchblutung im Gehirn verbessert sei, sind durch klinische Studien seit Juni 2004 widerlegt. Eine neue Auswertung im amerikanischen Ärzteblatt zeigte, dass das Demenzrisiko im Gegenteil geringfügig erhöht wird.

Tierschutzgruppen kritisieren die Produktionsbedingungen des häufig eingesetzten Präparats Premarin (in Deutschland: Presomen). Für die Herstellung wird hochkonzentrierter Stutenurin benötigt, der in spezialisierten Farmen gewonnen wird. Die Tiere stehen dort für jeweils sechs Monate ihrer Schwangerschaft bei knapper Wasserzufuhr in engen Boxen und leiden häufig an Anomalien der Gliedmaßen, verursacht durch den Bewegungsmangel.

Hersteller

Das jüngste Produkt zur Hormonersatztherapie brachte der Berliner Arzneimittelhersteller Schering im August 2004 auf den deutschen Markt. Wegen der heftigen Diskussion um die möglichen Gesundheitsrisiken ließ der Konzern zwischen der Zulassung und der Markteinführung 14 Monate verstreichen. Eine Zulassung in den USA wird voraussichtlich auf Grund der dortigen strengeren Anforderungen nicht erfolgen. Auch die Pharmakonzerne Wyeth, Novo Nordisk, Chemie Grünenthal GmbH, Jenapharm, Novartis und Solvay haben Präparate zur Hormonersatztherapie am Markt.

Literatur

  • Bernhilde Deitermann: Hormontherapie in und nach den Wechseljahren: Verordnungspraxis überdenken! in: Gerd Glaeske, Katrin Jahnsen: GEK-Arzneimittelreport 2003, Ansgard-Verlag, St. Augustin
  • Petra Kolip (Hrsg.): Weiblichkeit ist keine Krankheit. Die Medikalisierung körperlicher Umbruchphasen im Leben von Frauen. Weinheim und München
  • U.S. Preventive Services Task Force (May 2005) Hormone Therapy for the Prevention of Chronic Conditions in Postmenopausal Women: Recommendation Statement. (AHRQ Publication No. 05-0576), Agency for Healthcare Research and Quality, Rockville, MD
  • Evidence Report/Technology Assessment: Management of Menopause-Related Symptoms – U.S. Department of Health and Human Services, (AHRQ Publication No. 05-E016-2) März 2005

Siehe auch


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