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Erektion



  Unter Erektion (lat. für Aufrichtung) versteht man die Versteifung des männlichen Penis infolge mechanischer oder psychischer Reize, insbesondere durch sexuelle Erregung. Die Erektion wird hervorgeufen durch Entspannung der Schwellkörpermuskulatur, Steigerung des Blutzuflusses und Drosselung des Blutabflusses und stellt eine Voraussetzung für den Vollzug des normalen Geschlechtsverkehrs dar.

Im weiteren Sinne wird auch das Anschwellen der Klitoris als Erektion bezeichnet.

Weiteres empfehlenswertes Fachwissen

Inhaltsverzeichnis

Physiologie

Die Erektion wird normalerweise bei sexueller Erregung durch das Erektionszentrum im unteren Rückenmark ausgelöst, kann aber auch direkt reflektorisch durch mechanische Reizung von Penis und Hoden herbeigeführt werden. Für die sexuelle Erregung sind vor allem psychische Reize wie erotische Wahrnehmungen oder Vorstellungen verantwortlich.

Die Erektion des männlichen Gliedes erfolgt durch Blutfüllung der Schwellkörper, nämlich dem Penisschwellkörper (Corpora cavernosa penis), dem Harnröhrenschwellkörper (Corpus spongiosum penis) und seiner Verlängerung, dem Eichelschwellkörper (Corpus spongiosum glandis), und führt zu einer Verdickung von Penisschaft und Eichel und letztlich zur Aufrichtung des Gliedes. Die Blutfüllung selbst erfolgt hauptsächlich durch Erschlaffung der Muskulatur der Schwellkörper und dadurch bedingtes Zudrücken der ableitenden Blutgefäße (Drosselung des Blutabflusses). Der Größenunterschied zwischen Ruhezustand und erigiertem Penis ist individuell stark unterschiedlich und liegt in der Regel zwischen zwei- bis vierfacher Länge und anderthalb- bis dreifachem Durchmesser.

Nach dem sexuellen Höhepunkt, normalerweise mit Orgasmus und Ejakulation, oder bei nachlassender sexueller Erregung geht die Erektion zurück und das Blut fließt aus den Schwellkörpern wieder ab. Das Abschwellen wird wissenschaftlich als Detumeszenz bezeichnet.

Die Erektion des Mannes ist eine der Voraussetzungen für Geschlechtsverkehr, insbesondere dem fortpflanzungsrelevanten Vaginalverkehr, bei welchem das erigierte männliche Glied in die weibliche Scheide eingeführt wird.

Oft wird die männliche Erektionsfähigkeit aus laienhafter Sichtweise der allgemeinen Manneskraft, Potenz oder Reproduktionsfähigkeit gleichgestellt und als Zeichen von Jugend und Vitalität betrachtet. Doch zu Erektionen kann es auch bei Säuglingen und Greisen kommen. Erektionen treten bei gesunden Menschen in nahezu jedem Lebensalter regelmäßig während des Schlafes innerhalb der so genannten REM-Phasen auf. Besteht eine solche beim Erwachen, wird sie morgendliche Erektion genannt. Auch Orgasmen mit Samenergüssen während des Schlafes, sogenannte Pollutionen, sind immer mit Erektionen verbunden.

Erektionsprobleme

Erektile Dysfunktion

Erektionsstörungen beim Mann werden als erektile Dysfunktion bezeichnet (siehe auch Impotenz) und können vielfältige organische und seelische Ursachen haben. Sie betreffen Männer jeglichen Alters, werden aber mit zunehmenden Alter häufiger. Seit einigen Jahren stehen Medikamente wie Viagra zur Behandlung der erektilen Dysfunktion zur Verfügung.

Phallographie

Die Phallographie dient dazu, nächtliche Erektion nachzuweisen. Dabei wird ein Bändchen mit integrierten Dehnungsmessstreifen um den Penis gelegt und an ein Aufzeichnungsgerät angeschlossen. Füllen sich die Schwellkörper, so wird dies aufgezeichnet und kann vom Arzt später ausgewertet werden. Durch diese Methode können psychogene und physiologische Ursachen von Erektionsproblemen unterschieden werden.

Priapismus

Eine schmerzhafte Dauererektion des Penis, die länger als zwei Stunden andauert, wird Priapismus genannt und bedarf einer sofortigen Behandlung. Es handelt sich dabei um einen Notfall, der ohne sofortige urologische Behandlung den Penis und insbesondere die Schwellkörper dauerhaft schädigt. Wenn keine Behandlung erfolgt, kann die Erektionsfähigkeit des Penis dauerhaft verloren gehen.

Geschichte und Gesellschaft

Aus unterschiedlichen Kulturen und Epochen finden sich Positionen zur Erektion. So schrieb Leonardo da Vinci über „das eigene Empfinden und einen vom Menschen unabhängigen Verstand“ des Penis. Augustinus von Hippo führte gleichsam mit der sexuellen Lust auch explizit die Erektion auf den Sündenfall im Paradies zurück.

Bei einigen im Alltag nackt gehenden „Naturvölkern“ finden sich Zeugnisse über Vermeidungstechniken dieser oft mit Scham verbundenen Körperreaktion, so bei den Nambikwara und den Kwoma (Neuguinea), wo Knaben im frühen Alter die Kontrolle über die sichtbare Erektion durch Bestrafung und Beschämung beigebracht wird. Ebenso wenig toleriert die traditionelle Nudistenbewegung, zu deren Grundsätzen laut Richard Ungewitter die Abgrenzung von Nacktheit zur Erotik zählte, sichtbare Erektionen. Vielmehr sind diese meist mit Tabu und Ächtung belegt. In diesem Zusammenhang wird im vereinsgebundenen FKK oft auf die Scham der pubertierenden Knaben geachtet, so bereits 1923 bei der „Orthopädischen Nacktgymnastik“ Adolf Kochs, wo die 10-14jährigen Mädchen nackt waren, die Knaben jedoch Badehosen trugen.

Siehe auch

Literatur

  • Ernest Bornemann: Das große Lexikon der Sexualität. Pawlak, Herrsching 1984, ISBN 3-88199-148-4
  • Clellan S. Ford, Frak H. Beach: Das Sexualverhalten von Mensch und Tier („Patterns of sexual behavior“). Rowohlt, Reinbek 1971, ISBN 3-499-68006-8.
  • Martin Goldstein, Will McBride: Lexikon der Sexualität. 400x Auskunft, Antwort und Beschreibung. Jugenddienst-Verlag, Wuppertal-Barmen, 2. Aufl. 1970, ISBN 3-77-957001-7.
  • Erwin J. Haeberle: Die Sexualität des Menschen. Handbuch und Atlas. Verlag Nikol, Hamburg 2000, ISBN 3-933203-22-8.
  • Alfred Charles Kinsey u.a.: Das sexuelle Verhalten des Mannes („Sexual behavior in the human male“). Fischer, Frankfurt/M. 1970.
  • William H. Masters, Virginia E. Johnson: Die sexuelle Reaktion („Human sexual response“). Rowohlt, Reinbek 1980, ISBN 3-499-17814-1.
  • Volkmar Sigusch, Gunter Schmidt: Jugendsexualität. Dokumentation und Untersuchung. Enke, Stuttgart 1973, ISBN 3-432-01835-5.
  • Hans Peter Duerr Der Mythos vom Zivilisationsprozess - Bd. 3 - Obszönität und Gewalt
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