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Carl Clauberg



Carl Clauberg (* 28. September 1898 in Wupperhof; † 9. August 1957 in Kiel) war ein deutscher Gynäkologe, der als SS-Arzt massenhafte Zwangssterilisationen an KZ-Häftlingen vornahm.

Leben

Carl Clauberg wurde in dem Dorf Wupperhof im Bergischen Land (heute zu Leichlingen-Witzleben) als Sohn einer Handwerkerfamilie geboren. Nachdem er als Infanterist am Ersten Weltkrieg teilgenommen hatte, studierte er Medizin und promovierte 1925 an der Universität Kiel zum Thema „Zur Frage der Todesursache bei Luftembolie. Von 1925 bis 1932 arbeitete Clauberg als Assistent an der Universitäts-Frauenklinik in Kiel und wurde dort 1933 Privatdozent. 1937 folgte er einem Ruf als außerordentlicher Professor an die Universität Königsberg. Er veröffentlichte in den 1930er Jahren wissenschaftliche Fachliteratur auf dem Gebiet der Gynäkologie.

1933 trat Carl Clauberg der NSDAP bei und wurde später SS-Gruppenführer der Reserve.

1942 bat Clauberg Heinrich Himmler um die Möglichkeit, in größerem Umfang Sterilisationsversuche an Frauen durchführen zu können. Im Dezember 1942 kam er nach Auschwitz. Im April 1943 wies man ihm den Block 10 für seine Experimente zu. In den zwei Sälen im Obergeschoss dieses Blocks waren einige hundert Jüdinnen aus verschiedenen Ländern untergebracht. Mit der von Clauberg erarbeiteten Methode einer operationslosen Massensterilisierung wurde ein für diese Zwecke speziell präpariertes chemisches Mittel in die Geburtsorgane eingeführt, das deren starke Entzündung zur Folge hatte. Nach einigen Wochen waren die Eierstöcke zusammengewachsen und damit verstopft. Ein Teil der Jüdinnen verstarb infolge der Experimente, andere wurden getötet, um Sektionen der Leichen durchzuführen. Von 1943 bis 1945 führte er zunächst im Stammlager Auschwitz, später im Konzentrationslager Ravensbrück, in das er vor der heranrückenden Roten Armee geflohen war, ca. 700 Zwangssterilisationen durch.

Im Juni 1943 schrieb Clauberg an Himmler:

„Die von mir erdachte Methode, ohne Operation eine Sterilisierung des weiblichen Organismus zu erzielen, ist so gut wie fertig ausgearbeitet. [… ] Was die Frage anbelangt, die Sie, Reichsführer, mir stellten, nämlich in welcher Zeit es etwa möglich sein würde 1000 Frauen auf diese Weise zu sterilisieren, so kann ich diese heute voraussehend beantworten. Nämlich: Wenn die von mir durchgeführten Untersuchungen so weiter ausgehen wie bisher - und es besteht kein Grund anzunehmen, dass sie es nicht tun - so ist der Augenblick nicht mehr sehr fern, wo ich sagen kann, von einem entsprechend eingeübten Arzt an einer entsprechend eingerichteten Stelle mit vielleicht 10 Mann Hilfspersonal höchstwahrscheinlich mehrere hundert, wenn nicht gar 1000 - an einem Tage.“ [1]

1948 wurde Clauberg in der Sowjetunion zu 25 Jahren Haft verurteilt. Im Oktober 1955 wurde er aus der Kriegsgefangenschaft entlassen. Zunächst wieder als Gynäkologe am Universitätsklinikum Kiel tätig, erstattete der Zentralrat der Juden in Deutschland unmittelbar nach der Rückkehr Claubergs Strafanzeige wegen „fortgesetzter schwerer Körperverletzung“. Am 22. November 1955 wurde er in Kiel verhaftet und zu einer Untersuchung in die psychatrische Klinik von Neustadt in Holstein eingewiesen. Anfang Februar 1956 stellten Gutachter seine Zurechnungsfähigkeit fest. Ralph Giordano schrieb über die Anklageschrift:

„Obwohl ich vielen NS-Prozessen vor bundesdeutschen Schwurgerichten beigewohnt habe, gehört die Anklageschrift gegen Clauberg zur unerträglichsten Lektüre, der ich mich je beim Studium von Naziverbrechen unterzogen habe.“ [2]

Bevor es zu einem Prozess kam, starb Clauberg allerdings im August 1957. Eine Obduktion, die das gerichtsmedizinische Institut Kiel durchführte, weil Zweifel an seinem natürlichen Tod geäußert wurden, ergab „beginnende Gehirnerweichung“ (Enzephalomalazie).

Quellen

  1. Experimente: Prof. Dr.Carl Clauberg, Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau
  2. Ralph Giordano: Wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte. Die Pläne der Nazis nach dem Endsieg, Hamburg 1989
 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Carl_Clauberg aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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