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Surfactant



Surfactant ist ein englisches Kunstwort (surface active agent) und bedeutet grenzflächenaktive Substanz. Die englische Bezeichnung hat sich im Deutschen für eine spezielle, bedeutsame oberflächenaktive Substanz in der Lunge durchgesetzt. Von spezialisierten Lungenzellen (Pneumozyten Typ II) werden besondere Phospholipide gebildet, die als Surfactant ähnlich wie Seife wirken, indem sie die Oberflächenspannung in den Alveolen um etwa 83 % herabsetzen. Die Surfactant-Auskleidung ist für die Entfaltung und die Formerhaltung der Alveolen unbedingt notwendig, da sie das Zusammenfallen der Alveolen beim Ausatmen (dann entsteht Überdruck in der Lunge) verhindern.

Surfactant senkt die Oberflächenspannung, d.h. der "Eröffnungsdruck" sehr kleiner Alveolen wird erniedrigt.

Surfactantbildung beginnt ab der 30. Schwangerschaftswoche; aber erst in der 34./35. Schwangerschaftswoche wird es in ausreichenden Mengen produziert. Eine in der Schwangerschaft bestehende diabetische Stoffwechsellage (z. B. beim Schwangerschaftsdiabetes) kann allerdings die Bildung von Surfactant in der Fetalzeit stören, so dass auch reife Neugeborene über zu wenig Surfactant verfügen können. In einem solchen Fall spricht man von einem Newborn Respiratory Distress Syndrome (NRDS). Ebenso ist im Rahmen anderer Erkrankungen des Neugeborenen (z. B. bei einer schweren Infektion) der Verbrauch bereits produzierten Surfactants erhöht, so dass als Folge ebenfalls ein sekundäres Atemnotsyndrom entstehen kann.

Ohne Surfactant fallen nach der Geburt die Alveolen zunehmend in sich zusammen. Die Gasaustauschfläche der Lunge verkleinert sich, es entsteht ein Atemnotsyndrom. Die Atmung betroffener Frühgeborener ist massiv gestört. Ein Gasaustausch ist kaum oder gar nicht möglich. Das an einem Atemnotsyndrom leidende Frühgeborene hat eine Zyanose, die Atemanstrengung nimmt zu und äußert sich mit "Nasenflügeln" und einer stöhnenden Atmung. Rippen und Brustbein treten bei jedem Atemzug deutlich sichtbar hervor. Unbehandelt entwickelt sich ein lebensgefährliches Krankheitsbild. Inzwischen kann man aus Tierlungen extrahiertes oder künstlich hergestelltes Surfactant als Emulsion über einen in die Trachea eingeführten Katheter oder Tubus in die Lungen von Frühgeborenen einbringen. Die therapeutische Anwendung von Surfactant, die Ende der 1980er Jahre eingeführt wurde, war für die Kinderheilkunde revolutionär. Die Überlebenschancen kleiner Frühgeborener wurde mit diesem Medikament erheblich verbessert.

Schädigung durch Langzeiteinwirkung hoher Sauerstoffpartialdrücke

Durch Langzeitanwendung sehr hoher Sauerstoffpartialdrücke kann es im Erwachsenen ebenso zu einer Schädigung des Surfactants mit den oben beschriebenen Symptomen kommen. Dies hat als Lorraine-Smith-Effekt besondere Relevanz im Bereich der Taucherei, vor allem für das Technische Tauchen und die Hyperbare Sauerstofftherapie

Literatur

  • Roland R. Wauer: Surfactanttherapie. Grundlage, Diagnostik, Therapie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-13-111203-4
  • AquaMed Reise- und Tauchmedizin: AquaMed Oxygen Seminar. Medical Helpline Worldwide, Bremen 2007.
 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Surfactant aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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