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Pickwick-Syndrom



Klassifikation nach ICD-10
E66.2 Übermäßige Adipositas mit alveolärer Hypoventilation
Pickwick-Syndrom
ICD-10 online (WHO-Version 2006)

Unter Pickwick-Syndrom versteht man Krankheitszustände, die durch hochgradige Fettsucht (Adipositas) verursacht werden, weswegen auch die Bezeichnung "Syndrom der Adipösen" gebräuchlich ist. Das Übergewicht führt zu einer fortwährenden Enge der oberen Atemwege ("Stenoseatmung") und zu einer Einengung der Lunge, insbesondere in der Nacht. Diese Belastung der Atempumpe führt zu einer alveolären Hypoventilation auch am Tage, die in einer Hyperkapnie sichtbar wird. Die chronische Hyperkapnie wird heute zunehmend als protektiver Mechanismus verstanden, der die Atempumpe vor Erschöpfung schützt. Das Atemzentrum reagiert also vermindert auf den stärksten Atmungsanreiz, das CO2. Es ist zu einer Sollwertverstellung in der Atmungsregulation gekommen. Der Sauerstoffmangel folgt der verminderten Atmung (im Faktor 1,66: Zunahme des pCO2 um 1 Einheit = Abnahme des pO2 um 1,66 Einheiten).

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Die Schwäche der Atempumpe zeigt sich vor allem in der Nacht und ist als begleitende schlafbezogene Atmungsstörung in Erscheinung. Es bleibt die Erholsamkeit des Nachtschlafes aus und es kommt aufgrund der Tagesmüdigkeit zu anfallsartigen Schlafzuständen, wie beim Schlafapnoe-Syndrom. Wegen der Belastung des kleinen Kreislaufes (Herz-Lunge) im Rahmen des Euler-Liljestrand-Mechanismus kommt es zu Blutrückstau vor dem Herzen und so zu Ödemen (Gewebswassersucht, krankhaft vermehrte Wassereinlagerung in Geweben).

Benannt ist die Erkrankung nach der Romanfigur des "fetten Jungen" Joe Joseph in Charles Dickens "Die Pickwickier", der durch seine Schläfrigkeit und zugleich durch seinen ungeheuren Appetit auszeichnet. Bezeichnend ist eine Szene aus Kapitel 5: "Der fette Junge erwachte, öffnete die Augen, würgte das ungeheure Stück Taubenpastete hinunter, an dem er gerade gekaut hatte, als ihn der Schlaf übermannt".

Das Pickwick-Syndrom wird heute eher als "Obesitas-Hypoventilationssyndrom" bezeichnet. Die Therapie besteht hier in der Einstellung auf eine Intermittierende Selbstbeatmung zur Entlastung der Atempumpe. Wodurch sich die Schlafqualität verbessert (bei der nächtlichen Beatmung) und sich die Atempumpe erholen kann. Dabei nimmt die Hyperkapnie und die Tagesschläfrigkeit ab. Die Hyperkapnie kann man heute nicht mehr als Ursache der Tagesmüdigkeit ansehen, sie ist ein Begleitphänomen.

Die Intermittierende Selbstbeatmung ist von der nCPAP-Technik bei reiner schlafbezogener Atmungsstörung zu unterscheiden! CPAP ist keine Beatmung sondern nur eine Unterstützung der Spontanatmung.

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Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Pickwick-Syndrom aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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