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Okihiro-Syndrom



Das Okihiro-Syndrom - auch als (engl.) Duane-Radial Ray Syndrom (DRRS) bezeichnet - ist eine autosomal-dominant vererbte Kombination von Fehlbildungen.

Symptome

Charakteristisch sind Fehlbildungen der oberen Gliedmaßen (fast identisch mit denen beim Holt-Oram-Syndrom) in Kombination mit einer Duane-Anomalie, eine besondere Form des Schielens, bei der man nicht nach außen sehen kann. Die Gliedmaßenfehlbildungen betreffen die Daumen (dreigliedrige Daumen, unterentwickelte (hypoplastische) Daumen, aber im Gegensatz zum Holt-Oram-Syndrom auch überzählige Daumen (präaxiale Polydaktylie)), und treten meist zusammen mit Fehlbildungen des Radius (Speiche) auf. Die Arme können aber auch verkürzt sein bis hin zu einer Phocomelie.

Daneben liegen oft Nierenfehlbildungen und/ oder eine falsche Position der Nieren vor. Hörstörungen wurden zunächst als charkteristisch beschrieben, finden sich aber nur bei ca. 19% der Betroffenen. Ohrfehlbildungen und Fußfehlbildungen kommen vor. Herzfehler sind ebenfalls nicht selten, hier Vorhofseptum- und häufiger Ventrikelseptum-Defekte. Einige Kinder mit Okihiro-Syndrom sind kleinwüchsig aufgrund eines Wachstumshormonmangels. Gelegentlich liegen Gesichtsasymmetrien vor. Auch eine Analatresie kann vorkommen.

Das Syndrom tritt vergleichsweise selten auf, die durchschnittliche Auftretenswahrscheinlichkeit liegt bei höchstens 1:100.000. wobei es in der Mehrzahl der Fälle sporadisch aufgrund einer Neumutation entsteht (hier liegen bisher keine Zahlen vor).

Ursache

Ursache des Okihiro-Syndroms sind genetische Mutationen im Gen (Erbanlage) SALL4 auf Chromosom 20q13.13-13.2, die bei ca. 90-95 von 100 Menschen mit dem Syndrom gefunden werden.

Das Okihiro-Syndrom kann mit einer Thalidomid (Contergan)-Embryopathie verwechselt werden. Dies war Ursache für seltene Berichte von Menschen mit angenommenen Contergan-Fehlbildungen, die Kinder mit denselben Fehlbildungen bekamen, so dass (allerdings nur von wenigen Ärzten) eine erbschädigende (mutagene) Wirkung von Contergan (Thalidomid) behauptet wurde. Durch den Nachweis von Gendefekten in SALL4 bei diesen Menschen und ihren Kindern konnte nachgewiesen werden, dass die Fehlbildungen bei ihnen nicht durch Contergan hervorgerufen wurden und die Contergan-Fehlbildungen nicht durch eine mutagene Wirkung des Medikaments entstehen.

Wichtig ist die Unterscheidung vom Holt-Oram-Syndrom (verursacht durch Besonderheiten im Gen TBX5 auf Chromosom 12). Hier liegen dieselben Armfehlbildungen (mit Ausnahme der überzähligen Daumen, die es beim Holt-Oram-Syndrom - wenn überhaupt - nur extrem selten gibt) und Herzfehler vor. Ca. 80% der Menschen mit Holt-Oram-Syndrom haben Herzrhythmusstörungen, die beim Okihiro-Syndrom nicht bekannt sind. Liegen neben den Herz- und Gliedmaßenfehlbildungen noch andere Fehbildungen vor, ist ein Holt-Oram-Syndrom nahezu ausgeschlossen.

Das Okihiro-Syndrom kann auch mit dem Townes-Brocks-Syndrom verwechselt werden, das durch Defekte im ähnlichen Gen SALL1 auf Chromosom 16 entsteht. Das Syndrom ist gekennzeichnet durch Ohrfehlbildungen, Daumenfehlbildungen (wie beim Okihiro-Syndrom) und Analatresie. Der Radius ist aber bei diesem Syndrom nicht verkürzt. Allerdings kann auch beim Townes-Brocks-Syndrom selten eine Duane-Anomalie vorliegen.

Andere Besonderheiten mit sehr ähnlicher Symptomatik sind das Thrombozytopenie-Absent-Radius-Syndrom (TAR) (hier sind die Daumen immer erhalten, der Radius fehlt aber immer und die Thrombozytenzahl ist niedriger als üblich) und die Fanconi-Anämie (hier liegt eine besondere Brüchigkeit der Chromosomen vor sowie eine Tumorneigung).

Prognose

Die Lebenserwartung von Menschen mit Okihiro-Syndrom ist im allgemeinen nicht herabgesetzt. Therapeutisch von Bedeutung sind die Korrektur des meist milden Herzfehlers sowie Korrekturen der Fehlbildungen der Extremitäten und Schieloperationen zur Behandlung der Duane-Anomalie. Die Nierenfunktion muss überwacht werden, allerdings sind Funktionsstörungen der Nieren eher selten. Beim Verdacht auf Okihiro-Syndrom sollte frühzeitig ein Hörtest gemacht werden.

 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Okihiro-Syndrom aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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