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Zahnersatz



               

Der Begriff Zahnersatz (Abkürzung: ZE) steht für Kronen, Brücken und Prothesen. Dagegen sind Füllungen und Gussfüllungen (Inlays und verschiedene Varianten, wie Onlays, Overlays) zahnerhaltende Maßnahmen der konservierenden Zahnheilkunde.

Zahnersatz, nach verschiedenen Kriterien kategorisiert:

  • herausnehmbar, festsitzend
  • total, subtotal, partiell
  • zahngetragen, schleimhautgetragen, kombiniert
  • provisorisch, definitiv, Sofortversorgung (Immediatversorgung), Kurzzeit (Interimsversorgung)
  • Oberkiefer, Unterkiefer

Weiteres empfehlenswertes Fachwissen

Inhaltsverzeichnis

Herausnehmbarer Zahnersatz

Eine Prothese, die (im Idealfall mehrmals täglich aus dem Mund genommen und gereinigt wird, da sie auf der Mundschleimhaut aufliegt):

  • in der einfachsten und preisgünstigsten Ausführung eine Kunststoffprothese mit aus Draht gebogenen Halte- und Stützvorrichtungen („Klammern“); oder
  • eine Modellgussprothese mit gegossenen Halte- und Stützvorrichtungen
  • bis hin zur komfortablen Ausführung wie einer Teleskopprothese, die auf überkronten Zähnen sitzt.

Jeder Zahn, der erhaltungsfähig und erhaltungswürdig ist, soll auch saniert werden (Behandlungsrichtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses - gelten für deutsche Kassenpatienten).

Die natürlichen Zähne sind wichtig, sie festigen Zahnersatz und fangen Kaudruck elastisch ab. Das gilt besonders für den Unterkiefer. Wenn mehrere bzw. alle Zähne gezogen werden müssen, kann man den endgültigen Zahnersatz erst einsetzen, nachdem der Kiefer völlig ausgeheilt ist. Das dauert meist einige Monate, die eine provisorische Prothese überbrücken - in der Regel sofort nach dem Zahnziehen eingesetzt, während die schmerzlindernde Spritze noch wirkt. Da sich Wundgebiet und Kiefer ändern, kann es notwendig sein, den Sitz des Provisoriums mehrmals zu korrigieren. Als Prothesenmaterial ist Kunststoff am zweckmäßigsten. Die Zähne sollten aus abriebfestem Kunststoff sein. Keramikzähne sehen zwar den echten verblüffend ähnlich, zerbrechen aber eher als Kunststoffzähne und „klappern“ außerdem beim Zusammenbeißen oft. (Bruchgefahr, z. B. im Waschbecken - unbedingt vor Herausnehmen Handtuch hineinlegen.)

Als Prothesenlager bezeichnet man die Bereiche der Mundschleimhaut mit den darunter liegenden Kieferknochen, welche die auf die Prothese auftreffenden Kaukräfte weiterleiten und die Prothese halten. Die Qualität des Prothesenlagers ist ausschlaggebend für eine optimale Funktionalität der Prothese.

Festsitzender Zahnersatz

Unter festsitzendem Zahnersatz versteht man Kronen und Brücken aus Metall oder Keramik, mittels Zement auf die beschliffenen Zahnstümpfe oder auf Zahnimplantate zementiert.

Nach Präparation der zur Aufnahme von festsitzendem Zahnersatz vorgesehen Pfeiler (natürliche Zähne oder Zahnimplantate) erfolgt eine Abformung der Situation. Die Abformung wandelt das Dentallabor in ein Positiv-Modell um, das genau der Situation im Mund entspricht. Dann stellen die Zahntechniker mit erheblichem technischem Aufwand feinhandwerklich die festsitzende Brücke oder Krone her.

Ein gut etabliertes inzwischen weit verbreitetes und bewährtes Verfahren sind Zahnimplantate. Sie setzt man ein, wenn für die Verankerung von festem Zahnersatz, also einer Zahnbrücke, zu wenige natürliche Pfeiler vorhanden sind. Sie helfen auch, wenn ein einzelner Zahn fehlt (Einzelzahnersatz), die Nachbarzähne gesund sind und nicht für die Aufnahme einer Krone oder Brücke präpariert werden sollen. In dem Fall erhält das Zahnimplantat eine Einzelkrone: häufig im Frontzahnbereich - mit wegen vergleichsweise geringer Kaubelastung besserer Prognose als im Seitenzahnbereich. Auch beim Verlust aller Zähne kann eine Rekonstruktion des Gebisses mit festsitzendem Zahnersatz auf Zahnimplantaten erfolgen. Oft kann es hierbei erforderlich sein, das verlorengegangene Gewebe mit Hilfe von Keramikmassen zu rekonstruieren (siehe Abbildungen unten rechts).

(Anmerkung: Kronen, Teilkronen und Einlagefüllungen (Inlays) werden wegen des gleichen Herstellungsverfahrens oft zu Zahnersatz gerechnet, obwohl sie keinen fehlenden Zahn ersetzen.)

Brücken und Vollkronen im Unterkiefer halten nur begrenzt im Durchschnitt ca. 5 bis 15 Jahre. Dies hängt im Wesentlichen vom Zerstörungsgrad der natürlichen Zahnkrone vorher ab. Natürlich schützt eine künstliche Zahnkrone die natürliche Zahnsubstanz darunter, gegen biologische Schädigungen (Karies). Eine künstliche Krone auf einer vollständig intakten natürlichen Krone hält daher unbegrenzt. Künstliche Zahnkronen entstehen in der Regel, wo wegen riesiger Zahnschäden eine (erneute) Füllung ("Plombe") ausscheidet. Dies gibt der künstlichen Krone den bekannten schlechten Ruf. Bei schlechter Zahnpflege und technisch nicht ganz einwandfreier Herstellung können am Rand einer solchen künstlichen Zahnkrone Bakterien in die darunter vorhandene Zahnsubstanz eindringen und Karies verursachen oder sich bis hinunter in die Zahnwurzel ausbreiten (Parodontitis). Erkannt wird dies häufig erst, wenn die Wurzel entzündet und der Zahn nicht mehr zu retten ist; Röntgenstrahlung kann das Metall der Krone nicht durchdringen, sodass eine Früherkennung des Schadens schwerfällt.

Festsitzender Zahnersatz kommt der natürlichen Situation am nächsten und ist daher anders als herausnehmbarer Zahnersatz (Zahnprothese) in der Lage, die normale Kaufunktion nahezu vollständig wieder herzustellen. Bei fehlenden natürlichen Pfeilern haben daher Zahnimplantate eine fundamentale Bedeutung, weil der versicherte zahlende Patient Anspruch auf Kostenerstattung zur vollständigen Wiederherstellung seiner Kaufunktion hat. Eine herausnehmbare Prothese kann dies nicht leisten - wegen deutlich geringeren Kosten definieren staatlich-gesetzliche Krankenkasse sie aber als grundsätzlich ausreichend und zweckmäßiger.

Neue Methoden in der Zahntechnik

Seit einiger Zeit entsteht Zahnersatz auch im CAD/CAM-Verfahren. Dies garantiert hohe und gleich bleibende Materialqualität bei unveränderten Kosten.

Neue Materialien für Zahnersatz sind Zirkoniumdioxid und Titanlegierungen (letztere werden schon relativ lange im Gussverfahren hergestellt). Die maschinelle Fertigung ermöglicht nun in sehr guter Qualität bei gleichzeitig günstigen Preisen fehlerlos herzustellen, weil die Rohmaterialien für Titanprodukte, nämlich Ilmenit, Rutil, Anatas und Brookit, weltweit in großen Mengen verfügbar sind.

Zirkoniumdioxid ist eine sehr harte Keramik, die mehrere positive Eigenschaften für Zahnersatz aufweist:

  • die weiße Farbe
  • die richtige Menge an Lichtdurchlässigkeit
  • die Biokompatibilität.

Gegen den Einsatz von Zirkoniumdioxid sprechen allerdings die noch fehlende Langzeiterfahrung und das häufig notwendige Einkleben mit wenig biokompatiblen Kunststoffzementen.

Zirkoniumdioxid dient als Unterbau für Kronen und Brücken, darauf wird eine kiefergelenkfreundliche weichere Keramik in der passenden Zahnfarbe aufgebrannt. So lassen sich natürliche Zähne deutlich besser nachahmen als es bei Kronen und Brücken mit Metallanteil erreichbar war. Die Kosten sind etwas höher als die herkömmliche Art, Kronen und Brücken herzustellen (Kombination Gold-Keramik). Da Goldlegierungen in den letzten Jahren jedoch teurer geworden sind, fällt die Entscheidung heute oftmals auf Zirkonoxid.

Zirkonoxid in der Zahntechnik

Außer Kronen und Brücken werden auch Implantate aus Zirkoniumdioxid hergestellt, die erstmalig völlig metallfreien Zahnersatz ermöglichen. Schlagende Vorteile von Zirkon:

  • keine dunklen Kronenränder
  • keine Unverträglichkeiten bekannt
  • kaum Wärmeleitfähigkeit
  • kein elektrisches Spannungspotential mit Metallen

Geschichte

Den frühesten Zahnersatz bildeten Zähne aus Elfenbein, aus Holz, von Tieren oder Verstorbenen. Golddrähte zurrten sie an verbliebene gesunde Frontzähne. Dies wirkte nur ästhetisch, ohne die Kaufunktion zu unterstützen und es erreichte eine bessere Aussprache. Solche künstlichen Zähne, die schon die Etrusker kannten, lösten Entzündungen im Mundbereich aus. Früheste archäologische Funde in Mitteleuropa stammen aus dem 17. Jahrhundert. Ende des 18. Jahrhunderts gab es das erste Porzellangebiss. Erst im 19. Jahrhundert ermöglichte Kautschuk funktionierenden Zahnersatz auch für breitere Bevölkerungsschichten.

Beispiel für einseitige Unterkiefer-Teilprothese


Literatur

  • Christoph Benz: Zahnmedizinisches Projekt - Typische Probleme in Altenheimen – Lösungsansätze für die Praxis. In: ProAlter. 3/2006:63-66
  • Wolfgang B. Freesmeyer: Klinische Prothetik, Bd. 1: Festsitzender und implantatgetragener Zahnersatz. Heidelberg: Karl F. Haug Fachbuchverlag, 1995, ISBN 3830401256
  • Wolfgang B. Freesmeyer: Klinische Prothetik, Bd. 2: Herausnehmbarer Zahnersatz und Gewebeersatz (Epithetik). Heidelberg: Karl F. Haug Fachbuchverlag, 1999, ISBN 3830401264
 
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