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Vocal cord dysfunction



Als Vocal Cord Dysfunction (VCD), von engl. vocal cord „Stimmband“ und dysfunction „Fehlfunktion“, wird eine Funktionsstörung der Stimmbänder bezeichnet, bei der sich diese von einem Moment zum nächsten verkrampfen und verschließen. Dieser plötzlich auftretende Verschluss führt zu einer anfallartigen Atemnot. Dem geht oftmals ein Hustenanfall voraus.

Eine VCD tritt auch in Kombination mit Asthma bronchiale auf, was die Erkennung der Krankheit zusätzlich erschwert. Forschungen lassen den Schluss zu, dass 5 % der vermeintlichen Asthmatiker eine VCD haben. Zudem leiden 20 bis 40 % der schwer bis nicht behandelbaren Asthmatiker begleitend zu ihrem Asthma an einer VCD.

Der (englische) Ausdruck Vocal Cord Dysfunction tauchte in den letzten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts in der pulmologischen Literatur als differentialdiagnostisch relevantes Krankheitsbild bei therapieresistentem Asthma auf. Dasselbe Krankheitsbild wird dort auch als paroxysmal (oder paradoxical) vocal cord movement/motion (PVCM), paroxysmal (oder paradoxical) vocal cord dysfunction (PVCD), episodic paroxysmal laryngospasm (EPL) und irritable larynx syndrome (ILS) bezeichnet.[1]

In der Laryngologie werden diese Krankheitsbilder seit dem 19. Jahrhundert unter - je nach Ausprägung der Symptomatik und auslösender Ursache - mehr oder weniger unterschiedlichen Namen beschrieben. Insbesondere das als „inspiratorischer Stimmritzenkrampf“ beschriebene Krankheitsbild ist wohl der Vocal Cord Dysfunction gleichzusetzen. Besonders krasse Fälle, bei denen die Atemnot zur Bewusstlosigkeit führt, werden als Ictus laryngis (Kehlkopfschlag, Kehlkopfohnmacht) bezeichnet.

Johann Schnitzler beschreibt den inspiratorischen Stimmritzenkrampf 1895: „Während beim phonischen Stimmritzenkrampf die Coordinationsstörung sich darin äussert, dass der Grad der motorischen Innervation viel intensiver als der Grad der intendirten Innervation ausfällt, also es sich nur um einen graduellen Unterschied handelt, haben wir es bei dem inspiratorischen Stimmritzenkrampf mit einer Coordinationsstörung qualitativer Art zu thun, indem statt der Abduction der Stimmbänder eine Annäherung derselben während der Inspiration erfolgt. Die Phonation geht normal von Statten, die Inspiration ist mit Dyspnoe verbunden, da während der Inspiration auch die Adductoren stärker innervirt werden. Im Schlafe verschwindet die Dyspnoe und der Stridor.“ [2]

Inhaltsverzeichnis

Auslöser von VCD

Eine anfallsartige Atemnot gilt als klassisches Indiz für Asthma bronchiale. Die Auslöser bei VCD sind ähnlich wie bei Asthma:

  • Düfte
  • kalte oder warme Luft
  • schlechte Luft durch Zigarettenrauch, Parfüms
  • körperliche Belastung
  • allergene Einflüsse
  • psychische Belastung
  • reizende Speisen, wie z. B. Essig

Anzeichen für VCD

Folgende Anzeichen erhärten den Verdacht auf VCD:

  • Plötzliches Auftreten heftiger, teils lebensbedrohlich erlebter Atemnot
  • Atemnot oft nach Hustenanfällen
  • spontanes Nachlassen der Atemnot
  • Kratzen im Hals, Kloßgefühl, Engegefühl im Hals, häufiges Räuspern, Heiserkeit
  • auffällig gute Lungenfunktionsbefunde
  • Asthmamedikamente helfen kaum oder gar nicht.

Medizinischer Hintergrund

VCD ist eine überempfindliche Reaktion der Stimmbänder. Zunächst gibt es objektiv keinen Grund, warum diese sich verschließen. Eine VCD ist somit als paradoxer Schutzreflex zu deuten. Die Gründe können physischer und/oder psychischer Natur sein. Kommt es zu einer Atemnot durch eine VCD sind meist mehrere Faktoren auszumachen:

  • Organischen Gründe: Der Rückfluss der Magenflüssigkeit (Reflux) oder eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis). Der Säurerückfluss aus dem Magen oder das Sekret aus der Nasennebenhöhle führen zu einer Irritation der Stimmbänder.
  • Neurologische Ursachen: Ein hypersensibler Kehlkopfbereich oder eine krankhafte Veränderung der Hirnrinde (Cortex).
  • Psychische Ursachen: Emotionaler Stress ausgelöst durch Verlust, einschneidende Veränderung, verbale und körperliche Verletzungen und hohes Leistungs- und Anspruchsdenken.

Besonders in Lebensphasen, in denen sich die Stressfaktoren häufen, reagiert der Körper bzw. die Stimmbänder auf diese Anspannung. Andererseits macht die Tatsache an anfallsartiger, unklarer Atemnot zu leiden schon erheblichen Stress. Deshalb ist oft nicht auszumachen, ob der Körper auf seelische Befindlichkeiten reagiert oder die Psyche auf das Soma.

Die Atemnotanfälle sind jedoch bei vielen Betroffenen nicht auf psychische oder physische Ursachen zurückzuführen und können auch ohne erkennbaren Grund in unregelmäßigen Abständen auftreten.

Behandlung

Zunächst sollte durch Aufklärung die Angst vor und während eines Anfalls abgebaut werden. Es muss Ursachenforschung betrieben werden, da eine VCD ein Ausdruck dafür ist, dass im Körper oder in der Psyche etwas aus dem Gleichgewicht gekommen ist. Sind die Gründe eingegrenzt oder erkannt, kann ein individueller Therapieplan erstellt werden.

Eine große Rolle spielt die richtige Atem- und Stimmtherapie und deren Umsetzung im Alltag. Durch Sport und Bewegung kann das Vertrauen in den eigenen Körper und die eigene Leistungsfähigkeit wiedererlangt werden. Die Bearbeitung der seelischen Probleme und das Erlernen und Ausüben von Entspannungstechniken helfen, über die psychischen Ursachen und Folgen einer Stimmbandfehlfunktion hinweg zu kommen.

Bei den meisten Betroffenen ist jedoch keine Therapie möglich, da die Ursache ungeklärt bleibt.

Quellen

  1. Andrianopoulos MV, Gallivan GJ, Gallivan KH.PVCM, PVCD, EPL, and irritable larynx syndrome: what are we talking about and how do we treat it? J Voice. 2000 Dec;14(4):607-18
  2. Schnitzler, Joh.: Klinischer Atlas der Laryngologie W. Braumüller, Wien und Leipzig, 1895
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Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Vocal_cord_dysfunction aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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