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Sunao Tawara



Sunao Tawara (gebürtig Nakajima; * 5. Juli 1873 in der Provinz Oita, Japan; † 1952 in Japan) war ein japanischer Pathologe.

Weiteres empfehlenswertes Fachwissen

Inhaltsverzeichnis

Ausbildung und Beruf

Der im Zeitalter der rasanten Modernisierung Japans in einer ländlichen Umgebung aufgewachsene Tawara ging, wie viele aufstrebende Altersgenossen nach Tokio, wo er Schulen für Englisch und Deutsch und anschließend das noch junge Elitegymnasiums Nr. 1 absolvierte. 1898 begann er ein Medizinstudium an der Medizinischen Fakultät der Kaiserlichen Universität Tokio, das er im Dezember 1901 abschloss. Danach arbeitete er als Assistent in der Abteilung für Hautkrankheiten, ab Mai 1902 in der Internie. Im Januar 1903 reiste der inzwischen dreißigjährige Tawara auf eigene Kosten nach Deutschland. Nach einem kurzen Aufenthalt in Berlin folgte er der Empfehlung seines Landsmanns Keisaku Kokubo und zog nach Marburg, um sich am Pathologischen Institut der Philipps-Universität Marburg in der Pathologie und pathologischen Anatomie bei Ludwig Aschoff weiter zu bilden. Während der drei Jahre in Marburg entstanden die bekanntesten Arbeiten Tawaras unter Anleitung Aschoffs.

1906 kehrte Tawara nach Japan zurück und wurde im gleichen Jahr zum außerordentlichen Professor für Pathologie an der Medizinischen Hochschule Fukuoka (Fukuoka Ika-daigaku)), einer 1903 gegründeten Zweigstelle der Kaiserlichen Universität Kyoto berufen. Anfang 1908 promovierte er an der Universität Tokio, im Juli folgte die Ernennung zum Ordinarius der Pathologie. 1911 ging die Medizinischen Hochschule Fukuoka in die neugegründete Kaiserliche Universität Kyushu auf, an der Tawara bis zu seiner Emeritierung 1933 wirkte - unter anderem als Dekan der medizinischen Fakultät (1930) und Direktor des Instituts für Badetherapie in Beppu (1931-33).

Leistung

Die wissenschaftliche Zusammenarbeit von Ludwig Aschoff und Sunao Tawara führte zur zweiten wichtigen Entdeckung in Bezug auf das kardiale Erregungsleitungssystem, den AV-Knoten, der wesentlicher Bestandteil des Erregungsleitungssystems des Herzens ist.

Tawara beschrieb die Histologie und die makro- bzw. mikroskopische Anatomie der atrioventrikulären Muskelverbindungen sowie deren Aufteilung in die beiden Hauptschenkel beim Tierherzen (Taube, Ratte, Meerschweinchen, Kaninchen, Hund, Schaf, Kalb) wie auch beim menschlichen Herzen. Er stellte außerordentlich präzise die Anatomie des Erregungsleitungssystems vom His-Bündel ausgehend bis zu den Purkinje-Fasern dar:

„Wie man aus den Beschreibungen sehen kann, verläuft das Bündel in seinem bisher erwähnten Teile bei allen Herzen in einer ziemlich übereinstimmenden Weise, besonders in Bezug auf seine Lage und gröbere Form. Was die beiden Schenkel betrifft, so ist der rechte immer schmäler, als der linke, und der erstere ist durch eine mehr oder weniger dicke Bindegewebsschicht von der Ventrikelmuskulatur getrennt. Der linke Schenkel ist von Anfang an schon ziemlich breit, nach unten wird er noch breiter, aber gleichzeitig dünner und spaltet sich schließlich in mehrere Gruppen“ (Tawara 1906).

Diese Aufteilungen des atrioventrikulären Bündels in zwei Hauptschenkel tragen noch heute Tawaras Namen (Tawara-Schenkel).

Werke

  • Das Reizleitungssystem des Säugetierherzens. Eine anatomisch-histologische Studie über das Atrioventrikularbündel und die Purkinjeschen Fäden. Jena 1906
  • Die heutige Lehre von den pathologisch-anatomischen Grundlagen der Herzschwäche (mit L. Aschoff). Jena 1906
  • Die Topographie und Histologie der Brückenfasern. Ein Beitrag zur Lehre von der Bedeutung der Purkinjeschen Fäden. Zentralbl Physiol (1905) 70

Literatur

  • K. Suma: Sunao Tawara: a father of modern cardiology. Pacing Clin Electrophysiol 24 (2001) 88-96
  • Kodansha Encyclopedia of Japan 7 (1983) 351
  • E. J. Wormer: Syndrome der Kardiologie und ihre Schöpfer. München 1989, S. 9–16
  • Y. Fujikawa: Geschichte der Medizin in Japan. Kaiserlich-Japanisches Unterrichtsministerium. Tokyo 1911, S. 89
  • I. Fischer: Biographisches Lexikon der Hervorragenden Ärzte der letzten Fünfzig Jahre. Berlin 1932/33, Bd. 2, S. 1552
 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Sunao_Tawara aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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