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Schütteltrauma



Der rechtsmedizinische Fachbegriff Schütteltrauma bezeichnet eine Form der Kindesmisshandlung, zumeist begangen von den Eltern am eigenen Schreibaby oder Kleinkind.

Alternativ kann der Begriff allerdings auch das Ergebnis einer speziellen Form der weißen Folter bezeichnen.

Inhaltsverzeichnis

Entwicklung des medizinischen Fachbegriffs

Das Krankheitsbild wurde in rechtsmedizinischer Hinsicht erst 1974 wissenschaftlich vollständig beschrieben. Zuvor waren die verstorbenen kindlichen Opfer diagnostisch und statistisch meist unter der unzutreffenden Rubrik Plötzlicher Kindstod eingeordnet worden. Da die inneren Blutungen, Gewebe- und Knochen-Verletzungen zumeist nicht äußerlich sichtbar sind, gab und gibt es ein großes Dunkelfeld. Bleibende Verdienste erwarb sich auf diesem Gebiet die Düsseldorfer Rechtsmedizinerin und Professorin Elisabeth Trube-Becker, die mit ihren Forschungen und Aufklärungskampagnen bei Kinderärzten, Klinik-Medizinern und Medien-Öffentlichkeit Sensibilisierung für dieses Thema voranbrachte. Es wird so genannt, weil die vorfindlichen inneren Verletzungen meist vom Versuch überforderter, schlafloser Eltern stammen, ihr pausenlos schreiendes Baby zum Schweigen zu bringen, indem sie es heftig durchschütteln. Für berufstätige Elternteile fehlt es seitens der Arbeitgeber an Verständnis, wenn sie wegen schreiendem Nachwuchs um ihren Nachtschlaf kommen. Die Angst, deswegen den Job zu verlieren, kann Verzweiflung und Gewaltsamkeit gegen das vermeintlich ungezogene Kind bewirken. Symptome, die bei einem Kleinkind auf ein Schütteltrauma hinweisen können sind: Schlappheit, Schläfrigkeit, Erbrechen, Krampfanfälle oder Atemaussetzer.

Prävention

Eltern, Babysitter und andere Aufsichtsbefohlene sollten frühzeitig über die bleibenden körperlichen Folgen aufgeklärt werden, die beim Durchschütteln von Kleinkindern unversehens geschehen und die eigentlich niemand absichtlich wollen kann. Das sollte zum Standard-Programm für Geburtshilfe-Stationen und Hebammen eigentlich dazugehören. Leider verhindern zum Beispiel Sprachbarrieren bei Müttern mit Emigrationshintergrund sowie fehlende einfache Wortwahl statt Fachsprache bei Eltern aus bildungsfernen Schichten solche Aufklärung teilweise. Auch hätte man allen situativ verantwortlichen Sorgetragenden Strategien beizubringen, dass sie mit ihrer Frustration umgehen lernen, falls Beruhigungsversuche beim Baby nicht rasch erfolgreich sind. Teilweise fehlen nach wie vor für Notfälle erreichbare Ansprechpartner.[1]

Sozialmedizinische Auswirkungen

In den USA, wo es wie in der übrigen englischsprachigen Welt als Shaken baby syndrome (SBS) benannt ist, gilt das Schütteltrauma als die häufigste Todesursache bei körperlicher Kindesmisshandlung und als für die meisten langjährigen Behinderungen bei Kleinkindern und Kindern verantwortlich.

Eine kanadische Studie ergab, dass zwei Drittel der überlebenden Kinder schwere Langzeitschäden zeigen. Die Wissenschafter prüften die Daten von 364 Kleinkindern, die mit Schütteltrauma in elf kanadische Kliniken eingeliefert wurden. 19 Prozent der Kinder starben an den Verletzungen. Von den Überlebenden trugen 65 Prozent Sehprobleme davon, und 55 Prozent behielten bleibende neurologische Schäden zurück.

Literatur

  • Andreas Warkenthin: Die Datenanlage zum kindlichen "Schütteltrauma" - eine zusammenfassende Literaturbetrachtung. Berlin, Charité, Univ.-Med., Dissertation 2006. Mikrofiche-Ausgabe 2006. 4 Mikrofiches : 24x 342 Blatt : graph. Darstellungen
  • Monika Schneiders und Detlef Schröder: Das Schütteltrauma : eine häufig unbekannte Form der Kindesmisshandlung. In: Kriminalistik. Band 59 (2005), 12, S. 734 - 737 Kriminalistik-Verl. Hüthig, Heidelberg

Quellen

  1. englischsprachiger Wikipedia-Artikel
 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Schütteltrauma aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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