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Niesen




Niesen (lat. Sternutatio) ist das aufgrund eines Niesreizes über den Niesreflex ausgelöste unwillkürliche, explosionsartige Ausstoßen von Luft durch die Nase. Durch das Niesen sollen Nasensekret sowie Staub- und andere Fremdkörper aus der Nase entfernt werden. Der Niesreiz selbst wird durch eine Reizung der Nasenschleimhaut ausgelöst. Auch helles Licht kann zum Niesen führen (photischer Niesreflex).

Beim Niesen können durch Tröpfcheninfektion Krankheitserreger übertragen werden.

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Das Niesen läuft in drei Phasen ab. In der ersten Phase wird Luft tief eingeatmet. Nachdem der Atem kurz angehalten worden ist (zweite Phase), ziehen sich in der dritten Phase die Ausatmungsmuskeln des Bauches und der Brust schlagartig zusammen. Dabei wird die eingeatmete Luft durch die Nase oder den Mund wieder ausgestoßen. Die Luft kann dabei eine Geschwindigkeit bis zu 182 km/h erreichen.  

Inhaltsverzeichnis

Brauchtum

In einigen Kulturen wird aus Gründen der Höflichkeit erwartet, dass entweder der Niesende oder andere Anwesende eine Spruchformel aufsagen. Der Ursprung dieses Brauches ist bis heute nicht ganz geklärt. Eine Theorie besagt, dass die Menschen zu Zeiten der Pest glaubten, die damals todbringende Krankheit beginne mit einem Niesen. Der Aberglaube führte dann dazu, dass man den Niesenden mit einer Wunschformel vor dem möglichen Unheil bewahren wollte. Andere sehen die Wunschformel in einem indoeuropäischen Glauben begründet, dass der Mensch eine Art Luft- oder Atemseele (vgl. auch Atman) besitze; beim Niesen könne es nun passieren, dass die Seele aus dem Körper hinausgeschleudert werde, was mit einer Zauberformel verhindert werden sollte. Ein anderes Gerücht besagt, dass dieser Brauch ursprünglich dazu dienen sollte, denjenigen, der einen Wunsch wie Gesundheit ausspricht, vor Krankheit durch Ansteckung beim Niesenden zu schützen. Am wahrscheinlichsten ist jedoch, dass in der Tat gewünscht wird, dass der Niesende keine ernsthafte Krankheit erleidet, so wie es heute auch üblicherweise verstanden wird. Dieses Ritual kann jedoch auch als indiskret empfunden werden, weil dabei direkt auf das Niesen hingewiesen wird. Die neuesten "Benimm-Regeln" tragen dem bereits Rechnung. So geht man dazu über, dass der Niesende sich entschuldigt, der Anwesende jedoch den Vorfall höflich ignoriert.

Im Deutschen wünschen Anwesende dem Niesenden heutzutage üblicherweise Gesundheit!. In der Literatur ist dies erst seit der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts belegt [1]. In früheren Zeiten lautete der Spruch auch Gott helfe! bzw. helf Gott!. Wenige Menschen erwarten, dass der Niesende sich seinerseits entschuldigt, und begründen dies mit einer etwaigen Niederschrift im Knigge. In der tatsächlichen Umsetzung jedoch, hält sich das eingangs beschriebene Ritual unverändert.

Eine Entsprechung des „Gesundheit“-Sagens gibt es in der im Englischen üblichen Formel God bless you! (meist kurz Bless you!), was wörtlich übersetzt „Gott segne dich!“ bedeutet. Zuweilen hört man in den englischsprachigen Ländern auch das deutsche „Gesundheit!“. Der christliche Hintergrund lässt daher einen Zusammenhang in der Entstehung vermuten, welche auf Papst Gregor I. zurückgehen soll.

In Lateinamerika ergeht bei wiederholtem Niesen eine Kaskade von guten Wünschen: Salud („Gesundheit“) beim ersten, Dinero („Geld“) beim zweiten und Amor („Liebe“) beim dritten Mal.

In Spanien ist die Redewendung Jesús zu hören. Dies hat in dem Aberglauben, die Seele könne beim Niesen den Körper verlassen, seinen Ursprung. Jesus soll durch Aufsagen der Wunschformel dies verhindern.

In Frankreich sind solche Spruchformeln weniger üblich; immerhin kann man bisweilen ein à vos/tes souhaits „wünschen Sie sich was/wünsch dir was“ hören. Auch wird in einigen französischen Regionen erwartet, dass der Niesende selbst pardon („Entschuldigung“) nach dem Niesen sagt. In der französischsprachigen Schweiz ist - wohl nach deutschschweizerischem Vorbild - santé! („Gesundheit!“) recht verbreitet.

Im alten Rom lautete der Spruch Jupiter schütze dich, der auch vom Niesenden auf sich selbst, also im Sinne von Jupiter schütze mich, angewendet werden konnte.

In der Türkei sagt man dem Niesenden "çok yaşa!" (sprich Tschok Jascha), womit man dem Niesenden wünscht, dass er lange lebt, wörtlich "viel lebe!". Daraufhin entgegnet der Niesende "sen de gör!" (sprich ßen de göR) was wörtlich bedeutet "du auch sehe!". Hiermit wünscht der Niesende dem Anderen, dass er auch lange genug lebe um das noch mitzuerleben.

In Ostasien ist der Glaube verbreitet, dass zum Zeitpunkt des Niesens gerade an einem anderen Ort über den Niesenden gesprochen oder an ihn gedacht wird. Auf Chinesisch lautet die Spruchformel daher yǒu rén xiǎng nǐ (有人想你), was soviel heißt wie: „Jemand spricht über dich“. Dieser Glaube ist ein beliebtes Stilmittel in ostasiatischen Filmproduktionen geworden und begleitet meist humorvoll einen Szenenwechsel vom Sprechenden zum Niesenden.

Niesreflex unterdrücken

Folgende Tricks sollen bei der Unterdrückung des Niesreflexes helfen:

  • Die Zunge fest an den Gaumen drücken
  • Die Nasenspitze leicht nach oben drücken
  • Den Zeigefinger direkt unter der Nase gegen den Bereich über der Oberlippe drücken
  • Tief einatmen und die Luft anhalten.
  • Nase mit zwei Fingern verschließen und Luft in die Nase drücken (ähnlich dem Druckausgleich beim Tauchen)

Phylogenese

Neuere Forschungsergebnisse zeigen, dass der Niesreflex nicht auf höhere Säugetiere, wie den Menschen, beschränkt ist, sondern schon zu Urzeiten dazu diente, die Kiemen der im Wasser lebenden Tiere frei von Fremdkörpern zu halten. Damit könnte der Niesreflex ein sehr altes Erbe unserer Vorfahren sein, das auch im Wandel der Zeit seine ursprüngliche Funktion, das Freihalten der Atemwege, beibehalten hat.

Quellen

  1. http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemid=GG12203
 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Niesen aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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