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Caspar Schamberger



Caspar Schamberger (* 1. September 1623 in Leipzig; † 8. April 1706 ebenda) war ein deutscher Chirurg, dessen Aufenthalt in Japan dort die Verbreitung einer Chirurgie nach mitteleuropäischer Prägung zur Folge hatte.

Leben

Caspar Schamberger wurde als Sohn eines aus Franken zugewanderten Weinhändlers geboren. Nach einer Lehre in der Leipziger Chirurgengilde ging er auf eine dreijährige Wanderschaft, die ihn durch Norddeutschland, Dänemark, Schweden und schließlich in die Niederlande führte. Hier verpflichtete er sich 1643 bei der Niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC) und erreichte 1644 nach einer abenteuerlichen Überfahrt Batavia (heute Djakarta).

1649 wurde er als Chirurg nach Japan zur Handelsstation Deshima (Nagasaki) geschickt. Im Tross des Sondergesandten Andries Frisius zog er Ende jenes Jahres nach Edo (heute Tokio). Dort erregten seine Fähigkeiten die Aufmerksamkeit hochgestellter Persönlichkeiten des Hofes. Auf deren Wunsch blieb er nach Abreise der Gesandtschaft weitere sechs Monate. Auch im folgenden Jahre verbrachte er mehrere Monate in Edo. Am 1. November 1651 verließ er das Land.

Die durch Schambergers Dolmetscher Inomata Dembei schriftlich festgehaltenen Therapien stimulierten eine nachhaltige Beschäftigung einheimischer Ärzte mit westlicher Chirurgie. Die Chirurgie im Stile Caspars (kasuparu-ryu geka) war die erste chirurgische Tradition mitteleuropäischer Prägung. Fortan erfreuten sich die Chirurgen und Ärzte der Ostindischen Kompanie des starken Interesses japanischer Kollegen, die sich instruieren ließen, Bücher, Medikamente und Instrumente erwarben und nach und nach auch die nötigen Sprachkenntnisse, um eigenständig westliche Fachwerke zu lesen. Diese Aktivitäten kulminierten im 19. Jahrhundert in der „Hollandkunde“ (rangaku), welche auch andere wissenschaftliche Disziplinen einschloss und die rasche Modernisierung Japans nach der Öffnung des Landes 1868 ermöglichte. Handschriften mit Rezepten des meesutoru kasuparu (meester Caspar) wurden noch im 19. Jahrhundert kopiert und verbreitet.

Schamberger selbst wusste wohl nichts von der Nachhaltigkeit seines Wirkens in Fernost. Reich belohnt kehrte er 1655 nach Leipzig zurück, wo er das Bürgerrecht erwarb und als Handelsmann zu erheblichem Wohlstand gelangte. Mit der Karriere des Sohnes Johann Christian, der Professor der Medizin und Rektor der Universität wurde, erreichte die Familie ihren sozialen Zenith. Caspar Schamberger starb am 8. April 1706 in seiner Heimatstadt.

Quellen

  • Wolfgang Michel: Von Leipzig nach Japan. Iudicium Verlag, München 1999. ISBN 3891294425

Literatur

  • Wolfgang Michel: Schamberger, Caspar, Chirurg, Handelsmann, Japanreisender. In: Neue Deutsche Biographie, hrsg. von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Berlin: Duncker & Humblot, Bd. 22, S. 556–557. Online-Version
 
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