Meine Merkliste
my.bionity.com  
Login  

Benzin



Allgemeines
Name Benzin
Andere Namen
  • Ottokraftstoff
  • Sprit (umgangssprachlich)
UN-Nummer 1203
Gefahrnummer 33
Kurzbeschreibung farblose, phenolartig riechende Flüssigkeit (in der Schweiz nach Treibstoff-steuern grün eingefärbt)
Eigenschaften
Aggregatzustand flüssig
Molmasse ca. 80 - 110 g/mol
Dichte bei 15 °C 0,72–0,775 g/cm³
Kohlendioxidemissionen bei Verbrennung 2360 g/l
Energiedichte (volumenbezogen) 8,9 kWh/l = 32 MJ/l
Energiedichte (massebezogen) 12 kWh/kg = 43 MJ/kg
Schmelzpunkt ca. −45 °C
Siedebereich 35–210 °C (homogenes Gemisch verschiedener Kohlenwasserstoffe)
Flammpunkt > -21 °C
Zündtemperatur ca. 200–300 °C
Löslichkeit schlecht in polaren, gut in unpolaren Lösungsmitteln
Sicherheitshinweise
Hochentzündlich
F+
Hochent-
zündlich
Umweltgefährlich
N
Umwelt-
gefährlich
Explosionsgrenze 0,6–8 Vol.-%
Temperaturklasse T3
Explosionklasse II A
R- und S-Sätze R: 12-45-38-48/20/21/22-65-67-51/53
S: (2-)16-23-24-29-36/37-45-53-61-62
MAK wird für kanzerogene und mutagene Stoffe nicht vergeben
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Benzin ist ein komplexes Gemisch aus über 100 verschiedenen, überwiegend leichten Kohlenwasserstoffen, deren Siedebereich zwischen dem von gasförmigen Kohlenwasserstoffen und Petroleum/Kerosin liegt. Es wird hauptsächlich durch Raffination und Weiterverarbeitung von Erdöl gewonnen.

Es gibt verschiedene Arten von Benzinen, die sich in der Art der Zusammensetzung der Kohlenwasserstoffe unterscheiden.

Weiteres empfehlenswertes Fachwissen

Inhaltsverzeichnis

Einsatzgebiete

Die Bezeichnung Benzin ist ein Sammelbegriff. Er bezeichnet:

  • Rohbenzin (Naphtha) als unbehandeltes Erdöldestillat, wichtiger Rohstoff für die Petrochemie,
  • Test- und Spezialbenzin als Lösungs- und Extraktionsmittel in der Chemie,
  • Fahrbenzin oder Motorenbenzin für Fahrzeuge mit Ottomotoren (aus dem Rohöl destilliertes, durch Zusätze oder Additive veredeltes Benzin),
  • Flugbenzin für Flugzeuge mit Ottomotoren (Kolbenmotoren mit Fremdzündung).

Es wird daher oft auch ungenau Ottokraftstoff genannt, obwohl es auch andere, heute jedoch eher selten eingesetzte, Ottokraftstoffe gibt.

Daneben findet Benzin auch als Brennstoff Verwendung.

Herstellung

Die für Benzin benötigten Kohlenwasserstoffe werden normalerweise durch fraktionierte Destillation und Cracken in Raffinerien aus Erdöl gewonnen.

Benzin wurde in Deutschland seit den 1920er Jahren bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs wegen Erdölmangels auch aus Kohle durch Kohleverflüssigung gewonnen (Synthetisches Benzin). Der hohe Energieaufwand und der hohe CO2-Ausstoß machen das Verfahren in der heutigen Zeit meist unwirtschaftlich, wenn billigeres Erdgas oder Erdöl zur Verfügung steht. Jedoch werden auch heute in Südafrika Anlagen betrieben und weitere in der Welt geplant (siehe Kohleverflüssigung#Anwendungen in der Gegenwart).

Zusammensetzung

Die Kohlenwasserstoff-Moleküle im Ottokraftstoff enthalten 5 bis 10 Kohlenstoffatome.

Bestandteile des Normalbenzins:

  • verschiedene Kohlenwasserstoffe
  • verschiedene Ether
  • höhere Alkohole (verhindern Einspritzvereisung)
  • Phenole (gegen Benzinalterung durch Autooxidation (Oxidation an Luft))
  • Komplexbildner (verhindern, dass freie Metallionen im Benzin vorkommen)
  • Amine (Korrosionsschutz)

Für die Verwendung in Ottomotoren ist die Oktanzahl (ROZ) von Bedeutung. Die Oktanzahl ist ein Maß für die Klopffestigkeit im Motor. Je höher die Oktanzahl desto höher ist die Klopffestigkeit. Zur Veredelung des Rohbenzins werden Additive hinzugesetzt. Der Grundkraftstoff unterscheidet sich hierbei bei den verschiedenen Mineralölkonzernen nicht, er stammt häufig sogar aus derselben Raffinerie. Dem Grundkraftstoff wird dann das jeweilige Additivpaket des belieferten Konzerns beigemischt. Die wichtigsten Benzinarten sind in der Norm DIN EN 228 (siehe Kasten rechts) festgelegt.

Benzin in der Europäischen Union besteht nach DIN EN 228[1] aus folgenden Stoffgruppen:

  • Hauptbestandteil Alkane
  • max. 42 Vol.-% Aromaten
  • max. 18 Vol.-% Alkene Normalbenzin; max. 21 Vol.-% bei Super(Plus)
  • max. 1 Vol.-% Benzol
  • max. 150 mg/kg Schwefel
  • max. 2,7 Masse-% Sauerstoff
  • Die restlichen Vol.-% bestehen aus MTBE und den diversen weiter oben erwähnten Additiven.
DIN EN 228
BereichKraftstoffe für Kraftfahrzeuge
RegeltUnverbleite Ottokraftstoffe - Anforderungen und Prüfverfahren
KurzbeschreibungFestlegungen zu Mindestanforderungen und Prüfungen an Ottokraftstoff
Erscheinungsjahr3.2004
ISO -

Arten von Benzin

  • Normalbenzin (ROZ 91) (In der Schweiz, Spanien, Schweden und anderen Ländern nicht erhältlich)
  • Super(benzin)/Eurosuper (ROZ 95) (Schweiz: 'Bleifrei 95')
  • Super plus (ROZ 98) (Schweiz: 'Bleifrei 98' oder 'Super'), in der Luftfahrt unter der Bezeichnung MoGas im Einsatz
  • Shell Optimax (ROZ 99) nur bei Shell-Tankstellen, wird allerdings nach und nach ersetzt durch V-Power
  • V-Power/ultimate 100/Super 100 (ROZ 100) (nur bei Shell/Aral/teilweise OMV-Tankstellen)
  • Flugbenzin (AvGas) in den Versionen (ROZ 100) (bleihaltig) und (ROZ 130) (stark bleihaltig)
  • Testbenzin als Lösemittel und Reinigungsmittel, aromatenfrei
  • Feuerzeugbenzin in der Regel aromatenfrei
  • Leichtbenzin

Im August 2007 betrug der Preisunterschied zwischen Super und Normal in Deutschland nur noch einen Cent. Vertreter von Automobilclubs äußerten die Vermutung, dass die Mineralölunternehmen mittelfristig Normal abschaffen wollten, um mehr Erlöse und weniger Kosten zu haben. Mineralölunternehmen wiesen diesen Vorwurf als unbegründet zurück.[2] Dennoch hat seit Ende November 2007 Normalbenzin und Superbenzin an vielen Tankstellen den gleichen Preis. [3]


Etymologische Herkunft

Der ursprüngliche Name stammt von dem arabischen Wort luban dschawi – „Weihrauch aus Java“. Dieser Begriff gelangte durch arabische Handelsbeziehungen mit Katalonien nach Europa. Mit dem Wegfall der ersten Silbe und der Änderung des ersten a zu e entstand im Italienischen benjuì, im Mittellateinischen benzoë, woraus sich das deutsche Wort Benzol entwickelte.

1825 entdeckte Faraday die später Benzol genannte Verbindung in geleerten Gasflaschen, er nannte sie damals bicarbure d'hydrogène, bevor sie von Eilhard Mitscherlich in Benzin umbenannt wurde. Er bezeichnete damit allerdings unser heutiges Benzol. Mitscherlich benannte den Stoff nach dem von ihm benutzten Ausgangsstoff, dem Benzoeharz. Die Zuordnung zu unserem heutigen Benzin geschah durch Justus von Liebig.

Die Bezeichnung Benzin steht demnach (wie manchmal irrtümlich angenommen) in keinem Zusammenhang mit dem Motorenbauer Carl Benz.

Bleifrei

Bleifrei heißt eine Motorenbenzinsorte, wenn ihr keine bleihaltigen Klopfschutzmittel zur Verbesserung der Oktanzahl zugesetzt wurden.

Bleifreies Normalbenzin (91 Oktan) wurde 1984 in Deutschland wieder eingeführt, Super bleifrei (95 Oktan) 1985, als die PKW zunehmend mit Katalysatoren ausgerüstet wurden. Ebenfalls 1985 führte die Schweiz Bleifrei 95 anstelle vom verbleiten Normalbenzin (95 Oktan) ein, 1993 wurde „Super Plus“ (98 Oktan bleifrei) eingeführt.

1988 wurde der Verkauf von verbleitem Normalbenzin in Deutschland verboten; ab 1996 verzichtete die deutsche Mineralölindustrie auf den Verkauf von verbleitem Superbenzin. Das verbleite Super (98 Oktan) wurde in der Schweiz bis 1999 verkauft. Seit dem Jahr 2000 darf in der EU kein verbleiter Ottokraftstoff mehr angeboten werden.

Preisentwicklung

Fußnoten

  1. DIN EN 228 (abgerufen 24. Januar 2007)
  2. n-tv.de, "Unverschämtes Abkassieren" - Normalbenzin vor dem Aus?, 13. August 2007
  3. stern.de, "Super- und Normal kosten gleich viel", 30. November 2007

Siehe auch

  • Entwicklung der Ottokraftstoffe
  • V-Power
  • Erdölraffinerie
  • Dieselkraftstoff
  • Testbenzin
  • Alkylatbenzin
  • Leichtbenzin
  • Energiesparende Fahrweise
 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Benzin aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
Ihr Bowser ist nicht aktuell. Microsoft Internet Explorer 6.0 unterstützt einige Funktionen auf Chemie.DE nicht.