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Adhärenz




Adherence (engl. für Festhalten, Befolgen), im Deutschen auch Adhärenz, bezeichnet in der Medizin die Einhaltung der gemeinsam von Patient und Arzt gesetzten Therapieziele. Der Begriff ersetzt im angelsächsischen Sprachraum zunehmend den Begriff Compliance (engl. für Einverständnis, Einhalten, Willfährigkeit, Fügsamkeit) in der Medizin. Dieser bezeichnet die Einhaltung der Therapievorgaben durch den Patienten und repräsentiert eine veraltete Sicht, wonach die Verantwortung für einen Therapieerfolg oder Therapieversagen einseitig beim Patienten liegt. Auch im deutschen Sprachgebrauch gewinnt der Begriff der Adhärenz zunehmend an Bedeutung.

Besondere Bedeutung hat die Adhärenz in der antimikrobiellen und antiviralen Therapie, zum Beispiel bei der HIV Therapie. Hier kann mangelnde Adhärenz nicht nur zum individuellen Therapieversagen führen, sondern auch zu Resistenzen der Erreger gegen Medikamente.

Grundlage einer erfolgreichen Therapie ist die Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse des Patienten, sowie die Berücksichtigung von Faktoren, die es dem Patienten erschweren, das Therapieziel zu erreichen.

Inhaltsverzeichnis

Faktoren, die die Adhärenz beeinflussen

Mehrere Studien belegen, dass Depressionen, sowie andere psychiatrische Erkrankungen einen negativen Einfluss auf die Adhärenz haben. Drogen- und Alkoholmissbrauch sind ebenfalls negative Faktoren. Das Alter der Patienten scheint kein eindeutiger Parameter zu sein. Einige Studien ergaben jedoch niedrigere Adhärenzraten bei jüngeren Patienten. Einkommen und Bildung scheinen keinen signifikanten Einfluss auf die Adhärenz zu haben. Sozialer Rückhalt, zum Beispiel in Form von Angehörigen, die an die Medikamenteneinnahme erinnern, fördert die Adhärenz. Hingegen scheint das Verheimlichen der Erkrankung die Medikamenteneinnahme zu erschweren. Die Zahl der täglich einzunehmenden Medikamente hat einen negativen Einfluss auf die Adhärenz. Nebenwirkungen senken ebenfalls die Adhärenz. Der Glaube an die Wirksamkeit der Medikamente und an die eigenen Fähigkeiten, die Medikamente regelmäßig einzunehmen, führt meist zu einer höheren Adhärenz. Ein Unterschied in der Adhärenz zwischen männlichen und weiblichen Patienten konnte nicht eindeutig erfasst werden. Schwangerschaft und Erziehungsverantwortung jedoch scheinen die Adhärenz zu verringern.

Letztendlich kann jedoch die Adhärenz des einzelnen Patienten nicht vorhergesagt werden. Ärzte lagen in einer Studie mit ihrer Einschätzung der Adhärenz des Patienten zu 41 % falsch.

Methoden zur Messung der Adhärenz

Gängige Methoden zur Adhärenzbestimmung in Studien sowie zur Therapieverlaufskontrolle sind: Elektronisches Monitoring, Selbsteinschätzung des Patienten mit Fragebögen, „Pill count“ sowie Levelbestimmung des Medikamentes im Blut. Die genauesten Werte werden wahrscheinlich durch elektronisches Monitoring erreicht. Hier werden elektronische Geräte benutzt, die aufzeichnen, wann die Medikamentenschachtel geöffnet wird. Nachteilig sind jedoch die hohen Kosten sowie die notwendige Einweisung des Patienten in den Gebrauch. Letzteres kann zur Unterschätzung der Adhärenz führen. Beim „Pill count“ werden die Tabletten gezählt, die der Patient noch nicht eingenommen hat. Die Adhärenz wird nach der Formel (Summe der ausgegebenen Tabletten – Summe der zurückgebrachten Tabletten) / Summe der verschriebenen Tabletten errechnet und in Prozent ausgedrückt. Die genaue Zeit der Einnahme kann mit dieser Methode nicht bestimmt werden, und die Adhärenzwerte scheinen methodisch etwas erhöht zu sein. Die Patientenbefragung ist die gängigste Methode zur Adhärenzbestimmung. Jedoch scheinen Patienten ihre Adhärenz zu überschätzen, und die Angaben für längere Zeiträume werden schnell ungenau. Genauere Werte lassen sich durch Medikamentenbestimmung im Blut erreichen. Diese Methode ist jedoch kostenintensiv und gibt lediglich Aufschluss über den Zeitraum, in der die Substanz noch nicht ausgeschieden oder verstoffwechselt ist.

Adhärenz in der antiviralen HIV-Therapie

Auf Grund der hohen Mutationsrate und der Wandlungsfähigkeit des HI-Virus ist eine regelmäßige Einnahme der antiviralen Medikamente maßgeblich für die Unterdrückung der Virusreplikation und der Verhinderung von Resistenzbildungen. Die Konsequenzen unregelmäßiger Medikamenteneinnahme sind für den Patienten schwerwiegend: Die Viruslast steigt an und führt zu einer Schwächung des Immunsystems (Abnahme der CD4+ Zellen). Niedrige Adhärenz kann daher zur Manifestation von Aids führen. Ein Anstieg der Viruslast steigert zudem die Ansteckungsgefahr. Medikamentöse Resistenzen machen den Einsatze anderer Medikamente notwendig: Die Therapie wird dadurch meist teurer und aufgrund der hohen Tablettenzahl auch eine größere Belastung für den Patienten. Da Resistenzen auch übertragbar sind, kann die Adhärenz des Einzelnen auch Konsequenzen für die zukünftige Therapie vieler Menschen haben. Man geht davon aus, dass für eine maximale Unterdrückung des Virus eine Adhärenz von mindestens 95 % notwendig ist. Studien zufolge nehmen zwischen 47 % und 79 % der Patienten mehr als 95 % ihrer antiretroviralen Medikamente – abhängig von der Messmethode und vom Patientenkollektiv.

Siehe auch

Compliance (Medizin), Patient-Arzt-Beziehung, Informierte Einwilligung,

 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Adhärenz aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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