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EHEC - Wenn E. coli zur Bedrohung wird

Dr. Björn Lippold
CHEMIE.DE Information Service GmbH

EHEC – diese bis vor kurzem der Allgemeinheit praktisch unbekannte Abkürzung hat in den letzten Tage traurige Berühmtheit erlangt. Enterohämorrhagische Escherichia coli, wie EHEC ausgeschrieben heißt, ist eine gefährliche Variante des eigentlich harmlosen Darmbakteriums Escherichia coli.

Escherichia coli

Escherichia coli gehört zur normalen Darmflora und ist normalerweise völlig harmlos. Außerhalb des Darms kann das Bakterium jedoch Infektionen auslösen

Auch gibt es Stämme des Bakteriums die pathogen (krankheitsauslösend) sind. Dabei werden mehrere Subtypen von pathogenen E. coli unterschieden:

  • enterohämorrhagische E. coli (EHEC)
  • enteropathogene E. coli (EPEC)
  • enterotoxische E. coli (ETEC)
  • enteroinvasive E. coli (EIEC)
  • enteroaggregative E. coli (EAEC)
  • diffus adhärente E. coli (DAEC)

Infektionen mit den gefährlichen Varianten von E. coli führen üblicherweise zu Durchfallerkrankungen.

Der böse Bruder: EHEC

Manfred Rohde, Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

Elektronenmikroskopische Aufnahme von EHEC

Die EHEC-Variante von E. coli produziert mit dem so genannten Shiga-Toxin ein Zellgift, das im Darm Entzündungsreaktionen und somit schwere Erkrankungen auslösen kann. Der Erreger kann leichte bis schwere, blutige Durchfallerkrankungen auslösen. In besonders schweren Fällen führt dies zum hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS).

EHEC ist im Verdauungstrakt von Ziegen, Schafen oder Rindern zu finden und führt bei diesen Tieren nicht zu einer Erkrankung. Durch den Kot der Tiere wird auch das Bakterium ausgeschieden, das relativ unempfindlich ist und daher auch außerhalb des Darms lange überleben kann. So kann der Erreger auch in Gülle, die zur Düngung verwendet wird, enthalten sein. Ein anderer Weg in die Nahrungskette sind Rohmilchprodukte oder kontaminiertes Fleisch. Mit dem Erreger infizierte Menschen scheiden den EHEC-Keim ebenfalls aus.

Große Hitze ist für das Bakterium tödlich, so dass Kochen oder Braten den Erreger abtötet. Aus diesem Grund hat das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) Verbraucherrichtlinien herausgegeben, um sich durch geeignete Maßnahmen bei der Lebensmittelzubereitung zu schützen.

HUS – Das hämolytisch-urämische Syndrom

Eine besonders schwere Erkrankung, die eine EHEC-Infektion auslösen kann, ist das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS). Bildung von Blutgerinnseln, Auflösung roter Blutkörperchen und akutes Nierenversagen drohen und können im schlimmsten Fall zum Tode führen.

Während die BfR in Deutschland jährlich ca. 900 Fälle des hämolytisch-urämische Syndroms verzeichnet, gibt es bei der aktuellen Infektionswelle bereits über 1000 potentielle Fälle einer EHEC-Infektion und  mehr als 10 Tote.

Heilung in Sicht

Hilfe beim hämolytisch-urämischen Syndrom verspricht der Einsatz des monoklonalen Antikörpers Eculizumab. Dieser verhindert die zerstörerischen Immunreaktionen, die zum Krankheitsbild führen. Wissenschaftler in Heidelberg, Montreal und Paris haben die Behandlung in drei Fällen erfolgreich genutzt und ihre Ergebnisse im New England Journal of Medicine veröffentlicht.

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